Freitag, 7. August 2026

Eurogeschwister

Eurogeschwister

Frankreich und Deutschland sind
Das Herz Europas ist ein gerne
Erinnertes Bekenntnis was Basis
Der Union für lange Zeit auch war

Sie trugen die Union ökonomisch
Politisch stabil über Untiefen hinweg
Kohl und Mitterrand brachten uns 
Den Euro mit der deutschen Einheit

Schufen ein System indirekter
Demokratie in der Kommission
Die Europa quasi regiert was vor
Starken Schwankungen schützt 

Aber wie stabil ist diese Herz noch
Schützen wir es genug vor Gefahren 
Die in radikalisierter Welt drohen 
Wie fest ist unsere Verbindung heute

Vor kurzem erst scheiterte das große
Panzerprojekt an Uneinigkeit wie dem 
Fehlenden Verständnis der Partner für
Die jeweiligen Bedürfnisse dabei 

Deutschland im Rüstungsrausch
Bestellt dafür Tarnkappenbomber
Naiv noch in den USA die längst 
Weniger Partner als Oligarchie

Merkel und Macron schufen die
Direkte Eisenbahnverbindung
Zwischen Paris und Berlin was 
Ein wichtiges Symbol der Nähe

Sie ist nun unterbrochen aufgrund
Mangelhafter Software von Alcatel
Was eine Schande und ärgerlich ist
Dringend der Korrektur nun bedarf

Andererseits sehen wir gerade eine
Rechtsprechung die wieder eine
Größere geistige Nähe verspricht
Deutliche Parallelen auch zeigt

Während in Frankreich die Aufhebung
Des Verbots für Burkini auch Muslima 
Mehr Freiheit gewährt werden dafür
In Deutschland Verbote bestätigt

Was gegensätzlich klingt zeigt aber
Genauer betrachtet eine Annäherung
In Deutschland ging es darum ob wir
Eine der Muslimbruderschaft nahe 

Mitarbeiterin der Verwaltung auch zur
Beamtin machen müssen oder es
Grenzen der Toleranz braucht gerade
Gegenüber radikalen Islamisten

Die Franzosen erlauben Burkini
Deutsche verbieten es Radikalen
Beamte zu werden zeigt es braucht
Aufmerksamkeit und Toleranz

Kolonialer Laizismus der Menschen
Ihren Aberglauben verbieten will
Erreicht das genaue Gegenteil führt
Zur Radikalisierung in der Opposition

Die Verachtung mit der Europa lange
Menschen aus den Kolonien noch
Behandelte trieb diese Radikalen
Nur in die Arme ihrer Religion

Sie werden sich vom albernen
Aberglauben befreien wie wir wenn
Sie die Freiheit für sich entdecken
Gut wenn wir sie dabei frei lassen

Andererseits ist es wichtig und richtig
Unsere Freiheit zu verteidigen wo sie
Durch Radikale von innen bedroht
Darum wird keine hier Beamtin

Die der Muslimbruderschaft nahe
Hat die Religion im Staat nichts 
Verloren darf es keine Toleranz
Gegenüber der Intoleranz geben

Deutschland und Frankreich haben
Ihre historischen Erfahrungen mit
Religion im Staat warum es gut ist
Voneinander dabei mehr zu lernen

Deutschland hatte einst noch den
Dreißigjährigen Krieg um den einzig 
Wahren Glauben den keiner gewann
Ergebnis war regionale Toleranz

Darum kassiert der Staat hierzulande
Die Kirchensteuer hat die CDU noch 
Ihr C vorne stehen gibt es auch noch
Religionsunterricht in den Schulen

Frankreich hatte die Hugenottenkriege
Unter Henri Quatre kurz mal Toleranz
Bis ein radikaler Katholik den für
Die Krone konvertierten ermordete

Sein Enkel Ludwig XIV Vertrieb die
Hugenotten was Paris schwächte
Aber Preußen dauerhaft stärkte die 
Folgen sind bis heute noch spürbar

Mit der französischen Revolution
Wurde dort die Kirche entmachtet
Zumindest teilweise eine zeitlang 
Jedenfalls die Jesuiten erstmal

Gegen diese hatten die Freigeister
Unter den Enzyklopädisten die im
Salon der Baron Holbach verkehrten
Wie Diderot Rousseau und Voltaire

Lange gekämpft sie hatten Diderot
Noch zeitweise in die Bastille gesperrt
Unter anderem die Pompadour mit
Ihrer Macht rettete die Enzyklopädie 

Während Deutschland noch bis 1803
Von Wien aus regiert und erst nach
1871 von Berlin aus ohne Österreich 
Dann protestantisch zuerst auch war

Bis 1918 eine Monarchie war mit dann
Protestantischen Herrschern die von
Gottes Gnaden sich wähnten hatte
Frankreich schon Demokratie geprobt 

Die Franzosen üben es seit 1789
Im Osten Deutschlands haben viele
Es seit 1989 noch nicht begriffen
Dazwischen balanciert Europa

War Frankreich unter Napoleon zwar
Wieder gen Rom gekrochen noch
Mehr nach der Vermählung mit dem
Hause Habsburg doch unklar noch

Tief innerlich gespalten erlebte sich
Frankreich über die Religion in der
Dreyfus Affäre noch was letztlich
Auch unter Führung damals des

Grand Orient des France zur
Einführung des Laizismus führte
Wenn auch erst im Jahr 1905 der
Für Europa maßgeblich wurde 

Europa mit seinen vielen Kulturen
Die unterschiedliche Traditionen noch
Folgen ist laizistisch oder nie von
Dauer das ist Basis des Erfolges

Deutschland und Frankreich sind
Das Herz Europas immer noch
Dieses schlägt ohne Gott frei 
Aber lässt auch jeden für sich sein

Auch wenn der Zug zwischen
Berlin und Paris gerade Mal
Etwas stottert bleibt das Herz 
Vor Gericht nicht stehen

jens tuengerthal 7.8.26


Donnerstag, 6. August 2026

Green Culture Abschlussfest

Green Culture Abschlussfest

Gegenüber vom Reichstag heute
Eingeladen von Jacob Sylvester
Bilabel zum großen Fest seiner
Agentur für Green Culture 

Es ging dabei um ein Netzwerk
Für nachhaltige Lösungen in der
Kulturbranche die Möglichkeiten
Zeigt und Verbindungen aufbaut

Zahlreich kamen die Gäste auf
Die Terrasse im Bistro der Marie
Direkt zur Spree gewandt mit
Feinem nachhaltigen Büfett 

Lässt es sich an diesem milden
Sommertag hier gut aushalten
Nun eröffnet Bilabel den Abend
Mit einer Rede die ihre Arbeit 

Für Nachhaltigkeit in der Kultur
Was über drei Jahre arbeitete
Vorstellt was nun leider endet
Darum dieses Abschlussfest

Drei Redner inklusive Jacob
Erzählen was war und kommt
Vom Reden zum Handeln bei 
Nahezu unlösbaren Aufgaben

Last Dance nennt er es aber
Sieht die Chance der Zukunft
Hofft weiter machen zu können
In der noch unklaren Zukunft

Danach spielte noch frisch aus 
Hamburg Angela Aux einige seiner 
Schönen Songs bevor es zum 
Offenen Teil der Party überging

Ein schönes Fest mit nachhaltigem
Essen und vielen sympathischen
Eher grünen Gästen auf der Terrasse
Des Bistros der Marie schön hier 

Mit dabei zu sein während langsam
Die Sonne gen Westen rot wird steigt
Die Stimmung und ich bin gespannt
Wann die ersten hier tanzen werden

jens tuengerthal 6.8.26


Lektürentagebuch 6.8.26

Lektürentagebuch 6.8.26

Im Kapitel Hog Lane in dem Band
Dunkle Renaissance erzählt uns 
Stephen Greenblatt von Freundschaft
Vertrauen und geistiger Nähe

Dabei beginnt er verheißungsvoll mit
Michel de Montaigne und seiner ganz
Besonders innigen Liebe zu seinem 
An der Pest verstorbenen Freund

Die Pest wütete zu dieser Zeit auch
In London und am Ende des Kapitels
Stirbt Peter Watson der so etwas wie
Ein Freund für Marlowe war daran 

Vorher dichten sie noch einiges auch
Gemeinsam wobei Watson eher so
Angestrengt wie bemüht klingt wenn
Marlowe mit Leichtigkeit zaubert

Dies erläutert Greenblatt eingehend
An einem berühmten Schäfer Gedicht 
Bei dem Watson harmlosen Kitsch wie
Er damals Mode war schrieb während

Marlowe elegant eines hinwarf das
Bis heute bekannt und variiert wird
Das mit dem Motiven spielerisch
Umgeht zeitlos schön einfach blieb 

Manche können es andere mühen 
Sich mehr um wenig zu erreichen
Marlowe war das größere Talent
Wie eng die Verbindung auch war

Bekannt zumindest ist wie beide 
Dichter in einen Mordfall der ein
Unfall letztlich war verwickelt
Wurden was lebensgefährlich war

Irgendwie brachte Marlowe die hohe
Kaution von 40 Pfund auf und kam
Schon bald wieder frei während
Watson einige Monate in Haft blieb

Dies obwohl Watson laut Akte als
Gentleman galt während Marlowe
Nur als Grundbesitzer dort steht
Was Klassen darunter lag

Warum dem so war und welche 
Rolle der Geheimdienst spielte 
Bleibt dabei leider völlig unklar
Ist vermutlich schlicht unbekannt

Letztlich wurden beide freigesprochen
Weil es um Beteiligung an einem
Illegalen Duell ging was ein tödlicher
Zweikampf mit Schwertern war

Ein Feind von Watson hatte den 
Kampf mit Marlowe im Feld noch
Gesucht und sie kämpfen mit
Offensichtlich scharfen Waffen 

Watson übernahm den Kampf von
Marlowe der als es passierte nur
Noch Zuschauer war während Watson
An einem Graben gedrängt letztlich

In Notwehr tödlich zustieß aber auch
Im England unter Elisabeth noch
Freigesprochen wurde allerdings
Nach mehreren Monaten Gefängnis

Dieses zumindest aktenkundige
Ereignis aus dem Leben beider
Nimmt Greenblatt als Aufhänger
Der vermuteten engen Verbindung

Das bleibt alles spekulativ aber ist
Zumindest schön hergeleitet bringt
Montaigne mit ins Spiel der schon
Zu Lebzeiten in England gelesen

Auf dem Kontinent verdrängte ihn
Dagegen lange erfolgreich noch die
Kirche was nahe lag so oft wie der
Bekennende Katholik hier Lukrez

Wenn auch anonym wörtlich zitiert
Der den Atheismus vernünftig machte
Den Aberglauben elegant wie es
Seiner Zeit entsprach verspottete

Montaigne war eben Brieffreund
Von Königin Elisabeth der eine
Hohe Bildung mit Humor verband 
So etwas schätzen die Briten

Schön dass es so einen Grund gab
Den Bogen von Marlowe über den
Zeitgenossen Montaignes der nur
31 Jahre älter als Marlowe war

Auch noch zu Lukrez und damit
Epikur zu schlagen dem großen
Philosophen der Lust die doch 
Im Leben am Ende nur zähle

Die Verbindung beider Freidenker
Zu Lukrez De rerum Natura liegt nah
Macht die spekulative Geschichte
Noch schöner und erlaubt es

Greenblatt sich selbst zu zitieren 
Wie sich auf sein Werk zu beziehen
Zugegeben war Die Wende wie die
Renaissance begann auch groß

Verglichen ist die Dunkle Renaissance 
Des Shakespeare Spezialisten wie
Biographen eher bemüht bringt aber
Für dunkle Quellen noch viel Licht

jens tuengerthal 6.8.26

Lösungsorientiert

Lösungsorientiert

Lösungsorientiert statt Problemfixiert
Zu sein macht sich immer gut dabei
Hilft es auch der Realität zum Trotz
Konstruktiv bewegt zu bleiben was
Zumindest scheint als würde es noch
Besser werden können durch etwas
Dabei braucht es einfach nichts mehr
Aber von allem vor allem weniger
Um weiter gut leben zu können was
Alle irgendwie noch erstreben aber 
Auch hier gilt weniger ist mehr
Keiner mehr wird noch gebraucht
Aber jeder weniger ist ein Gewinn 
Lösungsorientiert sein heißt damit
Am besten nicht mehr sein was
Das Ende der Geschichte ist

jens tuengerthal 6.8.26

Ursachenverstärkung

Ursachenverstärkung

Wer die Ursache eines Problems
Weiter verstärkt sollte sich lieber
Nicht wundern wenn sich damit
Keine Lösung finden lässt sondern 
Sich Probleme nur mehren doch 
Genau das macht der zuständige
Bundesverkehrsminister gerade
Der auf ein Austrocknen der Flüsse
Mit Verstärkung des Verkehrs auf
Autobahnen reagieren will was 
Wieder deutlich macht die CDU 
Ist das Problem nicht die Lösung
Wie sie in Berlin Radwege wieder
Zurück baut für freie Fahrt und die
Sicherheit damit weiter verringert 
Schafft sie Probleme statt Lösungen 
Hat die Zeit noch nicht verstanden

jens tuengerthal 6.8.26

Wertvoll

Wertvoll

Was für mich wertvoll ist
Bleibt in erster Linie noch 
Gefühlssache liegt also wohl
Außerhalb des messbaren kann
Nur sagen wie es für mich ist 
Der Marktwert ist dabei völlig
Egal weil ich was für mich 
Wertvoll ist nicht verkaufen
Sondern lieber genießen will 
Ob das seinem vollen Wert
Damit gerecht wird kann ich
Einfach dahin stehen lassen
Solange ich es so genieße
Womit der Genuss für mich
Maßstab der Wertschöpfung ist 
Am Ende ist wertvoll einfach
Gefühlssache und das geht
Niemanden außer mich an 
Und die die mich lieben
Wissen was wertvoll ist
Zum Glück bleibt das Gefühl
Immer unberechenbar

jens tuengerthal 6.8.26

Preiswert

Preiswert

Alles im Leben hat seinen Preis
Meinen Ökonomen und viele
Spielen ihr Spiel heute mit was
Heißt alles ist damit käuflich

Ob er die Berechenbarkeit des 
Lebens wirklich wert ist hat der
Preis noch keinem verraten
Manche haben Illusionen

Nicht käuflich sein zu wollen
Oder auf Gefühle zu setzen
Klingt nett aber ändert nichts
Am Preis den alles eben hätte 

Völlige Bestechlichkeit wie sie
Der Makler der momentan noch
Präsident der USA ist lebt wäre
Nur die logische Konsequenz

Was preiswert ist wird meist als
Wertlos darum angesehen was
In der Logik des Systems liegt
Es infragestellen ist die Kunst

Die Natur gehört nach ihrer Natur 
Weil wir in mit und von ihr leben 
Allen warum Eigentum Diebstahl ist 
Das sollte uns Leben wert sein

Etwas das seinen Preis wert ist
Scheint uns als kostbar wie mehr
Noch wo es unbezahlbar wird was
Gefühl kostbarer plötzlich macht

Dies obwohl total preiswert weil es
Produkt unserer Natur einfach ist
Die keinem gehören kann was in 
Konsequenz alles infrage stellt 

Wer es wagt diese Gedanken
Einmal zu Ende zu denken wird
Erkennen was Reichtum ausmacht
Wie preiswert das Leben dann wäre

jens tuengerthal 6.8.26

Lustrelativ

Lustrelativ

Früher dachte ich guter Sex wäre 
Die Basis einer schönen Liebe 
Wieviel habe ich aufgegeben
Um anderes noch zu probieren

Heute halte ich Sex eher für eine
Nette Nebensache schön wenn
Aber für die Liebe ist er völlig
Ohne Bedeutung kein Gefühl

Hätte alles getan für guten Sex
Um noch dieses oder jenes mit
Der einen oder anderen zu probieren
Was ich heute unwichtig finde

Durfte mehr als einer Frau im
Leben nah sein und bin dafür 
Dankbar und habe viel gelernt
Vor allem was wirklich zählt

Große Gefühle berühren viel tiefer
Als wir egal wie und wo kommen 
Geistige Welten zu teilen zählt
Sex wird dagegen fast beliebig 

Die Bedeutung der Lust hat sich 
Für mich irgendwann relativiert
Wenig davon lohnt eine Liebe
Zu riskieren oder daran zu hängen 

Ob damit die Lust auf Liebe nur
Größer wurde als die auf Sex
Bin ich nicht mehr sicher aber
Sicher lohnt weniger immer mehr

Vermutlich werden wir ab fünfzig
Einfach weniger und der Bedarf
Sich zu beweisen nimmt ab was
Genügt die Natur so zu nehmen 

Warum es bei Frauen umgekehrt 
Häufig geht wäre spannend aber
Dürfen jüngere nun erforschen
Alles hat seine relative Zeit

jens tuengerthal 6.8.26

Mittwoch, 5. August 2026

Lektürentagebuch 5.8.26

Lektürentagebuch 5.8.26

Nach zugegeben zu langer Pause
Wieder Mann und Proust gelesen
Und mich wunderbar dabei amüsiert
Gute Literatur lohnt einfach immer


Begonnen am sehr frühen Morgen
Mit den Buddenbrooks wo es zum
Gespräch von Tom und Tony kommt
Nach ihrer Rückkehr aus München

Das Kapitel begann mit einem eher
Kurzen Gespräch von Thomas mit
Seiner Mutter im Landschaftszimmer
In dem die Buddenbrooks begannen

Die Feier von dessen Einweihung
War der Auftakt dieses großen 
Bürgerlichen Familienromans der
Zeit und Menschen so gut karikiert 

Um diesen Raum dreht sich viel
Auch das Drama um Grünlich den
Tony nach dessen Drohung mit
Seinem Ableben doch heiratete

Was wieder zeigt die Ehe ist ein
Drama auf Leben und Tod was 
Nicht nur im Versprechen seinen 
Erschütternden Ausdruck findet

Bis dass der Tod uns scheidet
Geloben sich die Eheleute dann
Zusammenzubleiben ohne vorab
Wissen zu können was es bedeutet

Hier ließ sich der intern Tom genannte
Nun Chef der Firma Buddenbrook
Von seiner Mutter über die Lage wie
Tonys Zustand noch aufklären 

Hat schon eine ziemlich feste Sicht 
Auf die Dinge und seine Schwester
Als er diese im Schlafzimmer im
Anschluss besucht lächelt er 

Nicht ganz ernst nahm er die zur 
Hysterie schon neigende Tony
Versuchte nach deren Bericht alles
Zu einem Scherz zu erklären 

Wieder spricht Tony das Wort nicht 
Aus was Permaneder zu ihr sagte
Gibt sich leidend und Tom ermahnt
Die Schwester keinen Skandal zu 

Machen worauf Tony sich aufrichtet
Zu einer Wutrede ansetzt die ihre
Ganze Verzweiflung über die völlig
Unmöglichen Münchner ausdrückt

Wie sie eine Buddenbrook also von 
Familie ihren bürgerlichen Adel wie
Ihre Würde betont ist groß aber auch
Zugleich von ironischer Komik noch

Thomas Mann der mit seiner Mutter
Nach dem Tod des Vaters selbst nach
München zog macht sich darin über
Seine Wahlheimat herrlich lustig

Elisabeth Mann die der Tony real
Zugrunde lag auch mehrfach noch
Heiratete ging nach Stuttgart aber
Bei Tony ist es dann München

Diese verzweifelte Rede zu der
Tony sich mit Entschlossenheit
Wie großer Tatkraft durchdringt
Ist dann auch wirklich eindrucksvoll

Wie sehr sie in dieser doch völlig
Verständnislosen Stadt litt in der
Sie keine Buddenbrook war und 
Von allen gegrüßt wurde auch

Wenn Permaneder sich unmöglich 
Benahm wäre alles verzeihlich noch
Gewesen wenn nicht alles dort so
Schrecklich und unmöglich wäre

Angesichts dieses Sturm der Gefühle
Gibt Tom auf und versucht nicht die
Schwester noch zur Besinnung zu
Bringen die nie in München ankam

Macht sich Mann hier über seine
Tante Elisabeth lustig die im Alter
Mit einer Tochter nach Dresden zog
Wie lange ausnehmend schön war

Diese hatte sich zuerst über die
Karikatur im naiven Charakter der
Tony wohl empört sich aber später
Mit dem Erfolg gerne versöhnt

Tom überhört dezent die Bitte um
Widerspruch und die Sehnsucht nach
Komplimenten seiner Schwester aber
Lässt sie auch in Ruhe bleiben

Gegen diesen Schrei der Verzweiflung
War der ironische Bruder machtlos 
Eine edle Norddeutsche unter den
Bayerischen Bazis geht einfach nicht

Wieviel wunderbare doppelbödige
Ironie des Wahlmünchners Mann liegt 
In diesen Zeilen verborgen besonders
In der Kapitulation vor Tony dabei

München sei eben unzumutbar für 
Jeden zivilisierten Menschen von
Nordischer Kultur und Prägung was
Ewig mir zur Wahrheit wurde 

Obwohl ich hochkultivierte Damen
Aus München kennenlernen durfte 
Blieb der Eindruck lange haften diese
Süddeutschen sind nicht geheuer

Daran zu denken dass Mann sich
München freiwillig wählte und dort
Blieb in bürgerliche Kreise auch
Heiratete erzählt Legenden dazu

Mit jedem mal lesen auch wenn
Dies zugegeben erst das zweite
Mal ganz hier ist entdecke ich neuen
Feinen Humor in diesem Werk noch


Mann lohnt einfach darum ging es
Nun gleich weiter mit dem Gespräch
Von Mynheer Peeperkorn und dem
Protagonisten Hans Castorp 

Im Zauberberg sitzen die beiden
Plaudernd schon länger zusammen
Nun am Morgen aber packte mich
Die Spannung zwischen den beiden

Der ausnahmsweise obwohl am
Tropenfieber leidend konzentriert
In ganzen Sätzen redende Alte
Der Gerhard Hauptmann zu

Dessen Zorn sehr treffend noch
Nachgebildete Peeperkorn drängt
Den harmlosen Hans immer mehr
In die Ecke und will eine Antwort

Hatte Hans etwas mit Clawdia 
War er ihr Geliebter will der reiche 
Großzügige Mann nun wissen und
Hans will ihn keinesfalls anlügen 

Ein wenig eiert er noch Rum und
Erkennt dessen nun Rechte vorab an
Meint Geliebter wäre übertrieben
Da es ja nur eine Nacht war

Noch dazu eine Nacht außer der Zeit
Karneval also wie ein 29. Februar
Nicht normal und nicht zählend wie
Er aber danach quasi aus der Zeit fiel

Er wisse gar nicht mehr wie lange
Sich nun der auf drei Wochen nur
Geplante Urlaub verlängert hätte
Bei dem er aus der Zeit quasi fiel 

Wie er längst von denen Zuhause
Verloren gegeben worden wäre
Er der Ingenieur der hier seine
Eigentliche Berufung dann fand

Thomas Mann meinte der Zauberberg
Bräuchte mehrfache Lektüre um ihn
Ganz zu erkennen und zu sehen über
Seinen Humor dabei laut zu lachen

Würde ich zustimmen der Mann als
Den klügsten elegantesten und dabei 
Noch komischsten deutschen Autor
Sieht dessen Intelligenz sprudelt

Auch wenn es derzeit Mode ist zum
Jubiläum Mann als verklemmten
Spießer klein zu schreiben scheint er
Diesen Kritikern lachend überlegen

Dieter Borchmeyer und Jan Aßmann 
Lohnen zur Interpretation des großen
Meisters aus Lübeck Lahme und der
Unsägliche Illies nur zum recyceln

Wie schön ist es über Mann zu lachen 
Mit diesem Humor aus der Zeit auch
Zu fallen und die feinen Spuren der
Immer Ironie überall zu entdecken 

Das Gespräch geht weiter und als 
Die große Persönlichkeit endlich zu
Ihrer Antwort ansetzen kommt diese
Wie ein Donnerwort in die Runde

Er würde ihm wäre er nicht durch
Krankheit gehindert ein Duell unter
Aufrechten Männern anbieten meint
Der Holländer zum deutschen Hans

Weil dies nun nicht infrage kommt
Fände er es aber angemessen ihm
Das Du anzubieten weil sie quasi
Brüder im Leiden ja nun wären 

Zwei die den gleichen Schoß
Teilten trinken darauf mit genug 
Rotwein kleckernd der wie Blut 
Aussieht Bruderschaft über Kreuz

Dass sie aufgrund Peeperkorns
Altersbedingter Impotenz dies aber 
Tatsächlich nie taten wird nach dem
Ende zur wieder komischen Pointe 

Sie kämpfen nicht und grollen nicht
Mal insgeheim sondern verbrüdern
Sich ohne Clawdia und dann geht
Hans schnell vor ihr weg zu sein

Das ist eine grandiose kleine Szene
Auf engstem Raum am Bett des
Großen Mannes spielend die das
Bündnis von Clawdia und Hans

Was vorher zugunsten des Kranken
Mit Kuss besiegelt wurde wieder mit
Viel Menschenkenntnis betrachtet
Den Protagonisten nackt zeigt

Nicht weil er sich bei Peeperkorn
Auszog sondern weil er sein eigenes
Ringen auch um seine Existenz dabei
Schutzlos freundschaftlich offenlegt

Das ist die Magie des Zauberbers
Der im Zauberberg noch einmal
Jenes alte Europa zeigt das im
Weltkrieg untergehen sollte


Nach zweimal Mann ging nur noch
Mann oder Proust dachte ich und
Entschied gegen den Volksglauben
Dass alle guten Dinge drei seien

Nun zur Abwechslung den zeitgleich
Zum Zauberberg entstandenen Proust 
Mit la recherche also der ewigen 
Suche nach der verlorenen Zeit

Folgen zu lassen und endlich über
Einige Seiten vom Strand aus dem
Noch Schatten junger Mädchenblüte
Zurück ins Grand Hotel Balbec zu

Kehren um sich noch hinzulegen
Wie es die Großmutter fordert später
Der Arzt tageweise anordnet und aus
Dem Schatten der Mädchen zu treten

Jener unnahbaren Gruppe die ihm
Einerseits fabelhaft schön schienen 
Andererseits kleine Huren waren
Die sich spielerisch prostituierten

Im Gedanken dieses Gegensatzes 
Voller Vorfreude auf das abendliche 
Date mit dem hochadeligen Freund
Gehorsam gegenüber der Großmutter

Die Ballung dieser gegensätzlichen
Reize die einen so hochsensiblen 
Menschen wie den Ich-Erzähler in
Prousts Roman völlig überforderte 

Wird in feinste Bruchteile dabei der
Beobachtung aufgespalten die den
Asthmatiker vorsichtig Luft holen lässt
Um sich dabei lustig zu machen

Marcel Proust hat wie Mann eine
Feine Ironie und einen Witz der
Sich zwischen seitenlangen Details
Lächelnd unauffällig versteckt

Dann plötzlich treibt eine Blüte
Wieder frechen Unsinn macht
Sich über sich selber lustig vor
Dem sie sich zugleich verbeugt 

Das kannst du bei Mann wie bei
Proust lächelnd lesen und dich
An ihrem Humor freuen der auch 
Die eigene sexuelle Neigung noch

Zum Teil des Romans macht und
Dabei ganz nebenbei elegant als 
Treppenwitz der Geschichte wieder
Verspottet was einfach groß ist 

Es braucht keine Aufdeckung der
Verklemmten Homosexualität die 
Beide literarisch elegant ausleben
Besser würden die Autoren gelesen

Diese doppelten Böden zu sehen
Humor und Witz zu erkennen der
Den Leser grinsend zurücklässt
Macht mich erfüllt und dankbar

Zu verstehen was Erika Mann
Meinte als sie schrieb wie die
Ganze Familie immer lachte 
Wenn Thomas Mann vorlas 

Mann und Proust lesen macht die
Welt schöner und zugleich mich 
Als Leser glücklicher der ihren 
Feinen Witz entdecken darf

Wie du als Autor innerlich oft 
Grinst beim Verfassen der Texte 
Eines Romans wird spürbar was
Wirklich ganz große Kunst ist 

Während Henrich Mann etwa im
Untertan zum Schenkelklopfen die
Leser einlädt machen Thomann Mann
Wie Proust höflichen Humor

Da wird keiner grob in die Pfanne
Gehauen und verspottet es wird
Die traurige Welt als Witz mit ganz
Viel Selbstironie betrachtet

jens tuengerthal 5.8.26