Lektürentagebuch 18.10.26
Johann Kaspar Riesbeck schreibt in
Briefen eines reisenden Franzosen im
Brief Nummer 31 über Rousseau der
Ohne Zweifel viel Schwärmerei zeigt
Diese im Jahr 1783 erschienenen
Briefe sind also noch vorrevolutionär
Was den Blick darauf deutlich ändert
Wenn er von Rousseau hier schreibt
Jedoch wirft das Schicksal und der
Blinde Zufall die ihr Spiel mit uns zu
Gerne treiben uns in eine Lage die
Uns ankettet noch eher wir nur an
Einen Vertrag denken können hätte
Der Zufall und die Not alle Ordnung
Geschaffen die uns lebenslänglich
In den Verhältnissen noch bindet
Ohne Zweifel meint Riesbeck ginge
Es uns besser unter der Leitung des
Launigsten Glücks als durch förmliche
Verträge gebunden zu sein so bliebe
Die Faust des Stärkeren noch immer
Eine natürliche Erklärung der Verträge
Die sich mit Gewalt einfach durchsetzt
Wie die Weltpolitik es gerade zeigt
Dennoch wäre ein Vertrag aller in
Bürgerlichen Verhältnissen wohl das
Beste für eine vernünftige Ordnung
Von Gesetzgebung und Verwaltung
Eine Kollision der Interessen von
Regenten und Untertanen sei nur
Eine Täuschung verworrener Begriffe
Die Geschichte zeige diese Wahrheit
Das Interesse sei das heiligste Band
Der Menschen von der Kenntnis
Desselben hängt ihr Glück allein ab
Bosheit spielt dagegen keine Rolle
Die menschenfeindliche Kunst der
Herrschaft breitete sich von Italien
Über ganz Europa aus meint er und
Bezieht sich auf Machiavelli dabei
Ludwig XI Richelieu und Mazarin
Waren große Meister darin nur die
Glückliche Zeit unter Henri IV hier
Ausgenommen hätten sie es für
Torheit gehalten wenn das Volk durch
Aufklärung Überzeugung Liebe und
Freimütigkeit hätte beherrscht werden
Sollen gar die Interessen zwischen
Untertanen und Regenten als eines
Zu betrachten dazu trugen noch am
Meisten die Jesuiten bei deren innere
Ordensverfassung dem entspricht
Diese Grundsätze der Pfaffen wurden
Wie der Stein der Weisen behandelt
Der ihre Besitzer zu Halbgöttern noch
Machte und geblendet von dieser
Politischen Goldmacherei entfernte
Sich die Regierung vom Gang der
Natur der allein zum Glück führt wie
Er im Kern jeder Familie steckt
Durch die Jesuiten und einige
Italienische Parvenus schlich sich
Machiavelli am dortigen Hof ein wohl
Lag es am hiesigen Humor dass
Es nicht so mörderisch endete wie
In Italien Frankreich Spanien England
Doch Ungarn gegenüber hätte der
Hof einen Zug von Unterdrückung
Auch Menschenfreundin Theresia
Konnte es nicht ganz abstreifen nun
Kann ihr Sohn gegen Pfaffen endlich
Philosophie herrschen lassen
Die Interessen des hohen Adels
Liegen mit denen des ganzen Staats
Im Streit die Untertanen wären zwar
Keine Leibeigenen aber nicht frei
Das Interesse von Adel und Kirche
Deren Führung sich aus diesem
Rekrutiert sind im Grunde eins die
Städte wären noch zu unbedeutend
Detailliert wird beschrieben wie der
Adel in Ungarn erst mit dem Wiener
Durch Ehen vermischt wurde dadurch
Finanziell bald überfordert wurde
Sie ließen sich von ihren deutschen
Frauen zum Luxus verführen machten
Dafür Schulden wie die Wiener auch
Gerieten dadurch in Abhängigkeit
Dazu sorgten die hohen Zölle für
Ein Erliegen des Handels was die
Ganze Region abhängig noch hielt
Gerne hätten sonst die Bergkroaten
Ungarische Weine gekauft die aber
Teurer waren als die aus Venetien
Für die Kroaten war aufgrund der
Tyrannischen deutschen Beamten
Schwabe schlimmstes Schimpfwort
Lese ich und denke lachend an die
Kroatische Schwäbin die ich kannte
Was dort alle Deutschen meinte
Die Ungarn wurden durch die fremde
Herrschaft erst tückisch widerspenstig
Sie verwalteten ihr Land besser als es
Die vorgezogenen Österreicher taten
Statt stolz zu sein ein gefühlvolles wie
Freies Volk in Ungarn zu beherrschen
Machte er die Nation zu Sklaven um
Sie besser beherrschen zu können
Am grausamsten war in Ungarn die
Unterdrückung der Religion wodurch
Sich der Hof mehr schadete als er
In 200 Jahren wiedergutmachen kann
Besonders die Unterdrückung der
Protestanten in Ungarn die neben
Den Katholiken ⅓ der Bevölkerung
Wären hält Riesbeck für dumm
Die Religion sei der natürlichste Weg
Das Volk über Interessen aufzuklären
Ab einer gewissen Kultur mag sie
Entbehrlich für den Staat werden
Die ersten Schritte aus der Barbarei
Müsse das Volk am Gängelband der
Religion tun dabei wären sie um so
Glücklicher je enger die Verbindung
Von Religion und Staatsinteresse ist
Die später gelockert werden kann
Doch die Österreicher als Regierung
Taten in Ungarn das Gegenteil
Sie versuchten den aufgeklärtesten
Teil ihrer Bevölkerung aus dem Licht
Zurück in die Finsternis zu führen
Unterdrückten die Industrie in Ungarn
Obwohl nur ⅓ der Bevölkerung trügen
Die ungarischen Protestanten beinah
Die Hälfte aller Einnahmen und sind
Wohlhabender als die Katholiken
Am schlimmsten war es aber bei
Den Griechen die von orthodoxen
Barbaren zu katholischen nur wurden
Ohne sich weiter um sie zu kümmern
Die griechischen Pfaffen in Ungarn
Wie in Illyrien seien in dem gleichen
Zustand wie katholische Geistliche
Zur Zeit von Karl dem Großen
Er bezweifelt ob sie lesen und
Schreiben könnten rechnen aber
Könnten sie sicher nicht und putzen
Ihre Nase noch mit den Fingern
Die katholischen Pfaffen stünden den
Griechischen in Unwissenheit und
Unsittlichkeit nicht nach ihr Brevier
Wäre meist ihre ganze Bibliothek
Ihr einziges Studium wäre Latein
Viele Menschen wanderten aus
Nur die Ärmsten gingen noch nach
Ungarn und dabei völlig ungeregelt
Es bräuchte ein Büro in Wien dass
Die Zuwanderung steuerte und die
Menschen aus Regionen verbindet
Wie über die Gefahren aufklärt
Riesbeck warnt vorm Genuss von
Melonen ohne Brot dazu der sehr
Ungesund sei auch sei der ungarische
Wein verführerisch gut und süß
Es sollten ihnen besser vor Ort
Naturprodukte angeboten werden
Statt ihnen Geld mitzugeben wie
Pfarrer und Beamte sorgen sollten
Mit dem Geld was der Hof für die
Eroberung eines kleinen Teils von
Bayern aufwandte wäre in Ungarn
Leicht das zehnfache zu gewinnen
Der größte Trost der ungarischen
Patrioten aber ist dass der jetztige
König den Wert des Landes kennt
Von keinem Vorurteil geblendet wird
Den Wert natürlicher Freiheit schätzt
Mut und Stärke genug hat diesen so
Wichtigen Teil seiner Besitzungen
Aus der tiefen Wildheit zu reißen
jens tuengerthal 18.10.26
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