Lektürentagebuch 26.2.25
Bei John Berger über Goyas Maja
Bekleidet und unbekleidet gelesen
Die im Prado nebeneinander hängen
Und wie sie vermutlich entstanden
Es gibt zu diesen beiden Gemälden
Aus dem Jahr 1797 viele Theorien
Die mehr oder weniger glaubwürdig
Und viel zur Geschichte erzählen
In Zeiten in denen amerikanische
Christen wieder Nacktheit im Netz
Zensieren und bestrafen lassen in
Den asozialen Netzwerken aktuell
Will hier als Lektürentagebuch nur
Der Theorie Bergers erstmal folgen
Bevor es um andere Ideen dazu geht
Weil sie spannend schlüssig scheint
Wer diese Maja war ist unbekannt
Der Verdacht sie könnte auch die
Herzogin von Alba gewesen sein
Mit der Goya vielleicht etwas hatte
Führt so wenig weiter wie die Akten
Der Inquisition welche die nackte
Maja als unzüchtig beschlagnahmte
Sie war erst 1930 im Prado zu sehen
Wir wissen nicht wer sie wirklich war
Ob sie echt eine Maja war was im
Spanischen ein einfaches Mädchen
Aus den unteren Ständen bezeichnet
Auch die Spekulation ob sie so
Eine Geliebte oder Hure von Goya
Oder seinem Auftraggeber war führt
Nach Berger nicht wirklich weiter
Spannender findet er die analytische
Betrachtung des Bildes und was es
Uns über Goya und seine Ängste bis
Heute noch verraten kann
Er betrachtet das Bild kritisch und
Stellt die These auf Goya habe zuerst
Die angezogene nach dem Modell
Das distanziert bleibt gemalt
Dann hätte ihn wie es Männern eben
Gerne so geht die Idee der Nackten
Weiter verfolgt und er hätte sie als
Genaue Kopie der anderen gemalt
Dies stützt er mit dem Blick auf den
Busen der Nackten der unnatürlich
Nach oben gerichtet wäre was nur
Der vorherigen Schnürung entspräche
Auch sieht er die nackte Maja eher
Als bösen sexuellen Geist der ihn
In dunklen Träumen noch verfolgt
Warum ihre Formen verschwommen
Etwa zu dicke Oberarme wie der
Seltsam verschobene Oberschenkel
Entsprächen nicht der sonst genauen
Exaktheit mit der Goya arbeitete
Diese Argumentation ist schlüssig
Passt aber nicht zu der Historie
Nach der es für ein geheimes Kabinett
Gemalt wurde wofür anderes spricht
So etwa die Gelenke mit denen die
Beiden Bilder wie ein Altar verbunden
Noch waren was viel mehr für ein
Kabinettstück im Auftrag spricht
Die Größe beider Bilder aber hätte
Ein sehr großes geheimes Kabinett
Erfordert also ein Schloss mit vielen
Noch unbenutzten Räumen etwas
Dieses Bild sorgte 1815 dafür dass
Goya als anerkannter Hofmaler noch
17 Jahre später vor die Inquisition
Zitiert wurde und seinen Titel verlor
Um die Zeit als das Bild entstand
Hat Goya die Herzogin die als Witwe
Sehr frei lebte mehrfach besucht
Gemalt also ihren Körper gekannt
Doch wird er sie nicht nackt gemalt
Haben dafür gab es Huren was eine
Heutige feministische Theorie eher
Vertritt die mich nicht ganz überzeugt
Zwar geht sie auf den Blick ein der
Großes Selbstbewusstsein verriete
Was aber auch für die Herzogin eher
Spricht als eine bezahlte Hure dabei
Die Tatsache aus den erstmal in
Einem profanen weiblichen Akt der
Kunstgeschichte dargestellten
Schamhaaren abzuleiten hat dabei
Weniger für mich als die Beobachtung
Von Berger zur Psyche von Goya
Verschwundene Akten der Inquisition
Sprechen für eine andere Theorie
Warum wurde ein in einem geheimen
Kabinett hängendes Bild zufällig von
Der Inquisition für einen Prozess
Gegen einen Hofmaler genutzt
Wieso verschwinden zufällig genau
Jene Akten die Aufklärung über die
Verhältnisse bringen könnten nun weil
Vermutlich mächtigere Stellen daran
Ein ausdrückliches Interesse hatten
Was der Hochadel der Herzöge von
Alba nah dem Königshaus das noch
Um Macht in Spanien rang war
All dies spricht eher für einen sowohl
Politischen wie geheim gehaltenen
Hintergrund dieses Prozesses der
Anderes lieber vertuschen wollte
Kann diese Vermutung aber auch
Nicht weiter belegen als Berger
Seine Theorie die offen lässt wer
Die Schöne auf dem Bild war
Es ist auch völlig egal wer sie war
Aber einen intriganten Prozess der
Inquisition finde ich spannender als
Eine feminin selbstbewusste Hure
Gegen diese Theorie von der
Kunsthistorikerin Sabine Poeschel
Spricht die seltsame Malweise von
Goya aus der Berger seine ableitet
Vermute aus allem viel eher dass
Die verschwundenen Akten der
Schlüssel zu einer darum engen
Personalen Verbindung zum
Hochadel sein könnten der dieses
Gemälde der freizügigen Ausreißerin
Lieber beschlagnahmt wissen wollte
Wie Busenbilder einst von Kate
Spannend über dies doppelte Bild
So lange nachzudenken vielleicht
Sollte ich einen Roman dazu mit der
Vielleicht wirklichen Story schreiben
Von der spanischen Kunst am Ende
Des 18. Jahrhunderts geht es zur gut
Katholischen Kartenkunst des Olaus
Magnus im frühen 16. Jahrhundert
In Die Wunder des Nordens wird
Beschrieben wie Olaus Magnus
Den Beginn seiner Arbeit an der
Karte auf 1527 datiert was heißt
Er war da schon viel Jahre weg
Aus Schweden woher nahm der
Theologe seine exakten Informationen
Die später in seine Karte flossen
Auch die über 700 Kapitel seines
Buches über die Völker des Nordens
Musste seine Informationen irgendwo
Gefunden haben war er überall da
Tatsächlich ist Magnus 1519 im
Auftrag der Kirche zum Ablasshandel
Im Norden unterwegs gewesen dabei
Wollte er den Norden vor Luther noch
Bewahren behauptete er später was
Eher unwahrscheinlich noch klingt
Zwei Jahre nach Beginn in Wittenberg
Wird Luthers Geist nicht schon am
Polarkreis gewirkt haben und so war
Die Reise eher Mission unter Heiden
Derer er sich vielfältig lobte wohl um
Weiterhin gut bezahlt zu werden
Auch welche Gründe ihn nach Oslo
Führten bleibt so unklar wie noch
Manche Geschichte um seine großen
Eigenen Reisen durch den Norden
Doch lebte er in Danzig in einer sehr
Internationalen Stadt voller Seefahrer
Dort konnte er vieles erfahren auch
Was die mündliche Tradition betraf
Viele der Sagen und Geschichten des
Nordens waren nie notiert worden
Immer Teil der mündlichen Tradition
Von der er als Reisender profitierte
Auch in Venedig gab es sehr viele
Seefahrer und eine alte Tradition
Der Karten auf die er sich als Gast
Stützen konnte was sicher half
Dennoch bleibt diese erste Karte
Des ganzen Nordens eine ungeheure
Leistung in ganz vielen Hinsicht die
Das Buch dazu so spannend macht
Das dritte Kapitel über die Agonie
Des Barock beginnt Egon Friedell
Mit einer Lobhymne auf Watteau
Als den Maler des Rokoko
Begeistert beschreibt er dessen
Farbenfrohe strahlende Bilder um
Dann auf den armen einfachen Mann
Zu kommen der Watteau wirklich war
Sohn einander Dachdecker aus dem
Ländlichen Frankreich der nach Paris
Kam wo er schon 1721 an der ihn
Auszehrenden Schwindsucht starb
Er der nie zu den oberen gehörte
Von galanten Festen als kleiner
Hässlicher Mann nur träumen konnte
Malte sie in vollkommener Schönheit
So sieht Friedell in ihm einen
Sterbenden wie sein ganzes Leben
Und Schaffen als die Euphorie eines
Schwindsüchtigen ohne Hoffnung
Genau das wäre kennzeichnend
Für das Rokoko als Epoche das
Euphorie und Agonie des Barock
Sein wie Friedell treffend meint
Sie sei der Sonnenuntergang der
Epoche und damit auch jene Zeit
Die Watteau am meisten liebte so
Sei liebend und sterbend wohl die
Formel die daa Rokoko am besten
Beschreibt meint Friedell was ich
Relativ gewagt aber spannend finde
Mit Tod und Leben hier spielend
Überhaupt sei das Rokoko ein
Zersetzender Stil der überwuchert
Sumpfmotive setzten sich durch alles
Löst sich in später Fäulnis nun auf
Dabei von weicher Abendkühle noch
Durchweht in sterbendes blau wie
Zartglühendes rosa getaucht malt
Friedell den Rokoko Geist treffend
Es breite sich eine fahle Stimmung
Von Herbst über die Menschheit die
Farben des Verwelkens bevorzugt
Ein Décadencestil par excellence
Alles ist müde gedämpft anämisch
Vor allem aber feminin raffiniert wie
Kindlich naiv zugleich obszön wie
Die Frau eben sei meint Friedell
Verschleiert und bodoirhaft parfümiert
Geschminkt satiniert Konditorhaft
Ohne männliche Tiefe Gediegenheit
Darum auch ohne alle Schwere
Schwebend und tänzerisch sei auch
Die wie durch ein Wunder von allen
Gravitationsgesetzen befreite neue
Architektur die es hervorbrachte
Immer vielsagend lächelnd aber
Selten nur eindeutig lachend so
Amüsant pikant kapriziös zugleich
Feinschmeckerisch witzig kokett
Auch anekdotisch pointiert plaudernd
Degagiert skeptisch und populär so
Wie komödiantisch und genrehaft
Auch in den Karyatiden des Zeitalters
Als solche bezeichnet er eigenwillig
Bach Friedrich den Großen Voltaire
Die er als Genrefiguren nur sieht was
Sonst Frauengestalten in Fassaden
So sei der späte Barock intim ist im
Edelsten Sinne ein Tapezierstil der
Nur gefallen und schmücken will
Große Worte unbequem skurril findet
Das Charaktergebäude sei nicht das
Palais sondern la petite maison ein
Mit allem privaten Luxus verziertes
Lusthaus das persönlich dabei bleibt
Unter Ludwig XIV war alles öffentlich
Diente der Präsentation nun beginnt
Ermüdet von 50 Jahren dauernder
Galavorstellung der Rückzug wieder
Schon die Namen der Schlösser
Deuten diesen Wechsel uns an
Eremitage monrepos solitude wie
Sanssouci es wird liebenswürdig
Bequeme Polsterstühle ersetzen nun
Die steifen Prunkmöbel Seidenkissen
Bedecken die Kanapees zärtliche
Delikate Materialien überwiegen
So kamen Sekretäre mit Geheimfach
Oder Damenschreibtische auf alles
War mit wohlriechenden Essenzen
Imprägniert die Atmosphäre zählte
Eine besondere Note erhielt das
Rokoko Interieur durch dominante
Porzellan und Pastellkunst es zeigte
Den Charakter der Zeit verhaucht
Johann Böttcher stellte 1709 das
Erste europäische Porzellan her
Im sächsischen Meißen als ihn
August der Starke als Alchimist
Noch in Haft hielt und tatsächlich
Wurde es zu einer Art von Gold
Mit der Meißener Manufaktur nun
Bald folgten weitere Länder auch
Konkurrenz für die deutschen
Manufakturen wurde die von der
Pompadour ins Leben gerufene
Manufaktur in Sèvres sogar in
England versuchten sie es selbst
Besonders John Wedgwood erfand
Ein nach ihm benanntes Material
Es kam zur Porzellanmanie Europas
Alles wurde irgendwie noch mit
Porzellan verkleidet wie verziert was
Ihr das fragile aparte elegante spröde
Damit den Geist des Rokoko nahm
So beschreibt Friedell das Rokoko
Spürbar begeistert teilnehmend
Was dem Teetrinker verständlich ist
Der den Rückzug liebt denke ich
Er trifft den Geist einer Zeit die
Nicht für die Ewigkeit baute uns
Teure Sanierungsfälle von zarter
Schönheit noch hinterlassen hat
jens tuengerthal 26.2.26
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