Lektürentagebuch 27.3.26
In der Verfeinerung der Deutschen
Kommt Erwin Seitz auf Martin Luther
Im Sog der Germania des Tacitus
Zeigt so den vielseitigen Reformator
Doch bevor er zu Luther kommt
Erzählt er vom guten Weg auch
Der Städte in Deutschland die
Wuchsen und Kultur entwickelten
Welche Wirkung die Renaissance
Dabei mit ihren Entdeckungen etwa
In einer Großstadt wie Nürnberg
Hatte oder in Augsburg auch
Der internationale Handel bot nun
Hohe Gewinne und infolge wurden
Bürger immer fürstlicher in ihrer Art
Zu leben und der Kultur um sie
Dabei kam es sicher bereits zu einer
Verfeinerung deutscher Kultur auch
Durch italienischen wie französischen
Einfluss der die Kultivierung förderte
Doch dann kommt Luther und wettert
Gegen Rom und gegen den Luxus
Erzählt von der Freiheit des Christen
Aber wünscht ihn sich ganz demütig
Der Augustiner Mönch der gegen
Die Wünsche seiner Eltern Theologie
Statt Jura studierte und so als Lehrer
In das abgelegene Wittenberg kam
Wie und warum er dort die 95 Thesen
An die Schlosskirche nagelte wider
Den Ablass weil es dieses Freikaufen
Für eine Sünde hielt und lieber den
Direkten Draht zu Gott predigte so
Einerseits Freiheit gab aber auch
Andererseits die Freiheit fürchtete
Dem Adel hohe Autorität gab
Seitz schildert diese Widersprüche
Bei Luther klug und erzählt sein
Leben weniger chronologisch als
Nach Höhepunkten mit Ziel
So soll der Reformator als auch
Tumber Tölpel bloß gestellt werden
Die Germania des Tacitus zu der ich
Noch nicht hier gelangte gab dafür
Sicher gute Gründe im Bild vom
Germanischen Deutschland dass
Die träge gewordenen Römer wecken
Sollte aber so ist sie auch zu lesen
Das ist etwas sehr durchschaubar
Aufgebaut auch wenn ich ihm nicht
Widersprechen würde was den
Kulturellen Schaden Luthers betrifft
Nur ist das Ende der Renaissance
Im Reich durch die Reformation der
Entscheidende Schaden der auch
Zuerst so benannt werden sollte
Das macht Seitz aus meiner Sicht
Einerseits gut indem er mit der
Urbanisierung Deutschlands auch
Infolge der Renaissance beginnt
Warum dann ein abtrünniger Mönch
Der zum reinen Glauben zurück will
Massen faszinieren konnte hing mit
Der geistigen Kultur der Renaissance
Die Freiheit und selbständiges
Denken förderte eng zusammen
Wie auch Luther Humanist war
Bis er als Reformator abstürzte
Der sich den Fürsten andiente
Ihnen ungeahnte Macht auch
Gegen den Papst versprach was
Im Konflikt das Mittelalter prägte
Hier erwähnt Seitz die Staufer
Aber schweigt zu Heinrich IV
Dem in Speyer begrabenen
Salier der nach Canossa ging
Über Luther plaudert er gut
Wenn auch ein wenig wild
Die Zeiten vermengend aber
Ihn als Problem zu sehen
Ist sicher ein guter Ansatz
Nur ob dieser irgend noch
Zur Verfeinerung der Deutschen
Beitrug scheint eher fraglich
Sicher braucht es auch die
Abschreckenden Beispiele
Irrwege der Kultur zu sehen
Aber weniger Luther wäre mehr
Enthalte mich noch von jedem
Urteil bis zum Ende des Kapitels
Aber weniger Aberglaube ist immer
Mehr Vernunft in der Kultur
Bin sicher vorne dabei über den
Rabiaten Antisemiten Luther zu
Schimpfen der die Bauern verriet
Aus taktisch klugen Gründen
Bleibe gespannt wie es nun bei
Seitz weitergeht dessen Richtung
Zumindest schon deutlich spürbar ist
Die im Ergebnis Zustimmung verdient
Noch einige Seiten Siri Hustvedt
Gelesen die liebevoll zärtlich über
Alte und neue Gewohnheiten im
Leben ohne Paul schreibt die zeigen
Wie lebendig sein Geist in diesen
Ghost Stories weiter spukt und wie
Präsent er damit immer noch ist
Wie erstaunlich dass immer ist
Sonntags kamen immer die Kids
Wie sie Sophie und ihren Mann
Spencer nannten und blieben
Zum Dinner so auch weiterhin
Wie Spencer die Küche machte
Während sie mit Sophie und dem
Kleinen Miles auf der Terrasse saß
Der glucksend die Blüte bestaunte
Als sie am nächsten Tag dann den
Geschirrspüler ausräumt ist sie
Völlig verwirrt weil nur drei Teller
Sauber in der Maschine stehen
Es waren doch all die Jahre immer
Vier dachte sie und überlegt was
Passiert sein kann ob der Teller
Vielleicht im Müll gelandet ist
Bis ihr einfällt sie waren zu dritt
Miles nahm bisher nur Milch zu sich
Hätte sie jemand gefragt wo Paul ist
Hätte sie sofort gesagt er ist tot
Aber in der alltäglichen Gewohnheit
War das Fehlen seltsam irritierend
Dann erinnert sie sich an das große
Umräumen der Bibliothek zurück
Das war vor etwa 15 Jahren und die
Bibliothek im zweiten Stock war die
Von Paul in der er auch sterben wollte
Diesem hellen lichten Raum dort
Sein Bedürfnis nach Licht nahm
Gegen Ende hin deutlich zu erzählt
Sie und ich denke an Goethes letzte
Worte in diesem Zusammenhang
Beim Umräumen der Bibliothek
Springt sie im Absatz zurück wie
Das Buch voller Gedankensprünge
In Absätzen auch immer wieder ist
Sie wachte nachts auf und kein Paul
Neben ihr verwirrt machte sie Licht
Ging in den Flur und sah dann das
Licht aus der oberen Bibliothek
Sie ging hinaus und er saß nur
Mit einer Boxershorts bekleidet
Auf der Leiter und räumte weiter
Bücher in die oberen Regale
Dass sie dabei noch bemerkt es
Wird eine blau oder grün karierte
Boxer gewesen sein ist wieder
Eine liebevolle Bezugnahme
Erinnert daran dass er die roten
Nicht ausstehen konnte darum
Immer blau oder grün trug eine
Wieder dezente Liebeserklärung
Denke an meinen Vater der auch
Nachts manchmal verrückte Aktionen
Noch zu Ende bringen musste
Wie ich auch vor allem anderen
Nach meinem Umzug bis in tief
In die Nacht die Bibliothek voll
Zärtlicher Liebe noch einräumte
Mit auch einer Ordnung eigener Art
Siri erzählt wie sie Gertrude Stein
Suchte und fluchte und ich lache
Denke daran wo sie bei mir liegt ja
Manche Bücher liegen andere stehen
Ein zärtlich naher und dabei wieder
Ganz wunderschöner Blick in das
Leben der beiden Autoren und noch
Schöner dabei auf ihre Liebe
jens tuengerthal 27.3.26
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