Donnerstag, 26. Februar 2026

Lektürentagebuch 26.2.25

Lektürentagebuch 26.2.25

Bei John Berger über Goyas Maja
Bekleidet und unbekleidet gelesen
Die im Prado nebeneinander hängen
Und wie sie vermutlich entstanden

Es gibt zu diesen beiden Gemälden 
Aus dem Jahr 1797 viele Theorien
Die mehr oder weniger glaubwürdig
Und viel zur Geschichte erzählen

In Zeiten in denen amerikanische
Christen wieder Nacktheit im Netz
Zensieren und bestrafen lassen in
Den asozialen Netzwerken aktuell

Will hier als Lektürentagebuch nur
Der Theorie Bergers erstmal folgen 
Bevor es um andere Ideen dazu geht
Weil sie spannend schlüssig scheint

Wer diese Maja war ist unbekannt
Der Verdacht sie könnte auch die
Herzogin von Alba gewesen sein
Mit der Goya vielleicht etwas hatte

Führt so wenig weiter wie die Akten
Der Inquisition welche die nackte 
Maja als unzüchtig beschlagnahmte
Sie war erst 1930 im Prado zu sehen 

Wir wissen nicht wer sie wirklich war
Ob sie echt eine Maja war was im
Spanischen ein einfaches Mädchen
Aus den unteren Ständen bezeichnet

Auch die Spekulation ob sie so
Eine Geliebte oder Hure von Goya
Oder seinem Auftraggeber war führt
Nach Berger nicht wirklich weiter

Spannender findet er die analytische
Betrachtung des Bildes und was es
Uns über Goya und seine Ängste bis
Heute noch verraten kann 

Er betrachtet das Bild kritisch und
Stellt die These auf Goya habe zuerst
Die angezogene nach dem Modell
Das distanziert bleibt gemalt

Dann hätte ihn wie es Männern eben
Gerne so geht die Idee der Nackten 
Weiter verfolgt und er hätte sie als
Genaue Kopie der anderen gemalt 

Dies stützt er mit dem Blick auf den
Busen der Nackten der unnatürlich 
Nach oben gerichtet wäre was nur 
Der vorherigen Schnürung entspräche

Auch sieht er die nackte Maja eher
Als bösen sexuellen Geist der ihn 
In dunklen Träumen noch verfolgt
Warum ihre Formen verschwommen 

Etwa zu dicke Oberarme wie der
Seltsam verschobene Oberschenkel
Entsprächen nicht der sonst genauen
Exaktheit mit der Goya arbeitete

Diese Argumentation ist schlüssig
Passt aber nicht zu der Historie 
Nach der es für ein geheimes Kabinett
Gemalt wurde wofür anderes spricht

So etwa die Gelenke mit denen die
Beiden Bilder wie ein Altar verbunden
Noch waren was viel mehr für ein
Kabinettstück im Auftrag spricht

Die Größe beider Bilder aber hätte
Ein sehr großes geheimes Kabinett
Erfordert also ein Schloss mit vielen
Noch unbenutzten Räumen etwas

Dieses Bild sorgte 1815 dafür dass
Goya als anerkannter Hofmaler noch
17 Jahre später vor die Inquisition 
Zitiert wurde und seinen Titel verlor

Um die Zeit als das Bild entstand
Hat Goya die Herzogin die als Witwe
Sehr frei lebte mehrfach besucht
Gemalt also ihren Körper gekannt

Doch wird er sie nicht nackt gemalt
Haben dafür gab es Huren was eine
Heutige feministische Theorie eher
Vertritt die mich nicht ganz überzeugt

Zwar geht sie auf den Blick ein der
Großes Selbstbewusstsein verriete
Was aber auch für die Herzogin eher
Spricht als eine bezahlte Hure dabei

Die Tatsache aus den erstmal in
Einem profanen weiblichen Akt der
Kunstgeschichte dargestellten 
Schamhaaren abzuleiten hat dabei

Weniger für mich als die Beobachtung
Von Berger zur Psyche von Goya
Verschwundene Akten der Inquisition 
Sprechen für eine andere Theorie

Warum wurde ein in einem geheimen
Kabinett hängendes Bild zufällig von
Der Inquisition für einen Prozess 
Gegen einen Hofmaler genutzt 

Wieso verschwinden zufällig genau
Jene Akten die Aufklärung über die
Verhältnisse bringen könnten nun weil 
Vermutlich mächtigere Stellen daran 

Ein ausdrückliches Interesse hatten
Was der Hochadel der Herzöge von
Alba nah dem Königshaus das noch
Um Macht in Spanien rang war

All dies spricht eher für einen sowohl
Politischen wie geheim gehaltenen
Hintergrund dieses Prozesses der
Anderes lieber vertuschen wollte

Kann diese Vermutung aber auch
Nicht weiter belegen als Berger
Seine Theorie die offen lässt wer
Die Schöne auf dem Bild war

Es ist auch völlig egal wer sie war
Aber einen intriganten Prozess der
Inquisition finde ich spannender als
Eine feminin selbstbewusste Hure

Gegen diese Theorie von der
Kunsthistorikerin Sabine Poeschel 
Spricht die seltsame Malweise von
Goya aus der Berger seine ableitet

Vermute aus allem viel eher dass 
Die verschwundenen Akten der
Schlüssel zu einer darum engen 
Personalen Verbindung zum 

Hochadel sein könnten der dieses
Gemälde der freizügigen Ausreißerin
Lieber beschlagnahmt wissen wollte 
Wie Busenbilder einst von Kate 

Spannend über dies doppelte Bild
So lange nachzudenken vielleicht
Sollte ich einen Roman dazu mit der
Vielleicht wirklichen Story schreiben 


Von der spanischen Kunst am Ende
Des 18. Jahrhunderts geht es zur gut
Katholischen Kartenkunst des Olaus 
Magnus im frühen 16. Jahrhundert

In Die Wunder des Nordens wird
Beschrieben wie Olaus Magnus
Den Beginn seiner Arbeit an der
Karte auf 1527 datiert was heißt

Er war da schon viel Jahre weg
Aus Schweden woher nahm der
Theologe seine exakten Informationen 
Die später in seine Karte flossen

Auch die über 700 Kapitel seines
Buches über die Völker des Nordens
Musste seine Informationen irgendwo
Gefunden haben war er überall da

Tatsächlich ist Magnus 1519 im
Auftrag der Kirche zum Ablasshandel 
Im Norden unterwegs gewesen dabei
Wollte er den Norden vor Luther noch

Bewahren behauptete er später was
Eher unwahrscheinlich noch klingt
Zwei Jahre nach Beginn in Wittenberg
Wird Luthers Geist nicht schon am

Polarkreis gewirkt haben und so war
Die Reise eher Mission unter Heiden
Derer er sich vielfältig lobte wohl um
Weiterhin gut bezahlt zu werden

Auch welche Gründe ihn nach Oslo
Führten bleibt so unklar wie noch
Manche Geschichte um seine großen
Eigenen Reisen durch den Norden 

Doch lebte er in Danzig in einer sehr
Internationalen Stadt voller Seefahrer
Dort konnte er vieles erfahren auch
Was die mündliche Tradition betraf 

Viele der Sagen und Geschichten des
Nordens waren nie notiert worden
Immer Teil der mündlichen Tradition 
Von der er als Reisender profitierte

Auch in Venedig gab es sehr viele
Seefahrer und eine alte Tradition
Der Karten auf die er sich als Gast 
Stützen konnte was sicher half

Dennoch bleibt diese erste Karte 
Des ganzen Nordens eine ungeheure
Leistung in ganz vielen Hinsicht die
Das Buch dazu so spannend macht


Das dritte Kapitel über die Agonie
Des Barock beginnt Egon Friedell 
Mit einer Lobhymne auf Watteau
Als den Maler des Rokoko

Begeistert beschreibt er dessen
Farbenfrohe strahlende Bilder um 
Dann auf den armen einfachen Mann
Zu kommen der Watteau wirklich war

Sohn einander Dachdecker aus dem
Ländlichen Frankreich der nach Paris
Kam wo er schon 1721 an der ihn
Auszehrenden Schwindsucht starb

Er der nie zu den oberen gehörte
Von galanten Festen als kleiner
Hässlicher Mann nur träumen konnte 
Malte sie in vollkommener Schönheit

So sieht Friedell in ihm einen
Sterbenden wie sein ganzes Leben
Und Schaffen als die Euphorie eines
Schwindsüchtigen ohne Hoffnung 

Genau das wäre kennzeichnend
Für das Rokoko als Epoche das
Euphorie und Agonie des Barock
Sein wie Friedell treffend meint 

Sie sei der Sonnenuntergang der
Epoche und damit auch jene Zeit
Die Watteau am meisten liebte so
Sei liebend und sterbend wohl die

Formel die daa Rokoko am besten
Beschreibt meint Friedell was ich
Relativ gewagt aber spannend finde
Mit Tod und Leben hier spielend

Überhaupt sei das Rokoko ein
Zersetzender Stil der überwuchert 
Sumpfmotive setzten sich durch alles
Löst sich in später Fäulnis nun auf

Dabei von weicher Abendkühle noch
Durchweht in sterbendes blau wie 
Zartglühendes rosa getaucht malt
Friedell den Rokoko Geist treffend

Es breite sich eine fahle Stimmung
Von Herbst über die Menschheit die
Farben des Verwelkens bevorzugt
Ein Décadencestil par excellence

Alles ist müde gedämpft anämisch
Vor allem aber feminin raffiniert wie
Kindlich naiv zugleich obszön wie 
Die Frau eben sei meint Friedell

Verschleiert und bodoirhaft parfümiert
Geschminkt satiniert Konditorhaft 
Ohne männliche Tiefe Gediegenheit
Darum auch ohne alle Schwere

Schwebend und tänzerisch sei auch
Die wie durch ein Wunder von allen
Gravitationsgesetzen befreite neue
Architektur die es hervorbrachte

Immer vielsagend lächelnd aber
Selten nur eindeutig lachend so
Amüsant pikant kapriziös zugleich
Feinschmeckerisch witzig kokett

Auch anekdotisch pointiert plaudernd
Degagiert skeptisch und populär so
Wie komödiantisch und genrehaft 
Auch in den Karyatiden des Zeitalters 

Als solche bezeichnet er eigenwillig
Bach Friedrich den Großen Voltaire
Die er als Genrefiguren nur sieht was
Sonst Frauengestalten in Fassaden

So sei der späte Barock intim ist im
Edelsten Sinne ein Tapezierstil der
Nur gefallen und schmücken will
Große Worte unbequem skurril findet

Das Charaktergebäude sei nicht das
Palais sondern la petite maison ein
Mit allem privaten Luxus verziertes
Lusthaus das persönlich dabei bleibt

Unter Ludwig XIV war alles öffentlich
Diente der Präsentation nun beginnt
Ermüdet von 50 Jahren dauernder 
Galavorstellung der Rückzug wieder

Schon die Namen der Schlösser 
Deuten diesen Wechsel uns an 
Eremitage monrepos solitude wie
Sanssouci es wird liebenswürdig 

Bequeme Polsterstühle ersetzen nun
Die steifen Prunkmöbel Seidenkissen 
Bedecken die Kanapees zärtliche
Delikate Materialien überwiegen

So kamen Sekretäre mit Geheimfach
Oder Damenschreibtische auf alles
War mit wohlriechenden Essenzen
Imprägniert die Atmosphäre zählte

Eine besondere Note erhielt das
Rokoko Interieur durch dominante
Porzellan und Pastellkunst es zeigte
Den Charakter der Zeit verhaucht 

Johann Böttcher stellte 1709 das
Erste europäische Porzellan her
Im sächsischen Meißen als ihn 
August der Starke als Alchimist

Noch in Haft hielt und tatsächlich
Wurde es zu einer Art von Gold
Mit der Meißener Manufaktur nun
Bald folgten weitere Länder auch

Konkurrenz für die deutschen
Manufakturen wurde die von der
Pompadour ins Leben gerufene
Manufaktur in Sèvres sogar in

England versuchten sie es selbst
Besonders John Wedgwood erfand
Ein nach ihm benanntes Material
Es kam zur Porzellanmanie Europas

Alles wurde irgendwie noch mit
Porzellan verkleidet wie verziert was
Ihr das fragile aparte elegante spröde
Damit den Geist des Rokoko nahm

So beschreibt Friedell das Rokoko
Spürbar begeistert teilnehmend
Was dem Teetrinker verständlich ist
Der den Rückzug liebt denke ich

Er trifft den Geist einer Zeit die
Nicht für die Ewigkeit baute uns 
Teure Sanierungsfälle von zarter 
Schönheit noch hinterlassen hat

jens tuengerthal 26.2.26

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