Sonntag, 8. Februar 2026

Hesselosophie

Hesselosophie

Walter Benjamin folgte schon
Mancher auf geistigen Pfaden 
Doch wieviel näher noch liegt es
Dem Flaneur Hessel zu folgen

Jenem Autor den Benjamin als 
Seinen Lehrer beim Schreiben 
Bezeichnete dem Meister der
Kurzen feinen Prosa und Flaneur

Er schrieb wie keiner vor ihm 
Auch bisher keiner nach ihm
Über das Flanieren das seine
Kunst und Leidenschaft war

In Berlin in München in Paris
Flanierte er durch Kaiserreich
Weimarer Republik und das
Paris vor und nach dem Krieg 

Dieser leicht depressive Autor
Mit jüdischen Wurzeln wie der
Geistigen Schule der Bourgeoisie 
Dem immer Träger der Kultur

Während das Proletariat selten
Über tätowierte Arbeiter oder die
Schlichte Ästhetik des Sozialismus
Hinauswuchs zählte hier Bildung

Bildung ließ das Bürgertum wie die
Wohlhabenden Juden die erstmals
In Preußen voll emanzipiert waren
Macht und ihre Stellung ausbauen

Geld kauft und bezahlt Kunst durch
Alle Zeiten früher Gold der Fürsten
Heute Devisen der Bänker der am
Ende immer Sieger jeder Entwicklung

Franz Hessel kam als Halbwaise wie
Sohn eines sehr reich gewordenen
Getreidehändlers nach Berlin und
Verkehrte in den besseren Kreisen

In Stettin war der Vater erfolgreich
Im gleichen Metier wie Buddenbrooks
Mann und Hessel lebten zumindest
Zeitweiser parallel in München

Die Zweifel am Leben und der Welt
Zeigen sich in zarten Spuren oder
Auch ganz direkt in seinem Werk das
Dennoch ausnehmend positiv wirkt

Hessel flaniert durch Berlin ohne
Dabei je belehrend zu wirken erzählt
Er die Stadt als Flaneur quasi ganz
Nebenbei mit Leichtigkeit und Ernst 

Hesselosophie beschreibt genau die 
Kunst mit liebevoller Leichtigkeit das
Leben als Beobachter eben Flaneur
Zu betrachten so leichter zu nehmen 

Vielleicht bräuchte es dringend mehr
Von diesem versöhnlichen Blick eines
Gebildeten Bürgers auch die für die
Demokratie schon verlorenen Köpfe

Im Osten wieder mit bürgerlicher
Kultur und ihren Werten zu füllen 
Die der Osten noch konsequenter
Ausrottete als ihre Vorgänger hier 

Noch andere Minderheiten gekonnt 
Diskriminieren oder vernichteten 
Dieser Mord an der Kultur begann
Mit dem Jüdischen Dogmatiker 

Karl Marx dessen Lehre auch den
Arbeiter und Bauernstaat auf der
Ostelbischen Junkerscholle trug dem 
Hessel den Flaneur entgegenstellt

Vorab natürlich da Franz Hessel 1941
In Sanary sur mer leider verstarb da
Hatte der nationale Sozialismus schon 
Die bürgerliche Kultur erschüttert

Ein hochkulrivierter Nichtsnutz der
Mit einer Kultur eigener Art schon früh
Als Beobachter der Gesellschaft den
Ungetrübten Spiegel dabei vorhält 

Die Langsamkeit für sich entdeckt
Während die schönen Berlinerinnen
Mit den fliegenden Schultern durch
Den wohlhabenden Westen rasen 

All das ist hundert Jahre her und doch
Sprachlich wie geistig hochaktuell um
Den Deutschen Identität und Kultur
Besser zu zeigen als alle anderen

Hessel lesen und zuhören lohnt sehr
Auf die Zwischentöne hören und die
Anspielungen erkennen die eine im
Osten verlorene Kultur beschreiben 

Hessel lesen ist wie nach Galizien 
Reisen aber in Berlin zu bleiben dabei
Eine unterdrückte Kultur entdecken
Welche die Wurzel unserer legte

Deutsche Republik ob 1848 1918 bis
1933 oder nach 1945 im Westen ist
Eine bürgerliche Kultur immer die
Nur versteht wer ihre Wurzeln kennt

Zu diesen führt die Hesselosophie
Lehrt ein freies wie auch tolerantes
Bürgerliches Denken das unsere 
Kultur liebevoll lächelnd prägte 

Hessel spielt in relativ ähnlicher
Tonlage wie Thomas Mann nur 
Fasst er sich gewöhnlich kürzer 
Doch in feiner Ironie nah verwandt

jens tuengerthal 8.2.26

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