Samstag, 28. März 2026

Lektürentagebuch 28.3.26

Lektürentagebuch 28.3.26

Wieder auf der Reise ins Paradies
Mit Heinrich und Christine Gondela
Dem Bremer Ehepaar in der Kutsche 
Das am 7. September 1802 aus Eger 

Berichtet wie die Reise von Carlsbad
Aus war wo sie erstmal zwei Stunden
Von fünf bis sieben auf ihre Pferde
Noch warten mussten die sie aber

Nutzten um zu lesen wer alles im
Städtischen Journal als Gäste neu 
Gemeldet wurde teilweise noch mit
Allen Titeln des Gatten wie bei einer

Dame aus Prag von Familie oder ein
Herr Offizier von und zu aus Preußen
Amüsieren sich dezent über die dort
Titelprotzerei noch bis zur Abfahrt

Die Fahrt wird ziemlich frisch bei
Steifem Westwind und führt sie in 
Die offene Ebene über grausam
Schlechte Straßen die sie zu sehr

Langsamer vorsichtiger Fahrt zwingen
Zum Glück hört der Kutscher auf sie
Fährt sehr achtsam diesmal sonst
Drohte ein Umkippen der Kutsche 

Durch die Gewitter der letzten Tage
War der lehmige Boden aufgeweicht
Die Räder versanken teilweise fast
Oder flog über Steine welche die

Bauern aus ihren Feldern auf die
Landstraße werfen was den Weg
Noch beschwerlicher machte es
Wäre ein ständiges Ruckeln nur

Ein Halt an einer Poststation dann
Um die Pferde zu wechseln wird 
Mit viel Humor beschrieben wie sie
Im Dienstraum des Postillons dort

Der zugleich auch sein Wohnraum
Mit Frau Tochter und Gesinde nun
Warten mussten bis sie sich wieder
Auf ihren Wagen setzten weil es

Völlig unerträglich war wie der Mann
Seine Frau und diese die Tochter in
Einem fort ankeifte mit denen sie in
Dem einen Raum gewartet hatten

Auf dem Weg kamen sie noch am 
Kloster Culm vorbei was sich nicht
Finden lässt aber am Weg durchs
Egerland liegt die Wallfahrtskirche

Maria Kulm die vermutlich gemeint
War denn es werden die Bauern
Wie vor allem schönen Bäuerinnen
Beschrieben die dorthin unterwegs

So seien besonders die Damen sehr
Geschmückt und ausstaffiert gewesen
Die sie am Wegesrand sitzen sahen 
Als sie ihre Schuhe wieder anzogen

Die wohl sehr gläubigen Damen 
Waren bis dahin barfuß gepilgert
Machten die Wallfahrt zum Feiertag
Maria Geburt die Herren trugen Schuh

Eger sehen sie schon lange vor sich
Aber dann dauert es noch ewig bis
Sie die Stadtmauer erreichen müssen
Vorher noch Hügel umfahren und

Durch enge Hohlwege fahren um
Dann durch ein grausenerregendes 
Uraltes Stadttor nach Eger zu kommen
Das sehr schön beschrieben wird

Uralte Renaissancegebäude neben
Lichteren neueren Bauten wäre alles
Sehr harmonisch und ansehnlich auch
In ihrem Gasthof bekamen sie ein

Großes geräumiges Zimmer aber
Machen sich gleich auf den Weg um
Das Schloss noch zu besichtigen 
Nachdem sie gegen sechs ankamen 

Dies war der Ort an dem Wallenstein
Mit seinen Getreuen 1634 ermordet
Wurde aber das Schloss war gegen
Ende des Krieges noch von den

Schweden zerstört worden die ja
Auch in Prag reichlich Kunst raubten
So ist nicht mehr viel zu sehen die
Räume wären nach oben offen

Ein angeblich noch im Rathaus 
Befindliches Wallenstein Portrait
Konnten sie nicht sehen weil der
Bürgermeister schon gegangen

Sonst fand sich dort niemand
Der einen Schlüssel zum Rathaus
Hatte und so gingen sie nach dem
Reichlichen Essen früh schlafen

Am nächsten Tag schon sollte es
Nach Franken bis Bayreuth gehen 
Warum sie früh los wollten und so
Zeitig erschöpft zu Bett gingen

Dieser immer wieder ironische 
Reisebericht über die teilweise
Unerträglichen Zustände für die
Reisenden ist ganz wunderbar

Es gibt ein Bild was Reisen zu
Beginn des 19. Jahrhunderts noch
Für ein Abenteuer war und welch
Unbill Reisende ertragen mussten


Weiter im gleichen Jahr geht es nun
Mit dem Spaziergang nach Syrakus
Von Johann Gottfried Seume dem
Dritten Band der Anderen Bibliothek 

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 
Kommt Seume in Wien an aber 
Erzählt vorher schon in Stockerau
Echt Wienerisch gegessen und

Das ist besonders erstaunlich
Geschlafen zu haben an der
Stadtgrenze scheint er den dortigen
Zöllnern verdächtig die ihn und

Seinen Tornister komplett filzen
Weil sie ihn für einen Juden halten 
Der Juwelen schmuggelt dafür
Lassen sie ihn eine Strafe zahlen

Weil er gegen etwas verstieß wovon
Keiner wissen konnte wonach es
Verboten sei versiegelte Briefe
In die Stadt einzuführen deren er

Aufgrund der Empfehlungsschreiben 
Zahlreiche bei sich hatte und dann
Durchsuchen sie auch ihn noch
Tasten die Nähte seiner Hose bis

Zur heiligen Naht ganz oben ab 
Aber alles wie die Durchsuchung
Immer mit hervorragender Höflichkeit
Dann müssen sie ihre Pässe abgeben 

Alles sollen sie bei der Abreise wieder 
Erhalten und Seume erzählt wie er
Die Besuche nach seinen vielen
Empfehlungsschreiben abstattete

Erzählt aber von den meisten erst
Nichts weil sein Leser sie ja alle
Wohl besser kennen würde und
Geht dann zu Füger und schwärmt

Dabei muss es sich um den Maler 
Heinrich August Füger handeln einen
Bekannten Maler des Klassizismus
Der nach seiner Italienreise 1783

Nach Wien kam und sich dort dann
Endgültig niederließ zentrale Figur
Der Wiener Kunstszene wird ab 1795
Direktor der Akademie der Künste ist

Dessen Bilder und ihre Wiedergabe 
Von Szenen des Homer wie der 
Antike beschreibt er mit großem
Enthusiasmus und viel Begeisterung

Auch sei Füger sehr sympathisch
Der sie nebenbei empfing sich dabei
Zeit nahm aber sie auch alleine
Einfach schauen ließ was ihm gefiel

Die Nähe zur eigenen Lektüre er
Hatte die klassischen Bänder die
Er mit sich trägt bei der Filzung
Noch beschrieben passt gut

Weitere Bilder von Füger sieht er
Noch bei einem Grafen Fries der
Mit viel Enthusiasmus auch der
Hiesigen Akademie verbunden wäre

Am Ende des ersten Abschnittes
Den ich heute nur las berichtet er
Vom enttäuschenden Besuch im
Nationaltheater in der Burg wie

Am Kärntnertor wo sie abwechselnd
Spielen würden so sei Brockmann
Dort völlig isoliert als einzig großer
Rutsche darum im Niveau herab 

Johann Hieronymus Brockmann
War einer der bedeutendsten Wiener 
Schauspieler an der Burg der sie
Zeitweise auch als Direktor leitete

Sehr lustig macht er sich über die
Schauspielerinnen die bestenfalls
Noch als Äbtissinnen taugten dort
Auf der Bühne peinlich waren

Er sah das Trauerspiel Regulus
Dabei könnte es sich um die Version
Von Heinrich Joseph von Collin
Handeln die zufällig 1802 erschien

Dies amüsierte ihn trotz mäßiger 
Schauspieler sehr weil es eines
Seiner liebsten historischen Themen
Behandelte und es wäre gut gemacht

Im übrigen wäre er dort mehr als nur
Zuschauer gewesen und nicht als
Rezensent warum seine Kritik hier
Vielleicht etwas mäßig nur wäre

Herrlich ist es so mit einem der
Intellektuellen und Autoren der
Zeit in das kulturelle Wien um
Das Jahr 1802 einzutauchen 

jens tuengerthal 28.3.26

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen