Lektürentagebuch 30.3.26
In der Verfeinerung der Deutschen
Erfahren dass Luther das Gros der
Deutschen für unfähig hielt das Leben
Aus eigener Einsicht zu meistern
Welch Unterschied zu Kant denke ich
Der zumindest die Möglichkeit der
Befreiung aus der Unmündigkeit in
Betracht zog durch Aufklärung
Die Probleme des Zusammenlebens
Wollte er mit Obrigkeit und Gehorsam
Lieber lösen weil die Kirche zu lasch
Sei suchte er Kontakt zu den Fürsten
Darum sei sein wichtigstes Buch die
Streitschrift an den christlichen Adel
Deutscher Nation worin er Fürsten rät
Wie sie die Bauern gängeln sollten
Diese thematisiert auch das dann
Nötige Priestertum aller Gläubigen
Was in keinster Weise logisch ist
Aber ist ja auch nur Aberglaube
Warum wir uns dem albernen Thema
Mit größerer Intensität widmen als
Vernünftigerweise angemessen wäre
Liegt an seiner kulturhistorischen
Bedeutung für das Leben vieler
Die nach deren Geboten lebten
Den vielen europäischen Kriegen
Um Macht und wahren Aberglauben
Sollte dringend Verse wider das
Noch immer Glücksspiel des alten
Aberglauben zu Lasten der Vernunft
Schreiben was als nächstes folgt
Dazu wettert Luther gegen den Papst
Wie die gierigen Prälaten je länger er
Daran schrieb desto autoritärer wurde
Die Orgie von Geboten und Verboten
Nach dem Papst schimpfte er gegen
Den Humanismus und allen Luxus
Wollte alle Wallfahrten nach Rom
Verbieten da daher das freie Leben
Was aller Laster Anfang wäre käme
Reisen seien zu teuer und verdürbe
Rom die Leute nur es schien als ob
Freies Leben sein Horrorbild war
Alle Feste und Feiertage sollten
Gestrichen werden soweit sie nur
Der Erholung noch dienten gerade
Die unteren Schichten bräuchten
Viel weniger Freizeit um dafür mehr
Den sündigen Leib zu kasteien und
Ein asketisches Leben mit Gott zu
Führen jede Wallfahrt verbieten
Alle Kirchweihfeste sollten künftig
Gestrichen werden so seien die
Die Deutschen großteils Faulpelze
Wie Lotterleute forderte er streng
Wer dabei an Merz denkt oder das
Aktuell jammernde Deutschland
Dürfte damit nicht allein sein
Wagt der Flaneur zu vermuten
So wollte der Mönch einfach nicht
Wahrhaben dass das Fleisch eben
Schwach ist und machte darum sich
Das Leben so schwer wie möglich
Als Augustinereremit kam er aus
Einem Militärisch strengen Orden
Alles in der Welt sollte so straff und Zackig organisiert werden künftig
Auf alles überflüssige sollte darum
Künftig besser verzichtet werden
Ihm fehlte jede Gelassenheit die
Menschliche Fehler natürlich fand
Die Wallfahrtsorte wie Wilsnack
Trier und andere wollte er alle
Am Boden zerstören lassen
Er ließ richtig Dampf dafür ab
Wollte alle Bruderschaften die
Ablassbriefe vertrieben und
Ähnlichen Unsinn am liebsten
Gleich ersäufen und umbringen
Die Lehre an den Hochschulen
Wollte er strenger begrenzen
Die Heilige Schrift sollte dabei der
Maßstab sein Erkenntnis war Sünde
Die Augustinereremiten warnen vor
Zu großer weltlicher Erkenntnis die
Nur von Gott ablenken Glaube wie
Gehorsam mit Einfalt und Tugend
Waren der wichtigere Maßstab für
Die Menschen entsprechend wollte
Er so gut wie alle Bücher des blinden
Heidnischen Meisters Aristoteles auch
Lieber verbieten lassen und wollte nur
Rhetorische Bücher noch erlauben
Darum hielt er Ethik auch für ein ganz
Wichtiges und zentrales Schulfach
Er predigte auch Enthaltsamkeit von
Allem Luxus da Gott mit der Natur den
Menschen genug gegeben hätte seien
Mode Feinkost und Gewürze Sünde
Schuld daran waren für ihn die bösen
Kaufleute und er sah nichts Gutes
Was durch sie ins Land noch kam
Das größte Unglück aber sei der
Zinskauf warum er den Fuggern
Wie ähnlichen Leuten gerne einen
Zaum ins Maul legen würde wie er
Es sagte und predigte Sparsamkeit
Rückzug Bescheidenheit wie gute
Deutsche Sparsamkeit sollten so
Die Existenz dauerhaft sichern was
Zeigt woher das Elend einst kam
Dazu baute der ehemalige Mönch
Noch veritable Feindbilder auf aus
Päpsten Prälaten Kaufleuten Bankiers
Städte und Luxus noch dazu
Er ersparte sich jede nüchterne
Analyse der wahren Zustände
Lobte nur die Fürsten über alles
Ersparte ihnen auch alle Kritik
Es scheint als gehöre auch der
Kulturpessimismus als Korrektiv
Zum Kulturoptimismus dazu wären
Beide voneinander auch abhängig
Auch Sokrates und sein Schüler
Platon Predigten Enthaltsamkeit
Statt Luxus und Genuss war das
Was Spaß machte unbedeutend
Noch stärker als Platon und Stoa
Wetterte das Christentum gegen
Freiheit Lust und Glück auf Erden
Sinnenfreude galt als schwächlich
Spätantike und Mittelalter dann
Verbannten die sexuelle Wollust
Wie die kulinarische als Sünde
Zulässig war nur ehelicher Sex
Allein zum Zweck der Fortpflanzung
Freude oder Lust daran aber waren
Eine schlimme Sünde die bestraft
Wollust war eine der 7 Todsünden
Dagegen sieht der britische Philosoph
Simon Blackburn die Wollust heute
Als etwas grundsätzlich positives an
Unterstellt den Gegnern der Lust
Einen verkürzten Naturbegriff weil
Diese nicht nur Fortpflanzung als
Zweck verfolge sondern durch Wonne
Der Wollust Menschen näher bringt
So vermittle sie ein Stück irdischer
Freude wer guten Sex will muss
Dafür nett charmant und lieb sein
Wie um den anderen auch werben
Dazu zeigen wir uns dann auch
Von unserer besten Seite auch muss
Die Wollust nicht zum Exzess werden
Aber auch der Kontrollverlust kann
Als große Freiheit willkommen sein
Die Momente von Ewigkeit schenkt
Das Gefühl von Einssein vermittelt
Gern auch mit geistiger Freundschaft
Manche haben eine Neigung zur
Askese und Enthaltsamkeit die im
Weniger volle Erfüllung findet aber
Andere finden sie eher miteinander
Noch vor den ersten Text endlich
Von Curzio Malaparte über das
Lob des guten Italieners noch
Das Vorwort dazu von Jost Welge
Der Text ist dem unter dem Namen
Italia Barbara 1925 erschienenen
Band entnommen der pikant genug
Vom Antifaschisten Piero Gobetti
Noch herausgegeben auch wenn er
Sich dort klar als Faschist zeigt ist
Gobetti Malaparte freundschaftlich
Eng verbunden er präsentiert ihn
Als stärkste Feder des Faschismus
Damit als Buch eines Feindes dabei
Vertritt Malaparte die Ansicht dass
Italien seinen eigenen Weg geht
Italien sei barbarisch katholisch
Antiliberal und antimodern und
Soll auch genau so sein dabei
Wird Mussolini zur Reinkarnation
Des Ignatius von Loyola auch wenn
Der Begründer der Gesellschaft Jesu
Oder auch SJ denn Jesuiten also
Ein im Baskenland geborener war
Er ist da noch voll dem Faschismus
Verhaftet und rechtfertigt auch den
Marsch auf Rom in Oktober 1928
Als eine Art italienische Revolution
Im Erscheinungsjahr des Bandes
Italia Barbara wird Mussolini als
Diktator ausgerufen dabei ist ihm
Die neue Regierung zu liberal
Die Verteidigung des barbarischen
Italieners beruht auf dem Verständnis
Des Risorgimento der nationalen
Einigungsbewegung unter Garibaldi
Auch Mussolini sah sich in der
Tradition von Garibaldi noch der zum
Nationalen Helden stilisiert wurde
Er wendet sich gegen die Liberalen
Malaparte unterscheidet dabei zwei
Sorten Italiener den guten Privatmann
Und den sich überall einmischenden
Profiteur bezieht sich dabei auch auf
Die 5 Tage von Mailand als die Stadt
Von Radetzky belagert wurde aber
Die Bürger sie heldenhaft nochmal
Verteidigen konnten gegen Austria
So ist das Lob des guten Italieners
Noch deutlich eine frühe Schrift die
Der Verteidigung des Faschismus
Als wahre Bewegung dienen sollte
Damit als Leser gut vorgewarnt
Bin ich gespannt auf die Lektüre
Irgendwann in den nächsten Tagen
Wohin meine Laune halt greift
Am 28. April also zwei Tage bevor
Er starb schliefen sie noch ein letztes
Mal zusammen erzählt Siri Hustvedt
In ihren Ghost Stories wie es dazu
Kam und was dabei passierte ist
Eine feine zärtliche Liebesgeschichte
Wie sie immer wieder aufwachte
Schaute ob Paul Auster noch atmete
So wie sie es bei Sophie einst machte
Diese es nun bei Miles selbst macht
Nachsehen ob alles in Ordnung ist
Das Elterngefühl kurz vorm Ende
Denke daran wie der Korb unserer
Tochter Greta in dem schon ihre
Mutter vierzig Jahre vorher lag
Als letzte von fünf Kindern
Auf meiner Seite vom Bett stand
Und ich bei jedem Aufwachen
Schaute ob unser Kind auch noch
Atmete es scheint ein Urinstinkt
Eine Woche vorher vielleicht hätte
Paul zum Sterben gesagt dass
Ginge schneller als gedacht
Er dachte er hätte noch mehr Zeit
Im März hatte er mit den Briefen
An Miles begonnen und noch gedacht
Er hätte noch mehr Zeit seinem Enkel
Diese letzten Briefe zu schreiben
Es wurden 35 Seiten und Siri meint
Sie hätte es schon geahnt aber nie
Herausposaunt wem sollte das auch
Nutzen vorher fragt sie dabei bleibt
Offen wem es hinterher nutzen soll
Wäre der Leser hier geneigt zu fragen
Aber Ahnungen zum Tod sind so ein
Ding zu dem wir besser schweigen
Das hinterher Gesagte nimmt dem
Vorherigen Schweigen die Größe
Denke ich und an die Träume vom
Vater und von mir und schweige dazu
Siri erzählt wie sie erschrocken an
Einem Morgen aufgewacht sei mit
Den Füßen auf ihrem Kopfkissen
Wie sie nach einem Moment merkte
Sie überlegt typisch psychoanalytisch
Ob Teile ihres Selbst revoltiert hätten
So tickt diese Sekte halt auch dazu
Ist liebevoll schweigen wohl besser
Sie nannten ihren Geisteszustand
Eine kognitive Splitterung was klingt
Wie ein Begriff der Wissenschaft für
Trauer und die folgende Verwirrung
Alles sei in ihr durcheinander sie sei
Aus dem Gleichgewicht gewesen
Es ist das Haus eines Dialogs der
Nun beendet sei in dem sie lebt
Die Zeit verginge aber scheinbar
Ohne sie und sie fragt sich ob sie
Noch in ihr sein will oder braucht
Sie jetzt die zeitliche Lähmung
Am Sonntag den 19. Mai schrieb sie
Eine Notiz dass Siri allein durchs Haus
Gehe und mit sich spreche sich dabei
Etwas frage und es auch beantworte
Die Frau die jetzt einen Dialog mit
Sich alleine führt erleidet einen
Intermittierenden Zusammenbruch
Nur Sekunden nach ihrem Lächeln
Über eine witzige Bemerkung zu sich
Blickt sie auf seinen Stuhl der noch im
Esszimmer steht wo er immer aß
Unter dem Kratzer sind die sie noch
Geärgert haben solange er schwer
Auf dem Stuhl saß sind nun Spuren
Eines Leben das nicht mehr ist und
Sie brüllte die Wände laut an
Sie wolle ihn zurück so sei Trauer
Nicht konstant sie könne sich lang
Gegen den Sturm abschotten und
Dann haut eine Böe sie einfach um
Bei der Kondolenzpost die sich noch
In großen Stapeln auf dem Kaminsims
Türmt denkt sie über das Wort
Dahinscheiden pass away nach
Wie ihre Mutter meinte niemand
Scheide dahin wir stürben und gut
Was sie darüber denkt und was
Das Wörterbuch dazu sagt
Sie lebt in einem Spukhaus noch
Bewohnt von einem Geist den
Paul und sie zusammen erschufen
In einem WIR das nicht mehr existiert
Zumindest nicht in ihrer Gegenwart
Das jedoch alle Räume durchdrang
Es sei eine Doppelfigur mit lauter
Geheimen Anspielungen die nur
Ihnen bekannt sein können dabei
Paul hatte einmal gesagt wenn sie
Noch 100 Jahre dort zusammenlebten
Wären sie eine Person geworden
Immer wenn genau der gleiche
Gedanke durch den gleichen Auslöser
Zur gleichen Zeit ihnen kam dachten
Sie die Vereinigung würde nun real
Das ist wieder so ein Abschnitt zum
Seufzen und denken hach was für
Eine wunderbare Liebesgeschichte
Denke ich und freue mich darüber
jens tuengerthal 30.3.26
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