Versgedanken III
Weiter in Montaignes Essay über
Einige Verse von Vergil wo er hofft
Die Freiheit die er sich schreibend
Herausnimmt möge den Mut wecken
Sich über alle Tugenden hinweg die
Nur feige vorgeheuchelt wären als
Ausgeburt unserer Mängel und Makel
Zu setzen um vernünftig zu werden
Du musst deine Fehler erstmal selbst
Durchschauen damit du sie auch
Offenbaren kannst wer seine Fehler
Vor anderen verbirgt pflegt dies auch
Vor sich zu tun weil sie diese nicht
Für verborgen genug halten solang
Sie ihnen noch selbst sichtbar sind
Worüber ich hier schon schrieb
So würden sich die Krankheiten des
Körpers offenbaren in dem sie sich
Verschlimmern was uns Grippe schien
Wird so in Wirklichkeit zur Gicht
Dagegen werden die Krankheiten des
Geistes mit ihrer zunehmenden
Verschlimmerung immer dunkler noch
Der Kränkste spürt sie am wenigsten
Eben darum müssten wir sie meint
Montaigne nachts der Brust entreißen
Um sie ans Tageslicht zu zerrn warum
Darüber reden schon helfen kann
Ihm sei jede Verstellung so zuwider
Dass er es meide sich Geheimnisse
Überhaupt anvertrauen zu lassen da
Er nicht abstreiten könne was er weiß
Verschwiegen wäre nur wer es von
Natur aus ist nie aus nur Pflicht wer
Den Fürsten dient müsse sowohl
Verschwiegen wie ein Lügner sein
So findet er Lügen schlimmer noch
Als Unzucht treiben wer vor die Wahl
Zwischen Lastern gestellt würde
Käme wirklich in die Klemme erst
Origines war vor die Wahl gestellt
Worden einen Götzen anzubeten oder
Sich von einem großen hässlichen
Afrikaner missbrauchen zu im lassen
Er wählte die Götzen was wiederum
Die Kirchengeschichte sündhaft nennt
So hätten Frauen recht die lieber zehn
Männer als eine Messe nähmen
Sollte es ein Mangel an Zurückhaltung
Sein wie er die eigenen Fehler noch
Zu veröffentlichen bestünde doch nie
Gefahr dass dies Schule mache
Schon Ariston hätte gesagt die
Leute fürchteten am meisten Stürme
Die ihre Häuser abdecken dabei sollte
Doch genau dies offenbart werden
Da wird das Gewissen ins Bordell
Geschickt und zugleich Biedermann
Gespielt selbst Verräter und Mörder
Hielten maskiert auf die Etiketten
Ganz im Sinne der Hugenotten die
Eine Ohrenbeichte ablehnen berichtet
Er in aller Öffentlichkeit gewissenhaft
Wie schon Augustinus Origines und
Hippokrates gesteht er öffentlich die
Mängel seiner Lebensführung so
Hungere er danach sich bekannt zu
Machen egal wie vielen nur wahrhaft
Was meint zu gewinnen der alles um
Der Ehre Willen tut wenn er sich der
Welt in einer Maske zeigt und so sein
Wahres Wesen verbergen würde
Dazu erzählt er wie König Archelaos
Durch die Straße ritt und jemand über
Ihm Wasser ausgoß worauf ihm seine
Begleiter rieten er solle den bestrafen
Dieser meinte darauf der andere
Hätte das Wasser über dem nur
Ausgegossen für den er ihn hielt
Nicht über ihn das ginge ihn nichts an
Als Sokrates erzählt wurde es würde
Schlecht über ihn geredet sagte er nur
Alles falsch in ihm sei nichts von dem
Was sie ihm nachsagen würden
Wer ihm Montaigne schmeichelte er
Sei ein guter Steuermann bescheiden
Gar enthaltsam rühre ihn zu keinerlei
Dank wie umgekehrt auch bei einer
Beschimpfung als Verräter Dieb oder
Trunkenbold ließe ihn das unberührt
Nur wer sich verkennt weidet sich am
Unverdienten Beifall noch nur nicht er
Weil er in sein Innerstes schaut wisse
Er genau was ihm zukomme er
Würde gern weniger gelobt aber dafür
Besser erkannt werden so könne er
Wohl für weise gehalten werden aber
Im Sinne einer Weisheit die er lieber
Torheit nennen würde so verdrießt es
Ihn wenn seine Essays den Damen
Für gewöhnlich nur als eine Art von
Einrichtungsgegenstand dienen den
Sie sich in ihren Salon stellen dabei
Dürfte dieses Kapitel nun endlich
Ihm Zutritt in ihre Privatgemächer
Geben er liebe ja den etwas intimeren
Umgang mit ihnen so böten die nur
Öffentlichen Beziehungen weder
Wonne noch Würze und gerade beim
Abschied flammt die Liebe zu den
Dingen die wir lassen müssen heißer
Auf als je zuvor so sagt auch er den
Spielen dieser Welt Lebewohl dies
Sei ihre letzte Umarmung aber um
Beim Thema zu bleiben statt noch
Sentimental zu werden fragt er gleich
Was der Geschlechtsakt dieser so
Natürliche nützliche ja notwendige
Vorgang den Menschen getan hat
Dass sie nicht ohne Scham von ihm
Zu reden wagen und ihn verbannen
Aus allen ernsthaften Gesprächen
Keine Hemmung hätten wir töten
Rauben und verraten zu sagen
Aber dabei murmeln wir nur zwischen
Den Zähnen meinen wir etwa desto
Weniger wir darüber redeten desto
Mehr könnten wir daran denken
Es sei doch ein Witz dass jene Worte
Die am wenigsten genutzt werden
Zugleich die am besten verstandenen
Seien geläufig wie das Wort Brot
Dem Geschlecht was diese Sache am
Meisten betriebe sei auferlegt worden
Darüber beharrlichst zu schweigen
Was die Damen lächelnd intim meint
So würde es noch als Verbrechen
Gelten diesen Akt anzusprechen
Auch nur für eine Anklage was dem
Verbrecher sogar Freiheit schenkt
Ginge es da nicht wie mit jenen
Büchern die weil sie verboten sind
Nur um so mehr verkauft würden
Er halte es da lieber mit Aristoteles
Der meinte Schamhaftigkeit gereiche
Noch der Jugend zur Ehre aber dem
Alter bringe sie nur Spott ein zitiert
Nun in der Antike gepriesene Verse
Es irrt wer Venus zu sehr flieht
Wie wer zu sehr für sie erglüht
Oh Göttin die du über alles waltest
Nichts erquickliches entstünde je
Ohne dich und nichts erhöb sich
Zu den Gestaden hellsten Lichts
Wer den Musen ihre Liebesträume
Nähme beraubte sie ihrer schönsten
Spiele wie der edelsten Stoffe für
Ihre Werke die wenig nur behielten
Wer Amor die Dichtkunst nähme
Brächte ihn um seine beste Waffe
Er stünde undankbar da und hätte
Vergessen wieviel er ihr schulde
Er sei noch nicht so lange von der
Hofliste der Diener Amors gestrichen
Dass er dessen Macht vergessen
Noch wärmt sein Blut die alte Glut
Es bliebe eine Spur von Erregung
Möge diese Glut weiter schwelen
Sie nie in seines Lebens Winter fehlen
Ausgetrocknet und gebeugt bliebe
In ihm noch ein Rest vom alten Feuer
Wie das Meer sich nach dem Sturm
Erst langsam wieder beruhigt dabei
Wirke die Macht Amors in Versen
Welche Finger hätten noch stärker
Der Liebeszauber der Dichtung
Überflügelt die Liebe selbst nie
Sei Venus so schön wie bei Vergil
So umschlingt Venus ihren Gatten
Vulkan und schon durchdringt die
Vertraute Flamme und Glut gleich
Mark und Bein und Blut wie neu
Die Wolken spaltet des Blitzes
Jäher Strahl Feuer sprühend ohne
Zahl bis Vulkan erschöpft vom
Liebesdienstn hingegossen liegt
Die Glieder nun schlaff dichtete
Vergil lag er hingegossen in der
Gattin Schoß dazu meint aber
Montaigne einschränkend noch
Für eine verheiratete Venus hätte
Der Dichter sie zu leidenschaftlich
Dargestellt sei doch die Ehe eher
Ein Vernunft gelenktes Geschäft
Dort seien die Begierden nicht
Derart wild noch sondern eher
Abgestumpft und trübselig so sei
Die Liebe dort nur ein trüber Gast
Diese hasse es wenn Verbindungen
Nicht ausschließlich um ihretwillen
Eingegangen werden und die Ehe
Diente Familie und Vermögen erst
Du heiratest nicht für dich sondern
Für deine Nachkommen wie deine
Familie warum Ehen besser durch
Dritte als durch das Paar selbst
Ausgerichtet werden sollten weil
Eine solche Verbindung sich besser
Auf das Urteil anderer statt auf das
Eigene vernünftigerweise gründet
Dies sei allen Liebeshändeln doch
Entgegengesetzt warum er es eine
Unzucht finde sich in der Ehe den
Ausschweifungen der Sinneslust
Ohne Verstand hinzugeben so solle
Nach Aristoteles der Mann die Frau
Nur zurückhaltend und zuchtvoll
Berühren dass sie nicht zu wild werde
Gleiches rieten auch die Ärzte eine
Zu heftige Wollust verderbe nur den
Samen und hemme die Empfängnis
Warum der laue Geschlechtsverkehr
Wie er in der Ehe natürlich sei nur
Mit beträchtlichen Abständen noch
Ausgeübt werden soll damit sich so
Die Inbrunst speichern könnte
Hierzu zitiert er wieder Verse nach
Denen der Samen des Mannes nur
Dann zur Zeugung taugt wenn der
Gattin Schoß ihn gierig in sich saugt
So kenne Montaigne keine Ehen die
Schneller in Schwierigkeiten gerieten
Als jene die auf Schönheit und das
Liebesverlangen sich gründeten
Hierzu bedarf es nach seiner Sicht
Welche die Romantik umdrehte doch
Ernsterer Fundamente sowie eines
Stets vorsichtigen Vorgehens dazu
Leute die meinen es täte der Ehe gut
Sie mit der Liebe zu verbinden seien
Wie jene die den Adel mit Tugend
Verbinden wollen was zwei Dinge
Miteinander verbindet die teilweise
Verwandtschaft haben aber zwischen
Denen erhebliche Unterschiede doch
Bestehen darum besser getrennt
Erbe ersetze keine Erfahrung was
Montaigne nun noch an Beispielen
Aus der Antike weiter ausführt die
Belächeln wird wer ihn selbst liest
Montaigne erzählt dann noch eine
Geschichte vom Umgang mit dem
Adel in Calicut in Indien die auch
Komisch absurd sexuell wieder ist
Eine gute Ehe falls es sie gibt wie
Montaigne humorvoll einschränkt
Hat weniger mit Liebe zu tun als
Mit Freundschaft sei eine stetige
Lebensgemeinschaft noch voller
Beständigkeit und Vertrauen mit
Einer Unzahl wechselseitiger Dienste
Wie Pflichten für eine gute Ordnung
Keine Frau die auf den Geschmack
Einmal kam möchte je die Rolle einer
Geliebten ihres Gatten übernehmen
Als Ehefrau wohnt sie weit sicherer
In seinem Herzen denn als Geliebte
Fragst du den Gatten wessen Glück
Ihn mehr sorge wessen Unglück ihn
Tiefer träfe wäre die Antwort klar
Dass gute Ehen so selten sind zeigt
Deren Wert und Würde sie sind das
Gute Fundament der Gesellschaft
Das wir dennoch schlecht machen
Wir glichen den Vögeln die wenn im
Käfig alles tun herauszukommen aber
Wo frei versuchten hereinzukommen
Wozu er passend Sokrates zitiert
Der gefragt ob es besser sei zu
Heiraten oder nicht nur meinte
Was auch immer wir tun wir werden
Beides schon bald bereuen
Die Ehe sei eine Zweckgemeinschaft
Auf die das Wort zutrifft der Mensch
Ist dem Menschen entweder ein Gott
Oder ein Wolf dazwischen wäre nichts
Es müssten sich viele Eigenschaften
Verbinden eine Ehe aufzubauen was
Den einfachen Geistern leichter fiele
Er sei aber weniger dazu geeignet
Ohne diese wunderbaren wie weisen
Worte Montaignes zu kommentieren
Verneige ich mich lächelnd vor seiner
Weisheit noch glücklich unverheiratet
jens tuengerthal 3.3.26
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen