Lektürentagebuch 5.10.26
In seiner Kulturgeschichte der Neuzeit
Schreibt Egon Friedell über die unter
Der Regierung von Premier Walpole
Begonnene Herrschaft in Ostindien
Robert Clive begründete diese und
Brachte einen unerschöpflichen Strom
Von Reis Zucker Ölen Spezialitäten
Wie Edelsteine und mehr denn bis
Dahin waren Engländer nur Hausierer
Mit der Herrschaft in Indien begann
Die Jagd nach Geld und das kleine
Genügsame Inselvolk wird Weltmacht
Aus Indien kamen die Nabobs die
Ihren dort gewonnenen Reichtum
Parvenühaft zur Schau stellten eine
Neue Klasse von selfmademen sind
Diese wurden so sehr verachtet wie
Bewundert so macht die Veränderung
Durch Merkantilisierung nun rasende
Fortschritte im öffentlichen Leben
So begann der Handel aufgrund von
Warenproben und es entwickelt sich
Ein Verlagswesen organisiert von
Geldmännern die Arbeitsprodukte
Der Handwerks durch meist niedrige
Vorschüsse bloß vertreiben was dann
Typische moderne Wirtschaftsformen
Werden sollten das viele plötzlich
Zur Verfügung stehende Bargeld
Machte den Komfort erstrebenswert
Was ebenfalls als neuer Begriff der
Bisherigen Neuzeit unbekannt war
Die Entstehungsgeschichte des Wort
Komfort ist typisch ursprünglich hieß
Es Trost und Ermutigung aber bekam
Nun die eine ganz neue Bedeutung
Nun hieß es Wohlbefinden Behagen
Bequemlichkeit für den Engländer
Meint Friedell liegt die allerhöchste
Legitimation seiner Existenz darin
Dass es ihm wohlergeht so sagten
Auch die Kalvinisten für Gott dürft
Ihr arbeiten um reich zu sein der
Geschäftserfolg zeige Erwählung
Dies wäre die allgemeine englische
Auffassung von der Prädestination
An Stelle christlicher Rechtfertigung
Tritt das bürgerliche Wohlergehen
Wem es auf Erden wohlergeht der
Muss gerecht sein während Arme
Unselig und verdammt sind was die
Evangelische Lehre flach umkehrt
Der nächste Abschnitt heißt dann
Franklin und Robinson dies beginnt
Mit Rainer der so treffend sagte ein
Prediger sei dort ein Nationalökonom
Nur eben im Priestergewand der das
Gewissen wie Mehl traktiert und die
Laster wie Einfuhrverbote bekämpft
Wird verkörpert im Lesebuchhelden
Benjamin Franklin dem Schöpfer
Des Wortes time is money dabei
In der Literatur am komplettesten
Im Robinson Crusoe ausgestaltet
Ein tüchtiger Mensch der sich in
Allen Situationen zu helfen weiß
Praktischer Nationalökonom Politiker
Techniker und Deist der an einen
Gott glaubt weil er es als praktisch
Erkannt hat um zu funktionieren
Dabei hat Defoe außer seinen über
200 Büchern noch die allerersten
Hagel- und Feuerversicherungen
Begründet dies findet sich in den
Worten mit denen Vater Crusoe
Seinen Sohn auf die Reise schickt
Der Mittelstand sei die Quelle aller
Tugenden und Freuden Frieden und
Überfluss wären sein Gefolge jedes
Anständige und wünschenswerte
Vergnügen wäre an diesen Stand
Geknüpft so flösse das Leben ganz
Angenehm dahin ohne Ermattung
Durch zu viel an Anstrengung
Dazu kommt im nächsten Abschnitt
Der Familienroman oder die comédie
Larmoyante wie Richardson als der
Schöpfer dieses englischen Roman
Schon sein erfolgreichster Roman
Clarissa der über 4000 Seiten lang
Führt einen ewigen Titel der mit den
Gefahren unvorsichtiger Ehe endet
Genauso berühmt war Pamela mit
Auch ewigem moralischen Titel der
Das Herz bilden will statt es nur
Leichtsinnig heiß zu entflammen
Das bürgerliche Trauerspiel das noch
Süßlichere verlogenere dramatische
Pendant zum Familienroman schrieb
George Lillo ein Juwelier in London
Diese Gattung verbreitete sich dann
Als commédie larmoyante auch nach
Frankreich was die Anhänger als
Rührend übersetzten Gegner dafür
Weinerlich nannten der erste Vertreter
War Nivelle de la Chaussée den die
Schauspielerin Quinault erst darauf
Aufmerksam machte dass gerade
Sentimentale Szenen beim Publikum
Mehr Erfolg hatten als tragische auch
Voltaire immer ein Auge am Markt
Betätigte sich bald im neuen Genre
Das erste deutsche Werk dazu waren
Gellerts Zärtliche Schwestern aber
Nur Holberg der dänische Molière
Schenkte den Dänen ein eigenes
Nationallustspiel ein Nationaltheater
Und dazu noch einen Nationalspiegel
Der liebenswürdig karikierte wie dabei
War er auch wie alle Komödianten ein
Schnelldichter daneben auch noch
Journalist Historiker Populärphilosoph
Begann als Wandergeiger und dazu
Bettelstudent und kämpfte lange mit
Zelotischen Pfaffen Philistern und
Gelehrten Eseln aber endete als
Grundbesitzer und Baron so kann
Schreiben manchmal erfolgreich sein
Was damals eine ungeheure Karriere
Für einen Autor war heute wohl auch
Wäre käme es noch vor aber seine
Verdiente Karriere kam erst nach
Seinem Tod als erkannt wurde was
Für einen Schatz sie an den Stücken
Besaßen die teils ordinär kraftvoll
Wie banal auch immer waren
Bis zu Andersen und Ibsen hätte
Skandinavien keinen so scharfen
Beobachter der Wirklichkeit mehr
Hervorgebracht er bleibt Klassiker.
Unter dem Titel Die Wochenschriften
Werden eben diese behandelt die das
Bedeutendste literarische Ereignis für
Das erwachende Bürgertum waren
Steele begründete 1709 mit Addison
Den Tatler dem 1711 der Spectator
Wie 1713 der Guardian folgte das
Programm dieser Revuen war es
Wie Sokrates die Philosophie vom
Himmel holte damit sie unter den
Menschen wohnte sollten diese nun
Die Philosophie in Klubs und in
Die Gesellschaft wie an den Teetisch
Ins Heim und in die Werkstatt auch
Zurückbringen schrieb Addison über
Sein Ziel das bald Nachahmer fand
Samuel Johnson edierte den Idler
Wie den Rambler der Lustspieldichter
Marviaux den Spectateur Francaise
Der Abbé Prevost der als Autor schon
Bekannt und erfolgreich war der den
Englischen Sittenroman ohne lästiges
Moralisieren mit echter Leidenschaft
Füllte war sieben Jahre lang noch
Herausgeber der Zeitschrift Le Pour
Et le Contra und in Italien gründete
Der ältere Gozzi den Osservatore
Die erste deutsche kam noch aus
Der Schweiz von Bodmer und
Breitinger hieß Discourse der Mahler
Drei Jahre später kam der Patriot aus
Hamburg als Organ der Aufklärung
Gottsched schrieb dafür dann die
Vernünftigen Tadlerinnen und den
Biedermann eine Zeitschrift hieß
Die Braut wöchentlich ans Licht
Über Addison den unerreichten
Klassiker des Genre schrieb Steele
Leben und Sitten werden bei ihm nie
Idealisiert er bleibt immer streng
Bei Natur und Wirklichkeit er kopiert
So getreu dass er kaum etwas erfinde
Er war der Salonphotograph seiner
Epoche der er sein Portrait schuf
Nun schreibt Friedell über Hogarth
Den mein Vater ja auch sammelte
Der in Bildserien satirisch aber wie
Er seltsam meint ohne eigentlichen
Humor in Kupferstichen verbreitete
Waren eine Art früher malerischer
Journalismus der ein Gegenstück
Zu den Wochenschriften bildet
Jedoch war Hogarth zuerst Künstler
Ein wirklichkeitstrunkener Schilderer
Voller Wucht und Schärfe wie ein
Farbendichter mit hohem Geschmack
Er wäre größer ohne die Philosophie
Die dem Zeitgeist entspräche er will
Literat sein meint Friedell aber bliebe
Trotzdem ein großer Maler
Dies verkennt Hogarth zu sehr
Denke ich und hätte Friedell gerne
Die Lektüre von Lichtenberg der
Über Hogarth schrieb empfohlen
Dessen Witz und ironische Tiefe
Die typisch englisch ist zu würdigen
Was ich hier aber gerne nachhole
Für alle anderen Leserinnen es lohnt
jens tuengerthal 5.10.26
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