Lebensbücher III
Drei große Romane habe ich schon
Im ersten Teil der Lebensbücher hier
Erwähnt doch war das nur ein kleiner
Ausschnitt wie die Spitze des Eisberg
Es begann mit den Kinderbüchern
Danach kam eine Phase von eher
Schlechten Jugendbüchern die hier
Getrost verschwiegen werden können
Von Schloss Schreckenstein über
TKKG und ??? war alles mit dabei
Was keiner Erwähnung mehr wert ist
Dann kam Agatha Christie die ich
Als kluge ältere Engländerin schätzte
Die meiner Omi gefühlt sehr glich
Wie Sherlock Holmes eine Zeit aber
War nie ein großer Krimi Fan
Die Mutter meiner ersten längeren
Beziehung war Buchhändlerin und
Hörte gerne Tom Waits sie brachte
Einiges was uns wenig interessierte
Damals waren die noch relativ neuen
Körperlichen Experimente wichtiger
Als gemeinsame Lektüre die ich heute
Für die schönste Vorstellung halte
Die erste Literatur bekam ich dann
Von meinem Patenonkel mit 15 zur
Konfirmation schenkte er mir einige
Bände Hemingway mit Biographie
Sein Vater hatte ja noch mit Ernest
Und Picasso um die Wette in Paris
Gesoffen und viel Spaß gehabt der
Zufällig mein Großvater auch ist
Der kleine Bruder meines Vaters
War immer so ein Hemingway Typ
Auch gewesen wofür ich ihn erst
Bewunderte und lange nacheiferte
Als ich merkte dass ich ganz anders
In allem einfach bin ließ beides nach
Was vermutlich allen gut tat aber so
Prägte Hemingway mich schon früh
Toll und männlich wollte ich auch sein
Cool ohnehin und so waren Ernest
Wie mein Onkel die richtigen Vorbilder
Mit 15 und zu lange weiter noch
Die nächste Entdeckung mit 16 war
Gabriel Garcia Marquez dabei war
100 Jahre Einsamkeit mein Anfang
Liebte ihn und er war mir auch fremd
Las einige Südamerikaner auch was
Humboldt darüber schrieb hörte die
Reiseberichte meines Vaters und
Wusste immer ist nicht meine Welt
In der Schule lasen wir einiges was
Leider genau darum auch weniger
Begeisterung bei mir weckte halt
Schullektüre wurde erst später gut
Mit 17 hatte ich eine zwei Jahre
Ältere Freundin was ich aus guter
Erfahrung immer bevorzugte die
Vom Gegenteil bestätigt wurde
Da kam Thomas Mann zu mir und
Wurde beginnend mit Buddenbrooks
Zu meiner literarischen Heimat erst
In dünner Fischer Ausgabe noch
Damit hatte ich alle Romane die
Stück für Stück gelesen wurden
An was ich mich erst noch etwas
Gewöhnen musste aber dann
Immer mehr in diese Welt tauchte
Während andere Tolkien lasen
Liebte ich Mann und rauchte Pfeife
Hatte bald einen Lesesessel auch
Irgendwas von Ikea vermutlich der
Lag ja in Walldorf direkt vor der Tür
Ging mit der Freundin die schon
Ein Auto hatte auf Flohmärkte
In Konkurrenz mit meinem Freund
Gleichen Namens begann dann
Der Ehrgeiz zu sammeln und
Tollere Funde noch zu machen
Dabei unterlag ich meistens der
Ein halbes Jahr jünger und eher
Unerfahren auf Flohmärkten war
Aber manchmal machte auch ich
Große Neid erweckende Funde
Etwa auf unserem Dachboden noch
Wo die Bibliothek der Urgroßmutter
Die in ihrem Haus verbrannte zum
Auslüften deponiert waren so kam ich
Zu schönen Klassiker Ausgaben oder
Einer kommentierten Ausgabe von
Hitlers unsäglichen Mein Kampf was
Nicht zu lesen war auch nur die
Billige Taschenbuchausgabe der
Urgroßmutter war ein peinliches Ding
Was leider irgendwann verschwand
Vermute zu wissen wer es damals
An sich nahm kann es aber weder
Beweisen noch ist es wichtig der
Typ war so schlecht wie überflüssig
Bei Besuchen in Frankfurt erst mit
Der Freundin mit Auto wie später
Mit dem eigenen entdeckte ich
Zweitausendeins was Bibliothek
Wie Sammelleidenschaft noch
Zusätzlich weiter wachsen ließ
Gab einige überraschende Pakete
Voller Bücher die gut waren
Arbeitete viel im Krankenhaus um
Die große Jean Paul Ausgabe zu
Erstehen die dort herauskam aber
Nicht wirklich verschlungen wurde
Gleiches gilt für André Gide der
Auch als ganzes zu mir zog aber
Für den ich über Hessel und Roché
Nun brennen könnte bin gespannt
Auch daher kamen Pakete mit der
Bibliothek Suhrkamp zu mir die so
Einige wunderbare Werke brachten
Wie Aitmatovs Dschamilja die mir
Der Vater voller Begeisterung stets
Nahe legte wie griechische Sagen
Der Schwab zog irgendwann zu mir
Aber blieb eher ungelesen auch
Klassiker Ausgaben kamen in noch
Einzelnen Bänden vom Großvater
So entdeckte ich etwa Heine zu
Anfang der neunziger Jahre schon
Vom ersten Geld was ich damals
Als Journalist noch in der Schule
Beim Radio verdiente kaufte ich
Goethes Dichtung und Wahrheit
War hin und weg und entdecke
Bald den Wilhelm Meister und
Fühlte mich ihm so verwandt
Wie zugleich gut erkannt auch
Sehr lang wurde die Karriere
Beim Radio dann nicht doch
Sie brachte noch einigen Zuwachs
Aber es blieb noch überschaubar
Auf dem Flohmarkt fand ich in
Dieser Phase Anfang der neunziger
Die da schon hundert Jahre alte
Ausgabe von Casanova mein Leben
Ein Schnäppchen da noch in üblem
Zustand der sich bisher nicht besserte
Der Bruder des Grand Orient aus der
Loge in Lyon kam mir vielfältig nah
Er liebte die Frauen wirklich und
Schreibt mit viel Gefühl über sein
Bemühen auch um ihr Glück was
Ihm scheinbar stets wichtiger war
So gesehen war er mir ein guter
Lehrer und die Frauen zu lieben
Statt sie nur zu benutzen entsprach
Auch mehr meiner Natur oder
Vielleicht auch dem was meine
Mutter mich lehrte der ich so
Ähnlich wie verwandt auch war
Die früh Frauengruppen leitete
Seine Reisebeschreibungen und
Abenteuer sind nett aber doch
Weniger reizvoll als viele andere
Casanova las ich der Liebe wegen
Über die Freimaurer wuchs mein
Interesse an Büchern noch weiter
Auf verschiedenen Gebieten aber
Blieb bis in die Gegenwart auf
Gute Literatur immer konzentriert
Fontane tauchte früh auf und wurde
In verschiedenen Phasen treuer
Freund mir was mit der Effi begann
Die Österreicher entdeckte ich über
Joseph Roth im Deutsch LK der
Fand bald zahlreiche Nachbarn
Noch bis in die Gegenwart auch
Kafka ist da vollständig wohl aber
Begeisterte mich nie wirklich der
Von früh an die Ironie von Mann
Also Gipfel der Sprache liebte
Unter die Österreicher zähle ich
Auch die alten Ungarn von denen
Einige sehr gut bei mir ankamen
Meist noch aus kuk Zeiten erzählend
Warum auch Kafka als gebürtiger
Böhme bei den Österreichern noch
War zu den Kukasiern zählt wie
Roth der Galizier natürlich auch
Einige Engländer und Engländerinnen
Die besten Franzosen natürlich da
Wuchs die Zuneigung langsam erst
Auch ein paar Amerikaner noch
Siri lag mir gleich mehr als Paul
Mit 17 auch lernte ich mit meinem
Vater in Amsterdam bei einer so
Nicht geplanten Übernachtung
Die unerträgliche Leichtigkeit
Des Seins von Kundera kennen
Verschlang es später fasziniert
Ein Buch über Liebe Lust und Leben
Die Unsterblichkeit von Kundera
Fand ich später geistig spannender
Philosophisch tiefer als diese etwas
Eigene Liebesgeschichte in der
Unerträglichen Leichtigkeit die
Jules und Jim im Sozialismus spielt
Ohne geistig so spannend zu sein
Weil Kundera eben Böhme ist
Max Frisch der Homo Faber wie
Dürrenmatt fand ich wunderbar
Obwohl mein Vater schon so
Euphorisch davon geschwärmt
Von Rilke schwärmte er auch
Zitierte den Panther zu gerne noch
Ungefragt vergaß den Anfang nie
Aber fand Rilke kitschig langweilig
Passend zu kitschig langweilig ist
Auch Hermann Hesse da in einer
Sehr kurzen esoterischen Phase
Alles verschlungen und gelangweilt
Als Dichter ist Hesse unerträglich
Ein nur menschlicher Coelho der
Gut über Literatur schrieb zumindest
Mit Thomas Mann befreundet war
Irgendwann kamen auch die
Großen Russen zuerst Tolstoi
Dann Dostojewski später auch
Der feine Vladimir Nabokov
Am Ende sollen Tucholsky der mit
Schloss Gripsholm und Rheinsberg
Zwei prägende Liebesgeschichten
Schrieb die Lust auf vieles machten
In Rheinsberg war ich häufiger nun
Mit verschiedenen Damen dabei doch
Frisch verliebt war ich da nie aber
Wer weiß was noch kommen könnte
Wie Siegfried Lenz und Günter Grass
Nicht unerwähnt bleiben ohne eines
Ihrer Werke besonders zu betonen
Hessel lese ich viel lieber noch
Ob ich suche was mir ähnelt
Oder gerade das Gegenteil will
Bin ich nicht ganz sicher bisher
Vielfältig spannend kommt mir vor
Was ich gerade in Gedanken wieder
Las und finde es gut so ein so buntes
Leben gelebt zu haben und werde
Nun gegen halb acht etwas ruhen
jens tuengerthal 25.2.26
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