Samstag, 21. März 2026

Lektürentagebuch 21.3.26

Lektürentagebuch 21.3.26

Samstags reise ich ja gerne
Natürlich nicht wirklich sondern 
Lesend in den dazu wunderbaren
Bänden der Anderen Bibliothek

Reale Reisen dieses ökologisch
Mehr als fragwürdige Hobby für
Menschen ohne geistige Welten
Die ständig Ablenkung brauchen 

Sind für Leser die noch dazu in 
Einer Bibliothek leben wirklich
Ein vorgestrig asoziales Hobby
Mit unverantwortlichen Folgen 

Da lese ich lieber in Ruhe während
Die Narren durch die Welt laufen
Entdecke so neue geistige Welten
Oder bewege mich in vertrauten 


Beginne heute mit dem Ehepaar
Heinrich und Christine Gondela
Auf der Reise ins Paradies mit der
Kutsche durch Deutschland 1802

Diese sind auf ihrer Fahrt mit der
Eigenen Kutsche von Bremen über
Göttingen Braunschweig
Dresden nach Carlsbad gekommen

Es ist Montag der 6. September 1802
Der Tag beginnt nach Gewittern der
Nacht verhangen trüb ohne noch
Viel Hoffnung auf eine Besserung

Doch schon nach dem reichlichen 
Frühstück riss der Himmel auf die
Beiden machten sich auf den Weg
Um Carlsbad doch zu erkunden

Herrlich ironisch aber dabei doch 
Bremisch trocken schreiben sie über
Den Ort in der inzwischen Nachsaison
Wo eigentlich nichts mehr los ist

Von den beiden wichtigsten Straßen 
Im Zentrum der Stadt die um ihnen
Größe zu verleihen auch noch Platz
Wie Wiese genannt wurden ohne das

Eine oder andere davon zu sein noch
Sondern was andernorts höchstens
Eine etwas breitere Straße wäre wird 
Es im engen Tal der Töpel so genannt 

Nahezu nichts war los im Ort und
Die meisten Geschäfte waren in 
Der Nachsaison schon geschlossen 
Nur aus einem Laden schaute einer

Wie viele touristische in Orte heute
Wird Carlsbad in der sommerlichen
Saison von einem vielfachen ihrer
Etwa 4000 Einwohnern überrannt 

Außerhalb dieser aber herrscht
Eher provinzielle Tristesse im Tal
Das von dunklen Tannen bestanden
Die keine helle Aussicht bieten

Sie besichtigen die beiden Häuser
Die als eine Art von Kurhaus dort
In der Saison wöchentlich wechselnd
Bälle und Unterhaltung bieten

Irgendwo mussten die dort Erholung
Oder Gesundung suchenden ja ihre
Kurschatten finden was die Gondelas
Amüsiert betrachten und berichten 

Sie probieren auch die Quellen die
Teilweise sogar heiß sprudelten den
Ort als Kurort berühmt machten den
Auch Goethe ab 1785 besuchte

Regelmäßig fuhr der Dichter bis
1825 als ihn dort eine Liebe noch
Mit über 75 enttäuschte von Weimar
Im Sommer nach Carlsbad in Böhmen 

Zur Wirkung der Quellen halten sich
Die Gondelas lieber zurück was auf
Den kurzen Aufenthalt höflich dann
Noch geschoben werden kann

Bei inzwischen Sonnenschein sind
Für den Nachmittag noch weitere
Ausflüge geplant zu besonderen
Aussichten und Orten die dort der

Reiche schottische Lord Findlater
Der sonst mit seinem Freund bei
Löschwitz Weinbau auch betrieb
Am Hammerberg errichten ließ

Dieser englische Garten mit einem
Tempel aus Holz an wunderbarer
Aussichtsstelle war gerade erst vor
Ihrer Ankunft vollendet worden 

Für einen anderen Freund oder auch
Liebhaber des Lords worauf die Art
Der Formulierung hindeutet wurde 
Eine Bank unter einer Buche gebaut

Berauschend fanden die Gondelas
Carlsbad eher nicht auch sei die
Umgebung mit Felsen und Tannen 
Ohne Sonne doch eher düster

Dankbar für den Sonnenschein am
Spätsommertag sagt der Bericht was
Die Gondelas von diesem für sie eher
Böhmischen Dorf halten fast nichts

Schön hätten sie es nochmal gehabt
Den Tag auch genossen aber dort
Häufiger hinfahren werden sie wohl
Weniger und sagen es sehr höflich 

Erinnere mich wie wir zu Zeiten der
Ersten Verlobten noch also bevor ich
Die 30 erreichte die mich dann schon
In Berlin erwischten dorthin von ihren 

Freunden aus dem Klüngelumkreis
Zu einem Ball geladen wurden aber
Nicht nur meiner geringen Qualitäten
Als Tänzer wegen darauf verzichteten 

Die feine hanseatische Ironie mit der
Das Ehepaar Gondela berichtet hat
Großen Witz bis heute und erzählt
Genug nichts später zu bereuen


Nun begleite ich wieder den guten
Johann Gottfried Seume auf seinem
Spaziergang nach Syrakus der noch
Auf dem Weg nach Wien berichtet

Auch dieser frühe Reisebericht der
Anderen Bibliothek es ist der 3. Band
Erst 1985 gewesen ist von 1802 also
Aus dem gleichen Jahr wie Gondelas 

In dem mit Znaym überschriebenen
Nächsten Abschnitt geht es von Prag 
Wo er nichts gesehen hätte wie er 
Dem Freund gesteht aber auch ob

Schinken oder Wurst gegessen wurde
Ziemlich egal ihm sein kann es von da
Nichts weiter zu erzählen noch gäbe
Weiter in Richtung Wien bei Sonne

Es geht vorbei an Kolin wo Daun Friedrich erstmals schlug 1757 im
Noch frischen siebenjährigen Krieg
Prompt findet er es angenehm dort 

Die Sachsen werden den Preußen 
Wohl ewig den Überfall nachtragen
Dabei war er strategisch so nötig
Darum lieber kein Wort weiter dazu

Dort hört er in einer Gastwirtschaft
Wo er wieder etwas belangloses aß
Was er uns dennoch erzählt ein ihm
Unbekanntes Instrument spielen

Weder Zither noch Lauthe erinnerte
Es ihn klanglich an die Balalaika wie
Das Böhmische ihn klanglich an das
Russische noch erinnert das er kennt

Die Straße von Prag nach Wien 
Scheint ihm die befahrenste in 
Ganz Europa zu sein so viele
Wagen mit Waren sah er dort

Wunderbar lästert er über die so
Schlechten Wirtshäuser in Böhmen
Aber es geht auch in Deutschbrot 
Noch ähnlich übel weiter dort war

Entweder vom Militär ausgebucht
Oder er musste mit Hebräern wie er
Die jüdischen Händler nennt eng
Auf dem Stroh noch schlafen

In Iglau sah er einen schönen hellen
Markt der von nahen wie fast alles im
Leben wie Seume weise meint eher
Mäßig wirkte warum Abstand lohne

Er berichtet von zwei Pyramiden 
An der Grenze von böhmischen
Wie mährischen Ständen errichtet
Zur Zeit von Maria Theresia noch

Ihm schien in Mähren herrsche mehr 
Liberalität und Bonhomie als noch in
Böhmen in Stannern dann fanden sie
Das erste gute Wirtshaus seit Prag

Berichtet von der dort Wollmanufaktur 
Die alles zu niedrigen Preisen anbot
Wer zu Fuß unterwegs sei müsse sich
Huronisch helfen was handfest heißt

Mehr Sorgen machen ihm die noch
Einquartierung gewisser weißer dann 
Schwarz besattelter Tiere die in Polen
Wie Italien gut gedeihen sollen

Es ist ihm im übrigen einerlei ob er
Sich auf Daunen oder Stroh wälzt
In Znaym musste er erstmals Wein 
Trinken weil es kein Bier mehr gab

Die liebliche Gegend gefällt ihm hier 
Möchte er wohl wohnen schreibt er 
Weingärten und Klöster rahmen sie
Es gäbe sogar römische Ruinen 

Auf der Grenze von Mähren nach
Österreich fand er kein Zeichen nur
Die Wege seien deutlich schlechter
Viel gut Boden würde mit Wein eher

Verdorben als sinnvoll genutzt spricht
Hier der unkultivierte Germane eher
Aus ihm als der kultivierte Römer als
Philanthrop dabei nicht als Trinker 

Am Ende berichtet er von Münzen
Die wenig oder kein Gold enthielten
Was an Preußen zur Zeit noch von
König Friedrich II eher erinnerte 

Eine spannende Erinnerung in der
Heute EU an die finanzielle Vielfalt
Schon allein im deutschen Reich
Der föderalen Monarchien


Seume kurz vor Wien verlassen 
Um bei Johann Kaspar Riesbeck 
Über die Gelehrten in Wien zu lesen
Im 26. Brief voller Spott und Ironie

Wer in Wien nicht als Gerber noch
Schmutzige Finger habe oder als
Klempner sei Gelehrter oder sonst
Schneider die nichts unterscheide

Zumindest kein Wissen denn hier
Nennen sich alle Gelehrte die einmal
Ihrer Liebsten schlechte Verse reimen
Egal ob sie etwas lehren könnten 

So macht er sich nebenbei auch über
Maria Theresia und Joseph lustig die
Jeden der etwas gelehrt sei belohnen
Eine Sammlung von Narren hätten 

Das ist ironisch politisch gewagt wie
Spöttisch über die Habsburger da
Zustände die das Reich auch schon
Bald gegen Napoleon untergehen ließ 

Doch diese noch vor der Revolution
Verfasste mutige Kritik beobachtet
Die kritischen Zustände im Reich
Sehr genau und aufmerksam dazu 

jens tuengerthal 21.3.26


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