Hesselosophie
Walter Benjamin folgte schon
Mancher auf geistigen Pfaden
Doch wieviel näher noch liegt es
Dem Flaneur Hessel zu folgen
Jenem Autor den Benjamin als
Seinen Lehrer beim Schreiben
Bezeichnete dem Meister der
Kurzen feinen Prosa und Flaneur
Er schrieb wie keiner vor ihm
Auch bisher keiner nach ihm
Über das Flanieren das seine
Kunst und Leidenschaft war
In Berlin in München in Paris
Flanierte er durch Kaiserreich
Weimarer Republik und das
Paris vor und nach dem Krieg
Dieser leicht depressive Autor
Mit jüdischen Wurzeln wie der
Geistigen Schule der Bourgeoisie
Dem immer Träger der Kultur
Während das Proletariat selten
Über tätowierte Arbeiter oder die
Schlichte Ästhetik des Sozialismus
Hinauswuchs zählte hier Bildung
Bildung ließ das Bürgertum wie die
Wohlhabenden Juden die erstmals
In Preußen voll emanzipiert waren
Macht und ihre Stellung ausbauen
Geld kauft und bezahlt Kunst durch
Alle Zeiten früher Gold der Fürsten
Heute Devisen der Bänker der am
Ende immer Sieger jeder Entwicklung
Franz Hessel kam als Halbwaise wie
Sohn eines sehr reich gewordenen
Getreidehändlers nach Berlin und
Verkehrte in den besseren Kreisen
In Stettin war der Vater erfolgreich
Im gleichen Metier wie Buddenbrooks
Mann und Hessel lebten zumindest
Zeitweiser parallel in München
Die Zweifel am Leben und der Welt
Zeigen sich in zarten Spuren oder
Auch ganz direkt in seinem Werk das
Dennoch ausnehmend positiv wirkt
Hessel flaniert durch Berlin ohne
Dabei je belehrend zu wirken erzählt
Er die Stadt als Flaneur quasi ganz
Nebenbei mit Leichtigkeit und Ernst
Hesselosophie beschreibt genau die
Kunst mit liebevoller Leichtigkeit das
Leben als Beobachter eben Flaneur
Zu betrachten so leichter zu nehmen
Vielleicht bräuchte es dringend mehr
Von diesem versöhnlichen Blick eines
Gebildeten Bürgers auch die für die
Demokratie schon verlorenen Köpfe
Im Osten wieder mit bürgerlicher
Kultur und ihren Werten zu füllen
Die der Osten noch konsequenter
Ausrottete als ihre Vorgänger hier
Noch andere Minderheiten gekonnt
Diskriminieren oder vernichteten
Dieser Mord an der Kultur begann
Mit dem Jüdischen Dogmatiker
Karl Marx dessen Lehre auch den
Arbeiter und Bauernstaat auf der
Ostelbischen Junkerscholle trug dem
Hessel den Flaneur entgegenstellt
Vorab natürlich da Franz Hessel 1941
In Sanary sur mer leider verstarb da
Hatte der nationale Sozialismus schon
Die bürgerliche Kultur erschüttert
Ein hochkulrivierter Nichtsnutz der
Mit einer Kultur eigener Art schon früh
Als Beobachter der Gesellschaft den
Ungetrübten Spiegel dabei vorhält
Die Langsamkeit für sich entdeckt
Während die schönen Berlinerinnen
Mit den fliegenden Schultern durch
Den wohlhabenden Westen rasen
All das ist hundert Jahre her und doch
Sprachlich wie geistig hochaktuell um
Den Deutschen Identität und Kultur
Besser zu zeigen als alle anderen
Hessel lesen und zuhören lohnt sehr
Auf die Zwischentöne hören und die
Anspielungen erkennen die eine im
Osten verlorene Kultur beschreiben
Hessel lesen ist wie nach Galizien
Reisen aber in Berlin zu bleiben dabei
Eine unterdrückte Kultur entdecken
Welche die Wurzel unserer legte
Deutsche Republik ob 1848 1918 bis
1933 oder nach 1945 im Westen ist
Eine bürgerliche Kultur immer die
Nur versteht wer ihre Wurzeln kennt
Zu diesen führt die Hesselosophie
Lehrt ein freies wie auch tolerantes
Bürgerliches Denken das unsere
Kultur liebevoll lächelnd prägte
Hessel spielt in relativ ähnlicher
Tonlage wie Thomas Mann nur
Fasst er sich gewöhnlich kürzer
Doch in feiner Ironie nah verwandt
jens tuengerthal 8.2.26
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