Sonntag, 22. Februar 2026

Lektürentagebuch 21.2.26

Lektürentagebuch 21.2.26

In den frühen Morgenstunden bevor
Es hell wurde las ich noch etwas
Amüsiert Tucholsky aus dem Band 
Vorne Ostsee hinten Friedrichstraße 

Zuerst ironisch breitgetreten den
Mann mit der Mappe der typisch
Für die geschäftigen Berliner wäre
Das ist nett gemacht aber nervt

Denke ich brauche nun einige
Tage Pause vom ewig moralischen
Zeigefinger linker Betroffenheit die
Dabei noch witzig sein möchte

Große Kunst und gute Satire aber
Finde den Kurt irgendwann immer
Etwas zu moralisch deutlich mit
Zeigefinger den Ironie ausbügeln soll

Auch das nächste Gedicht über
Mutters Hände geht wieder in 
Diese Richtung und berlinert sehr
Was mir immer bemüht vorkommt

Mag sein dass wer aus ähnlichem
Miljöh das zart und komisch findet
Dem Dichter hier kommt es immer
Etwas bemüht dabei vor aber

Etwas Pause lässt mich wieder
Über Kurt gerne lächeln er ist 
Schon gut nur manchmal etwas
Zu deutlich es zu bleiben


Bei John Berger in Das Kunstwerk
Über das Geheimnis des Frans Hals
Gelesen in dem der Autor vermutlich 
Ein nur erfundenes Bild beschreibt 

Spannend wie ein Krimi wird hier
Ein Gemälde beschrieben das die
Elemente verschiedener anderer
Gemälde der Kunstgeschichte vereint

Natürlich suchte ich nach dem Bild
Aber es gibt nichts vergleichbares
Im umfangreichen Werk von Hals 
So fragt sich was sollte es hier

Gut gemacht die nebenbei noch
Aufklärung über Hals Leben wie
Das Spiel mit dem sexuellen
Element das Kunst gern umgibt 

Die Lektüre natürlich genutzt Thesen
Von Berger zu prüfen wie in das
Leben des großen Niederländers aus
Der goldenen Epoche einzutauchen 

Herrlich hat sich Berger hier ein Bild
Einfach ausgedacht das zwischen 
Courbets Ursprung der Welt und
Rembrandts Frauenbildern liegt 

Das beides passt nicht zu Hals
Aber die Geschichte dazu lässt
Den Blick tiefer gehen und so
Besser verstehen was zählt

Auch Kunst die es nicht gibt kann
Das Verständnis für Kunst deutlich
Erhöhen und zur Auseinandersetzung
Mit dem Künstler uns bringen

Das ist eine etwas verrückte Idee
Vielleicht typisch englisch wieder
Aber erhöht die Sensibilität für 
Künstler und ihr Werk noch weiter

Kunst ist mehr als Geschichten über
Bilder zu erzählen es ist eben auch
Schauen zu lernen um verstehen
Zu können was ein Werk groß macht

Das Geheimnis des Frans Hals am
Beispiel eines erfundenen Bildes im
Biographischen Kontext zu erzählen
Hilft Mensch und Künstler zu sehen


Bei Olaus Magnus noch einige Seiten
Zur mittelalterlichen Kartographie die
Vielfach eher symbolisch noch war
Gelesen und den Geist verstanden

Das Mittelalter vermaß die Welt noch
Nach Osten hin mit Jerusalem als 
Zentrum einer spirituellen Welt die
Weniger an der Wirklichkeit orientiert

So auch die Maßstäbe damaliger
Karten und deren Linierung nach
Östlich orientieren Rosetten statt
Einer klaren Nordung aller an Karten 

Das Mittelalter passte noch den Blick
Auf die Welt der geistigen Welt an 
Statt diese der Wirklichkeit als einer
Belegten Tatsache unterzuordnen 

Diese kluge Beschreibung verrät
Mehr über die revolutionäre auch
Veränderung des Denkens das die
Renaissance zuerst mitbrachte

Spannend den Flüchtling aus
Dem hohen Norden zu sehen
Der noch im Mittelalter steckte nun
In Italien im Geist der Renaissance

Seine Heimat kartographierend
Den Übergang deutlich machte
Eine tief symbolische Leistung
Zwischen Weltreich und Nation

jens tuengerthal 21.2.26


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