Dienstag, 6. Oktober 2026

Lektürentagebuch 6.10.26

Lektürentagebuch 6.10.26

Bei Antonio Forcellino geht es nun
In der Raffael Biographie von Urbino
Nach Umbrien und beginnt mit dem
Kapitel Die erste Prüfung

Raffael machte sich zu einem ersten
Großen Auftrag auf in die Marken um
In Città di Castello als Auftrag ein Großes Altarbild zu fertigen 

Die Stadt war eng verbunden mit den
Herzögen Montefeltro die einem der
Vitelli einmal Schutz boten und so
Blieb die Nähe weiter bestehen 

Politisch war es von Cesare Borgia
Dem Sohn von Alexander VI für Rom 
Erobert worden auch der reichen 
Felder dort wegen die einst schon 

Plinius der Jüngere der dort seinen
Landsitz hatte ausdrücklich lobte 
Eine der Kornkammern Roms eine
Reiche wunderbare Landschaft also

Hier gewann Raffael über Nacht die
Gunst des Publikums nachdem er
Seine kleinen Tafelbilder zeigte sie
Begriffen welch Format er hatte

Obwohl Luca Signorelli dort wirkte
Konnte dieser nicht mit dem jungen 
Mann mithalten und Raffael blieb 
Für vier Jahre in der alten Stadt

Er bekam einen Auftrag vom Prior
Der Stadt Andrea Baronci zusammen
Mit Evangelista da Pian di Meleto 
Zur Ausführung eines Altarbildes

Es sollte die Krönung des heiligen
Nikolaus von Tolentino durch Gott
Darstellen für die 33 Dukaten hier
Gezahlt wurden eine hohe Summe

Trotz seines jugendlichen Alters
Wird Raffael im Vertrag als Meister
Bezeichnet was zeigt wie gut er
Bereits jugendlich geworden war

Raffaels Rolle als kreativer Kopf des 
Unternehmens ist durch die ersten
Entwürfe für das Gemälde belegt 
Er wusste wie er es malen würde 

Statt der Übernahme standardisierter
Figuren entwarf er neue Haltungen 
Entwickelte so den vom Vater noch
Geerbten Sinn für Theatralik weiter

Sein Vertrauen in sein Talent war so
Groß dass er es wagte die Geschichte
Neu zu erzählen mit dem Mut des
Siebzehnjährigen stellte er einfach

Das Talent der alten Meister in den 
Schatten die es nicht wagten die
Althergebrachten wie verlässlichen 
Vorbilder zu verabschieden

Den Triumph des heiligen Nikolaus 
Über den Teufel dazustellen ließ
Raffael seine Gesellen Modell sitzen
Wie in die Rollen schlüpfen

Auch für den Teufel diente einer der
Jungen Gesellen als Vorbild in dessen
Gesicht sich das Erstaunen zeigte im
Entwurf der im Gemälde dann dem 

Absolut Bösen gewichen ist welch 
Gute Stimmung in der Werkstatt
Herrschte wird an einem Detail des
Jugendlichen Leichtsinns deutlich

In der engen Hose des Gesellen der
Gottvater darstellt wird das erigierte
Glied sichtbar was alle amüsierte
Ohne die sonst feierliche Haltung

Irgendwie zu beeinflussen aber diese
Jungen Männer erneuerten die Kunst
In Italien wie in einem Kinderspiel bei
Dem der jüngste die anderen Modell 

Sitzen ließ und dabei peinlich genau
Die Posen vorgab damit sie im Bild
Den himmlischen Hofstaat darstellen 
Zwar sind die Körper noch vereinfacht

Wie für das 15. Jahrhundert typisch
Doch bereits im nackten Teufel ist
Die Suche nach räumlicher Tiefe wie
Anatomischer Korrektheit sichtbar 

Hierin zeigt sich die Nähe schon zu
Luca Signorelli den er womöglich
Auch schon persönlich kannte aber
Sicher dessen Werke gesehen hatte

Das fast drei Meter hohe Altarbild 
Bekam aus Untersicht einen mit dem
Zirkel gezeichneten Bogen dessen
Vorderfront mit zierlichen Grotesken 

Nach antikem Vorbild gefüllt war wie
Sie in Italien gerade Mode waren
Im Zentrum des Bogens thronte Gott
Mit einer Krone in der Hand

Diese war für den weiter unten zu
Sehenden Heiligen bestimmt der
Ein Stück weiter unten steht und
Gerade den Teufel mit Füßen tritt 

Neben Gottvater zwischen den 
Wolken schwebend Jungfrau Maria 
Wie der heilige Augustinus im
Liturgischen Gewand mit Mitra

Den Auftrag bekamen sie Dezember 
1500 und übergaben es vollendet im
September 1501 das Bild steht noch
Ganz in der Tradition der Werkstatt

Seines Vaters Giovanni Santi was 
An den Kronen sichtbar wäre wie den 
Farben und leblosen Händen nimmt 
Aber schon künftige Elemente vorweg 

Etwa der Faltenwurf im Gewand des
Gottes der zeigt wie weit Raffael
Einem Signorelli bereits voraus war
Genug von harten Schlagschatten hat

Am meisten überrascht jedoch die
Neuerung in den Gesichtern wo sich
Keine geometrische Starre mehr fand
Würde jenseits der Vorgaben suchte

Während Santi noch immer an seinen
Dreieckigen Nasen und kreisförmigen
Augenbrauen erkennbar war erzielt 
Raffael einen natürlichen Ausdruck

Keine ikonographische Abstraktion
Mehr sondern ein menschlicher Gott
Marias Mund so voll wie der eines
Jungen Mädchen am Brunnen

Raffaels Maltechnik ist bereits sehr
Ausgereift die Schatten gehen mit
Feinen Pinselstrichen ineinander über 
Die Farbgebung perfekt ausgewogen 

Drei Jahre nach dem Tod seines 
Vaters hat er das geerbte Talent
Bereits mit ungewöhnlicher Intelligenz 
Weitgehend vervollkommnet

Das Original ist leider bei einem
Der italienischen Erdbeben 1789
Zerstört worden und danach weil 
Nur in Teilen erhalten zersägt worden 

Diese Einzelteile finden sich nun
In verschiedenen Museen in Europa 
Nachdem sie 1846 seltsam aus Rom
Wo sie verwahrt waren verschwanden 

Dazu erzählt Forcellino noch mehr
In den folgenden Kapiteln wollte
Die Leserin aber insoweit nicht
Völlig im unklaren hier lassen 

jens tuengerthal 6.10.26

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