Dienstag, 24. Februar 2026

Lektürentagebuch 23.2.26

Lektürentagebuch 23.2.26

In den frühen Morgenstunden die aber
Gefühlt noch zum Sonntag gehörten 
Genoss ich die 39. Erzählung aus 
Dem alten indischen Papageienbuch

Sie erzählt wie der Minister seinen
König vor dem Ehebruch bewahrte 
Beginnt wie immer mit der Frage der
Prinzessin an den weisen Papagei

Dieser Minister veranstaltete Konzerte
Denen der König zu gerne lauschte
Als einmal eine besonders schöne
Sängerin zu ihrem Gesang tanzte

Dieser Tanz berauschte die Sinne
Des Königs völlig er verlangte vom
Minister er solle ein Treffen mit der
Schönen Sängerin organisieren 

Dieser folgte scheinbar genau dem 
Befehl des Königs und teilte ihm mit
Es käme in der Nacht zum Treffen 
Im Bildersaal wo sie ihn erwarte

Daraufhin begab sich der Minister
Zur Ehefrau des Königs mit den 
Kleidern der Sängerin und deren
Schmuck als Geschenk des Königs

Von dieser hatte sich der König
Zuvor noch getrennt gehabt doch 
Nun sollte es anders kommen hätte 
Der Rat der Minister beschlossen 

Der König ging in den Bildersaal
Bedrängte die Frau die er nach
Ihren Kleidern für die Sängerin hielt
Und die Ehefrau gab dem gerne nach

Als der König danach grübelnd geht
Trifft er den Minister und sagt zu ihm
Rühr mich nicht an auf Nachfrage 
Erklärt er er habe schwere Schuld

Auf sich geladen die er nun mit dem 
Tod büßen müsse weil er mit der
Sängerin geschlafen habe und sich 
Damit nach indischem Kastendenken 

Für immer verunreinigt durch Verkehr
Mit einer aus niederer Kaste worauf
Der Minister dem verzweifelten König
Zeigt es wäre seine Frau gewesen

Der glückliche König ist dankbar sich 
Nicht verunreinigt zu haben und lobt 
Seinen Minister und wenn sie so gut
Täuschen könne sollte sie gehen

Meint der Papagei am Ende zur
Rat suchenden Prinzessin wer einen 
Solchen Ausweg ersinnen könne 
Dürfe ruhig tun was sie wolle 

Ob diese Geschichte auch als Spott
Über das Kastenunwesen gelesen
Werden kann möchte ich nicht sagen
Aber weniger Aberglaube tut gut


Von der königlichen Liebe ist es nur
Ein kleiner Schritt zu Manfred Flügges 
Gesprungene Liebe wo es diesmal
Um die Jahre bis 1933 geht

Hier entfernt sich die Realität teilweise
Vom Roman beschreibt dann nur das
Traurige Ende der verlorenen Liebe
Wie das anstrengende Leben Henris

Begonnen heute mit dem Tod seiner
Mutter der ihn einerseits schockiert
Andererseits auch erleichtert und gut
Bereichert beim Aufräumen ihrer

Wohnung hilft ihm Denise die Kollegin
Aus dem Verlag mit der er erstmals
In der Wohnung seiner Mutter schläft
Die sich ein Kind von ihm wünscht 

Mit Denise hatte er sich zunächst
Nur ihre je Tagebücher vorgelesen
Daraus wurde langsam eine Liebe 
Bei der wirklich ein Kind kommt

Daneben seine Ehefrau Germaine
Wie Helen ab und zu mit Szenen
Am Rande des Wahnsinns wie ihre
Autofahrt durch Paris die aber anders

Als im Roman Jules und Jim nicht
Tödlich endet sondern einfach nur
Heulend vor ihrer Haustür was für
Ein Romanende zu schlicht war

Dann der Tod von Franz Mutter der
Helen und Franz einiges Geld bringt
Sein letzter Besuch in Berlin bei dem
Er friedlich mit Franz zusammen ist

Henri bezahlt das teure Schulgeld
Für Helens Sohn und auch sonst
Quetscht sie ihn ziemlich aus er
Versucht eher Abstand zu halten

Henri hat einen genauen Plan
Für jede Frau zwei Tage und
Nächte eine für sich falls da
Nicht noch andere auftauchen

Er magert immer weiter ab und
Trägt aus Angst vor Helen nun
Ständig einen Revolver bei sich
Nun kommen die brutalen Szenen

Etwa die vom Anfang des Buches
Als Helen ihn erschießen wollte
Vorher aber noch den Schlüssel
Aus dem Fenster geworfen hatte

In dieser Situation die auch im
Roman vorkommt rufen sie die
Berliner Freundin von Helen
Charlotte Wolff an die kommt

Sie ist von Freud ausgebildete
Psychoanalytikerin die gerade
Aus Deutschland geflohen ihr 
Geld mit Handlesen verdient

Inwieweit ein großer Unterschied
Zwischen beiden Formen des
Aberglauben besteht könnte wohl
Vernünftig strittiger sein als es ist

Henri hat Kunden die ihm teils
Nach Indien führen was er sehr
Erleichtert annimmt weg zu sein
Aus der Situation voller Zwang

So kauft er 1000 unverkaufte
Exemplare seines Don Juan zurück 
Der zu schlecht war und er ist nun
Ein normaler Franzose mit Harem

Die drei Frauen die alle auf ihre Art
Mit ihm unzufrieden sind machen
Ihn einerseits fertig und rauben
Andererseits alle Kraft von Projekten

Viele Frauen und ständiger Wechsel
Kostet viel Kraft und erfordert dazu 
Hohe Konzentration wenn eine nichts
Von den anderen wissen darf oder soll

Es hört sich wunderbar reizvoll an
Alle zwei Tage eine andere aber auch
Das wird bald zur öden Gewohnheit
Lohnt auf die Dauer nicht wirklich

Der ständige Wechsel verhindert
Tiefe echte Nähe aber erspart
Aufgrund der Regelmäßigkeit 
Nicht die Beziehungslangeweile

Aus diesem langsam normalen
Leben eines Don Juan der dabei
Immer mehr an Kraft und Lust verlor
Ist literarisch nicht viel zu machen

Darum in Jules und Jim dann eher
Gerafft wenn auch mit genauer
Darstellung aller Beteiligten die
Ganz unterschiedlich reagieren

Erinnere mich an diese Zeiten
Mit mehr als einer Frau was
Einerseits euphorisierte gerade 
Wenn geheim oder verboten

Andererseits viel Energie kostete
Denke ich an den Urlaub am Atlantik
Mit den drei Chanel Models kann ich
Verstehen warum Henri so abmagerte

Damals war ich keine zwanzig noch
Voll jugendlicher Kraft dagegen ist
Henri inzwischen Mitte fünfzig da
Nehmen alle Kräfte spürbar ab

Während Franz sich ganz für die
Literatur entschied wovon Henri
Eigentlich träumte den großen
Roman über seine Frauen noch

Zu schreiben fehlte ihm neben
Den wöchentlichen Pflichten mit
Seinen drei Damen die Energie
Ein großes Werk zu schaffen

Du musst dich auf jede einstellen
Ihre Gewohnheiten kennen und
Achten dabei noch toll wirken da
Bleibt keine Energie für Kreatives

Jules und Jim ist der Bericht
Über eine intensive Freundschaft
Wie die Lieben nebenbei dazu 
Durch den Film bekannt aber

Literarisch unwichtig im Vergleich
Zu den Werken von Franz Hessel
Eine kleine Liebesgeschichte die
Wie später bei Milan Kundera auch

In der unerträglichen Leichtigkeit des
Seins natürlich tödlich im Auto endete
Beide durch erotische Filme berühmt
Als Abweichung von der Liebesnorm

Durfte zuletzt auch mit über fünfzig
Nochmal drei parallel genießen
Die sogar voneinander wussten 
Es verlor bald alles seinen Reiz

Du bist überall und nirgendwo
Gibst dich keiner ganz aber allen
Ein wenig wie es gerade passte
Mehr Beschäftigung als Erfüllung

Denke es geht Henri Roché ähnlich
Die Sehnsucht nach der eigenen
Schöpfung wird größer als der Trieb
Der irgendwann nur noch langweilt

Von Henri und Helen wird von Flügge
Berichtet sie hätten gegen Ende mehr
Schach gegeneinander gespielt als
Noch Sex gehabt der sich erledigt

Wer keinen Sex hat hält nichts für
Wichtiger als diese Lust auszuleben 
Was zu vielen Dummheiten alle
Verführen kann die selten lohnen

Was bleibt und trägt ist dagegen die
Verbindung die über den Sex hinaus
Eine geistig emotionale Nähe schafft
Was bei Denise und Helen auch war

Sex kann in jedem Alter noch eine
Aufregend schöne Erfahrung sein
Doch ein hundert mal gelesenes Buch
Wird nicht plötzlich aufregend neu

Dagegen können in den Gärten 
Einer auch geistigen Verbindung
Ständig neue Blüten blühen die 
Immer anders schön uns scheinen 

Franz der sich aus dem Chaos 
Von Helen und Henri zurückzog
Beiden verbunden noch blieb
Scheint mir bewundernswert weise


Von Paris ging es nun nach Norden 
Zu den Wundern des Nordens von
Olaus Magnus wo ich einiges über
Das sich wandelnde Bild erfuhr

Gegen die Mutmaßungen über den
Hohen Norden etwa bei Ptolemäus 
Oder römischen Historikern waren
Die Angaben von Adam von Bremen 

Aus dessen Geschichte der Kirche
In Hamburg über Skandinavien schon
Etwas weniger nur sagenhaft doch
Die erste relativ exakte Karte auch

Aus eigener Anschauung schuf erst 
Olaus Magnus denn lange noch war
Unklar was alles Inseln dort waren
Wie es mit dem Kontinent verbunden

Dieses Buch zur Karte ist schon im
Vorwort kulturhistorisch so lehrreich
Dass es eine reine Freude ist so die
Welt besser verstehen zu lernen

Anschaulicher auch als der Besuch
Vor Ort ist die Lektüre weil wer da ist
Nur sieht was unmittelbar vor ihm
Eine Erkenntnis die vielen Touristen

Die in Massen noch Orte besuchen 
Von denen sie irgendwo hörten dass 
Sie sie gesehen haben müssten wohl
So fern liegt wie aller Geist meist

jens tuengerthal 23.2.26

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen