Fernstenliebe II
Als ich am 21.12. noch von der
Fernstenliebe dichtete war sie
Bloß theoretisch weil die Liebste
Relativ nah für Monate noch war
Nun im Frühling wurde es praktisch
Wir sehen uns vermutlich erst im
Juni wieder und schreiben uns
Bis dahin voller Liebe täglich
Finde es immer noch viel intensiver
Als alle Versuche in der Realität
Die gewöhnlich ernüchtert enden
Wenn sich Träume nicht erfüllen
Sehnsucht in die Ferne enttäuscht
Viel weniger Erwartungen mit der
Realen Unvollkommenheit warum
Dante sie so erfolgreich betrieb
Als Neunjähriger sah er Beatrice
Einmal in Florenz danach blieb sie
Ewiger Traum und starb früh was
Der Idealisierung Vorschub leistete
In Vita Nova beschreibt Dante so
In Versen und in Prosa auch jene
Reinigende Kraft der Liebe zu
Seiner idealen Liebe und Muse
Dafür führt die früh verstorbene
Beatrice Dante dann in seiner
Göttlichen Komödie im Paradies
Wo sie von Vergil übernimmt
Der Traum dieser Liebe war der
Grund warum Dante seine Reise
Ins Jenseits überhaupt antrat so
Wird die ferne Liebste zum Ideal
Real war sie ja da einfach tot
Schon länger nicht mehr sondern
Ein elend verfaulter Rest nur der
Eher gruselig als schön noch war
Spirituell überhöht noch dem alten
Aberglauben der jüdischen Sekte
Genannt Christentum verbunden
Gibt seine Muse ihm Grund zu sein
Kritisch aufgeklärt also aus der
Unmündigkeit des Aberglaubens
Befreit liegt mir aller Hokuspokus
Der sich spirituell nennt eher fern
Dennoch scheint mir diese Liebe
Zur fernen Liebsten als Dichter
Geradezu ideal und vollkommen
Weil ich sie nicht täglich ertrage
Die allerliebste Muse wird auch
Gerne nicht nur geistig verehrt
Sondern wenn mal da auch ganz
Konkret mit Lust dabei gevögelt
Theorie und Praxis ergänzen sich
In unserer Konstellation vollkommen
Der Geist findet erstmals sein Echo
Unser Sex am Ende langer Nächte
Falls zufällig noch irgendwem der
Beteiligten etwas absteht oder sonst
Bereitschaft signalisiert nach unserer
Je Natur ist so ziemlich vollkommen
Nenne diese Liebe ohnehin lieber
Unvergleichlich was alle weiteren
Fragen dazu ausschließt alles was
Bleibt und ist vollkommen findet
Die Chance zu haben von den
Alltäglichen so gewöhnlichen
Umständen nicht behelligt zu
Werden hilft zu idealisieren
Wenn dir dann bei Gelegenheit
Die Liebste noch schreibt wie
Wunderbar sie einschlief in der
Ferne nachdem sie sich selbst
In Gedanken mit mir befriedigte
Denke ich der Olle Dante war
Doch ein armer Hund verglichen
Und fast denke ich an Peter Maffay
Der sang noch … und sie war 17
Und es war das erste mal was
Heute schon eher nach Phantasie
Klingt als wirklich zu berühren
Nun als ich neun Jahre alt war
Wie Dante als er seine Beatrice
In Florenz nur sah bei der es dann
Zoom bei ihm machte war sie 17
Zumindest so ungefähr und der
Rest ist Dichtung und Wahrheit
Denke ich als heutiger Dichter
Der damit sein Ideal gefunden
Da kann ich in Ruhe geduldig sein
Auf die zweimal drei Monate im Jahr
Mehr oder weniger jedenfalls in
Denen wir Dante viel voraus haben
Das nur halbe übrige Jahre wird dann
In zweimal drei Monate separiert noch
Geteilt was lächerlich wenig scheint
Das dann Glück zu genießen
Habe als Dichter der sich niemals
Amaßte auf Dantes Spuren zu sein
Es ganz konkret viel besser als er
Da gilt es die Zeit voller Sehnsucht
Mit Versen in die Ferne zu nutzen
Von denen sie sich liebkost fühlt
Wie der Rest zumindest amüsiert
Der Dichter ist im Paradies schon
Dies ohne darum alle Versuche
Vorher als Form von Hölle gleich
Benennen zu wollen es genügt ja
Die Gegenwart so zu genießen
Wohin auch immer Futur oder das
Plusquamperfekt uns noch ganz
Konkret verführen wollen sage ich
Am Ende einfach es ist was es ist
jens tuengerthal 24.2.26
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