Lektürentagebuch 2.3.26
Über die Augen Claude Monets
In Das Kunstwerk von John Berger
Gelesen und über seinen präzisen
Analytischen Blick dabei gestaunt
Er beginnt mit einer Bemerkung von
Cézanne das Monet ein Auge sei das
Wunderbarste Auge seit es Maler gibt
Die er für völlig überschätzt hält
Wichtiger scheint ihm die Trauer in
Monets Augen zu erkennen und zu
Ergründen wie sie von Photographie
Zu Photographie deutlicher hervortritt
Dieser Trauer wäre bisher zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt worden
Weil in der üblichen kunsthistorischen
Sicht dafür kein Platz ist weil der Blick
Auf den Impressionismus als Tor das
Die Kunst ins 20. Jahrhundert führte
Den Bruch mit dem bisherigen betont
Was auf jeden Fall richtig wäre
So müsse die befreiende Wirkung des
Impressionismus erkannt werden von
Klaustrophober bürgerlicher Kultur
Des 19. Jahrhunderts klar sein
Dennoch könnten wir die Trauer in
Den Augen von Monet nie vergessen
Sollte sie nicht historisch gesehen
Werden im Kontext seiner Erfahrung
Berger widmet sich zunächst dem
Bild Impression soleil Levant nach
Dem der Kritiker Castagnary erst
Den Begriff Impressionismus prägte
Das Bild zeigt den Hafen von
Le Havre wo Monet als Kind
Aufwuchs dabei ist im Vordergrund
Die Silhouette eines Mannes
Der in einem Boot steht und eine
Andere Figur rudert über das Wasser
Hinweg sind Masten und Kräne zu
Sehen in der Morgendämmerung
Darüber aber tief am Himmel eine
Kleine orangefarbene Sonne der sich
Darunter im Wasser spiegelt es ist
Aber kein Bild der Morgenröte
Es ist ein Tag der beginnt wie der
Gestrige aufhörte die Stimmung
Erinnert Berger an Baudelaires
Gedicht Die Morgendämmerung
Darin ist vom auf Schluchzen eines
Menschen die Rede der gerade erst
Geweckt wurde was aber mache die
Melancholie des Bildes noch aus
Warum löst ein Turner nicht gleiche
Empfindungen bei uns aus dazu meint
Berger es läge an der Malweise die es
Impressionistisch mache in seiner Art
Transparenz dünner Farbschichten
Für das Wasser schimmere durch die
Leinwand dazu rasche Pinselstriche
Wie kräftig hineingesetzte Schatten
Die Reflexe die das Wasser aufhellen
Optische Aufrichtigkeit bei zugleich
Unbestimmtheit der Gegenstände
Damit wirke es hinfällig trügerisch
Dazu zitiert er wieder Verse von
Baudelaire wonach die Gestalt einer
Stadt rascher wechsle als das Herz
Eines Sterblichen aus Fleur du Mal
Was verändert sich fragt Berger wenn
Es beim Impressionismus alleine um
Impressionen gehe wie verändert das
Die Beziehung vom Betrachter zum
Betrachteten wenn jede Impression
Ihrer Natur nach flüchtig ist sie nur ist
Was bleibt wenn die Landschaft schon
Verschwand oder sich verändert hat
Wie intensiv eine Impression ist lässt
Sich so wenig beweisen wie eine nur
Erinnerung worüber Monet immer
Wieder klagte wenn der Moment weg
So könne er kein begonnenes Bild
Vollenden wenn der Moment weg sei
Weil Wetter Licht Stimmung sich für
Immer für ihn verflüchtigt hätten
Berger kommt nun zu dem beiden
Gemälde eines Fliederbusches in
Monets Garten in Argenteuil wobei
Eines bewölkt das andere sonnig war
Unter dem Baum ruhen drei Personen
Camille Monets erste Frau und Sisley
Mit seiner Frau sie sind fast nicht zu
Erkennen eher im Schatten zu ahnen
Die beiden Bilder werden durch das
Unterschiedliche Licht dabei belebt
Das Bild löst neue Empfindungen aus
Es ist genau und ungenau zugleich
Alles ist vom Spiel des Lichts dabei
Überschwemmt dabei ist gemaltes
Licht im Gegensatz zum wirklichen
Eben genau nicht durchsichtig
Das gemalte Licht begräbt die
Landschaften wie Schnee doch fragt
Berger beherrscht das Licht alles
Verneint es der Wirkung die das Bild
Auf jeden Betrachter hat wegen
Genauigkeit und Unbestimmtheit die
Wecken verschiedene Funktionen
In unserem Gedächtnis erst
Visuelles Gedächtnis und Erinnerung
Werden dabei getrennt ersteres prüft
Die Genauigkeit während letztere die
Ungenauigkeit sinnlich füllen würde
Diese Erfahrung kann sogar einer
Halluzination gleichen der Sturz in
Die Vergangenheit mit der ständig
Wachsenden Erregung ist eine
Rückkehr ein Abschied so einem
Orgasmus vergleichbar zuletzt
Scheint alles mit dem Flieder
Dabei wieder untrennbar verbunden
So hätte es Monet auch gesagt
Der meinte das Motiv sei für ihn
Zweitrangig wichtig sei die Beziehung
Zwischen ihm und dem Motiv
Impressionistische Bilder wecken
Direkte Empfindungen aber jeder
Bleibt mit diesen für sich allein was
Wenig schlüssig begründet hier ist
Gerade beim Impressionismus gibt es
Einen hohen harmonischen Konsens
Der Betrachter trotz der natürlich
Völlig unterschiedlichen Empfindung
Zurück zur Trauer in Monets Augen
Kommend berichtet Berger dass der
Maler glaubte seine Kunst sei klar
Zukunftsweisend gliche dabei einer
Wissenschaftlichen Erfassung der
Natur was sich besonders bei dem
Bild seiner Frau Camille auf dem
Totenbett noch zeige die 1879 starb
Wie im Reflex hätte er beim Blick
Auf seine geliebte Frau gedacht
Welche Farben dazu nötig wären
Schrieb er dem Freund Clemenceau
Doch sei der Eindruck meint Berger
Ein völlig anderer es gäbe wenige
Bilder vom Totenbett mit dieser
Hohen Intensität und dem Ausdruck
Doch war er dem tiefen Gefühl das
Seine Kunst auslöste gegenüber blind
Er hatte einen wissenschaftlichen
Anspruch korrekter Darstellung
Das gleiche meint Berger gelten auch
Für seinen Freund Zola der seine
Romane für so objektiv hielt als
Kämen sie aus dem Labor dabei
Käme ihre eigentliche Kraft aus dem
Tiefen Gefühl so kreiste Monets
Ganzes Werk was er nicht zugeben
Wollte um die Erinnerung zuerst
Seine berühmte Liebe zum Meer
In dem er begraben werden wollte
Wie die 1896 nochmal gemalten
Klippen bei Dieppe die mit einem
Minimum farblicher Abstufung noch
Gemalt sei an dicken Honig erinnern
Hier löst sich die Landschaft durch
Das Licht langsam auf was dann
Gewöhnlich als dekorativ erklärt
Würde aber Berger meint es ginge
Um etwas ganz anderes Monet löste
Seine Erinnerungen im Honig auf
Der verzweifelte Wunsch alles zu
Retten mache das Bild so amorph
So flach wie zugleich bewegend
Wenn du erkennst um was es geht
Diese sehr psychoanalytische Sicht
Klingt für mich eher wie für diese
Sekte typisch nach Wahrheitsbesitz
Ist kein offener Blick auf das Werk
So lehrreich und genial Berger in
Teilen Kunst betrachtet ist mir die
Anmaßung in der Interpretation
Hier zu eng psychoanalytisch
Etwas ganz ähnliches geschehe
Bei den Bildern mit den Seerosen
In seinem Garten in Giverny während
Der letzten Lebensjahre 1900 bis 26
In diesen Bildern die er endlos noch
Überarbeitete angesichts der optisch
Unmöglichen Aufgabe Wasser und
Blumen mit Licht noch zu vereinen
Hier war sein Ziel weder optisch noch
Dekorativ er wollte das Wesen seines
Gartens bewahren den er über alles
Liebte und so hätte der gemalte
Seerosenteich die Erinnerung an alle
Teiche in sich getragen was wieder
Eine der ganz billigen Schubladen
Der Sekte Psychoanalyse nur ist
Diese fast schlicht amerikanisch
Klingende Muster das einem Film
Von Woody Allen entsprungen eher
Scheint erreicht Monets Kunst nicht
Ähnlich kommt Berger hier zum
Schluss sei dies der Kern des
Widerspruchs den Monet als Maler
Lebte zwischen Zeit und Raum
Er wollte wissenschaftlich bewahren
Aber schuf vergängliche Gefühle nur
Eben Impressionen die aber noch
Bis heute Menschen beglücken
So ist im Gegenteil denke ich eher
Monet unsterblich geworden weil er
Echte Eindrücke eben Impressionen
Für die Ewigkeit schön einfing
Entsprechend dieser Interpretation
Die völlig am Thema vorbeigeht nur
Die sich selbst bestätigenden Theorie
Der Psychoanalyse bestätigt kommt
Berger hier zum Schluss allein
Cézanne hätte begriffen was war
Hätte eine neue Form von Raum
Und Zeit in seinem Werk geschaffen
Auch diese Ansicht teile ich nicht
Lasse es für heute mit diesem Kapitel
Über Monet gut sein was allerdings
Schlichte Schemen nur bestätigt
Die Psychoanalyse als Seite legt
Die Schemen ihres Aberglaubens
Über alles ohne kritisch zu denken
Oder den einzelnen zu betrachten
Cézanne widersprechen gleich
Zu Beginn um ihn am Ende als
Hellsichtiger zu loben ist nicht
Wirklich schlüssig am Ende
Berger blickt vielfach tief und
Mit klugem Blick auf die Kunst
Bei Monet hat er sich aber um
Besonders zu sein vergaloppiert
Noch einige Seiten wieder mit
Begeisterung in die Wunder des
Nordens von Olaus Magnus getaucht
Aus der Anderen Bibliothek
Wunderbar mit leichter Ironie dabei
Erzählen die Herausgeber wie der
Katholische Schwede mit seiner
Karte politisch alles versuchte
Um den an hohen Norden den
Italienern schmackhaft zu machen
Etwas Island als doppelt so groß
Wie Sizilien ihnen beschreibt
Es soll diese wertvolle Region
Nicht einfach aufgegeben werden
Wie dem lutherischen Ketzern
Überlassen werden schrieb er
Indirekt auf der Karte und ganz
Wörtlich in einen Brief an den
Papst mit dem er ein Exemplaru
Seiner Karte diesem sandte
Olaus macht so einerseits gerne
Werbung für seinen Norden will
Diesen andererseits für Rom noch
Vor Luther retten dazu auffordern
Dabei malt er Bilder von der großen
Schönheit und Bedeutung dieser
Gegend will andererseits zeigen
Was wir militärisch möglich wäre
So soll die Legende dieser Karte
Zugleich Neugier wecken auf den
Großen Reichtum dort auch an
Bodenschätzen wie den Plan
Zu deren Eroberung entwickeln
Einen Schlüssel zum Norden als
Gebiet voller Kostbarkeiten geben
So Neugier und Moral aufwecken
Ein hoher Anspruch für die Karte
Eines Vertriebenen der diese erst
Im Exil in Danzig und Venedig
Schrieb und in Bildern malte
Letztlich blieb sein Bemühen beim
Papst und anderem erfolglos denn
Zu fern lag Skandinavien doch von
Rom sich zu etwas aufzuraffen
Doch zeigt es die Vielfalt auch der
Absichten hinter der Karte die den
Geliebten Norden befreien wollte
Für den rechten katholischen Glauben
Ein neues Kapitel beginnt in der
Gesprungenen Liebe von Autor
Manfred Flügge mit der eingefügten
Biographie von Ulrich Hessel
Dieser liegen Aufzeichnungen von
Hessel zugrunde wie Aufnahmen
Von Tonbändern und erfolgten mit
Dessen persönlicher Genehmigung
Nach der Sicht von Franz von Henri
Helen und Stephan nun die vom
Anderen größeren Sohn auf diese
Liebe der 2003 in Paris verstarb
Sehr feinfühlig berichtet Ulrich hier
Von seiner Geburt am 27. Juli 1914
Also einen Tag bevor Österreich
Serbien den Krieg erklärte in Genf
Am dortigen Krankenhaus war eine
Tante von Ulrich als Schwester die
Seiner dabei unter der Narkose fast
Gestorbenen Mutter Helen beistand
Er wurde mit Zangen geholt was
Zunächst zu einer Verformung seines
Kopfes und später zu einer Lähmung
Der linken Seite führen sollte
So war er eine schwere Geburt
Helen und die Tante blieben noch
Zur Erholung bis Oktober in Genf
Was ihnen übel genommen wurde
Im dann gerade begonnenen Krieg
Galt es im Rausch des Patriotismus
Als feige in die neutrale Schweiz zu
Gehen sie sollten ins Vaterland zurück
Seiner Mutter Helen erzählte ihm dass
Ihr in der Schwangerschaft noch die
Jungfrau Maria erschienen wäre und
Ihr gesagt ihr Sohn könne wie der ihre
Ewigen Ruhm erhalten müsste dafür
Aber einen Leidensweg auch gehen
Worauf sie gesagt hätte alles aber
Bloß nicht das und sei erwacht
Die Ärzte waren sich nicht sicher
Ob er leben konnte oder sollte
Angesichts ihm drohender Leiden
Aber Mutterliebe siegte über Zweifel
So hätte ein behindertes Kind noch
Zu dieser Zeit als Schande gegolten
Schreibt Ulrich dazu doch die Tante
Hätte seiner Mutter beigestanden
Dagegen hätte sein Vater sich zum
Zorn seiner Mutter gleich Anfang
August bei seinem Regiment schon
Gemeldet und war damit weg
In der Aufregung der Einberufung
Hatte Franz übersehen dass er
Noch drei Monate Zeit gehabt hätte
Was zu einer Entfremdung führte
In dieser schwierigen Ehe wie der
Erste Sohn dieser Ulrich schreibt
War das der Anfang vom Ende schon
Den sie nie verzeihen sollte
Der Mann ließ die Mutter nach der
Schweren Geburt im Stich und zieht
Zu früh in den Krieg weil er vor lauter
Aufregung unaufmerksam gelesen
Von einer ersten Begegnung mit
Vater Franz erzählt Sohn Ulrich als
Er ihm die Tür öffnete und dieser in
Uniform stramm einmarschiert wäre
Das wäre sonst gar nicht seine Art
Gewesen und ich überlege wie der
Krieg und der Dienst in der Kaserne
Das Wesen des zarten Franz verformt
Mit dem Dienstmädchen wäre es zum
Einkaufen was Schlange stehen hieß
Gegangen erzählt wie er einmal die
Rationierte Milch dabei verschüttete
Danach hätte er allein zurück in den
Laden gemusst um noch neue von
Der Verkäuferin zu erbetteln mit da
Höchstens vier Jahren schon viel
Der erste von ihm überlieferte Satz
War auf den Bäumen wächst Schnee
Über Süßstoff hätte er gestaunt aber
Niemand erklärte ihm was diesen
Stoff süß machte und er schlief in
Einem weißen Bett mit einem schon
Hohen Gitter drumherum eines Tages
Wäre eine Hexe aus dem Ofen
Gekrochen gekommen die dann unter
Der Kommode verschwand und erst
Dann hätte er schreien können aber
Er musste weiter dort allein schlafen
Solche Albträume hatte er noch öfter
Der konsultierte Arzt erklärte Helen
Daraufhin er würde mit acht Jahren
Epileptische Anfälle bekommen
Sein Großvater hätte als erster
Bemerkt dass mit ihm etwas nicht
Stimmte worauf die Ärzte dann die
Linksseitige Lähmung diagnostizierten
Drei Jahre war er Einzelkind doch
Seinem Gefühl nach hätte er schon
Immer einen kurzen Bruder gehabt
Doch Stephan wurde 1917 geboren
Damals hätten sie in dem Viertel
Zwischen Landwehrkanal und dem
Tiergarten gewohnt das alter Westen
Genannt wurde West-Berlin war
Stephan hätte sich selbst Kadi dann
Genannt was Dienstmädchen Emma
Gleich übernahm der alle dann folgten
Warum es sein Spitzname wurde
Schön ist auch die Anekdote wie
Emma als sie mal zur Polizei musste
Ihn und Stephan vor der Tür stehen
Ließ wo Polizisten am Fenster saßen
Diese würden ihn holen hatte Emma
Gesagt bevor sie hinein ging warum
Sie es nicht taten verstand er nie er
Wäre zu artig gewesen meinte Emma
So fragt er sich am Ende dieses
Ersten Abschnittes der Autobiografie
Ob er vielleicht weniger artig hätte
Sein sollen doch geholt zu werden
Das ist der genaue aber auch feine
Tiefe Blick auf sich den die Leser
Von Franz Hessel gut kennen da
Fällt der Apfel nicht weit vom Baum
jens tuengerthal 2.3.26
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