Dienstag, 24. März 2026

Lektürentagebuch 24.3.26

Lektürentagebuch 24.3.26

Bei der Verfeinerung der Deutschen
Geht es nun um die große Frage
Dorf oder Stadt schreibt Erwin Seitz 
Über Henrich Heine als Visionär

Was schafft die Sehnsucht nach der
Metropole ist die Frage und beginnt
Mit der Betrachtung eines Gemäldes 
Des Meisters des deutschen Kitsch

Der keine Menschen malen konnte
Darum Landschaften symbolisch wie 
Pathetisch mit viel freimauerischer
Symbolik immer auch überlud

Es handelt sich um das Gemälde der
Einsame Baum der natürlich eine gute
Deutsche Eiche leider halb tot ist von 
Caspar David Friedrich der hier ein

Mit Symbolen und möglicher Deutung
Mal wieder überladenes Bild 1822 für
Den Berliner Bankier Wagener malte
Ein national symbolisches Bild dazu

Es speist sich aus Studien noch aus
Der Mark Brandenburg und dem
Riesengebirge ist ein nördliches
Arkadien als Symbol für Deutschland

An der riesigen mächtigen Eiche lehnt
Winzig ein Schäfer der seine Herde
Dort hütet und eins mit der Natur so
Zu sein scheint während es dafür im

Hintergrund schon hell wird ist es im
Vordergrund des Bildes relativ dunkel
Eine Klosterruine und ein Weiler sind
Links von der Eiche noch zu sehen 

Etwas weiter hinten ein ebenfalls
Bewohntes Dorf was am aus dem 
Kamin steigenden Rauch sichtbar
Vorne Brandenburg hinten dafür

Das Riesengebirge soll es zumindest
Gut deutsch Aussehen dabei wird das
Bild durch die mittige Eiche noch in
Viel Teile unterteilt oben liegt Dunst

Über dem reich bewaldeten Gebirge
Leuchtet schon der Morgenhimmel
Der nationalen deutschen Zukunft
Was Grund zur Übelkeit mir gibt

Wie schrieb Goethe es noch den
Neuen nationalen Kräften im Land
Ins Stammbuch die vergebens zur
Nation sich nun bilden wollten sie 

Sollten lieber freier zu Menschen
Sich ausbilden darum erwarte ich
Geistig von diesen Bildern eher
Wenig Gutes aber sehe die Gefahr

Dazu kommt der religiöse Aspekt
Der menschliche Kultur und Werke
In Nebenrollen nur gegenüber der
Göttlichen Natur hier drängt

Bescheidenheit auch der Kunst die
Sich gegenüber vollkommener Natur 
Lieber zurücknimmt kann elegant
Wie stilvoll dabei sogar sein

Beides trifft auf dieses Gemälde das
Mit dem Erbe von Bankier Wagener
In die Berliner Nationalgalerie kam 
Eher nicht zu es trieft vor Bedeutung

Halte Caspar David Friedrich für den
Am meisten überschätzten deutschen
Maler der aber den deutschen Geist
Bis heute noch ganz innig berührt 

Hier fühlen sich deutsche Betrachter 
Abgeholt und tief verstanden egal ob
Kreidefelsen Meer Berge oder Wald
Das fühlt sich tief nach Heimat an

Witzig leitet Seitz die Gründung der
Grünen aus der deutschen Romantik
Wie ihrer Verklärung der Natur ab was
Mit Stifter gegen Goethe begründet

Warum das Museum der Romantik
In Frankfurt ausgerechnet neben das
Goethehaus geklatscht wurde wäre
Auch Ausgang vieler Diskussionen

Ginge es dabei wirklich noch um
Den elenden Geist nationaler 
Romantik den Ricarda Huch in ihrer
Studie so treffend beschrieb die

In der geliebten Anderen Bibliothek 
Schön ganz in grün wieder erschien
Was schon auch weiter denken lässt
Vielleicht wird die künftige Koalition

Des moralischen Grauens jene 
Zwischen CSU und Grünen die
Autoritär alles besser noch weiß 
Aber darum geht es bei Seitz nicht

Doch nicht nur die Deutschen haben
Den Gegensatz von Natur und Stadt
Thematisiert auch der inkontinente
Rousseau wollte zurück zu dieser

Moses verfluchte die Hure Babylon
Damit sich die Juden mit dem eher
Frugalen unkultivierten Wüstenleben
Noch weiter zufrieden gaben 

Hesiod in der griechischen Antike
Varro und Cicero beschworen das
Ländliche Leben letzterer zumindest
Wenn es Garten und Bibliothek gab

Städte dagegen boten mehr Vielfalt
An Reizen und Beschäftigung was 
Philosophischen Landeiern schnell
Verdächtig und unerhört auch schien 

Besonders Freiheit und Freizügigkeit
Die sich in Stadtkulturen zeigt schien 
Religiösen Menschen bald verdächtig 
Die Sage von der Hure Babylon kam

Dabei feierte Babylon sich nur selbst
So heißt es auf einer Tafel die sich im
Pergamon Museum in Berlin findet
Es sei die Stadt von Fest und Freude

Babylon als Stadt deren Bewohner
Fortwährend Feste feierten sei damit
Privilegiert befreite die Gefangenen 
Die reine Stadt mit Hab und Gut

Die Tafel auf der sich Babylon so
Selbst lobt stammt aus dem Jahre
700 vor unserer Zeitrechnung noch
Hundert Jahre später dann unter

König Nebukadnezar II gab es noch
Eine Glanzzeit der Stadt in der etwa
Das Ischtar Tor gebaut wurde wie
Die Prozessionsstraße dort auch

Beides wurde von Archäologen
Wiederentdeckt und rekonstruiert
Ab 1930 im Pergamonmuseum in 
Berlin gezeigt und irgendwann wieder

Sie offenbart verfeinerten Geschmack 
Der Metropole Babylon etwa mit den
Blauen gebrannten Ziegeln schon die 
Tiere Drachen und Blumen zeigten 

Die Stadt war reich und luxuriös
Einige der biblischen Propheten
Befanden sich dort in Gefangenschaft 
Sie verdammten die Stadt natürlich

Sie schrieben Babylon sei wegen
Selbstüberschätzung und zu viel an
Feinheit dem Untergang geweiht 
Etwa Jesaja fluchte übel dazu

Der deutsche Magier Luther der
Mit seiner Reformation die feine
Hochkultivierte Renaissance hier 
Beendete erklärte Rom zum

Babylon der Gegenwart weil dort
Weniger an Gott geglaubt als sich
Dem Genuss hingegeben wurde 
Sagte der frühere Mönch der die 

Ehemalige Nonne Katharina von
Bora schwängerte er schrieb dem
Papst er sei schändlicher noch als
Sodom Gomorrha oder Babylon 

Der antisemitische Reformator
Fürchtete alles städtische weil es
Die Menschen von Einfalt und Tugend
Ablenke schwärmt vom Landleben

So sollten die Deutschen lieber brave
Bauern und biedere Handwerker sein
Schrieb der Doktor aus der Provinz
Den Deutschen ins Stammbuch

Wunderbar lästert Seitz über die
Quasi Caspar David Friedrich Kapelle
Im zentralen Raum der Alten Berliner
Nationalgalerie hier betet die Nation

Neben dem Einsamen Baum findet
Sich der Mönch am Meer oder die
Abtei im Eichwald in fast allen Bildern
Verträumte Ruinen Bäume Wälder

Allerdings irrt er mit der zentralen
Stelle der nationalen Friedrich Kapelle
Vor dieser steht als solcher noch der
Säulengerahmte Tempel für Schinkel

Dazu dann Nebel oder Mondschein
Ganz zauberhaft und still es ist als
Ob sich die geaberglaubte deutsche 
Seele hier zeige auf Heimatsuche

Seitz zitiert dazu Verse aus
Dem Taugenichts von Eichendorff
Die ich mir der Fettflecken wegen
Lieber ganz nüchtern erspare

Spannend ist Friedrichs Kitsch wie
Das Ischtar Tor befinden sich nur 
Wenige Schritte voneinander auf
Der Berliner Museumsinsel

Bald sind sie auch unterirdisch
Alle miteinander verbunden für
Das große Publikum der Metropole
Kultur und Beschwörung der Natur


In den frühen Morgenstunden bis
Gegen halb sieben noch ein wenig
Curzio Malaparte gelesen was
Jobst Welge über diesen italienischen

Intellektuellen alles zu erzählen hat
Was zwischen sagenhaft und dann
Realistisch betrachtend wechselt
Ein buntes spannendes Leben zeigt

Vielleicht ist der Fehler vieler bei
Der Betrachtung Malapartes dass 
Sie eine konsistente Linie suchen
Wo die kreative Schöpfung zählt

Wie er den ursprünglich noch von
Den Vorfahren Napoleons die ja
Bekanntlich Bonaparte hießen
Stammenden Namen sich nahm

Die Täuschung mit Bon wegließ 
Zum ursprünglichen Mal also
Schlecht und böse zurückkehrte 
Für sein künstlerisches alter ego

Warum seine Reiseberichte und sein 
Blick auf die Welt noch spannender
Sei als sein Romanwerk das teils
Dem Faschismus huldigte aber

Auch mit ihm bei immer noch
Seltsamer Gewaltverherrlichung
Abrechnet und frei bleibt als einer
Der für die armen Arbeiter schrieb

Wage noch kein Urteil zu dieser
Vielfältig spannenden Person die
Sich auch zahlreiche Duelle lieferte
Egal ob auf deutsch oder italienisch 

Über sich sagte Malaparte er sei in 
Wahrheit weder schlechter noch
Besser als sein dummer Ruf aber
Er sei anders verstehen könnte ihn

Nur wer nicht vergisst dass in ihm
All die Romantik und der Wahnsinn
Der Deutschen sei er sei nicht ein
Italiener wie andere sondern in ihm

Wäre was ein Barbara genannt
Auch würde im übrigen läge der
Falsche Eindruck an ihm der gern
Schlauer scheine als er wirklich ist

Eigentlich hieß er Kurt Erich Suckert
Wurde 1898 als Sohn eines nach
Italien ausgewanderten deutschen 
Textilfabrikanten und einer Mutter

Die aus bürgerlichen Mailänder 
Verhältnissen kam seinen Namen
Legte er 1925 für den italienischen
Nom der plume ab der aber dann

Erst 1929 rechtlich anerkannt wurde
Als seine wahren Eltern betrachtete
Er seine proletarischen Pflegeeltern
Die den Namen Baldi trugen

Zeitweise spielte er sein deutsches 
Erbe herunter und stilisierte sich als 
Erz-Italiener sein Name ist zugleich
Aristokratisch und provinziell populär

Der Name ist eine sowohl anmaßende
Wie selbstironische Maske die zu dem
Leben voller Widersprüche passte das
Sich ständig neu selbst erfand

Er war ein Faschist ein Kommunist
Ein Anarchist ein Wendehals großer 
Egozentriker Narziß Dandy Snob
Enfant terrible Kriegs- und Frauenheld 

Ließ als Intellektueller keine der
Ideologischen Sünden seiner Zeit aus
Er selbst nennt sich unangepasst als
Unabhängiger autonomer Künstler

Dabei befand sich seine politische
Orientierung oft im Widerspruch zur
Allgemeinen Lage so fühlte er sich
In der Gegenwart besonders von 

Botschaftern Ministern Prinzessinnen
Wohl aber schlug sich immer wieder
Auf die Seite des einfachen Volkes
Egal wo auf der Welt er gerade war

Die ideologischen und politischen
Richtungen wechseln aber es bleibt
Freude an aristokratischen Kontakten
Wie die Identifikation mit dem Volk

Das Spiel mit Masken war ein Teil
Seines Wesens obwohl Journalist
Ist sein Umgang mit Fakten eher
Wohl phantasievoll zu nennen

Entsprechend passte er auch seine
Autobiographie immer wieder an
Keine Information über ihn ist ohne
Widersprüche und Ungewissheiten

Vielen ist er vor allem durch seine
Villa auf Capri bekannt die auch
Casa Malaparte hieß die Godard 
In seinem Film Verachtung zeigte

Malaparte sagte über das Haus auch
Es sei ein Casa come me ein Haus
Wie ich und so sind seine Schriften
Immer auch autobiographisch

Literatur war für ihn stets ein
Spielerischer Umgang mit seiner
Eigenen Identität einem gewissen
Draufgängertum mit Provokationslust

So verglich er sich mit Autoren wie 
Cellini Aretino Casanova Brummel
Lord Byron oder Chateaubriand am 
Liebsten noch zentral jedoch blieb

Immer seine Selbstinszenierung
Die ihn zum Teil der Kultur der
Moderne machte dabei zeigt er
Beweglichkeit und Unabhängigkeit

Er bewahrt einen ganz traditionellen
Erzählstil mit einer Ästhetik der
Dekadenz aber zum Teil auch
Ganz bewusst populär ist

Seine Literatur ist journalistisch
Während sein Journalismus auch
Literarisch ist er vermengt Fiktion 
Mit Wirklichkeit ist postmodern

Ganz erstaunlich ist seine
Europäische Bildung und Identität
Politisch korrekt war er nie und bleibt
Eine Provokation und ein Rätsel

Viele seiner Positionen scheinen uns 
Heute als grotesk falsch aber er ist
Mit historischem Abstand betrachtet
Als erstaunlicher Zeitzeuge zu lesen

So lief er mit siebzehn Zuhause weg
Nimmt 1914 als Italien noch neutral 
Mit einer garibaldischen Legion am
Krieg in den Argonnen teil

Kämpft auf französischer Seite gegen
Die Deutschen kehrt 1915 zurück 
Nach Italien wird Mitglied der dort 
Alpenjäger wird dabei ausgezeichnet 

Während der Schlacht bei Bligny wird 
Seine Lunge schwer durch Kampfgas
Geschädigt worunter er lebenslang litt
Am Ende starb er an Lungenkrebs

Nach dem Krieg ist er zeitweise als
Attaché in Warschau kurz vor dem
Marsch auf Rom 1922 wird er Mitglied 
Der faschistischen Partei Italiens

So will er sich um die Rechte der
Arbeiter in Florenz kümmern dann 
Übernimmt er die Leitung einer
Politischen Wochenschrift

Dort spricht er sich für einen
Spartanischen radikalen Faschismus
Aus der Mussolinis Kompromisse
Mit dem liberalen Staat kritisiert

Dabei tritt er als Verteidiger der
Deklassierten Massen auf denen
Er in Viva Caporetto seinem ersten
Werk ein literarisches Denkmal setzt

Das Werk machte ihn berühmt und
Zu einem viel diskutierten wie auch
Umstrittenen Autor er war geprägt
Vom Engagement für die Arbeiter 

Er wurde stark durch Georges Sorel
Wie den Anarcho-Syndikalismus noch
Beeinflusst in seinem Denken der 
Auch der Lehrmeister Mussolinis war 

Schon 1926 gründete er die Zeitschrift
900 - Cahiers d’Italie et d’Europe die
Ganz auf französisch verfasst wurde 
Alle drei Monate erschien sie sollte 

Italienische Kultur im europäischen
Geist erneuern dort schrieben auch
James Joyce D.H. Lawrence Ilja
Ehrenburg Stefan Zweig und mehr

Im Rahmen einer Kulturgeschichte
Gewordenen Diskussion zwischen
Ultramodernisten und einer eher
Ländlich populistischen Interpretation

Der faschistischen Kultur vertrat er
Die These Italien sei das Land der
Gegenreformation warum sich die 
Wahre Identität des Landes im

Radikalen Gegensatz zur modernen
Protestantischen Kultur des Nordens
Befinde wobei sich der Gegensatz
Zwischen kosmopolitisch europäisch

Und ethnisch lokal definierter Kultur
Durch sein ganzes Werk zöge er
Wurde 1929 durch den Turiner
Unternehmer Giovanni Agnelli

Zum Chefredakteur der Zeitung
La Stampa er erreichte dabei
Hohe Auflagen mit seinen Reportagen
Aus der Sowjetunion wohin er für

Geschäfte Agnellis gereist dabei
Schrieb er auch über Lenin und
War von der Revolution fasziniert
Was Mussolini sehr missfiel

Er ließ nachfragen ob es sich nun
Für die Leitung der Prawda bewerbe 
Malaparte kritisierte auch die neue
Faschistische Oligarchie als Antwort

Seine Bücher über Lenin und die
Sowjetunion wurden in Italien Opfer 
Der Zensur immer erschienen dann
In Frankreich doch er lästerte weiter

Er machte sich in Artikel über die
Krawatten von Mussolini lustig und
Schrieb nach Besuch Deutschlands
Une femme: Hitler

Nach Differenzen mit einem noch
Antifaschistischen Mitglied der
Geschäftsführung wurde er im
Januar 1930 einfach entlassen 

Mehr zu seiner Zeit in Paris und
Der Begründung warum Hitler
Eine Frau sei kommt morgen damit 
Es heute noch ein Ende findet

jens tuengerthal 24.3.26

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