Lektürentagebuch 23.2.26
In den frühen Morgenstunden die aber
Gefühlt noch zum Sonntag gehörten
Genoss ich die 39. Erzählung aus
Dem alten indischen Papageienbuch
Sie erzählt wie der Minister seinen
König vor dem Ehebruch bewahrte
Beginnt wie immer mit der Frage der
Prinzessin an den weisen Papagei
Dieser Minister veranstaltete Konzerte
Denen der König zu gerne lauschte
Als einmal eine besonders schöne
Sängerin zu ihrem Gesang tanzte
Dieser Tanz berauschte die Sinne
Des Königs völlig er verlangte vom
Minister er solle ein Treffen mit der
Schönen Sängerin organisieren
Dieser folgte scheinbar genau dem
Befehl des Königs und teilte ihm mit
Es käme in der Nacht zum Treffen
Im Bildersaal wo sie ihn erwarte
Daraufhin begab sich der Minister
Zur Ehefrau des Königs mit den
Kleidern der Sängerin und deren
Schmuck als Geschenk des Königs
Von dieser hatte sich der König
Zuvor noch getrennt gehabt doch
Nun sollte es anders kommen hätte
Der Rat der Minister beschlossen
Der König ging in den Bildersaal
Bedrängte die Frau die er nach
Ihren Kleidern für die Sängerin hielt
Und die Ehefrau gab dem gerne nach
Als der König danach grübelnd geht
Trifft er den Minister und sagt zu ihm
Rühr mich nicht an auf Nachfrage
Erklärt er er habe schwere Schuld
Auf sich geladen die er nun mit dem
Tod büßen müsse weil er mit der
Sängerin geschlafen habe und sich
Damit nach indischem Kastendenken
Für immer verunreinigt durch Verkehr
Mit einer aus niederer Kaste worauf
Der Minister dem verzweifelten König
Zeigt es wäre seine Frau gewesen
Der glückliche König ist dankbar sich
Nicht verunreinigt zu haben und lobt
Seinen Minister und wenn sie so gut
Täuschen könne sollte sie gehen
Meint der Papagei am Ende zur
Rat suchenden Prinzessin wer einen
Solchen Ausweg ersinnen könne
Dürfe ruhig tun was sie wolle
Ob diese Geschichte auch als Spott
Über das Kastenunwesen gelesen
Werden kann möchte ich nicht sagen
Aber weniger Aberglaube tut gut
Von der königlichen Liebe ist es nur
Ein kleiner Schritt zu Manfred Flügges
Gesprungene Liebe wo es diesmal
Um die Jahre bis 1933 geht
Hier entfernt sich die Realität teilweise
Vom Roman beschreibt dann nur das
Traurige Ende der verlorenen Liebe
Wie das anstrengende Leben Henris
Begonnen heute mit dem Tod seiner
Mutter der ihn einerseits schockiert
Andererseits auch erleichtert und gut
Bereichert beim Aufräumen ihrer
Wohnung hilft ihm Denise die Kollegin
Aus dem Verlag mit der er erstmals
In der Wohnung seiner Mutter schläft
Die sich ein Kind von ihm wünscht
Mit Denise hatte er sich zunächst
Nur ihre je Tagebücher vorgelesen
Daraus wurde langsam eine Liebe
Bei der wirklich ein Kind kommt
Daneben seine Ehefrau Germaine
Wie Helen ab und zu mit Szenen
Am Rande des Wahnsinns wie ihre
Autofahrt durch Paris die aber anders
Als im Roman Jules und Jim nicht
Tödlich endet sondern einfach nur
Heulend vor ihrer Haustür was für
Ein Romanende zu schlicht war
Dann der Tod von Franz Mutter der
Helen und Franz einiges Geld bringt
Sein letzter Besuch in Berlin bei dem
Er friedlich mit Franz zusammen ist
Henri bezahlt das teure Schulgeld
Für Helens Sohn und auch sonst
Quetscht sie ihn ziemlich aus er
Versucht eher Abstand zu halten
Henri hat einen genauen Plan
Für jede Frau zwei Tage und
Nächte eine für sich falls da
Nicht noch andere auftauchen
Er magert immer weiter ab und
Trägt aus Angst vor Helen nun
Ständig einen Revolver bei sich
Nun kommen die brutalen Szenen
Etwa die vom Anfang des Buches
Als Helen ihn erschießen wollte
Vorher aber noch den Schlüssel
Aus dem Fenster geworfen hatte
In dieser Situation die auch im
Roman vorkommt rufen sie die
Berliner Freundin von Helen
Charlotte Wolff an die kommt
Sie ist von Freud ausgebildete
Psychoanalytikerin die gerade
Aus Deutschland geflohen ihr
Geld mit Handlesen verdient
Inwieweit ein großer Unterschied
Zwischen beiden Formen des
Aberglauben besteht könnte wohl
Vernünftig strittiger sein als es ist
Henri hat Kunden die ihm teils
Nach Indien führen was er sehr
Erleichtert annimmt weg zu sein
Aus der Situation voller Zwang
So kauft er 1000 unverkaufte
Exemplare seines Don Juan zurück
Der zu schlecht war und er ist nun
Ein normaler Franzose mit Harem
Die drei Frauen die alle auf ihre Art
Mit ihm unzufrieden sind machen
Ihn einerseits fertig und rauben
Andererseits alle Kraft von Projekten
Viele Frauen und ständiger Wechsel
Kostet viel Kraft und erfordert dazu
Hohe Konzentration wenn eine nichts
Von den anderen wissen darf oder soll
Es hört sich wunderbar reizvoll an
Alle zwei Tage eine andere aber auch
Das wird bald zur öden Gewohnheit
Lohnt auf die Dauer nicht wirklich
Der ständige Wechsel verhindert
Tiefe echte Nähe aber erspart
Aufgrund der Regelmäßigkeit
Nicht die Beziehungslangeweile
Aus diesem langsam normalen
Leben eines Don Juan der dabei
Immer mehr an Kraft und Lust verlor
Ist literarisch nicht viel zu machen
Darum in Jules und Jim dann eher
Gerafft wenn auch mit genauer
Darstellung aller Beteiligten die
Ganz unterschiedlich reagieren
Erinnere mich an diese Zeiten
Mit mehr als einer Frau was
Einerseits euphorisierte gerade
Wenn geheim oder verboten
Andererseits viel Energie kostete
Denke ich an den Urlaub am Atlantik
Mit den drei Chanel Models kann ich
Verstehen warum Henri so abmagerte
Damals war ich keine zwanzig noch
Voll jugendlicher Kraft dagegen ist
Henri inzwischen Mitte fünfzig da
Nehmen alle Kräfte spürbar ab
Während Franz sich ganz für die
Literatur entschied wovon Henri
Eigentlich träumte den großen
Roman über seine Frauen noch
Zu schreiben fehlte ihm neben
Den wöchentlichen Pflichten mit
Seinen drei Damen die Energie
Ein großes Werk zu schaffen
Du musst dich auf jede einstellen
Ihre Gewohnheiten kennen und
Achten dabei noch toll wirken da
Bleibt keine Energie für Kreatives
Jules und Jim ist der Bericht
Über eine intensive Freundschaft
Wie die Lieben nebenbei dazu
Durch den Film bekannt aber
Literarisch unwichtig im Vergleich
Zu den Werken von Franz Hessel
Eine kleine Liebesgeschichte die
Wie später bei Milan Kundera auch
In der unerträglichen Leichtigkeit des
Seins natürlich tödlich im Auto endete
Beide durch erotische Filme berühmt
Als Abweichung von der Liebesnorm
Durfte zuletzt auch mit über fünfzig
Nochmal drei parallel genießen
Die sogar voneinander wussten
Es verlor bald alles seinen Reiz
Du bist überall und nirgendwo
Gibst dich keiner ganz aber allen
Ein wenig wie es gerade passte
Mehr Beschäftigung als Erfüllung
Denke es geht Henri Roché ähnlich
Die Sehnsucht nach der eigenen
Schöpfung wird größer als der Trieb
Der irgendwann nur noch langweilt
Von Henri und Helen wird von Flügge
Berichtet sie hätten gegen Ende mehr
Schach gegeneinander gespielt als
Noch Sex gehabt der sich erledigt
Wer keinen Sex hat hält nichts für
Wichtiger als diese Lust auszuleben
Was zu vielen Dummheiten alle
Verführen kann die selten lohnen
Was bleibt und trägt ist dagegen die
Verbindung die über den Sex hinaus
Eine geistig emotionale Nähe schafft
Was bei Denise und Helen auch war
Sex kann in jedem Alter noch eine
Aufregend schöne Erfahrung sein
Doch ein hundert mal gelesenes Buch
Wird nicht plötzlich aufregend neu
Dagegen können in den Gärten
Einer auch geistigen Verbindung
Ständig neue Blüten blühen die
Immer anders schön uns scheinen
Franz der sich aus dem Chaos
Von Helen und Henri zurückzog
Beiden verbunden noch blieb
Scheint mir bewundernswert weise
Von Paris ging es nun nach Norden
Zu den Wundern des Nordens von
Olaus Magnus wo ich einiges über
Das sich wandelnde Bild erfuhr
Gegen die Mutmaßungen über den
Hohen Norden etwa bei Ptolemäus
Oder römischen Historikern waren
Die Angaben von Adam von Bremen
Aus dessen Geschichte der Kirche
In Hamburg über Skandinavien schon
Etwas weniger nur sagenhaft doch
Die erste relativ exakte Karte auch
Aus eigener Anschauung schuf erst
Olaus Magnus denn lange noch war
Unklar was alles Inseln dort waren
Wie es mit dem Kontinent verbunden
Dieses Buch zur Karte ist schon im
Vorwort kulturhistorisch so lehrreich
Dass es eine reine Freude ist so die
Welt besser verstehen zu lernen
Anschaulicher auch als der Besuch
Vor Ort ist die Lektüre weil wer da ist
Nur sieht was unmittelbar vor ihm
Eine Erkenntnis die vielen Touristen
Die in Massen noch Orte besuchen
Von denen sie irgendwo hörten dass
Sie sie gesehen haben müssten wohl
So fern liegt wie aller Geist meist
jens tuengerthal 23.2.26
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