Sonntag, 22. Februar 2026

Lebensbücher

Lebensbücher

Es gibt so Bücher
Die haben wirklich
Mein Leben verändert
Liebe sie noch bis heute

Sicher alle irgendwie aber
Nur wenige verdienen noch
Der ausdrücklichen Erwähnung
Weil sie weiter in mir wirken

Zuerst die Buddenbrooks
Die mich spüren ließen
Es gibt so Familien die
Sich für besonders halten

War selbst in so einer auch
Aufgewachsen und es ist
Damit Teil meiner Geschichte
Die es einfach fortsetzte

Dann der Zauberberg diese
Kulturgeschichte des alten Europa
In dem ich so vielfältig lange wie
Wirklich Zuhause auch war

Hatte als kleiner Junge in Davos
Skifahren gelernt als mein Vater
Dort auf einem Kongress war für 
Lungenärzte ganz zufällig

Joseph und seine Brüder wurde
Die späte Liebe weil ich es lang
Der biblischen Geschichte wegen
Die mir zuwider war verschob

Heute sehe ich den Humor von
Thomas Mann vielmehr als bei
Der ersten Lektüre lächle stets
Während ich Mann lese dezent

Die Essays von Michel de Montaigne
Gehören auch zu den wichtigen wie
Prägenden Büchern meines Lebens
Das mich kritisch denken ließ 

Bei Montaigne lernte ich Frankreich
Verstehen und lieben auf seine so
Eigentlich uneitle Art die dennoch
Standesbewusst vornehm ist

Die Kulturgeschichte der Neuzeit
Von Egon Friedell gehört auch zu
Den prägenden Büchern meines
Lebens als neugieriger Leser

Auch im Widerspruch zu dem großen
Wiener betrachtete ich Geschichte
Auf meine Art und lernte von ihm
Der klug in die Zeiten blickte

Auf der Suche nach der verlorenen
Zeit von Marcel Proust lese ich nun
Häppchenweise seit über 33 Jahren
Werde es vielleicht nie vollenden

Aber missen wollte ich es nie und
Immer liegt ein Band am Bett falls
Die Laune nach Proust mich von
Irgendwoher verloren anweht

Die Lyrik von Erich Fried hat die
Eigene Dichtung auch geprägt 
Eine Gesamtausgabe seiner
Lyrik steht dennoch im Flur

Manch abstruse linke Solidarität
Blieb mir eher fremd aber in der
Liebe hat er wundervoll gedichtet
Ihn nicht zu erwähnen fehlte was

Goethe natürlich ganz vielfältig
In der Lyrik mit dem Faust mehr 
Noch im Wilhelm Meister hat er
Das Lesen und Denken geprägt

Fühlte mich ihm verwandt stets
Liebte Weimar als es noch nicht
So braun in Thüringen wurde 
Wuchs als Kind in Frankfurt auf 

Lukrez de rerum hat mein Denken
Durch das geniale Buch auch von
Stephen Greenblatt die Wende wie
Die Renaissance begann geprägt

Er ist obwohl über zweitausend Jahre
Inzwischen alt noch immer aktuell
Seine Verse zu Epikur haben mich 
Auch durch dunkle Zeiten getragen

Der Brockhaus will ich schreiben wie 
Lexikalisches Wissen und Denken
Bücher über die Enzyklopädisten 
Von Philipp Blom wurden Teil davon

Dazu gehören auch die Ausgaben
Der Anderen Bibliothek zum Thema
Der Enzyklopädie wie Humboldt und
Viele großartige Bände dieser auch

Nicht zu vergessen schließlich noch
Franz Hessel und sein Umfeld die
Das Lebensgefühl als Flaneur in 
Berlin für mich entscheidend prägten

Viel geistige Verwandtschaft mit dem
Leicht depressiven Autor der einen so
Liebevollen Blick auf die Welt hat an
Der er immer wieder auch verzweifelt

Viele Bände der Bibliothek in der ich
Leben darf nun nicht genannt scheint
Der Blick immer unvollständig aber
Trifft es doch im Kern ganz genau 

Bin schon mit Büchern aufgewachsen
Sie prägen mein Denken wie meine
Erinnerung soweit ich denken kann
Dankbar glücklich darüber noch

jens tuengerthal 22.2.26

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen