Mittwoch, 4. März 2026

Lektürentagebuch 4.3.26

Lektürentagebuch 4.3.26

Im 9. Brief von Gilbert White an 
Thomas Pennant Esquire aus der
Erkundung von Selborne scheint es 
Erstmal um Klatsch nur zu gehen 

Erfahre näheres zum Besitz des 
Wolmer Forest und verschwistertes
Alles Holt die von der Krone zeitweise
Verliehenes Privileg sind wer es hatte

Das eine der Brigadegenel Howe und
Seine Gattin Ruperta die wiederum 
Eine Tochter von Prinz Ruprecht von 
Der Pfalz also aus Heidelberg wohl

Allerdings war sie eine uneheliche 
Tochter was immer uns das über die 
Beschaffenheit des Waldes und die
Moralischen Zustände in ihm lehrt

Zumindest konnten die unehelichen
Töchter britischer Generäle heiraten
Sofern diese kurpfälzische Prinzen
Zum Vater noch irgendwo hatten

Mit Margaret Hughs sowie noch ein
Mister Mordaunt aus Peterborough 
Der die verwitwete Lady Pembroke 
Heiratete und ihre Sohn Lord Stawel

Tauchen die ach so britischen Namen 
Des anderen königlichen Privileg für 
Die Wälder nahe Selborne auf die
Uns noch weiter beschäftigen

Während ich das las musste ich an
Die Bremer Großmutter denken die 
Als junges Mädchen in England noch
Lebte und einige der Ladys kannte

Von der erbte meine Mutter einen
Pembroke Table der klappbar ist
So zu unterschiedlichem Einsatz
Im Haushalt meiner Mutter kommt

Welche Geschichten hätte sie wohl
Zu diesen Familien erzählt die sie
Vermutlich dem Namen nach kannte
Von ihren Touren mit den Ladies

Den Pensionsfreundinnen aus dem
Hause Nelson den Nachbarn noch
Der jungen Elizabeth Windsor die
Sie als Kind im Garten schaukelte 

Ob sie Gilbert White gelesen hatte
Der sicher in Nelsons Bibliothek stand
Vermutlich eher nicht denke ich aber
Wer weiß sie konnte überraschen 

Die Gemahlin von General Howe
Erreichte ein hohes Alter überlebte
Ihren Mann um Jahre hinterließ eine
Sammlung mechanischer Objekte 

Diese interessanten Dinge hatte
Einst ihr Vater konstruiert der sowohl
Angesehener Mechaniker Künstler
Wie ein Kriegsheld noch war

Darunter befand sich eine äußerst
Komplizierte Uhr die neuerdings im
Besitz von Mister Elmer aus Farnham 
In Surrey wäre dem dort gefeierten

Maler von Jagdszenen was uns viel
Über die beiden Wälder nun verrät
Doch kommt er einen Absatz später
Vom englischen Tratsch zur Sache

Die beiden Gebiete seien obwohl
Nur durch einen schmalen Streifen
Land getrennt völlig verschieden
Wie es mehr kaum je sein könnte

Der Holt bestünde aus dickem eher
Schlammigen Lehm mit gut Torf auf
Dem die Eichen prächtig wachsen
Die zu langen starken Bretter würden 

Während Wollmer sandige Wüste sei 
Der Holt messe etwa zwei Meilen von
Norden nach Süden wie westöstlich
Habe Wälder Wiesen und Landhaus

Dieses große Haus sei zugleich
Der Wohnsitz der mit dem Privileg
Beliehenen erstaunlicherweise würde 
Wild zwischen beiden nie wechseln 

Derzeit sei der Wildbestand im Holt 
Durch Wilderer stark ausgedünnt die
Keine Drohung verscheuchen kann
Das Jagdfieber scheint angeboren

General Howe hätte einmal deutsche 
Wildschweine Sauen und Büffel in
Seinem Wald ausgewildert doch die
Gegend wehrte sich und tötete sie

In diesem Frühling also 1784 sei eine
Große Partie von 1000 Eichen im Holt 
Geschlagen wovon angeblich ⅕ dem
Privilegierten Lord Stawel gehörten 

Er beanspruchte auch noch das
Abgeschlagene Astwerk aber die
Armen der Gemeinden behaupteten
Es gehöre ihnen und holten es sich 

So hätten sie mit einem Wagen ganze
40 Klafter Holz sich geholt und seine
Lordschaft klagte daraufhin gegen
48 der Holzdiebe noch immer

Geschlagen wurde das Holz im Winter
Also Februar bis März solange die 
Bäume noch nicht im Saft standen
Was ein mir bekannter Ausdruck ist

Heute wären die Wasserwege die
Zum Abtransport nötig sind auch
Viel näher noch als früher da waren
Es zur Themse 18 Meilen noch

Ein Weg der mit Holzfuhrwerken
Noch sehr aufwendig zu bewältigen
War wurde durch den Ausbau von
Kanälen deutlich erleichtert


Michel Bergmanns Frankfurter Roman
Herr Klee und Herr Feld über die 
Brüder Kleefeld in ihrer Villa im
Frankfurter Westend erreichte mich

Über Umwege meiner Tochter als 
Weihnachtsgeschenk der Frankfurter 
Cousine erst etwas verzögert musste
Dann auch erstmal hier ankommen

Wo kämen wir auch hin wenn alle
Neulinge gleich verschlungen würden 
Ginge es nicht darum mit Büchern
Zusammenzuleben was Zeit braucht

Nun aber das erste Kapitel dieses 
Herrlichen Romans aus jüdischem
Milieu das mit sich hadert natürlich
Begonnen über die zwei Brüder

Die beiden Brüder leben seit dem
Tod der Ehefrau von Moritz dem
Früheren Professor für Psychologie 
In der Westend Villa zusammen

Alfred der andere Bruder war ein
Schauspieler der irgendwann in
Mittelmäßigen Dracula Filmen noch
Mitwirkte nun mietfrei wohnen darf

Moritz der ein Linker war bis die
Linke zu antisemitisch wurde und
Studenten mit Pali-Fetzen um den
Hals vorm jüdischen Professor saßen 

Fand seine linken Ansichten im Alter
Im Judentum wieder und zelebrierte
Darum nun den Schabbes und lebte 
Eine religiöse Light Version dazu

Alfred findet das eher lächerlich
Macht aber als Untermieter des 
Bruders ein wenig ironisch mit
Was sich schon im Äußeren zeigt

Moritz trägt eine Kippa und ganz
Professoral dazu die Strickjacke
Alfred erscheint mit Schabbesdeckel
Wie er seinen dunklen Hut nennt

Dazu trägt er einen bunten Kaftan
Aus Seide und die Brüder geben 
Sich nichts in ihren beständigen
Spitzen die sie aufeinander schießen

Nach dreißig Jahren im Hause
Kleefeld kündigt die Haushälterin
An ihrem 65. Geburtstag unklar
Ob das in Rente gehen heißt

Ihre Tochter hatte zeitweise mit
Im Dachgeschoss gelebt wo
Frau Stöcklein ihre Zimmer hatte
War aber dann etwas abgerutscht

Kommt gelegentlich inzwischen
Voll tätowiert und Mutter von vier
Kindern von drei Männern aus ihrer 
Kommune im Vogelsberg vorbei

Alfred lebte im ständigen Kampf
Mit Frau Stöcklein die aus Nidda
Schon damals kräftig ins Westend
Gekommen war um zu bleiben

Die Geschichte ist rasant komisch
Erzählt gleicht in manchen der 
Dialoge der Brüder eher einer
Komödie im jiddischen Milieu 

Das ist lustig und lädt auch zum
Weiterlesen ein zumal ich auch
Gespannt bin wie es mit der neuen
Palästinensischen Haushälterin wird 

Vertraute Atmosphäre familiärer
Konflikte im bürgerlichen Gewand 
Ein wenig klamaukig schon aber
Auf liebevolle Art schön erzählt

Das jüdische Frankfurt in dem der
Autor auch groß wurde war und ist
Eine eigener kulturelle Welt in der
Uralten Bankenmetropole noch


Noch ein wenig von Frankfurt aus
In die Wunder des Nordens von
Olaus Magnus getaucht wo es um
Die Übersetzungen des Textes ging

Die Erläuterungen zur Karte sind in 
Unterschiedlichen Versionen wohl
Parallel 1539 erschienen und könnten
Aus der Feder Olaus Magnus sein

Was an der Art der Übersetzung 
Für Olaus persönlicher Handschrift 
Spricht und welche Unterschiede
Sich auch inhaltlich zeigen ist eine

Weitere aufregende Geschichte um
Den katholischen Flüchtling aus
Schweden in Venedig die tiefer noch
In seine Schaffensweise blicken lässt

Die Autoren mutmaßen ob ihm die
Drucker oder sonst Venezianer was
Naheliegender ist dabei noch halfen
Die Superlative inflationär machten 

Wie es dir Italiener lieben werden 
Städte als allergrößte oder schönste
In ganz Europa beschrieben was für
Den deutschen Markt weniger taugte

Ob die vielem auch grammatischen
Fehler der deutschen Version mehr
An der Unkenntnis der Drucker oder
An Olaus Deutsch lag bleibt unklar 

Er hatte zehn Jahre in Danzig noch
Gelebt dort wurde deutsch noch als
Sprache von Hanse und Reich
Gesprochen doch war er dort meist

Unter Schweden und Humanisten
Diese wiederum plauderten Latein 
So ist die lateinische Version auch
Die korrekteste und fließendste

Aus dieser wiederum wurde dann
Die deutsche Version übersetzt wie 
Die italienische die manche Details
Für mehr Übertreibungen wegließ

Dahingestellt ob Olaus als Übersetzer
Seiner selbst mit den Varianten den
Regionalen Charakter genau traf
Waren die gleichen Vorurteile wohl

Schon vor 500 Jahren weit verbreitet
Wurden zum Marketing genutzt das
Jeweilige Publikum auf seine Art für
Die Sache des Nordens zu begeistern

Den Deutschen wurde eher exakt 
Berichtet wie es in Skandinavien
Wäre die Italiener sollten dagegen
Auch emotional begeistert werden

Beide Versionen sind sichtbare
Varianten des lateinischen Originals
Die Sprache wenn nicht schwedisch
In der Olaus als Humanist dachte

Spannend wie eine Übersetzung 
Des eigenen Textes durch einen
Flüchtling im 16. Jahrhundert die
Regionalen Eigenheiten spiegelt

jens tuengerthal 4.3.26

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