Freitag, 27. Februar 2026

Lektürentagebuch 27.2.26

Lektürentagebuch 27.2.26

Der 8. Brief Gilbert Whites über die
Erkundung von Selborne wieder an 
Thomas Pennant Esquire über drei
Seen am Rande des Wolmer Forest 

Zwei gibt es von denen er nichts
Besonderes zu berichten weiß aber
Der dritte verdiente die Beachtung 
Jedes Naturforschers oder Jägers

Die Weiden und der sonst Bewuchs
Gewähren Schutz für Wildenten wie
Schnepfen und Krickenten und mehr
Im Winter suchten Füchse Deckung
Manchmal gäbe es auch Fasane und
Im Sumpf gedeihen seltene Pflanzen
Nach einem Schriftstück von 1635 
War der Forest viel ausgedehnter

Der heutige Privatbesitz war zur Zeit
Von Charles I königliche Domäne so
Wird genau von den damals tätigen
Beamten nach Rängen berichtet

Die drei Seen gibt es mit Fischen die
Aber nicht gut gedeihen weil das dort
Wasser auf Sandsohle nährstoffarm
Sei wogegen aber die Rinder helfen 

Diese flüchten gerne vor den vielen
Fliegen oder zur Abkühlung in das
Kühle Wasser dabei lassen sie Dung
Fallen in dem Insekten nisten diese

Wiederum gäbe den Fischen Nahrung 
Die sich ohne dort nur schlecht hielten 
So sorge die Natur als guter Ökonom
Mit Entspannung der einen Art für die

Versorgung der anderen wozu er
Verse von James Thomson zitiert
Der Teich von Wolmer habe einen
Umfang von fast eineinhalb Meilen
Auf dem ausgedehnten Wasser liegen 
Im Winter völlig sicher vor Jägern 
Scharen von Entenvögeln aus ganz
Verschiedenen Familien bevor sie als 

Ursprünglich Nachtvögel aufbrechen
Um bei Sonnenuntergang auf Bächen 
Oder Wiesen zu fressen bevor sie in
Der Morgendämmerung zurückkehren

Wäre er ringsum bewachsen nicht wie 
Jetzt völlig nackt wäre er eine gute
Entenfalle doch all dies sorgt nicht
Für die große Aufmerksamkeit dort

Diese liegt vielmehr an einer großen
Menge Münzen die vor vierzig Jahren
Auf seinem Grund gefunden wurde
Was aber zu den Altertümern gehört

Darum wird White auf sie erst bei den
Ausführungen zur Geschichte des
Dorfes eingehen und lässt uns Leser
Erstmal über den Schatz im unklaren

Diese feine Beobachtung auch des 
Zusammenspiels der Natur die sich
Selbst auch gegen die Bedingungen
Erhält ist stark und humorvoll wieder


Von den englischen Seen ging es
In den hohen Norden wieder zu den
Dort Wundern von Olaus Magnus der
Teils exakt beschreibt teils erzählt

Überall wo exakte Daten ihm fehlen 
Kommen sagenhafte Geschichten 
Die von Ungeheuern erzählen oder
Im Osten Flüsse zusammenlegen

Teilweise ist diese erste Karte der
Nördlichen Gebiete sehr korrekt
Dann wieder greift er eher auf die
Ihm erzählten Geschichten zurück

Beides zusammen gibt ein gutes 
Bild auch von der Weltsicht seiner Zeit
Die teils noch mittelalterlich war als
Teile der Lappen heidnisch lebten 

Zu ihrer Christianisierung war der
Überzeugte Katholik ja selbst nach
Norden nahe dem Polarkreises noch
Gereist dort ist die Karte relativ genau

Andererseits zeichnet er auch die
Eher sagenhafte Insel Thule ein
Erzählt von den paradiesischen
Zuständen dort für die Bewohner

Diese Mischung aus alten Sagen 
Mit exakten Berichten gibt einen
Guten Überblick auch über das
Denken der Menschen der Zeit

Das meiste wurde noch mündlich
Über Sagen teilweise überliefert
Die sich mit genauen Messungen
Von eigenen Reisen mischen 

Die Karte gibt diese Mischung aus
Alten Sagen mit neuer Erfahrung
Die auf genaue Vermessung setzt
Wieder und so ein buntes Bild

Von den teils mittelalterlichen Sichten
Auf den Norden ging es nun in die 
Auch politisch kritischen Ansichten
Vom Niederrhein von Georg Forster

Im Kapitel Lüttich philosophiert er
Über einer gute Verfassung des 
Staates die darauf gerichtet sein 
Soll das Wohl aller dort zu fördern

Als das Buch 1790 erschien lobten
Es sowohl der große Lichtenberg
Wie Schubart als eines der wichtigen
Bücher in deutscher Sprache sogleich

Der Autor war da schon durch seine
Reise um die Welt mit James Cook
Einem breiteren Publikum bekannt
Hier begleitete ihn der der noch junge 

Alexander von Humboldt auf seiner
Reise so lobt er auch die Verfassung
Oder Gesetzgebung des gerade erst
Verstorbenen Königs von Preußen

Also Friedrichs des Großen wie des 
Nachfolgers in den preußischen 
Staaten warum dort keine Besorgnis 
Über eine Gärung im Volk herrsche 

Dies wären seine Ideen gewesen
Während er über Lüttich nachdenkt
Die er jedoch mangels Kenntnis der
Beschlüsse der geheimen Kabinette

Nicht auf den einzelnen Fall hier 
Anzuwenden wage vielmehr schienen
Die Beschlüsse der Geweihten oft wie
Orakelsprüche für sie als Layen 

Über die Berechtigung der Macht
Wie ihre Infragestellung philosophiert
Forster hier für seine Zeit gewagt und
Stellt das unabänderliche infrage

So könne der Blick auf das was
Geschah und weiter geschieht einen 
Leicht vom relativen Wert aller Dinge
Eher überzeugen als von einer Sicht 

Kein Mensch verstände den anderen
Wenn nicht in der Natur aller etwas 
Gemeinschaftliches zugrunde läge
Nicht eine Art Ähnlichkeit bestünde 

Trotz aller natürlichen Gegensätze
Könne es vollkommen scheinen wenn
Nur ein Wille herrscht in der großen 
Sittlichen Welt wie für den einzelnen 

Diese Andeutungen klingen sehr
Nach Kant und dem da aktuellen
Kategorischen Imperativ womit er
Revolutionäre Gedanken tarnt

Das liest sich bei Forster noch
Etwas bemüht vorsichtig aber
Spiegelt den Geist kurz nach
Der französischen Revolution

Den kürzesten Weg dahin böte der
Absolutismus mit Gottesgnadentum
Hier wäre alles einfach und klar noch
Geordnet was in Deutschland zum

Zeitpunkt der Veröffentlichung aber
Nahezu überall geltendes Recht war
Was die kritische Betrachtung hier 
Erst wahrhaft revolutionär macht 

So wäre diese Macht in Europa
Planlos gewachsen ohne weiter in 
Die Zukunft zu blicken hätten die 
Halbgötter die Gegenwart genossen

Zu spät kam das vollendete System
Die Kraft des Glaubens war gewichen
Er ließ sich in natürlich schwacher
Menschlicher Natur nicht mehr halten

So scheiterte die Theokratie an der
Verfassung von Europa ihre Vasallen
Die Könige spotteten der geistlichen
Zwänge die sie allmächtig machten 

Seitdem setzt Forster nun mutig fort
Die Unfehlbarkeit und mit ihr auch die
Möglichkeit einer Universalmonarchie
Verschwand bleibt nur noch der ganz

Entgegengesetzte Versuch eines
Systems nach republikanischen
Grundsätzen um eine allgemeine
Verbrüderung der Menschen zu

Erreichen für einen allumfassenden
Staatenbund dem dann endlich alle
Menschen huldigen könnten ohne
Jede Widerrede was wohl keiner

In ganzem Umfang und auch nötigen
Zusammenhang bisher bedacht hätte 
Meint Forster der zu bedenken gibt
Es würde dann einseitig beschränkt

Was für alle gelten soll würde nie der
Individuellen Entwicklung der Kraft in 
Uns entsprechen können so machten 
Die Unterschiede den Reichtum aus

Dieser ginge uns in der völligen 
Einstimmigkeit aber verloren dann
Hätten große Geister keinem Platz
Mehr es fehlte uns ganz wichtiges 

Wo Spontaneität fehle gingen auch
Die Verstandeskräfte verloren denn
Nur im Streit entgegengesetzter
Begierden offenbare sich Vernunft

Dadurch bewährte sich erst die
Vollkommenheit des sittlichen Gefühls
Rührendschöne Blüte der Menschheit
Exzentrizität sei eine Bedingung ohne

Die sich der höchste Punkt nicht
Erreichen lasse ein Gleichgewicht
In allem bleibt überall mittelmäßig
Das Problem aller Demokratien heute

Eine Verfassung also die uns von
Allen Leidenschaften wie von der
Nur Willkür des Stärkeren befreite 
Würde Vervollkommnung verfehlen 

So fragt Forster am Ende was es
Hülfe wenn wir die Freiheit hätten 
Alle Geistesgaben zu entwickeln
Wenn uns der Antrieb dazu fehle

Spannende Fragen am Vorabend
Der ersten Versuche zur Demokratie
Die heute noch aktuell wie nie sind
Es lohnt wieder Forster zu lesen

Welch schöner Lesetag mit Bänden
Der Anderen Bibliothek heute wieder
Denke ich dankbar für diesen großen 
Reichtum den Leser allein gewinnen 

jens tuengerthal 27.2.26

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