Mittwoch, 4. März 2026

Versgedanken IV

Versgedanken IV

Weiter geht es mit den Gedanken
Zu einigen Versen von Vergil über 
Die Montaigne im gleichnamigen
Essay so wunderbar schreibt 

Von sich aus hätte Montaigne sogar
Der Weisheit die Ehe ausgeschlagen
Weil ihm jeder Zwang zuwider ist da
Er für so etwas nicht geeignet sei

Doch was immer er auch daherrede
Sitte und Brauch führten uns im 
Gewöhnlichen Leben doch am
Gängelband in den meisten Fällen

Er folgte dem vorgehaltenen Beispiel
Nicht dem freien Willen so hätte er 
Sich eigentlich nicht zur Ehe selbst
Entschlossen sondern wurde mehr

Hineingeführt es wären äußere 
Anstöße gewesen die ihn erst dazu
Bestimmten nicht nur unbequeme
Dinge können unter Umständen

Bei gewissen Bedingungen uns 
Abnehmbar werden weil der Mensch
Doch auf wackligen Füßen stände
Ist die Freiheit eine relative Größe

So wäre er als er zur Ehe bestimmt
Wurde dafür schlechter gerüstet noch
Gewesen und mit mehr Widerwillen
Als heute wo er es probiert hätte 

Für wie zügellos er auch gehalten
Würde befolge er die Gesetze der
Ehe strenger als er erwartet hätte 
Sogar als er es versprochen hat

Die Zeit sich dagegen aufzulehnen
Sei vorbei wenn du dir erstmal die
Ketten hast anlegen lassen denn 
Wer sich beugt solle seine Pflicht

Erfüllen statt darüber zu jammern
Ungerecht seien jene die diesen 
Handel nur eingingen um sich
Hinterher darüber zu beschweren

Sie machten ihr Leben nur schwer
Noch ungerechter aber sei jene 
Lebensregel die Frauen sich wie
Einen Orakelspruch heilig halten

“Diene deinem Mann als Obrigkeit
Misstrau dem Schurken aber jederzeit" 

Hieße es doch benimm dich mit
Geheuchelter argwöhnischer ja
Feindseliger Ehrerbietung was eher
Einer Kriegserklärung mehr gliche 

Er sei nicht gewieft genug nur das
Für billig zu halten was ihm so scheint
Bloß weil er des Aberglauben Feind
Verfalle er nicht dem Unglauben

Auch wer nicht immer seine Pflicht tut
Sollte sie wenigstens anerkennen so
Sei es Untreue eine Frau zu ehelichen
Ohne sich mit ihr zu verheiraten

Eine spannende These die viel Raum
Für Interpretationen noch lässt die 
Das miteinander erträglicher machen
Als Pflichterfüllung die Freude macht

Vergil stellte die Ehe als eine voller
Eintracht und gutem Einvernehmen 
Dar in der trotzdem nicht viel Treue
Herrsche was will er damit sagen

Sei es möglich dem Liebestrieb auch
Außerehelich zu frönen und dennoch
Ehelichen Pflichten nachzukommen 
Die Ehe knicken ohne sie zu brechen

Es zweige auch mancher Knecht
Manches vom Gut seines Herren 
Für sich ab ohne dass er darum
Eine Abneigung gegen ihn hätte

So könne Schönheit Gelegenheit
Auch Schicksal eine Frau zu einem
Anderen hinziehen ohne darum die
Verbundenheit zu ihrem Mann gleich

Völlig zu verlieren da Liebe und Ehe
Vorhaben sind die zwei verschiedene
Wege gehen sie kann sich einem 
Hingeben ohne ihn heiraten zu wollen 

Dies nicht nicht nur des Vermögens
Wegen sondern vielleicht auch seiner
Inneren Werte wegen wäre denn wer
Mit ihnen betrügt ihnen jemals treu 

Es gäbe wenige Männer die ihre
Geliebte heirateten und es nicht
Danach bereuten und das sogar
Bis ins Jenseits hinein noch

Welch missmutige Ehe führte etwa 
Jupiter mit der Frau die er vorher
Noch so draufgängerisch selbst
Umbuhlt hätte das nenne er

“In einen Hut scheißen und ihn sich dann aufsetzen" 

Er habe erlebt wie in einem ganz 
Ehrbaren Haus der Ehe die Liebe
Mit Schimpf und Schande noch 
Ausgetrieben wurde einfach weil

Ihre Beweggründe zu verschieden
Sind getrennt könnten wir beiden 
Die so voneinander abweichen 
Ohne Schwierigkeiten huldigen 

Isokrates sagte Athen gefalle auf
Die Art wie Damen denen du 
Minnedienst leistest jeder liebe es 
Sie zu besuchen zum flanieren 

Eine Zeit dort zu verbringen aber
Niemand liebe sie derart sich dort
Niederzulassen sie zu ehelichen
Um sich immer dort anzusiedeln

Mit Befremden hätte er so manche
Ehemänner ihre Frau hassen sehen
Weil er ihr untreu war so sollten wir
Die Frauen nicht unserer Verfehlung

Wegen weniger lieben sondern sie
Aus Reue und Mitgefühl nur desto
Höher schätzen so könnte dies eher
Manche Ehe wohl noch retten

Vergil wollte sagen dass Ehe und
Liebe zwar unterschiedliche Ziele 
Verfolgten aber doch nebeneinander 
Bestehen könnten nach ihrer je Art 

Die Ehe habe den Nutzen der
Rechtmäßigkeit das Ansehen wie 
Die Beständigkeit für sich sei ein
Fades aber umfassendes Vergnügen

Dagegen gründe die Liebe allein
Auf Lust weshalb sie uns heftiger 
Wie zweifellos lebhafter kitzelt sie
Wird durch Schwierigkeiten entfacht

So müsse sie brennen und stechen
Wen Amors Pfeil nicht mehr entflammt
Habe ausgespielt die Zuneigung wie 
Das Begehren stumpfen ab wenn

Frauen in der Ehe zu ausgiebig
Ihren Männern zur Verfügung stünden
Welch Mühe gäben sich Platon und
Lykurg dies gesetzlich zu verhindern

Nichts anderes will vermutlich auch
Die katholische Kirche mit ihrer so
Absurden Sexualmoral die damit den 
Reiz auf Dauer nur erhalten soll 

Frauen lehnten zurecht die von 
Männern eingeführten Sittengesetze
Ab da sie ohne ihre Mitwirkung
Entstanden wären warum es nur 

Natürlich sei dass es zwischen
Männern und Frauen Reibereien 
Gäbe selbst wenn in vielem einig
Bleibt es stets turbulent und stürmisch 

Nach Auffassung von Vergil liege das
Daran dass wir sie völlig widersinnig
Behandelten angesichts der nun
Folgenden Tatsachen insbesondere

Sie sind im Lieben unvergleichlich
Fähiger als wir was schon ein Priester
Der Antike bezeugte der erst Frau und
Dann Mann auf beiderlei Art liebte 

Montaigne berichtet nun von dem
Kaiserpaar das meisterlich darin war
Er entjungerte zehn gefangene
Mädchen allein in einer Nacht

Sie dagegen öffnete 25 Männern 
Tür und Tor und wechselte sie nach
Bedarf und Begehr zuletzt erschöpft
Zwar aber voll vom Schaume blieb 

Unersättlich ihre heiße Pflaume
Zitiert Montaigne den Dichter hier
Als weiteres Beispiel berichtet er
Von einer Frau aus Katalonien

Die sich über die zu heftigen
Liebesattacken ihres Mannes
Beschwerte jedoch nicht wie er
Glaubt weil sie sich wirklich

Dadurch belästigt fühlte denn an 
Wunder glaube er in Glaubensfragen 
Allein als um die Herrschaft der 
Männer hierbei zu beschneiden 

Dies auch in dem Akt der das
Fundament der Ehe bilde damit zeige 
Dass Frau vor nichts halt mache
Sogar die Wonne der Lust zertrampelt

Er brachte dagegen vor dass er auch
An Fastentagen mindestens zehnmal 
Bräuchte was Montaigne entartet gar 
Viehisch nennt worüber dann die

Königin von Aragon bemerkenswert 
Urteilte nach reiflicher Beratung im
Staatsrat und festlegte in einer Ehe
Sei der gebotenen Zurückhaltung

Wie Mäßigung wegen sechsmal Sex 
Genug für einen Tag damit aber habe
Sie Bedarf und Begehr ihres eigenen
Geschlecht unberücksichtigt gelassen 

Gar geopfert um Maß zu halten das
Bequem und ständig eingehalten
Werden könnte worauf die Gelehrten
Fragten wie groß wohl das weibliche

Begehren wirklich ist wenn diese hohe
Zahl schon als Mäßigung galt dabei 
Hätte Solon schon es auf dreimal
Begrenzt Männer nicht zu erschöpfen

Nun wo wir all das wissen und die
Natürliche Begehr der Frauen kennen 
Verordnen wir dennoch den Damen
Unter Strafdrohung Enthaltsamkeit 

Keine Leidenschaft sei größer und
Dennoch sollen die Frauen ihr 
Widerstehen wie dem schlimmsten
Aller Frevel schlimmer noch als

Ketzerei oder Vatermord wir Männer
Aber geben uns ihr ohne alle eigenen
Schuldgefühle hin von Frauen aber 
Verlangten wir noch Keuschheit

So wollten wir sie meint Montaigne
Sie heiß und kalt zugleich die Ehe
Wie wir sie führen ist kaum dazu
Geeignet diese Glut zu dämpfen

Das Glied des Mannes für das sie 
Teuer bezahlte gehört längst ihr 
So wurde dem Philosophen Polemon 
Der Prozess von seiner Frau gemacht

Weil er seinen Samen auf einem
Unfruchtbaren Acker verströmte
Der in ihren fruchtbaren Schoss
Doch viel eher noch gehörte

Von Kindheit an gäben wir dem
Weiblichen Geschlecht das ganze
Rüstzeug der Liebe aber sie sollen 
Dies bitte nur keusch benutzen

Ob sich an diesen Beobachtungen 
Aus dem 16. Jahrhundert das sich
Noch auf die Antike bezieht je
Etwas geändert hätte ist fraglich

Angeblich sind wir gleichberechtigt
Aber die Spiele und Erwartungen
Sind heute noch die gleichen was 
An unserer Natur auch liegen könnte 

Den Geschlechtsverkehr vollziehen
Wir noch wie in der Steinzeit auch
Die Natur unserer Gefühle ist die
Selbe noch wie zu allen Zeiten 

Der Mann muss sich zumindest
Teilweise dazu aufrichten und ist
Davon bald schon ganz erschöpft
Die Frau dagegen kann immer noch

Interessanterweise bestätigte was 
Montaigne damals dachte auch die
Neurologische Forschung zum
Weiblichen Nervus Pudendus 

Die weibliche Potenz ist danach
Der männlichen nicht nur im Alter
Weit überlegen er ist nach seiner
Natur nur ein Schwächling verglichen 

Vielleicht könnte es manches noch
Verändern einschließlich des 
Männlichen Balzgehabes wenn
Wir uns das bewusster machen

Männer könnten sich bemühen
Frauen wirklich zu befriedigen 
Auf welche Art wo auch immer
Statt mit Schwänzen zu protzen

Was dem Kult um die automobile
Schwanzverlängerung endlich
Erledigte für echte Lust nach der
Wir nach unserer Natur auch streben 

jens tuengerthal 4.3.26


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