Sonntag, 21. März 2021

Schicksalswege

Schicksalswege

Wenn Joseph im Auftrag von Jakob
Zu seinen Brüdern reitet die sich doch
Ganz bewusst von ihm distanzierten
Um schlimmeres zu vermeiden ist er
Ahnungslos und verhält sich zumindest
Naiv in seinem guten Glauben er könne
Als von Gott erwählter aller Missgunst
Trotzen die ihn härter prüfen wird als
Einer der Familie ahnen konnte deren
Späterer Retter der nervige Besserwisser
Mit kluger Vorratshaltung wurde die er
Dann in Ägypten im Auftrag des Pharao
Betrieb und die viele Leben rettete was
Das spannende Moment dieser kleinen
Biblischen Geschichte ausmacht die einen
Thomas Mann motivierte sie episch als
Großen Roman auszumalen den er mit
Gründen für seinen besten hielt auch
Wenn er schon Buddenbrooks wie den
Wirklich grandiosen Zauberberg schrieb
Weil er hier im episch biblischen Stil mit
Dennoch typisch mannschen Humor erst
Über alle Untiefen hinweg die Brücke
Zwischen Himmel und Erde schlug oder
Es literarischer zu formulieren alle Grenzen
Der Gattungen spielerisch aufhob sogar
In seiner klaren Prosa verschwommen
Lyrisch teilweise wird und so wagt die
Großen Epen der Geschichte auf seine
Unnachahmlich humorvolle Art noch
Fortzusetzen die gleichsam zwinkern
Wie menschlich voller Verständnis uns
Die Geschichte der Brüder erzählt die
Nach moralischen Maßstäben korrekt
Zumindest menschlich verständlich ja
Vernüftig auf den Göttersohn der doch
Auch ihr Bruder ist reagierten wie alle
Von uns alltäglich geforderte Vernunft
Es von uns verlangt während der Kleine
Als eitler erleuchteter Guru alle Ablehnung
Auch des Aufklärers in mir provozierte
Bei gleichzeitigem auch so innigen
Verständnis für diesen wohl Demian
Der viel facettenreicher ist als Hesses
Dieses netten schwäbischen Erzählers
Welcher Thomas Mann nie vergleichbar
Der seiner Umgebung weit überlegen
Intellektuell wie leider auch anmaßend
Spirituell und so auch alles vereint
Was ein egalitärer Demokrat wohl heute
Aus tiefster Überzeugung ablehnen müsste
Weil es vom rassistischen Geist des sich
Für erwählt haltenden Volks geprägt ist
Was aber selbst wiederum Opfer des
Allerschlimmsten Rassismus wurde der
Von Menschen gegen Menschen erdacht
Lese von den Brüdern für die Verständnis
Nach aller Vernunft da ist weil die noch
Privilegierung des spätgeborenen Sohnes
Ungerecht und gegen die Natur scheint
Die sie noch dazu mit weniger Schönheit
Bestrafte was sie dafür sehr menschlich
Mit mehr Fleiß zu kompensieren suchen
Und so fragt sich ob die Gerechtigkeit ein
Tauglicher Maßstab ist sobald Götter mit
Im Spiel irgendwo sind die auch völlig
Willkürlich urteilen können wenn es
Ihnen für den Verlauf der Geschichte
Angemessen erscheint als wäre Leben
Auch in seiner Ungerechtigkeit eine stete
Prüfung am bösen Schicksal das zeigt
Wie treu wir im Glauben an jene nur
Geaberglaubten Mächte sind auch gegen
Alle Vernunft und sonst Moral was der
Geschichte des Joseph eine Wende gibt
Die den Besserwisser und Scharlatan
Der als eitler Knabe die Brüder tödlich
Nervte zum weisen Seher macht als
Der er sich schon immer sah auch wenn
Aller Anschein gegen ihn sprach sogar
Vater Jakob seinen Liebling rügte dabei
Konnte der Sohn der geliebten Frau
Sich sonst alles fast herausnehmen
Stand vorne in der Gunst des Vaters
Der nur nach außen formelle Gerechtigkeit
Übte die Fasson zu wahren was so
In der einfühlsam realistischen Beschreibung
Zugleich alle Moral infragestellt um so
Den göttlichen Willen oder dessen eben
Willkür über alles zu stellen womit die
Fragliche Begründung einer Moral im
Transzendenten Bereich ihre ganze
Sittliche Wertlosigkeit offenbart zumindest
Im Schatten des kategorischen Imperativ
Wobei sich fragt wollte der Bürger Mann
Der mit einer bürgerlichen Jüdin aus
Bester Münchner Familie verheiratet war
Diese vollkommene Infragestellung des
Moralischen Werts religiöser Moral die
Auch wenn sie ihr Ziel noch erreicht
Dabei völlig willkürlich vorgeht ohne
Auf die Folgen für die Gesinnung zu
Achten weil sie ja höhere Wahrheit
Zu verkünden meint was Mann als
Konflikt in Jakob und seinen Söhnen
Bis auf Joseph so treffend beschreibt
Die natürliche Empörung über die
Ungerechtigkeit des Schicksals was
Immer dies wem auch sein soll ist es
Stets basiert im unfreien Aberglauben
Und so verstehe ich was Mann an der
Kleinen biblischen Familiengeschichte
So fasziniert hat die uns tief in unsere
Abgründe blicken lässt wie zugleich
Die Basis aller Moral hinterfragt den
Begriff des Erwählten neu aufwirft
Gegen das Maß der Gerechtigkeit
Was fragen lässt wie tauglich dieser
Höchste Maßstab der Demokratie
Auf Dauer praktisch sein kann ohne
Eine sichere Antwort zu bieten uns
Mit den großen Fragen des Lebens
Allein lässt die so völlig entsetzlich
Ungerecht sein können immer noch
Wie es Liebe und Glaube lehren auch
Wenn am Ende jeder seines bekommt
Im geaberglaubten Jenseits wird es
Auf Erden was als einziges sicher ist
Immer ungerecht bleiben aber wofür
Vor allem wem dann Glaube dient
Scheint eine logische Frage dem
Kritischen Kant geprägten Geist
Wobei wenig außer der Manifestation
Des Ist-Zustandes erkennbar wird
Was dem Charakter der Religion als
Element des Bestands verdeutlicht
Wer will dass alles bleibt wie es ist
Glaube weiter die übrigen mögen
Sich dem Denken zuwenden was
Die Geschichte von Joseph so
Sicher nicht lehrt aber manchmal
Ist es besser von hinten zu kommen
Moralisch frei zu werden

jens tuengerthal 21.3.21

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