Lektürentagebuch 31.7.26
Noch in der Nacht und am Morgen
Ein wenig Harry Graf Kessler in den
Erinnerungen eines Europäers über
Seine Zeit in Leipzig gelesen
Nach dem längerem Klatsch über
Die Prinzen des sächsischen Hofes
Welche aus taktischen Gründen in
Leipzig studierten und wie er diese
Von der Kneipe bei den Canitzern
Mit genug Anstand nach Hause
Auch brachte ging es wieder um
Geistig bedeutendere Dinge
Wobei Harrys Blick auf die Prinzen
Wie die weltferne des ganzen Hauses
Sachsen viel zum Verständnis beiträgt
Warum die Epoche untergehen muss
Klarer wird ihm dies schließlich in den
Philosophischen Vorlesungen bei
Wundt der ihnen einen geistigen Blick
Über ihre Epoche hinaus noch gibt
Sehr spannend wird es als Harry von
Seiner Entdeckung von Nietzsche der
Damals aktuell und neu war noch im
Benachbarten Weimar dämmerte
Wie er Nietzsche und den Ausblick
Über die Epoche nutzt um einen
Abgesang auf diese anzustimmen
Weil er spürt die Zeit geht vorbei
Passend noch die etwas tragische
Anekdote um den Freund der aus
Weniger wohlhabenden Verhältnissen
Stammt und dessen käufliche Liebste
Am Ende hat dieser sie die ihre ganze
Familie mit ihrer Schönheit ernährt
Wie ganz offen darüber sprach wohl
Erschossen und sich beinahe getötet
Was auch immer die Gründe sonst
Für dieses gewöhnlich tragische Ende
Waren passt es für Harry auch zum
Geist dieser Epoche einfach zu gut
Das 18. Jahrhundert der Aufklärung
Wie des kritischen Geistes war am
Anfang schon mit der Romantik ins
Schlingern geraten und schwankte
Wilhelm I der für seine Mutter noch
Schwärmte war ein Sohn der zum
Romantischen Denkmal erhobenen
Königin Luise noch gewesen
Dieser Mecklenburger Prinzessin
In Darmstadt vom späteren FW III
Getroffen mit Liebe gewählt wie
Lange und tragisch betrauert
Nun regierte mit Wilhelm II der
Enkel von Wilhelm I der eine neue
Epoche mit alten Mitteln einläutete
Im nach 1871 neu gebildeten Reich
Industrialisierung und Automatisierung
Hatten die Welt rasant verändert nun
Gab es Automobile statt Kutschen
Das Licht wurde elektrisch plötzlich
Vom Geist Kants zu Nietzsche ist der
Religiösen Initiation ähnlich was viele
Vom Genie fasziniert lange nicht mehr
Bemerkten bis heute spannend ist
War ein Heidegger in Nachfolge ein
Immer katholischer Bauer nur der sich
Der nietzschen Intuition auf die
Schwäbische Art Hegels unterwarf
Es bleiben diese Fragen bis heute
Noch spannend auch im längst schon
Laizistischen Europa in dem noch die
Verantwortung vor Gott der Präambel
Des Grundgesetzes also nicht die
Nötige Vernunft sondern der alberne
Aberglauben eingeschrieben steht
Viele unvernünftig Orientierung noch
Suchen statt kritisch zu denken weil
Sie Aufklärung für dialektisch hielten
Statt das religiöse Element auch im
Nationalsozialismus bloß zu legen
Davon weiß Kessler natürlich nichts
Der seine Erinnerungen Anfang der
Dreißiger schrieb und 1937 im Exil
In Frankreich starb inzwischen arm
Aber wie er diesen sich wandelnden
Geist erfasst der später auch im
Zauberberg literarisch wurde ist
Genial und lohnend zu lesen
jens tuengerthal 31.7.26
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