Sonntag, 15. März 2026

Lektürentagebuch 14.3.26

Lektürentagebuch 14.3.26

Mit Johann Kaspar Riesbeck in den
Briefen eines reisenden Franzosen
Als der er sich für seine mutige Kritik
Zunächst anonym veröffentlicht tarnt

Weiter unterwegs im 25. Brief in Wien
Wo er die überall gerühmten Schulen
Weniger beeindruckend findet als er
Vorher noch Wien als das neue

Deutsche Athen sah dabei seien die
Schulen für die ganz kleinen Kinder
Noch die besten auch wenn dort den
Kindern vieles eingebläut was sie im

Leben nicht gebrauchen können diese
Zu nichts dienen als sie zu Pedanten 
Und Scharlatanen zu machen auch
Wenn sie dort christliche Lehre als 

Unsinn vorträgt der weder ihren Kopf
Erleuchten noch ihr Herz erwärmen
Kann aber sich nicht um ihre Sitten
Sorgt dafür lernen sie reichlich vom

Handel und der bürgerlichen Industrie
Wie dem Ackerbau sie sind unter den 
Katholischen Schulen in Deutschland
Die einzigen in denen die Schüler zu

Guten Bürgern mehr erzogen werden
Als zu Mönchen doch lernen sie auch
Hier blinde Subordination und doch 
Den Mönchsglauben aber dennoch

Hätten sie viel Gutes und er fragt
Sich warum so viele Familien noch
Privaterziehung durch Französinnen
Die Gouvernanten hießen erlaubten 

Diese wären entlaufene Huren oder
Stolze Kammermädchen die lieber
Kinder erziehen als in Frankreich die
Stube kehren und Betten zu machen 

Warum würden die französischen
Und italienischen Abbés geduldet
Bei den jungen Herren die noch
Schlimmer als die Huren wären 

Es wäre den Anstalten anzumerken
Dass sie noch ganz neu sind und
Keinem festen durchdachten System
Dabei folgten was oft Unsinn ergäbe

Erst künftige Generationen werden
Davon wenn sie etwas Gutes haben
Profitieren können noch sei alles zu
Neu etwas davon hoffen zu können

Er besuchte öffentliche akademische
Vorlesungen für die der Aufwand der
Kaiserin ungeheuer sein muss so sind
Gewöhnliche Universitätskollegien

Nicht nur ganz frei es würde auch
Über Dinge öffentlich gelesen die
Bei ihnen nur in teuren Privatstunden
Zu erfahren seien so etwa Sprachen

Politische Wissenschaften und vieles 
Mehr dennoch herrsche noch eine
Barbarei die jeden Menschenfreund
Den Aufwand eher bedauern lässt 

Es wird dort behauptet das alles
Hab und Gut der Untertanen des
Landesherren Eigentum sei was 
Er praktisch nicht belegen konnte

Jedoch traue sich dort kein Lehrer
Des Naturrechts zu behaupten dass
Auch der Landesherr Verpflichtungen
Gegen seine Untertanen hätte 

So hätte er erfahren dass ein ius
Naturae eines Benediktiners in 
Dem dieser Satz stand zensiert ward
Es gelte noch das Römische Recht

Wer das ius publicum Deutschlands
In Straßburg gehört hätte und hiesige 
Dazu hört glaubt nicht dass von dem
Gleichen Staat die Rede noch sei 

Dort wird das Deutsche Reich als
Eine Republik vorgestellt worin der
Kaiser das Ansehen eines Konsuls 
Oder Herrschers auf Zeit hätte

In Wien wird es als uneingeschränkte
Monarchie vorgestellt die Theologie
Sei von Natur aus barbarisch dort sei
Vieles wirklich noch abstruser

So untersuchte einer ernsthaft ob die
Leute vor Adam falls es sie gab von
Der Erbsünde befleckt noch seien 
Auch die theologische Moral sei 

Eher altertümlich nach Busenbaum
Voith und Konsorten so hörte er die
Beschreibung von Unzüchtigkeiten
In einer öffentlichen Schule die ein

Profanes Buch auf den Index brächte 
So sagte Busenbaum in Bordellmoral
Es sei erlaubt öffentlich über Moral 
Zu reden auch wenn Schüler dabei

Gewisse sündliche Regungen dann
Hätten es sogar zu Ergießungen
Sündiger Art infolge komme was
Die Schüler dann beichten sollten 

Im metaphysischen Hörsaal fand er 
Die Quintessenz der Pedanterie und
Charlatanerie die nur dem Beweis
Des öffentlichen Aberglauben diente 

Alles würde dort auf die Religion noch
Bezogen und sie stritten ernsthaft ob
Kinder mit Vaterunser oder Ave Maria 
Buchstabieren lernen sollten als ob

Das ABC eine notwendige und auch
Wesentliche Verbindung zu diesen 
Gebeten des wie ich sagen würde 
Aberglaubens der Sekten hätte 

Bewundern jedoch musste er an 
Seinem Metaphysiker seine schier
Unerschöpfliche Gelehrsamkeit so
Sei ihm kein Metaphysiker entgangen

Er zitierte griechisch lateinisch 
Italienisch englisch französisch 
Wie noch viele andere Sprachen
Und widerlegte in einer halben Stunde

Wenigstens 6 alte und neue unter
Den Metaphysikern der Mann hat ihn 
Sehr interessiert er wird ihn häufiger
Besuchen und seine erstaunlichen

Geschichten anhören und für sich zu
Nutzen auch dazu lieh er sich von
Einem Studenten der in seinem Haus
Wohnt auf einige Tage noch das

Metaphysische Vorlesebuch eines 
Jesuiten namens Storchenau bei
Dem es auf den ersten Blick schien
Er habe das Geheimnis gefunden

Die Metaphysik zur Niederlage von 
Allem möglichen menschlichen 
Wissen zu machen dort findest du
Nicht nur alle Sekten der Alten

Pythagoräer Platoniker Epikuräer 
Der da noch auf dem Index stand 
Sondern auch alle Kirchenväter wie 
Aus mittlerer und neuerer Zeit alles 

Von Machiavelli Hobbes Spinoza
Descartes Malebranche Bayle Locke 
Leibnitz Voltaire Rousseau Humes
Bolingbroke Helvetius und mehr

Autoren die sich vermutlich nie
Auch nur träumten in Wien von
Einem Jesuiten vorgestellt zu werden
Der Student glaubt wirklich dass

Dieses Buch alle Sophisterei mit
Zwei Zeilen seines Buches leicht
Widerlegen zu können jedoch habe
Er keine davon im Original gelesen

Am besten seien die medizinischen
Kollegien noch hier habe Van Swieten
Das seinige zu getan so affektieren
Die Professoren dieses Faches 

Ekklektiker zu sein wobei er dazu
Affektieren sagt weil diese alles was
Andere vor ihnen sagten verachten
So es ihren Studenten auch lehrten

Studenten würden nicht überzeugt
Sie glaubten gewöhnlich nur so ist
Die Eitelkeit der Professoren wie ihrer
Schüler platterdings unbeschreiblich

Dennoch soll die Zahl der Ärzte von
Verdienst hier abnehmen außer dem
Kaiserlichen Leibarzt von Störck seien 
Nur wenige vorzügliche bekannt

Wie die älteren Kandidaten zur Praxis
Geführt werden sei sehr gut ihnen
Werden einige Kranke im Spital
Zugewiesen die sie besuchen müssen

Sie schreiben dann den Zustand der
Krankheit mit allen Symptomen und
Veränderungen nieder und verordnen
Arzneien zur Probe dabei müssen sie

Eine genaue Begründung angeben 
Dann besucht der Professor selbst
Die Patienten vergleicht und korrigiert
Mit ebenfalls Gegengründen dazu

So wird den Studenten empfohlen
Die Prüfungen aufzubewahren damit
Sie sorgfältig die Unterscheidung 
Nach je Merkmalen erlernen können

Doch weil er mit all den Gelehrten
Die es in Wien gäbe nicht in einem
Brief fertig werden könne kommt
Mehr mit der nächsten Post 

Dieser aufgeklärt kritische Blick auf
Die Universität in Wien und was das
Denken dort prägt ist bis heute noch
Spannend und in vielem aktuell

Zu sehen wo der angebliche Franzose
Die Zustände im Reich und die Macht
Des Aberglauben in der Universität 
Wie in den Schulen kritisiert ist gut

Wie gut täte es unseren Zeiten
Wenn sie sich wieder mehr auch
Kritisch mit dem Aberglauben der
Immer noch präsent ist beschäftigen

Wann endlich schützen wir Kinder
Konsequent vor allem Hokuspokus 
Damit sie aufgeklärt kritisch Werte 
Lernen statt Unsinn nachzubeten

jens tuengerthal 14.3.26

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