Dienstag, 27. Oktober 2026

Lektürentagebuch 26.10.26

Lektürentagebuch 26.10.26

In der Nacht bis zum frühen Morgen
Wieder Johann Karl Wezel gelesen
Wo in Hermann und Ulrike besonders
Dramatische Briefe getauscht werden

In einem Brief den sie noch nicht über 
Ihren Boten vor dem Fenster an ihn
Gesandt hat überlegt sie noch wie ihr
Die Tante die Gräfin dringend rät allen 

Kontakt abzubrechen um dann in
Reaktion auf seinen Brief wiederum 
Das Gegenteil zu wollen und lieber
Mit ihm auf der Straße leben will

Als je diese Liebe aufzugeben ist
Wechselhaft und doch ganz sicher
Wie sie mit ihren jungen 17 im
Nächsten Brief ihm versichert

Beide Briefe bekommt er zusammen
Mit noch einem dazu zeigen sie das
Wechselhafte heiße Temperament 
Seiner wunderbaren Ulrike deutlich 

Zugleich erzählt sie wie ihre Tante
Die garstige Alte seine Briefe fand
Die sie hinter der Tapete versteckte
Sie noch strenger nun überwachte 

Er könne und brauche darum nicht
Mehr an sie zu schreiben aber sie
Würde bei nächster Gelegenheit
Fliehen um ihr Geld mit ihm zu teilen

Eine Stelle an der heute wohl jeder
Stockte und vor Betrug warnte aber 
In Romanen ist ja erlaubt was gefällt
Also auch das Vermögen zu teilen

Um so die künftige Liebe wie ein
Leben miteinander zu finanzieren 
Die Familiengründung zu planen
Was gerne auf die erste Lust folgt 

Zum Sex kommen sie immer noch
Nicht aber für die Folgen und ihr
Gemeinsames Leben planen sie 
Schon was sehr vernünftig klingt

Die Realität zeigt meist das Gegenteil
Mit oft gravierenden Folgen die so 
Selten noch erfreulich enden dafür
Macht der Liebesroman es umgekehrt 

Vielleicht spiegelt das auch zu gut
Den Geist der Aufklärung wieder
Der zwischen den Zeilen schwebt
Auch wenn manchmal unsichtbar


Mit dem bekannten Büchner Zitat
Friede den Hütten Feuer den Palästen 
Aus dem Hessischen Landboten 
Beginnt der nächste Abschnitt von 

Dreihundert Männer dem Band den 
Konstantin Richter über Aufstieg und
Untergang der Deutschland AG
Schrieb und in dem er global denkt

Wie dachten die großen Industriellen 
Wollten sie den Adel imitieren sich
Wirklich Paläste bauen oder blieben
Sie wenn auch wohlhabend bürgerlich

Beides kam wohl vor auch wenn die
Erinnerung an die eigene Herkunft
Noch großgeschrieben wurde blieb
Mancher sparsam und bescheiden

Von den Villen kommt er wieder zu
Den Hütten und der katastrophalen
Lage der Arbeiter und von da zu
Lasalle und Liebknecht wie der

Spaltung der Bewegung in die eher
Gemäßigten Lasellaner und die dafür 
Marxistischen Eisenacher zu denen
Bebel und Liebknecht gehörten 

Diese Spaltung ist bis heute weder
In der SPD noch in der sogenannten
Linken der Nachfolgerin der SED mit
Vernunft kritisch überwunden worden

Vermutlich wird ihre koalitionäre nun
Verbindung gegen das Kapital in
Berlin die Deutschen noch teuer zu
Stehen kommen aber egal soweit

Bebel zitiert Büchner nun riskant
Im preußischen Landtag was den
Zorn von Bismarck erregt der ihn 
Auf der Hubertusburg in Sachsen

Internieren ließ wo er aber mit seinem
Zellennachbarn Liebknecht dafür im
Garten Radieschen anbauen durfte 
Die aber wohl nicht gut gediehen

Ob das auch für den Sozialismus
Der beiden gemeinsames Kind bis
Heute gelten muss ist auch vielen
Scheinbar noch relativ unklar

Dafür stritten Otto und Daimler weiter
Wurden dafür auch ermahnt was die
Entwicklung nur geringfügig verzögert
Sie sollen künftig koordiniert arbeiten 

Nun verzockt sich die Deutsche 
Bank in Montevideo wie in Asien aber
Verdient gut an deutschen Sparern
Was sie schon häufiger verkannte 

Werner Siemens soll in der Akademie
Der Wissenschaften geehrt werden 
Als Reuters den Untergang eines 
Schiffs zum Kabellegen meldet 

An Bord war sein Bruder er erträgt
Die Ehrung eher aber am nächsten
Tag war es nur eine Ente und sie
Waren nur im Nebel verschwunden

Das mit dem Überseekabel bleibt
Schwierig auch als Werner Siemens
Es persönlich beaufsichtigt der Autor
Zitiert dazu abgewandelt Oscar Wilde

Im November 1874 ist auch noch von 
Der Vollendung der Götterdämmerung 
Durch Richard Wagner zu berichten
Der 26 Jahre am Ring gearbeitet hat

Wie Bernhard Shaw bereits in der
Premiere die Kapitalismuskritik sah
Die andere noch lange übersahen
Lieber Germanenkult betrieben

So wandelt sich das Wagnerbild
Zwischendurch war auch Hitler
Gern gesehener Gast am Hügel
Heute trifft Weidel den Milch Müller


Für einen kurzen Abschnitt noch
Zu Egon Friedell der in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit von
Insularer Philosophie auf dem 

Kontinent Europa mit Humor aber
Großer Kenntnis und Tiefe wieder
Berichtet unter der Überschrift
Montesquieu und Vauvenargues

Erzählt vom Geist der Gesetze wie
Dem feinen Humor Montesquieus
Aber schwärmt noch mehr vom zu
Früh gestorbenen Marquis des

Vauvenargues von dem Voltaire
Sagte hätte dieser früher gelebt 
Wie er ihn vorher gekannt hätte er
Seine Romane anders geschrieben

Dieser enorme kulturhistorische
Einfluss wird auch im Detail noch mit
Feiner Ironie von Friedell gezeigt da
Neben Voltaire alle Sterne verblassen

jens tuengerthal 26.10.26

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