Freitag, 25. September 2026

Islamtheologen

Islamtheologen

In Münster eröffnete nun die erste
Fakultät für islamische Theologie
Ist das wirklich noch zeitgemäß
Oder sollte der Aberglaube nicht
Besser von Universitäten weg
Fragt sich der Atheist und auch
Befürworter des Laizismus in
Europa der lieber weniger an 
Götter auf dem Campus sähe
Noch dazu im katholischen Münster
Wo einst der westfälische Frieden 
Wie im protestantischen Osnabrück
Noch ausgehandelt wurde wäre
Weniger Religion wünschenswert
Aber zumindest ist diese Fakultät
Wissenschaftlich und damit nicht
Religiös dient der Forschung wie
Der Ausbildung von Theologen
Für schulischen Religionsunterricht
Was besser an einer Universität
Geschieht als unter Einfluss des
Türkischen Ministeriums der eher
Islamistischen Erdogan Diktatur
Es ist also ein naja dabei immer
Theologie ist Lehre vom Aberglauben
Hat an Universitäten nichts verloren
Aber solange es sie dort noch gibt
Sollten auch alle vertreten sein und
Es ist eine gute Gelegenheit wieder
Mehr Laizismus in Europa zu fordern 
Die Gläubigen zu provozieren deren
Götter es wissenschaftlich nie gab 
Was hiermit auch geschehen ist und
Damit ist es auch gut so denn
Friede sei mit euch

jens tuengerthal 25.9.26

Ordnungsliebe

Ordnungsliebe

Ist es immer Ausdruck einer großen
Beschränktheit Ordnung zu lieben 
Statt sich am Chaos zu freuen oder
Haben alle ihre kleine Ordnung um
Halt im Unbestimmten zu finden
Überlege ich und merke wie ich
Auch im bewussten Chaos noch
Strenge Inseln der Ordnung wahre 
Die mich glücklich machen weil sie
Eine Illusion von Beherrschung der
Situation aufrechterhalten dabei
Lehne ich sonst alle Herrschaft ab 
Nur die Selbstbeherrschung einer
Chaotischen Situation scheint mir
Verlockender als der Kontrollverlust 
Der dann Herrschaft über mich hat
Jedenfalls scheint Ordnungsliebe
Natürlicher zu sein als das bloße
Schubladendenken schlichter Geister
Vielleicht suchen wir diese auch stets 
Wege im Chaos zu finden weil ohne
Solche keiner mehr beieinander 
Ankommen kann was auch am 
Ende schade wäre irgendwie
Scheint das bei allem Chaos
Relativ in Ordnung mir noch

jens tuengerthal 25.9.26

Weltenchaos

Weltenchaos

Im Kalten Krieg war noch alles klar
Der Feind saß im Osten und hatte
Mit Stalin und Mao mörderische Köpfe
Die große Freiheit war amerikanisch

Heute geht es viel chaotischer zu 
Ob die Verbrecher in Moskau oder
Washington schlimmer sind ist unklar
Es geht um Gier statt um Freiheit

Ist links links und damit humanistisch
Oder ist die Linke antisemitisch wie
Organisierter Kriminalität nah wie
Trump in den USA eine Gefahr

Wer steht noch für das Gute was
Soziales mit Gewinn ehrlich meint
Statt nur Shareholder zu beglücken
Wer ist nur ein Scharlatan noch

Die Antworten werden schwierig
Es gibt in allen Gruppen noch jene
Die an das Gute glauben außer bei
Rechtsradikalen die nur Hass säen

Doch sogar das außer weichen nun 
Manche auf mit netten Nachbarn die
So hilfsbereit immer sind zumindest
Wenn sie für Deutsch einen halten 

Dann verbrüdern sich Nazis mit den
Linken Antisemiten und sind sich 
Einig die Juden sind immer schuld
Was dann nationalsozialistisch ist 

Einmal schon stürzten die radikalen 
Ränder die Welt ins Chaos der Kriege
Gerade zündeln sie schon wieder mit
Nationalen Ideen und noch mehr

Wie absurd die überholte Rassenlehre 
Ist die Grundlage ihres Denkens blieb
Merkt dieser Teil der Menschheit wohl
Nicht mehr belegt sich ständig selbst

Gibt es noch eine Chance aus dem
Chaos zu entkommen das gern alles
Zwischen radikalen Polen zerreibt 
Statt miteinander nur Konkurrenz lebt

Eigentum ist Diebstahl lehrten uns 
Proudhon und die Anarchisten was 
In Zukunft wichtiger sein könnte als
Alle Gier nach Bereicherung noch

Frei ist nicht der Milliardär sondern
Der Habenichts der nichts muss aber
Dies mit Freude genießen kann statt
Sich immer weiter noch zu quälen

Die Erde gehört uns allen und wer
Ihr etwas wie Rohstoffe entnimmt
Muss gleiches zurückgeben auch
Statt noch Gewinne zu machen

Frühere Gewinne werden dafür
Zurück berechnet und damit zu
Gemeinschaftseigentum wieder
Gleiches gilt auch für das Internet

Aller dort erwirtschafteter Gewinn 
Gehört allen und wird neu verteilt
Womit alle Welt genug zum Leben
Hätte und wieder genießen kann

Wir haben mit Wachstum lange
Auf das falsche Pferd gesetzt
Weil die Ressourcen beschränkt sind 
Wird weniger künftig viel mehr

Alle Welt muss schrumpfen und
Weniger wollen statt sich um so
Kurzsichtige Konkurrenz noch
Weiter national zu bemühen

Keinen Sozialismus und keine
Autoritäre Lehrer mehr sondern
Freiheit auch vom Aberglauben
Gibt allen eine gute Zukunft dann

Wagen wir endlich den Wahnsinn zu
Ende zu denken und Konsequenzen 
Daraus zu ziehen was mit Eigentum
Ist Diebstahl zuerst beginnt

Werden wir weniger und schrumpfen
Wir uns gesund ist genug für alle da
Für die begrenzte Zeit die wir im 
Leben zum Genuss nur haben

Am Ende geht es um nichts mehr
Kannst du nichts mehr mitnehmen
Als wie lustvoll du den Augenblick
Zu genießen weißt oder lieber gehst

jens tuengerthal 25.9.26

Donnerstag, 24. September 2026

Lektürentagebuch 24.9.26

Lektürentagebuch 24.9.26

Mal wieder literarisch auf Reisen geht 
Es los mit Johann Gottfried Seume 
Auf seinem Spaziergang nach 
Syrakus im Jahre 1802 hier in der 

Ausgabe der Anderen Bibliothek aus
Dem Jahr 1985 der 3. Band der Reihe
Die inzwischen bei Aufbau landete
Aber schon über 400 Bände nun hat

Er fährt mit dem Schiff von Venedig
Nach Padua bei stürmischen Wetter
Aber die Wege sollen noch schlechter 
Sein aufgrund des ständigen Regens 

Dies berichtet Seume aus Bologna
Ab Padua wurde das Wetter dann
Leidlich die Unterredung im Schiff
War bunt und kraus wie die Leute

In Padua besucht er den heiligen
Antonius in der Kathedrale und wird
Von drei Cicerones bedrängt und
Geführt aber keiner von denen

Kannte das Monument des Livius 
Das er schließlich im Stadthaus fand
Der nichts als Andenken verkündet 
Das prächtigere sah er leider nicht

Dabei versucht er sich auf Latein
Zu verständigen und findet auch
Einen mit Buch der dessen mächtig
Gutes über Livius lateinisch erzählte

Ausführlich erklärt Seume nun warum
Er Livius als kritischen Historiker so
Schätzt der leider unterdrückt wurde 
Es heute vermutlich auch würde

So hat er von Livius gelernt Spartakus
Als einen der genialsten Feldherrn zu
Sehen was die Cäsaren wie auch die
Heutigen Herrscher lieber verbargen

Das sind ganz diskret eingebaut über
Einen Römischen Historiker geradezu 
Revolutionäre Worte die Seume so
Spannend immer wieder machen

Von Padua ging er nach Rovigo was 
So arm war dass er im noch besten 
Wirtshaus nur Wein kein Brot bekam
Auf sein Bitten nur schlechte Polenta 

Vor Rovigo setzte er über die Etsch
Ins dann Cisalpinische wurde lange
Vom kaiserlichen Beamten noch dabei
Aufgehalten der ihn noch warnte

Vor dem Franzosen der dann aber
Sehr freundlich und rasch war nur
Kurz auf seinen Pass schaute dann
Ihm eine gute Reise wünschte

Rovigo war dann die erste richtig
Italienische Stadt für ihn der Rest
War vorher so nordisch noch aber
Er musste keinen Pass mehr zeigen 

Vor seinem Fenster in Rovigo stand
Der große Freiheitsbaum mit der 
Mütze obenauf nach französischem 
Muster und im Café war Gewimmel

Das kühne Wesen dort und die Art
Wie Franzosen und Italiener dabei
Miteinander ungezwungen umgingen
Gefiel ihm sogleich auch sehr gut

Das Wasser hatte überall großen 
Schaden angerichtet und er ließ sich
Weil die Wege und Straßen so übel
Waren auf dem Po hinauf rudern 

Von Ponte di Lagoscuro wanderte er
Am nächsten Morgen im Regen nach
Ferrara das ihm sehr gefiel es fehlten 
Nur Menschen gab Soldaten dafür

Die Bibliothek sei sehr ansehnlich 
Ganz durch private Gelder ohne
Einen Fürsten geschaffen worden
Dort ist auch das Grab des Ariost

Es gibt Briefe von Tasso wie eine
Originale Handschrift von Ariost
Diese Bibliothek beschäme mit
Ihrer Ordnung die meisten die er sah

Das Wetter war fürchterlich aber das
Essen ganz hervorragend mit allem 
Er fand einen Wagen der ihn mitnahm
Er zahlte gut und fuhr aber schlecht

Teilweise mussten sie zu Fuß gehen
Weil der Wagen bis zur Achse im
Schlamm versank und die Pferde
Fielen danach erschöpft einfach um

Von den Abenteuern dieser Fahrt
Wie der Angst der anderen vor den 
Gespenstern erzählt Seume mit viel
Humor bis zum vorläufigen Ziel

Am Mittag des nächsten Tages dann 
Erreichen sie endlich Bologna wo
Nach dem Pass gefragt wurde aber
Alles sehr gut diesmal ablief

Bologna wäre exemplarisch Unrein 
Es grenze schon an Schweinerei
Wäre wohl die schmutzigste aller
Italienischen Städte und hielte sich

Für mindestens so groß wie Rom was 
Zwar Unsinn sei aber er fand es doch 
Ziemlich ansehnlich ausgedehnt dort 
Sieht er das Schild Republica Italia

Vor dem Nationaltheater gewarnt 
Ging er in das kleine Theater mit
Namen Da Ruffi und fand es ganz
Allerliebst es ging viel um Freiheit

Danach fand eine Tombola statt die 
Ihn eher langweilte auch wenn alle
Mit Feuereifer dabei waren was er
Nicht wirklich begreifen konnte 

Sein Cicerone war sehr gebildet
Referierte mit viel Wissen und dabei
Fließend über Gemälde und Gemäuer 
Verstand nur seine Abreise nicht

So hielt er ihn wahlweise für einen
Teufel oder Banausen wenn er nicht
Mindestens 14 Tage bliebe was ihn
Nicht hinderte weiter zu wandern

Am 17. September besucht das
Ehepaar Heinrich und Christine 
Gondela das Heidelberger Schloss
Was sie erst auf Umwegen erreichen

Es ist dies Auf der Reise ins Paradies
Einem weiteren Band aus der guten
Anderen Bibliothek des Bremer Paars 
Das leider bald sein Ziel erreicht

Schauerliche Ruinen und himmlische
Landschaft stehen gegeneinander wie 
Licht und Schatten dabei findet er
Ganz gerührt von diesem Anblick

Tief unter ihnen lag Heidelberg sie
Sahen die Menschen in den Gassen
Im engen Tale eilte der grüne Fluss
Sie sahen die prächtige Brücke darin 

Dieses Paradies von Deutschland wie
Gondela schreibt sei der kultivierteste
Wie bewohnteste Teil des Vaterlandes
Die Vogesen stehen am Horizont

Versunken und selig lagen sie dort
Stundenlang sich einig am schönsten
Punkt der letzten und einer der wohl
Schönsten dieser Reise zu sein

Vor zwölf Jahren waren sie schon auf
Hochzeitsreise dort gewesen und es
Schien ihnen als wäre es gestern erst
Gewesen sind sie romantisch gerührt 

Um 11 Uhr vom Schlossberg zurück
Frühstücken sie bei Gatterers und
Reden über die baldige Badische 
Occupation die dort gutgeheißen wird

Bei Tisch im Hecht wurde von den 
Anwesenden der Gegenstand auch
Verhandelt dort waren aber auch viele
Anhänger der Wittelsbacher noch

Am Nachmittag wollten sie wieder mit
Gatterers einen Spaziergang zum
Bierhelderhof machen und wanderten
Über Rohrbach wo sie durch den

Kleinen englischen Garten des
Kurfürsten von Pfalz-Bayern gingen
Der heute Teil der Thorax Klinik ist
Von da ab ging es steil bergauf

Ein Weg mit herrlichen Buchen die 
Seine Lieblingsbäume wären dabei
Mussten sie ihren Freunden noch
Beim steilen Weg hinauf helfen

Aber der Weg wurde durch den Hof
Reichlich belohnt der bis heute noch
Herrlich in schönsten Wiesen liegt
Wo sie sich ihren Tee bereiteten

Mitten im schönsten Picknick bei
Tee und Kuchen kam dann ein
Stier angestürmt den dann aber in
Letzter Minute der Wirt Vertrieb

Sie blieben bis die Sonne unterging 
Fanden dann mühsam den Weg
Steil wieder zum Neckar hinunter
Gingen ins Haus der Gatterer noch

Wie gut kenne ich all diese Orte selbst
Mit wem war ich nicht alles dort am
Romantisch schönen Hof in Wiesen 
Denke ich mild nun an Heidelberg

jens tuengerthal 24.9.26

Koalitionsgeschrei

Koalitionsgeschrei

Wenn nach einer Wahl mehrere
Optionen bestehen ist immer
Das Geschrei größer als die
Realen Möglichkeiten je denn
Es geht egal wer sich am Ende
Einigt nur um die Leitung der
Verwaltung wir wählen dabei
Keine Könige sondern nur
Begrenzte Herrschaft auf Zeit
Die davon nicht mehr Geld hat
Populisten profitieren vom Gebrüll 
Weil es verdeckt wie wenig sie
Real im Rathaus zu bieten haben
Damit alles funktioniert wie es soll
Sich also möglichst wenig ändert
Was lieber keiner laut sagt
In Berlin ist nun die CDU 
Abgewählt und die Linke gewählt 
Was noch nicht sagt wer regiert
Wahlen geben keinen Automatismus 
Zur Macht auch wenn die Erben der
SED die mit der Linken regierte wie
Früher gewohnt wohl hoffen doch
Wird Berlin sich geschlossen der
Herrschaft von einem Viertel
Antisemiten und Kriminellen
Entgegenstellen oder solche
Strengen Vorgaben machen
Dass die Linke verloren geht
Der Rechtsstaat ordnet dann 
Die Verhältnisse wie das noch
Mögliche in gewohnten Bahnen
Ob es dann der Stadt besser tut
Zu merken auch die Erben der SED 
Können keine Wunder bewirken
Auch nicht mit Migrantinnen die
Natürlich Deutsche längst sind
Die Koalition mit den Mauerbauern
Muss so tabu sein wie mit sonst
Kriminellen und Antisemiten und
So wird die Linke noch getrieben
Bis ihr Populismus offengelegt
Es wird keine Enteignung geben
Antisemiten werden ausgeschlossen
Oder es regiert schwarz grün rot
Am Ende wird alles weichgekocht 
Nach großem Geschrei geht es
Dann nach vielen Wahlgängen 
Bis zur stabilen Mehrheit weiter
Wie immer bei Berliner Verwaltung
Hat sich noch nie etwas geändert
Politik ist nur die laute Schale

jens tuengerthal 24.9.26

Liebeshöhle

Liebeshöhle

Bei Liebe und Höhle will der erste
Gedanke in dunkle Löcher eindringen 
Was mehr sexuell als emotional klingt
Aber das muss sich ja auch nicht
Ausschließen kann im Gegenteil
Vollkommen schön werden wenn
Es sich so ganz nah kommt statt
Einander nur dafür zu benutzen
Doch der zweite Gedanke dann 
Wenn der Sex das seinige bekam
Geht tiefer in die Gefühle hinein
Will sich so nah wie möglich sein 
Wühlt sich emotional ineinander
Auch um sich kennenzulernen
Doch mehr noch zu erfühlen 
Nachempfinden zu können 
Was einander liebenswert macht
Normalerweise im Dunkel liegt 
Wer sich in die Liebeshöhle wagt 
Entdeckt was keiner wissen kann
Niemand je sehen wird weil es
In unseren dunkelsten Höhlen lebt 
Die miteinander zu erforschen mehr 
Gefühl als Licht je braucht auch
Wenn es am Ende dunkel bleibt
Leuchten wir dort füreinander 
Müssen uns zur Orientierung
Voll auf unser Gefühl verlassen 
Das in der Liebeshöhle offen liegt
Manchmal lohnt es sich miteinander
Höhlenforschung zu betreiben
Solange wir wir nicht meinen 
Einander schon zu kennen 
Können wir überraschendes
Miteinander erkennen wie
Uns dabei kennenlernen 
Tiefer und inniger zugleich

jens tuengerthal 24.9.26

Höhlenparadies

Höhlenparadies

Das ideale Zuhause ist für mich
Eine trockene Höhle voller Bücher
Verkrieche mich zu gerne dort
Fern der lauten unruhigen Welt
In Ruhe lesen zu können ist 
Eine paradiesische Vorstellung
Statt ein Baumhaus mit Aussicht
In luftiger Höhe träumte ich schon
Als Kind eher von einer Höhle
Unter dem Baum wie sie auch
Der Zwerg Zippelzap bewohnte
Von dem meine Omi erzählte
Im Urlaub irgendwo im Harz 
Dann suchte ich Höhlen auf
Wanderungen in den Wäldern
Baute solche mit meinem Vater
Der Wohnsitz des kleinen Hobbit
Im Auenland schien mir ideal
Unterirdisch quasi zu wohnen
Scheint mir geradezu traumhaft
Ohne hier noch vertiefter auch
Auf das sexuelle Element dabei
Eingehen zu wollen wäre mein
Höhlenparadies unterirdisch wie
An die Natur dabei angepasst
Der Traum vom guten Leben
Als zurückgezogener Leser 
Ein wenig lebe ich es schon
Auch mitten in Berlin

jens tuengerthal 24.9.26

Herbstliebeserklärung

Herbstliebeserklärung 

Ich liebe den Herbst 
Doch fragt sich warum wenn
Die Tage kürzer werden das
Schöne warme Wetter geht
Stürme und Regen drohen
Der erste Frost bald kommt
Berlin im November grau bleibt
Finde ich es besonders schön
Er ist für mich die schönste Zeit
Was natürlich nur ein Gefühl ist
Das meist unerklärlich bleibt
Wie immer mit der Liebe halt 
Wenn es kühler und dunkler wird
Das Laub sich wunderbar verfärbt
Du nicht bei jedem Schritt schwitzt
Dich anständig anziehen kannst
Mit Farben passend zur Natur
Blühe ich innerlich auf der
Am liebsten in seiner Bibliothek
Das Leben lesend verbringt
Ein Zuhause zur Höhle wird 
Der elektrische Kamin knistert 
Der Tee wunderbar wärmt
Es frische Spekulatius gibt 
Sicher auch weil ich ein Kind
Des Herbstes bin aber auch
Unabhängig davon sind diese
Farben und das milde Licht
Die kühle frische Luft wieder
Ein Traum vom guten Leben
Das seine letzte Schönheit zeigt

jens tuengerthal 24.9.26

Mittwoch, 23. September 2026

Lektürentagebuch 23.9.26

Lektürentagebuch 23.9.26

Schon in der Nacht mit Buddenbrooks
Den Thomas Mann Tag begonnen 
Nach dem ich ihn sah und über ihn las 
Den Meister zu lesen ist wunderbar

In diesem Kapitel ging es um Tony 
Wie ihren Wunsch nach Scheidung
Von Herrn Permaneder aus München
Was humorvoll schön beschrieben

Ihr Bruder Tom wehrt sich erst sehr
Gegen ihren Wunsch und auch der
Anwalt gibt keine Auskunft die hier
Hoffnung auf Scheidungsgründe gibt 

Das heute zum Glück weggefallene
Erfordernisse eines Grundes zur
Scheidung war schon eine Frechheit
Die vom patriarchalen Staat zeugte 

Doch Tony lässt sich davon nicht 
Abschrecken und bemüht sich weiter
Bis ihr Bruder endlich an Permaneder
Schreibt der sehr konziliant reagiert

Er wäre mit der Scheidung wegen
Zerrüttung einverstanden und könne 
Die Mitgift anstandslos zurückzahlen
Womit keiner mehr gerechnet hatte 

Die Scheidung wurde rechtskräftig
Tony trug es dann mit Freude ins 
Familienbuch ein und am Ende wird
Sogar das schlimme Wort verraten 

Ob dies normaler etwas grober
Bayerischer Umgangston war oder 
Der Aufregung wert sei hier lieber
Dahingestellt aus Respekt vor Tony 

In bayerischer Mundart die ich mir 
Hier lieber erspare hatte Permaneder 
Tony geraten zum Teufel zu gehen als 
Für ihn dreckiges Sauluder dreckiges

Inwieweit eine solche Verfluchung
Auf dem gerade Oktoberfest eher
Normaler Umgangston ist kann ich
Mangels je Besuch nie beurteilen

Was immer wann einen Skandal wert
Sein mag hat es zumindest Tony so
Nachhaltig verletzt dass Flucht nun
Die einzige und letzte Chance war

All dies ist wieder sehr humorvoll
Mit der typischen ironischen Distanz
Beschrieben die Thomas Mann so
Spielerisch genial beherrschte

Bedenken wir dabei noch dass Mann 
Die Geschichte seiner Familie mit
Einem Augenzwinkern erzählt hat
Viele reale Personen darin abbildete

Wird der Humor des längst selbst in
München da heimischen Autors noch
Deutlicher der liebevoll spottet wie
Starke komische Figuren erschuf


Das nächste Kapitel im Zauberberg
Ist Mynheer Peeperkorn (Schluss)
Überschrieben was in anbetracht des
Endes deutlichen Humor zeigt der

Auch vom tragischen Tod der
Am Ende frei gewählt war noch mit
Ironie ernsthaft zu erzählen weiß ohne
Dabei ins Lächerliche zu rutschen

Es beginnt mit dem Ausflug zum
Wasserfall im Wonnemonat Mai 
Wie ihn einfältige Lieder aus dem
Flachland bis heute gerne nennen 

Die Gruppe von sieben Personen
Hatte die letzten Wochen noch unter 
Der Abwesenheit ihres Oberhauptes
Seiner malignen Tropenmitgift wegen

Sehr gelitten dem das Fieber wie
Milz und Leber zu schaffen machten 
Auch der Magen war geschwächt es
Bestand die Gefahr einer Entkräftung

All dies deutete Hofrat Behrens den
Nahestehenden der Patienten wohl
An der nun aber den Ausflug wollte 
Gerade vom Fieber wieder genesen 

Herrlich ironisch beschreibt Mann hier
Das Hans an dieser Unterbrechung
Der Treffen mit Clawdia nicht zu sehr 
Litt es vielmehr Spannung vermied

Außer Hans Castorp und Peeperkorn
Mit Clawdia Chauchat sollen noch die
Herren Ferge Wehsal Settembrini und
Naphta dazu eingeladen werden 

So wurden für drei Uhr zwei Landauer
Bestellt zusätzlich nahm noch der 
Malaiische Diener Peeperkorns teil
Der einen Picknickkorb mit Wein trug

Ferge fährt im ersten Landauer mit
Peeperkorn dem Diener und Clawdia 
Was der Dame ein Lächeln entlockt
Das Wehsal gleich zum Thema macht

Dazu weist Hans ihn gleich zurecht 
Frauen lächelten aus vielen teils völlig
Unerfindlichen Gründen es sei nutzlos
Sich darüber Gedanken zu machen

Beide geraten in einen Dialog über
Die Verliebtheit in Clawdia bei dem
Wehsal namensgemäß auch ziemlich
Jämmerlich erscheint dem Tode nah

Gerne stürbe er in ihren Armen meint
Der leidende Schwärmer dazu denn 
Leben sei Verlangen es sei Folter
Von der er nicht loskomme bis sie

Gestillt wird um keinen Preis wer es
Hat der lerne Leiden um das Fleisch
Das er nicht hat und doch will er sie
Nur liebkosen und jammert dazu 

Sobald die Begier nach dem Fleisch
Mit einem Angesicht verbunden ist
Würden wir sie Liebe nennen meint 
Der arme Wehsal zu Hans Castorp

Spricht große Worte von Liebe und
Hans fragt ihn wie ihm denn sei mit
Leicht mokantem ironischen Ton die
Lächerlichkeit der Liebe offenbarend

Daraufhin labert Wehsal von ihrer
Seele die er liebe und die nichts 
Von seiner mehr wissen wolle und
Was er alles für sie falls tun wolle

Nun ermahnt Hans ihn dass der 
Kutscher alles hören könne er still
Sein solle er sähe es dem Rücken
Des Kutschers an dass er lauschte

Worauf Wehsal wieder zu jammern
Beginnt von seinen Träumen die er
Jede Nacht von ihr hätte und was für 
Träume das auch noch wären 

Aber immer endete es damit dass 
Sie ihn ohrfeigte oder anspuckte
Voller Ekel sich abwand von ihm
Dann erwache er voller Scham

Nun rät Hans Wehsal den Mund zu
Halten bis sie zum Gewürzkrämer
Kommen wo Settembrini und Naphta
Zu ihnen in den Wagen steigen sollen

Wehsal macht darauf geltend es sei
Ein Menschenbedürfnis zu reden 
Wenn einem das Herz so voll sei
Worauf Hans gelassen erwidert 

Es sei sogar ein Menschenrecht
Reden zu dürfen aber die Vernunft
Lehre nicht immer jedes Recht auch
Gebrauchen zu müssen

In aller Stille erreichten sie nun das
Haus des Gewürzkrämers wo sie
Schon von Naphta und Settembrini 
Auf ihre Art gekleidet erwartet wurden

Naphta stieg zu Clawdia Peeperkorn
Ferge und dem Diener der wohl auf 
Dem Bock dann Platz nahm während
Settembrini zu Hans und Wehsal kam 

Bestens gelaunt begann der Italiener
Sogleich zu reden und nahm ganz
Gelassen im Fonds den Platz ein
Den Wehsal für ihn räumte

Freue mich schon aufs weiterlesen
Lasse es an dieser Stelle gut sein
Sich am schönen noch zu freuen
Es länger würdigen zu können 


Herrlich beginnt Thomas Mann das 
Kapitel der Neujahrstag mit einer
Ansprache an den Hörerkreis der
Ungeduldig den Höhepunkt erwartet 

Noch dazu einer Geschichte die da
Biblisch schon uralt und bekannt ist
Um die Mann bisher schon kunstvoll
Vieles menschliches uns erzählte

All dies wieder im biblischen Ton
Der nun den Festtag beschreibt der
Nur alle 1420 Jahre auf den echten
Neujahrstag auch trifft also flexibel

Nach dem göttlichen Kalender der
Ein anderes Maß hat als der irdische
Sich immer wieder weiter verschiebt 
Was Mann humorvoll beschreibt

Warum dann die echte Nilschwemme
Nicht zur gefeierten passt aber da der
Göttliche Kalender göttlich ist und was
Tatsächlich ist nur Natur ist egal bleibt

Auch die Vorbereitungen des großen
Festes an dem die Bauern endlich
Zum Fressen in den Tempel kommen
Amun zu verehren werden gezeigt

Das große Besäufnis des Volksfestes 
Was nach Einzug des Pharao 
Beginnt gleicht also wohl heutigen
Wird zum großen Gegröle der Masse

Dies beschreibt im biblischen Ton
Hier gewohnt distanziert Mann mit
Viel Witz und Gespür für Volksfeste
Die heute auch nicht anders verlaufen

Ob es Freibier ist oder andere genug
Berauschende Getränke denen die
Feiernde Masse gerne zuspricht und
Glaubt ab nun würde alles gut werden

Auch wenn sie sich real dann weiter
Noch quälen das ganze Jahr für die 
Kleine Oberschicht um einen Tag
Zu feiern als gäbe es kein morgen 

All das und ganz am Rande nur den
Protagonisten Joseph der nun auf
Den erneuten Absturz zusteuert wird
Von Mann hier fein beschrieben

Doch Josephs Schuld daran die wie 
Beim ersten Absturz in den Brunnen
In den ihn seine Brüder stießen ist
Thema und wird kritisch geprüft

Die Liebe von Mut ist auch seine
Schuld und er hat nicht genug getan
Den weiteren Verlauf zu verhindern
Wie wir in der Bibel lesen können

Im gleichen Tonfall wie diese nur
Eben ironisch wie gebrochen mit
Dem Witz des großen Erzählers
Der den Aberglauben verspottet

Thomas Mann macht sich auf
Eine so feine und höfliche Art 
Über den wahren Glauben lustig
Dass es eine immer Freude ist

Er macht dies nicht überheblich
Nutzt sogar die Sprache der Bibel
Seiner Erzählung von Joseph den
Angemessenen Ausdruck zu geben

Dies aber wiederum so humorvoll
Menschlich mit einem Zwinkern
Dass wer noch nicht Atheist war
Es nach der Lektüre lachend wird 

Doch auch dabei noch so höflich
Dezent dass keiner sich ans Bein
Gepinkelt fühlen muss von der
Geschichte aus ganz ferner Welt

Mann lesen und immer wieder dabei
Auch in kurzen Abschnitten noch
Freudig zu schmunzeln ist eine Form
Von literarischen Delikatessen

jens tuengerthal 23.9.26




Herbstanfang

Herbstanfang

Heute nochmal steht die Sonne
Senkrecht über dem Äquator
Im also Äquinoktium herrscht
Die Tag und Nacht Gleiche mit
Der auf der Nordhalbkugel dann
Die schönste Jahreszeit beginnt
Der Herbst das große Sterben 
Der Natur in letzter Schönheit 
Vor dem Tod im Winter den wir
Nur überstehen müssen bis der
Frühling neue Knospen bringt
Wer jetzt kein Haus hat findet
Keines mehr meinte Rilke der
Um den Sommer noch trauerte
Nicht erkannte was nun zählt
Wenn das gute Ende beginnt
Das den Kastanien gleicht
Mit denen wir nun spielen als
Handschmeichler der Natur
So zeigt der Herbst uns die
Grenzen allen Seins was am
Sicheren Verlust manche noch
Leiden lässt wo andere genießen
Wie gut ist doch dass alles endet
Schmerz Leid Leben Liebe um
Zur Ruhe zu finden was dann
Das schönste ist was bleibt
Der Herbst ist nun da Hurra
Alles bleibt immer endlich
Am Ende herrscht Ruhe 

jens tuengerthal 23.9.26

Ungewissheiter

Ungewissheiter

Nicht zu wissen was ist
Aber ganz viel spüren
Alles für möglich halten
Müssen ohne Sicherheit
Ist die grausamste Folter
Welche sich selbst quält
Mit schlaflosen Nächten 
Wie großen Ängsten die
Keinen Halt irgendwo finden
Lieber schon nicht mehr
Wären als weiterhin so
Die aber gern bei großen
Gefühlen angewandt wird
Ihre Tiefe in sich auszuloten
Und kein Folterknecht kennt
Die schmerzhaften Stellen 
So gut wie du bei dir der sich 
Durch die Ungewissheit quält
Als Folter an und für sich aber
Besser nicht fragt warum weil 
Sich dann alles Sein relativiert
Was wird bleibt ungewiss und
Wir sollen im dazwischen nun
Weiter existieren als wäre es
Etwas dabei ist alles Nichts 
Und von Nichts kommt nichts
Mehr nur Ablenkung hilft das
Irgendwie zu überstehen
Mehr ist Leben selten

jens tuengerthal 23.9.26