Mittwoch, 25. Februar 2026

Lebensbücher III

Lebensbücher III

Drei große Romane habe ich schon
Im ersten Teil der Lebensbücher hier 
Erwähnt doch war das nur ein kleiner
Ausschnitt wie die Spitze des Eisberg

Es begann mit den Kinderbüchern
Danach kam eine Phase von eher
Schlechten Jugendbüchern die hier
Getrost verschwiegen werden können 

Von Schloss Schreckenstein über
TKKG und ??? war alles mit dabei
Was keiner Erwähnung mehr wert ist 
Dann kam Agatha Christie die ich

Als kluge ältere Engländerin schätzte
Die meiner Omi gefühlt sehr glich 
Wie Sherlock Holmes eine Zeit aber
War nie ein großer Krimi Fan 

Die Mutter meiner ersten längeren 
Beziehung war Buchhändlerin und
Hörte gerne Tom Waits sie brachte
Einiges was uns wenig interessierte 

Damals waren die noch relativ neuen
Körperlichen Experimente wichtiger
Als gemeinsame Lektüre die ich heute
Für die schönste Vorstellung halte

Die erste Literatur bekam ich dann
Von meinem Patenonkel mit 15 zur
Konfirmation schenkte er mir einige
Bände Hemingway mit Biographie

Sein Vater hatte ja noch mit Ernest
Und Picasso um die Wette in Paris
Gesoffen und viel Spaß gehabt der
Zufällig mein Großvater auch ist 

Der kleine Bruder meines Vaters 
War immer so ein Hemingway Typ
Auch gewesen wofür ich ihn erst 
Bewunderte und lange nacheiferte

Als ich merkte dass ich ganz anders
In allem einfach bin ließ beides nach
Was vermutlich allen gut tat aber so
Prägte Hemingway mich schon früh

Toll und männlich wollte ich auch sein 
Cool ohnehin und so waren Ernest
Wie mein Onkel die richtigen Vorbilder
Mit 15 und zu lange weiter noch

Die nächste Entdeckung mit 16 war
Gabriel Garcia Marquez dabei war
100 Jahre Einsamkeit mein Anfang 
Liebte ihn und er war mir auch fremd

Las einige Südamerikaner auch was
Humboldt darüber schrieb hörte die
Reiseberichte meines Vaters und
Wusste immer ist nicht meine Welt

In der Schule lasen wir einiges was
Leider genau darum auch weniger 
Begeisterung bei mir weckte halt
Schullektüre wurde erst später gut

Mit 17 hatte ich eine zwei Jahre
Ältere Freundin was ich aus guter 
Erfahrung immer bevorzugte die
Vom Gegenteil bestätigt wurde

Da kam Thomas Mann zu mir und
Wurde beginnend mit Buddenbrooks
Zu meiner literarischen Heimat erst
In dünner Fischer Ausgabe noch

Damit hatte ich alle Romane die
Stück für Stück gelesen wurden
An was ich mich erst noch etwas
Gewöhnen musste aber dann

Immer mehr in diese Welt tauchte
Während andere Tolkien lasen
Liebte ich Mann und rauchte Pfeife
Hatte bald einen Lesesessel auch

Irgendwas von Ikea vermutlich der
Lag ja in Walldorf direkt vor der Tür
Ging mit der Freundin die schon
Ein Auto hatte auf Flohmärkte 

In Konkurrenz mit meinem Freund
Gleichen Namens begann dann
Der Ehrgeiz zu sammeln und
Tollere Funde noch zu machen

Dabei unterlag ich meistens der
Ein halbes Jahr jünger und eher
Unerfahren auf Flohmärkten war
Aber manchmal machte auch ich

Große Neid erweckende Funde 
Etwa auf unserem Dachboden noch
Wo die Bibliothek der Urgroßmutter 
Die in ihrem Haus verbrannte zum

Auslüften deponiert waren so kam ich
Zu schönen Klassiker Ausgaben oder
Einer kommentierten Ausgabe von
Hitlers unsäglichen Mein Kampf was

Nicht zu lesen war auch nur die
Billige Taschenbuchausgabe der
Urgroßmutter war ein peinliches Ding
Was leider irgendwann verschwand

Vermute zu wissen wer es damals
An sich nahm kann es aber weder
Beweisen noch ist es wichtig der
Typ war so schlecht wie überflüssig

Bei Besuchen in Frankfurt erst mit
Der Freundin mit Auto wie später
Mit dem eigenen entdeckte ich
Zweitausendeins was Bibliothek

Wie Sammelleidenschaft noch
Zusätzlich weiter wachsen ließ
Gab einige überraschende Pakete
Voller Bücher die gut waren

Arbeitete viel im Krankenhaus um
Die große Jean Paul Ausgabe zu
Erstehen die dort herauskam aber
Nicht wirklich verschlungen wurde 

Gleiches gilt für André Gide der
Auch als ganzes zu mir zog aber
Für den ich über Hessel und Roché
Nun brennen könnte bin gespannt

Auch daher kamen Pakete mit der
Bibliothek Suhrkamp zu mir die so
Einige wunderbare Werke brachten
Wie Aitmatovs Dschamilja die mir

Der Vater voller Begeisterung stets
Nahe legte wie griechische Sagen 
Der Schwab zog irgendwann zu mir
Aber blieb eher ungelesen auch

Klassiker Ausgaben kamen in noch
Einzelnen Bänden vom Großvater
So entdeckte ich etwa Heine zu 
Anfang der neunziger Jahre schon

Vom ersten Geld was ich damals
Als Journalist noch in der Schule
Beim Radio verdiente kaufte ich
Goethes Dichtung und Wahrheit

War hin und weg und entdecke
Bald den Wilhelm Meister und
Fühlte mich ihm so verwandt
Wie zugleich gut erkannt auch

Sehr lang wurde die Karriere
Beim Radio dann nicht doch 
Sie brachte noch einigen Zuwachs
Aber es blieb noch überschaubar

Auf dem Flohmarkt fand ich in 
Dieser Phase Anfang der neunziger
Die da schon hundert Jahre alte
Ausgabe von Casanova mein Leben

Ein Schnäppchen da noch in üblem 
Zustand der sich bisher nicht besserte
Der Bruder des Grand Orient aus der
Loge in Lyon kam mir vielfältig nah

Er liebte die Frauen wirklich und
Schreibt mit viel Gefühl über sein
Bemühen auch um ihr Glück was
Ihm scheinbar stets wichtiger war

So gesehen war er mir ein guter
Lehrer und die Frauen zu lieben 
Statt sie nur zu benutzen entsprach
Auch mehr meiner Natur oder 

Vielleicht auch dem was meine
Mutter mich lehrte der ich so
Ähnlich wie verwandt auch war
Die früh Frauengruppen leitete 

Seine Reisebeschreibungen und 
Abenteuer sind nett aber doch
Weniger reizvoll als viele andere
Casanova las ich der Liebe wegen

Über die Freimaurer wuchs mein
Interesse an Büchern noch weiter
Auf verschiedenen Gebieten aber
Blieb bis in die Gegenwart auf

Gute Literatur immer konzentriert
Fontane tauchte früh auf und wurde 
In verschiedenen Phasen treuer 
Freund mir was mit der Effi begann

Die Österreicher entdeckte ich über
Joseph Roth im Deutsch LK der
Fand bald zahlreiche Nachbarn
Noch bis in die Gegenwart auch

Kafka ist da vollständig wohl aber
Begeisterte mich nie wirklich der
Von früh an die Ironie von Mann 
Also Gipfel der Sprache liebte 

Unter die Österreicher zähle ich
Auch die alten Ungarn von denen
Einige sehr gut bei mir ankamen 
Meist noch aus kuk Zeiten erzählend

Warum auch Kafka als gebürtiger
Böhme bei den Österreichern noch
War zu den Kukasiern zählt wie
Roth der Galizier natürlich auch

Einige Engländer und Engländerinnen
Die besten Franzosen natürlich da
Wuchs die Zuneigung langsam erst
Auch ein paar Amerikaner noch

Siri lag mir gleich mehr als Paul
Mit 17 auch lernte ich mit meinem
Vater in Amsterdam bei einer so
Nicht geplanten Übernachtung

Die unerträgliche Leichtigkeit
Des Seins von Kundera kennen
Verschlang es später fasziniert
Ein Buch über Liebe Lust und Leben

Die Unsterblichkeit von Kundera
Fand ich später geistig spannender
Philosophisch tiefer als diese etwas
Eigene Liebesgeschichte in der

Unerträglichen Leichtigkeit die
Jules und Jim im Sozialismus spielt 
Ohne geistig so spannend zu sein 
Weil Kundera eben Böhme ist

Max Frisch der Homo Faber wie 
Dürrenmatt fand ich wunderbar
Obwohl mein Vater schon so
Euphorisch davon geschwärmt

Von Rilke schwärmte er auch
Zitierte den Panther zu gerne noch
Ungefragt vergaß den Anfang nie
Aber fand Rilke kitschig langweilig

Passend zu kitschig langweilig ist
Auch Hermann Hesse da in einer
Sehr kurzen esoterischen Phase
Alles verschlungen und gelangweilt 

Als Dichter ist Hesse unerträglich
Ein nur menschlicher Coelho der
Gut über Literatur schrieb zumindest
Mit Thomas Mann befreundet war

Irgendwann kamen auch die 
Großen Russen zuerst Tolstoi
Dann Dostojewski später auch
Der feine Vladimir Nabokov


Am Ende sollen Tucholsky der mit
Schloss Gripsholm und Rheinsberg 
Zwei prägende Liebesgeschichten 
Schrieb die Lust auf vieles machten 

In Rheinsberg war ich häufiger nun
Mit verschiedenen Damen dabei doch 
Frisch verliebt war ich da nie aber
Wer weiß was noch kommen könnte

Wie Siegfried Lenz und Günter Grass
Nicht unerwähnt bleiben ohne eines
Ihrer Werke besonders zu betonen
Hessel lese ich viel lieber noch

Ob ich suche was mir ähnelt
Oder gerade das Gegenteil will
Bin ich nicht ganz sicher bisher 
Vielfältig spannend kommt mir vor 

Was ich gerade in Gedanken wieder
Las und finde es gut so ein so buntes 
Leben gelebt zu haben und werde
Nun gegen halb acht etwas ruhen

jens tuengerthal 25.2.26

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