Lektürentagebuch 1.3.26
Bei Buddenbrooks starb im Mai nun
Sechzigjährig Onkel Gotthold nach
Einer Nacht mit Herzkrämpfen leidend
In Gegenwart seiner vier Damen
Also seiner Töchter wie seiner Gattin
Die er nie hätte heiraten sollen und
Thomas Buddenbrook den ein Bote
In der Mengstraße benachrichtigte
Christian war nicht mitgegangen da
Erst spät aus dem Club zurück sich
Nicht danach fühlte und so leistete
Thomas allein den Familiendienst
Der ältere Sohn des Konsuls hatte
Sich ganz in sein Schicksal gefügt
Halsbonbons aus einer Blechdose
Gegessen statt Familienzwist
Gerne hatte er für eine Zeit dann
Das Konsulat der Niederlande das
Thomas ihm anbot übernommen
Sich aus dem Zwist herausgehalten
Anders dagegen seine Töchter die
An den überlieferten Kindertagen
Stets Gift gegen Tony oder Christian
Sprühten um festzustellen wie ähnlich
Die kleine Erika doch rosig wie sie sei
Dem Betrüger Grünlich wäre oder
Gegen Klothilde neidvoll gifteten beim
Mittagessen und dem Tee danach
Gegen den guten Tom fanden sie
Nichts aber dafür schnell heraus
Dass es zwischen ihm und Christian
Nicht zum besten mehr stünde
Als Tom des Nachts am Sterbebett
Seines Onkels eintraf aber standen
Sie nur weinend um dieses während
Tom über seinen Onkel nachdachte
Wie wenig gut er es gehabt hätte
Aber es sich mit seiner Eigenwilligkeit
Den Laden zu heiraten auch unnötig
Schwer im Leben gemacht hätte
Wie es eben ihre Pflicht auch sei
Rücksicht zu nehmen auf all die
Gewohnheiten ihrer kleinen Stadt
Statt einfach eine Stüwing zu heiraten
So dachte Tom am Sterbebett seines
Onkels noch und wie die Dinge so
Lagen wurde er dann eben königlich
Niederländischer Konsul wie der Vater
Tony war erfreut und stolz wieder das
Wappen des Konsuls am Haus in der
Mengstraße zu sehen und freute sich
Während Thomas auf Reisen ging
Nach Amsterdam und damit in die
Niederlande fuhr der frischgebackene
Konsul der sich gerade am Sterbebett
Seines Onkels Gedanken zur Ehe
Noch gemacht hatte und so deutet
Mann schon an was von dieser Reise
Die unklar wie lange dauern sollte
Möglicherweise zu erwarten ist
Das ist eine wunderbare Inszenierung
Dessen was nun kommen wird was
Im Sinne der Tradition von Thomas
Als Erben der Firma zu erwarten ist
Im Zauberberg wendet sich der durch
Den Schlingel oder wie Settembrini es
Sagen würde Schalk Hans Castorp
Wie Clawdia wieder völlig versöhnte
Pepperkorn an seine Tafelrunde wo
Demoralisation Lethargie Stumpfsinn
Um sich griff und die Gäste Allotria
Trieben wie eine Klasse ohne Aufsicht
Mehrere waren am einschlafen da
Ergriff Pepperkorn die Zügel wieder
Rief die Herrschaften mit erhobenem
Zeigefinger als Lanze Degen Fahne
Zur Aufmerksamkeit wieder was klang
Wie mir nach wer keine Memme ist
Sofortige Wirkung der Straffung zeigte
Er nannte alle und hielt zum Dienst an
Er sprach Worte zu seinen Gästen
Deren Undeutlichkeit durch die Größe
Seiner Persönlichkeit ausgeglichen
Zwingende Macht ausübten
Das Fleisch beginnt er es sei nun mal
Unterbricht sich mit erledigt erlaubt
Sich dann doch schwach zu sagen
Aber er appelliere an sie eindringlich
Der Schlaf den er ehre sei eine der
Klassischen Lebensaufgaben doch
Sollten sie sich Gethsemane erinnern
Wozu er die biblische Stelle zitiert
So waren alle tief ergriffen das etwa
Frau Stöhr schluchzte Frau Magnus
Seufzte während sich Staatsanwalt
Paravant zum Widerwort genötigt sah
Dies sei ein Irrtum alle seien noch
Frisch und munter flott fidel und bei
Der Sache mit Herz und Sinn es sei
Ein außerordentlicher Abend doch
Niemand denke bisher an Schlaf er
Könne sich auf seine Gäste verlassen
Worauf Pepperkorn perfekt vorzüglich
Ausruft und Champagner bestellte
So verwandelte sich seine großartige
Physiognomie von gotisch Schmerz
Verzerrt zu üppig blühend heiter sogar
Ein sybaritisches Grübchen zeigt sich
Die Sybariten waren im antiken
Griechenland für Wollust und Völlerei
Wie ihren Hang zum Luxus bekannt
Was hier gerade wunderbar passt
Zum Champagner gibt es dann noch
Leckereien die Gäste zu verzücken
Statt zu spielen gaben sie sich dem
Seligen Nichtstun nun hin wozu sie
Zusammenhanglos schwätzten was
Zwar voller Gefühl aber dank genug
Rausch ein völlig unverständlicher
Galiamathias Kauderwelsch wurde
Da alle im gleichen Zustand störte
Sich keiner daran herrlich werden
Die trunkenen Bekannten beschrieben
Wie was noch alles dazu kommt
Pepperkorn Hans und Clawdia sind
Bei einem Schweizer naiv spritzigen
Roten angekommen den die große
Persönlichkeit becherweise säuft
Noch bis 1 Uhr dauert die Festsitzung
Dabei waren die Männer wesentlich
Erschöpfter als die Frauen noch die
Teils auf Schößen Platz nahmen
Pepperkorn zeigt sich dabei in jede
Ihm nah kommende Weiblichkeit
Verliebt küsste zwischendurch auch
Clawdia immer wieder die Hand
Gegen zwei Uhr kam die Nachricht
Hofrat Behrends nähere sich in Gewaltmärschen worauf Panik
Ausbrach und die Flucht begann
Pepperkorn bekam erst wieder einen
Königlichen Koller wurde dann aber
Von Hans und Clawdia beruhigt dass
Es ohnehin einmal enden müsse
So willigte er ein sich ins Bett bringen
Zu lassen von den beiden für das gute
Labsal des Schlafes und die Orgie
Endet nach sechs Stunden schnell
Wortwahl und Inszenierung dieser
Szene durch Thomas Mann ist von
So viel Humor und Ironie getragen
Dass ich wieder lachend es las
Kenne keinen so meisterhaft elegant
Ironischen Autor wie Mann der auch
Ein Besäufnis noch mit kultureller
Eleganz bürgerlich komisch macht
In Joseph und seine Brüder kam nun
Die Szene in der das Gift das Dûdu
Der gehässige Zwerg dem Potiphar
Einträufelte langsam doch wirkte
Der Zwerg ist dem Herr des Hauses
Eigentlich zuwider der sich durch
Dessen Rede von Ehre genervt fühlt
Diese Gefühle hatte er als Eunuch
Nicht wirklich er fand es einfach lästig
Sich damit zu beschäftigen doch war
Der kluge Mann nicht ahnungslos
Schon der Wunsch von Mut die
Joseph vom Haus entfernen wollte
Hatte ihm gezeigt welche Gefahr
Drohte zumal er nach seiner Natur
Muts Bedürfnisse nicht befriedigte
Darüber wie gefährlich unbefriedigte
Frauen für die männliche Ruhe sind
Könnte lange philosophiert werden
Besser aber ist es dies zu in lassen
Die Gefahr die von unzufriedenen
Männern ausging war historisch
Vermutlich meist größer dabei aber
Sind Eunuchen deutlich im Vorteil
Was der Zwerg über Joseph sagte
Der weil unverheiratet und zugleich
Nicht kastriert eine Gefahr wäre
Hätte er lieber weiter verdrängt
So hatte er der eigentlich eher
Niemanden hasste nun einen
Tiefen Hass auf den nervigen Zwerg
Der seine Ruhe störte damit
Auch die Andeutung eines
Verrats den Mut und Joseph
Begangen haben könnten fand
Er als nervige Ruhestörung
Der keine Bedürfnisse dieser Art
Kannte wie Eifersucht musste sich
Mit lächerlicher Ehre beschäftigen
Was herrlich ironisch beschrieben
Der Tropfen des widerlichen Dûdu
Hatte anders noch gewirkt als dieser
Es geplant und gedacht hatte aber
Wirkte und störte damit die Ruhe
Nachdem die wunderbar böse hier
Als strunzdumme Handwerker von
Mann in Potiphars Gedanken dabei
Beschriebenen Masseure weg sind
Ruft er den Zwerg näher zu sich
Weil er was er zu sagen hätte doch
Kaum laut brüllen wolle darum nun
Sagen solle was wirklich los sei
Die schlichte biblische Geschichte
Wird hier mit viel Gefühl für die
Emotionalen Details nach der je
Unterschiedlichen Natur erzählt
Wie immer so gerne ironisch
Plaudert Mann dabei und lässt
Den Verräter unangenehm dumm
Dastehen während der genervte
Potiphars mit großer Weisheit
Darüber nachdenkt wie er aus
Dieser lästig unangenehmen Situation
Noch möglichst heil herauskommt
Ein kurzer Abschnitt von vielleicht
Vier Seiten offenbart so viel an
Menschenkenntnis wie Humor im
Umgang mit Sexualität dazu
Ein Eunuche der gerne seine
Ruhe haben möchte fühlt sich
Durch Intrigen die er durchschaut
Eigentlich nur gestört und belästigt
Er hat Verständnis für die Bedürfnisse
Seiner Frau wie seines Vorstehers
Aber fühlt sich dadurch belästigt
Darum muss er nun darauf reagieren
Schon die Begrüßung mit der er
Den Zwerg näher ruft zeugt von
Humor in dieser Situation noch
Bestätigt ihn als Sittenwächter
Aber tut dies mit der Betonung
Dass niemand ihn zu diesem Amt
Berufen hätte erniedrigt also Dûdu
Den er vorher nur der da nannte
Hintergründig klug bereitet Mann
So den Gipfel der Intrige vor und
Lässt Potiphar dabei gut aussehen
Als einen der seine Ruhe will
Der Witz und die Tiefe auch in der
Kleinsten Konversation noch die
Psychologisch klug dabei über das
Menschliche nachdenkt ist genial
jens tuengerthal 1.3.26
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