Lektürentagebuch 28.2.26
Zum Geburtstag des noch immer
Großartigen Michel de Montaigne
Der am 28. Februar 1533 auf dem
Schloss Montaigne geboren wurde
Diese Verse zur Lektüre seines Essay
Über einige Verse von Vergil in dem
Sich der Autor als bereits alter Mann
Schon gleich zu Anfang offenbart
Dies um später auf die Ehe wie die
Liebe und Leidenschaft nach diesen
Versen zu sprechen zu kommen mit
Einer wunderbar praktischen Freiheit
Lese Montaigne in der Übersetzung
Von Hans Stilett in der so schönen
Ausgabe der Anderen Bibliothek
Einer der lohnendsten Schätze
Doch der Reihe nach um dem feinen
Humor dieses klugen Geistes genug
Respekt zu erweisen wie zuerst dem
Geburtstagskind auch zu gedenken
Montaigne wurde von seinem Vater
Ganz im Geist der Renaissance
Nach modernen Prinzipien erzogen
Die wirklich erstaunlich waren
Die ersten Jahre lebte Montaigne
Bei Bauern in ländlicher Umgebung
Lernte den Dialekt des Périgord als
Erste Sprache und das einfache
Leben der Bauern statt privilegiert
Als Adeliger auf einem Schloss
Diesen Adel und damit das Gut
Hatte erst der Großvater erworben
Ganz ursprünglich war die Familie
Eine von aus Spanien vertriebenen
Juden die im Handel reich wurden
Erst sein Vater lebte als Adeliger
Das heißt er lebte von seinen
Gütern leistete dem König im
Krieg seinen ritterlichen Dienst
Er erzog seinen Sohn nun so
Nach der Zeit auf dem Land kam
Ein Latein und Griechisch Lehrer
Wohl ein deutscher Humanist
An den Hoff mit klaren Regeln
Michel sollte fließend griechisch
Wie lateinisch lesen und sprechen
Die Quellen der Humanisten damit
Im Original noch lesen können
Diese Fähigkeit nutzte Montaigne
Auch seine Essays sind voller Zitate
Zu denen er nicht immer den Autor
Nennt so wie sie ihm gerade einfallen
Diese spielerische Leichtigkeit auf
Intellektuell höchstem Niveau die
Gerne betont wie wenig ernst sie
Doch alles nimmt ist sehr vornehm
Als Jugendlicher kam er dann auf die
Schule und zum Studium des Rechts
Nach Bordeaux hatte also viele ganz
Unterschiedliche Prägungen erfahren
Er war eine zeitlang nach seiner
Reise über Deutschland nach Rom
Bürgermeister von Bordeaux aber
Zog sich dann auf sein Gut zurück
Hier in einem Turm neben dem
Schloss hatte er seine Bibliothek
Lebte dort wohl auch und überließ
Frau und Tochter das Schloss
Nach seinen eigenen Angaben
Zog er sich zum Schreiben völlig
Zurück und überließ die Führung
Der Geschäfte lieber seiner Frau
Während der Hugenottenkriege
War der Katholik Montaigne auch
Berater des Protestanten Henrich
Von Navarra der später berühmt
Wurde als Henri Quatre dem
Paris eine Messe am Ende wert
Noch war er beriet aber auch
Schon vorher Könige in Paris
Korrespondierte mit den großen
Humanisten seiner Zeit aber auch
Mit Elisabeth I von England wo seine
Essays die Zensur überstanden
Je gehaltvoller und bedeutender die
Uns förderlichen Gedanken wären
Beginnt Montaigne dies Essay desto
Stärker beanspruchten sie uns
Wichtig wäre darum unseren Geist
Darin zu schulen wie wir den Übeln
Standhalten können für ein rechtes
Leben und rechten Glauben jedoch
Soll dies nur in Maßen geschehen
Es bräuchte auch Erholungspausen
In seiner Jugend hätte er sich ständig
Zur Ordnung noch rufen müssen
Lebenslust und Gesundheit vertrügen
Sich schwer mit der Vernunft würde
Gesagt gegenwärtig aber sei er in
Der eher gegenteiligen Lage
Die Altersbeschwerden riefen ihn
Mehr als genug zur Ordnung und
Nehmen ihn mehr als das nun
Ins Gebet mit den üblichen Qualen
Aus zuviel Lustigkeit wurde ein
Zuviel an Ernst was misslich wäre
Warum er sich absichtlich etwas
Gehen ließe mit freiem Geist
Er sei zu gesetzt bedächtig gereift
Sein Geist brauche mehr Übermut
Um sich zu entspannen der Körper
Fürchtet inzwischen Ausschweifungen
Sein herrischer Geist verbiete ihm
Seinen Lehrgang über Leid Buße
Wie den Tod nur eine Stunde zu
Schwänzen doch er wehre sich
Mit feinem Humor beschreibt er
Dass er sich nun gegen ewige
Enthaltsamkeit so wehren müsse
Wie früher gegen die Wollust
Er möchte jedoch Herr seiner Sinne
Bleiben in jedem Sinne denn auch
Weisheit könne übertrieben werden
Was zur Vertrocknung nur führe
So stiehlt er sich gerne davon in
Den Ruhepausen die das Leiden
Ihm gelegentlich noch gönnt damit
Sein Geist sich nicht ständig quäle
Dann denkt er an das was er verlor
Lustwandelt in Erinnerung der Jugend
So blickt die Jugend nach vorne das
Alter nach hinten auf dem Januskopf
Auch wenn die Jugend aus ihm flieht
Erinnert er sich ihrer Schönheit gern
Weil zweimal lebt wer heut sich seines
Gestern freut was auch Platon riete
Früher waren düstere Tage ihm noch
Die Ausnahme heute sind sie normal
So macht er bald Freudensprünge
Wenn ihn einmal nichts mehr plagt
Was mich an die alte Weisheit erinnert
Wenn du ab 50 ohne Schmerzen mal
Erwachst dann bist du nicht mehr es
Ist also keine Besserung zu erwarten
Nur mit Träumen und Gedanken
Kann er den Gram des Alters noch
Zeitweise zumindest verscheuchen
Doch dauerhaft braucht es Arznei
Einfältig sei es die Widrigkeiten des
Lebens durch Vorwegnehme noch
Zu verlängern er wolle lieber weniger
Lange alt sein als alt vorher sein
Halte ich für einen Trugschluss der
Eher das Gegenteil noch erreicht
Wer mit dem schlimmsten rechnet
Kann kleine Freuden eher genießen
So packe er jede sich ihm bietende
Gelegenheit zum Vergnügen zwar
Zwar habe er von weiser Lust gehört
Jedoch wecke dies die seine nicht
Zumal habe anderer Leute Meinung
Keine Macht über ihn um seine Lust
Auf so etwas zu wecken zahlt dass
Es ihm keine Mühe mehr mache
Hier zitiert er die wunderbaren Verse
Die warnen wir entfernten uns von
Der Natur und folgen der Mehrheit
Von der nie etwas Gutes noch kommt
Seine Philosophie bestehe im Tun
In der natürlichen Praxis dafür kaum
Im Spekulieren der Leute reden ließ
Ihn kalt allein seinem Wohl galt alles
Sinnenlust habe wenig mit Ehrgeiz
Zu tun sie finde sich reich genug
Warum sie sich im Schatten noch
Am wohlsten fühle alles käme
Zu seiner Zeit und so fände er nun
Gefallen an den Albernheiten der
Alten wie Wein und Saucen dazu
Es gäbe nur noch Spielzeug für ihn
Als wäre er wieder in der Kindheit
Weisheit und Torheit werden in
Seinem Greisenturm konkurrieren
Er werde auch immer anfälliger noch
Empfindlich sei er immer gewesen
Doch inzwischen genügt schon ein
Leichter Stoß und er fällt hin klagt
Montaigne ohne maulen zu wollen
Das verbiete ihm sein Verstand der
Aber nicht davor schütze es so zu
Empfinden so täte er alles für ein
Heiteres und wohlgemutes Jahr
Sein einziger Ziel sei es zu leben
Wie dabei guter Dinge zu sein die
Düstere Ruhe gäbe es genug für ihn
Doch sie schläfere ihn nur ein
Fände sich irgendein Mensch egal wo
Dem seine Gesellschaft so zusagt wie
Ihm die ihre bräuchte sie nur pfeifen
Schon versorgte er sie mit Essays
Weil es das Vorrecht des Geistes ist
Sich über das Alter zu erheben rät
Er dem seinen dies dringend zu tun
Möge er nur blühen wie er noch kann
Doch er fürchtet dieser habe sich
Bereits zu eng mit seinem Körper
Verbündet um diesem in die Misere
Die das Alter mit sich bringt zu folgen
Vergeblich rede er schmeichelnd
Noch auf ihn ein bemühe Seneca
Oder die Tänze der Damen am Hof
Kaum hätte der Körper eine Kolik
Hat der Geist sie offensichtlich auch
Selbst Denken seine eigene Aufgabe
Könne er nicht mehr vernünftig alle
Munterkeit ist mit dem Körper dahin
Ohne Gesundheit nutze auch kein
Glaube keine Liebe kein Geschrei
Nicht mal Dichtkunst bringe dann
Noch was oder der Wein
An dieser Stelle unterbreche ich
Das Lektürentagebuch um es die
Nächsten Tage fortzusetzen mit
Freude an Montaignes Ironie
jens tuengerthal 28.2.26
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