Versgedanken VIII
Zur Keuschheit
Die Pflicht zur Keuschheit meint
Montaigne in seinem Essay zu
Einigen Versen des Vergil sei ein
Weites Feld was von Fontane der
Kenner märkischer Literatur kennt wo
Es der Vater Briest zu seiner Tochter
Auf der Bank wiederholt noch sagt
Dies hier war 300 Jahre vor der Effi
Er fragt sich was die Frauen denn
Nach unserem Willen zügeln sollten
Den ihren etwa das wäre doch wohl
Ein recht biegsames Ding noch
Viel zu agil sei er für Fesseln wie auch
Die Träume sie manchmal so weit mit
Sich reißen können dass sie nie mehr
Davon loskommen es überstiege so
Die Macht der Keuschheit selbst die
Ja ein Weib sei sich der Gelüste wie
Begierden zu erwehren wollen wir
Andererseits alles nach ihrem Willen
Zulassen was geschähe uns dann
Stellt euch das Gedränge um den
Vor der den Vorzug erhielte sich
Wie ein Jagdfalke blind tragen ließ
Dabei auf der Hand von jeder säße
Die ihn begehrte so hätten skythische
Frauen Sklaven und Gefangenen die
Augen ausgestochen um sich ihrer
So unerkannt hemmungsloser noch
Bedienen zu können was keiner sah
Welch ungeheure Macht hat dabei
Die Gelegenheit wenn wer sich fragte
Was in der Liebe die erste Rolle spielt
Würde er antworten den rechten
Augenblick zu ergreifen und auch die
Zweite und dritte Rolle dabei
Alles vermag die Gelegenheit dabei
Hätte es ihm oft an Glück gefehlt aber
Zuweilen auch an Draufgängertum
Doch Gott bewahre meint Montaigne
Den vor Übel der sich darüber noch
Lustig heute zu machen wagt so
Müssen wir zurzeit gerade in der
Liebe noch bedenkenloser sein
Alles würde mit der Leidenschaft
Entschuldigt er jedoch habe eine
Abergläubische Angst eine Frau
Zu verletzen weil er sie achtet
Überhaupt verlöre das Geschäft
Allen Glanz sobald wir es ohne
Ehrerbietung betreiben so gefiele
Es ihm wenn Mann dabei zugleich
Den schüchternen Jüngling wie
Einen ergebenen Diener spielt
Nicht jedoch in Liebesdingen sei
Er selbst von unbeholfener Scheu
Diese habe ihm verschiedentlich
Schon geschadet wie auch einige
Blaue Flecken eingebracht was
So hat nicht zu seinem Wesen passt
Doch was sein wir schon anderes
Als Zwiespalt und Zwist je doch
Abgewiesen werden tut ihm dabei
Ebenso weh wie abzuweisen
Jemanden zu belästigen belastet
Ihn derart dass es äußerst ungern
Wenn er muss nur tut lieber schickt
Er andere dann noch vor
Der Versuch bei den Frauen ein
Verlangen zu zügeln dass sie von
Natur aus als brennend empfinden
Sei eine reine Narretei noch immer
Wo sich etliche ihres jungfrâulich
Kalten Sinnes lobten könne er
Darüber nur lachen denn dieses
Schneckenhaus sei zu unglaubhaft
Damit verderben sie nur ihren Handel
In Dingen der Liebe denn wer sich
Ungefragt entschuldigt klagt sich an
Solange sie noch gut bei Atem sind
Umgekehrt ging es einem Edelmann
Aus seiner Nachbarschaft der dort
Der Impotenz angeklagt wurde wozu
Er passende Verse zitiert
Weil sein winzig Möhrchen
Welk und abgeschlafft im
Gewand sich nicht mal
Mehr halbwegs noch strafft
So schwor er nach der Hochzeit
Den Verdacht zu widerlegen
Er letzte Nacht seine Frau noch
Zwanzigmal geritten sei doch
Wenig später war das Grund genug
Ihn der völligen Ahnungslosigkeit zu
Überführen und seine frische Ehe
Darum wieder aufzulösen
Wesen sich jene Frauen rühmen
Ist völlig belanglos denn von Tugend
Oder Enthaltsamkeit könnte ohne
Jede Versuchung nicht die Rede sein
Solange nicht gegen Versuchungen
Angekämpft werden müsse diese
Müssten sie also zugegeben um
Ihnen widerstanden zu haben
Was natürlich nur für jene gelten
Die es mit der Beteuerung ihrer
Unzulänglichkeit und Kälte ernst
Meinen und dies zeigen wollen
Diejenigen die es nur sagen deren
Augen sie aber Lügen strafen denn
Sie müssten immer gegen den Strich
Gebürstet werden sehe er als Witz
Solche Maskeraden und Mätzchen
Täuschten nur Trottel zwar säße bei
Diesen Frauen die Lüge auf dem
Thron der Ehre aber wer erstmal
Durch die Hintertür ginge gelange
Doch zur Wahrheit dabei warnt er
Obwohl ein Verfechter dieser vor
Offenherzigkeit und Freimut stets
Außer diese entspringt einem völlig
Unbefangenen kindlichen Gemüt
Dient diese den Damen nie zur
Zierde und ist in der Liebe eher
Fehl am Platz da sie dort schnell
Zur Schamlosigkeit ausarten wenn
Wir die Wunschvorstellungen der
Frauen nicht eindämmen können
Was wollen wir dann von ihnen
Keuschheit zumindest im Tun
Es gäbe Taten genug welche ihre
Unberührtheit berühren ohne dass
Es Außenstehenden je zur Kenntnis
Kommt denn gerade was niemand
Sieht bei ihnen ziemlich oft geschieht
Was den Argwohn wecken sollte
Die von Frauen verschwiegen Sünden
Sein die schlimmsten dazu die Verse
Dass eine Nutte die er kauft ihn doch
Weitaus weniger aufregen würde
So gäbe es sogar Handlungen durch
Die Frauen ihre Unschuld ohne jede
Schuld verlieren würden und was
Schlimmer noch ohne es zu merken
So habe manche Hebamme schon
Welche die Jungfräulichkeit prüfen
Sollte diese aus Versehen Ungeschick
Oder Zufall dabei erst entjungfert
Es ist manchen beim Nachsehen ob
Das Jungfernhäutchen heil vorhanden
Dieses abhanden gekommen andere
Verletzten es beim Herumspielen
Das Tun was wir ihnen verbieten
Wollen wüssten wir nicht einmal
Genau zu umschreiben sondern
Machen allgemein unklare Gesetze
Schon die Idealvorstellung von ihrer
Keuschheit sei lächerlich als Beispiel
Bringt er Fattua die Frau des Faunus
Die sich nach der Hochzeit nie wieder
Vor irgendeinem Mann sehen ließ
Oder die Frau des Hieron die nicht
Roch wie stinkend der Atem ihres
Gatten war weil sie dachte Männer
Sein eben alle so und so sollen sie
Uns zufrieden zu stellen folglich
Unsichtbar und empfinungslos sein
Was auch keiner wollen kann
Gestehen wir also ein dass der
Wichtigste Prüfstein für ihre noch
Einhaltung der Treuepflicht der Wille
Allein ist wofür er Beispiele bringt
jens tuengerthal 16.3.26
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