Montag, 19. Oktober 2026

Lektürentagebuch 18.10.26

Lektürentagebuch 18.10.26

Johann Kaspar Riesbeck schreibt in
Briefen eines reisenden Franzosen im
Brief Nummer 31 über Rousseau der
Ohne Zweifel viel Schwärmerei zeigt 

Diese im Jahr 1783 erschienenen
Briefe sind also noch vorrevolutionär
Was den Blick darauf deutlich ändert 
Wenn er von Rousseau hier schreibt 

Jedoch wirft das Schicksal und der
Blinde Zufall die ihr Spiel mit uns zu
Gerne treiben uns in eine Lage die
Uns ankettet noch eher wir nur an 

Einen Vertrag denken können hätte 
Der Zufall und die Not alle Ordnung
Geschaffen die uns lebenslänglich
In den Verhältnissen noch bindet

Ohne Zweifel meint Riesbeck ginge
Es uns besser unter der Leitung des 
Launigsten Glücks als durch förmliche
Verträge gebunden zu sein so bliebe 

Die Faust des Stärkeren noch immer
Eine natürliche Erklärung der Verträge 
Die sich mit Gewalt einfach durchsetzt
Wie die Weltpolitik es gerade zeigt

Dennoch wäre ein Vertrag aller in 
Bürgerlichen Verhältnissen wohl das
Beste für eine vernünftige Ordnung
Von Gesetzgebung und Verwaltung

Eine Kollision der Interessen von
Regenten und Untertanen sei nur
Eine Täuschung verworrener Begriffe
Die Geschichte zeige diese Wahrheit 

Das Interesse sei das heiligste Band
Der Menschen von der Kenntnis
Desselben hängt ihr Glück allein ab 
Bosheit spielt dagegen keine Rolle

Die menschenfeindliche Kunst der
Herrschaft breitete sich von Italien
Über ganz Europa aus meint er und
Bezieht sich auf Machiavelli dabei

Ludwig XI Richelieu und Mazarin
Waren große Meister darin nur die
Glückliche Zeit unter Henri IV hier
Ausgenommen hätten sie es für

Torheit gehalten wenn das Volk durch
Aufklärung Überzeugung Liebe und
Freimütigkeit hätte beherrscht werden
Sollen gar die Interessen zwischen

Untertanen und Regenten als eines
Zu betrachten dazu trugen noch am 
Meisten die Jesuiten bei deren innere
Ordensverfassung dem entspricht

Diese Grundsätze der Pfaffen wurden
Wie der Stein der Weisen behandelt
Der ihre Besitzer zu Halbgöttern noch
Machte und geblendet von dieser

Politischen Goldmacherei entfernte
Sich die Regierung vom Gang der
Natur der allein zum Glück führt wie 
Er im Kern jeder Familie steckt

Durch die Jesuiten und einige 
Italienische Parvenus schlich sich
Machiavelli am dortigen Hof ein wohl
Lag es am hiesigen Humor dass 

Es nicht so mörderisch endete wie
In Italien Frankreich Spanien England
Doch Ungarn gegenüber hätte der
Hof einen Zug von Unterdrückung

Auch Menschenfreundin Theresia
Konnte es nicht ganz abstreifen nun
Kann ihr Sohn gegen Pfaffen endlich
Philosophie herrschen lassen

Die Interessen des hohen Adels
Liegen mit denen des ganzen Staats
Im Streit die Untertanen wären zwar
Keine Leibeigenen aber nicht frei

Das Interesse von Adel und Kirche
Deren Führung sich aus diesem
Rekrutiert sind im Grunde eins die 
Städte wären noch zu unbedeutend

Detailliert wird beschrieben wie der
Adel in Ungarn erst mit dem Wiener
Durch Ehen vermischt wurde dadurch
Finanziell bald überfordert wurde 

Sie ließen sich von ihren deutschen
Frauen zum Luxus verführen machten 
Dafür Schulden wie die Wiener auch
Gerieten dadurch in Abhängigkeit 

Dazu sorgten die hohen Zölle für
Ein Erliegen des Handels was die 
Ganze Region abhängig noch hielt
Gerne hätten sonst die Bergkroaten

Ungarische Weine gekauft die aber
Teurer waren als die aus Venetien 
Für die Kroaten war aufgrund der
Tyrannischen deutschen Beamten

Schwabe schlimmstes Schimpfwort
Lese ich und denke lachend an die
Kroatische Schwäbin die ich kannte
Was dort alle Deutschen meinte 

Die Ungarn wurden durch die fremde 
Herrschaft erst tückisch widerspenstig
Sie verwalteten ihr Land besser als es
Die vorgezogenen Österreicher taten 

Statt stolz zu sein ein gefühlvolles wie 
Freies Volk in Ungarn zu beherrschen 
Machte er die Nation zu Sklaven um 
Sie besser beherrschen zu können

Am grausamsten war in Ungarn die
Unterdrückung der Religion wodurch
Sich der Hof mehr schadete als er
In 200 Jahren wiedergutmachen kann 

Besonders die Unterdrückung der
Protestanten in Ungarn die neben
Den Katholiken ⅓ der Bevölkerung
Wären hält Riesbeck für dumm

Die Religion sei der natürlichste Weg
Das Volk über Interessen aufzuklären 
Ab einer gewissen Kultur mag sie
Entbehrlich für den Staat werden

Die ersten Schritte aus der Barbarei
Müsse das Volk am Gängelband der
Religion tun dabei wären sie um so
Glücklicher je enger die Verbindung

Von Religion und Staatsinteresse ist
Die später gelockert werden kann
Doch die Österreicher als Regierung
Taten in Ungarn das Gegenteil

Sie versuchten den aufgeklärtesten
Teil ihrer Bevölkerung aus dem Licht
Zurück in die Finsternis zu führen
Unterdrückten die Industrie in Ungarn

Obwohl nur ⅓ der Bevölkerung trügen
Die ungarischen Protestanten beinah 
Die Hälfte aller Einnahmen und sind 
Wohlhabender als die Katholiken

Am schlimmsten war es aber bei
Den Griechen die von orthodoxen
Barbaren zu katholischen nur wurden
Ohne sich weiter um sie zu kümmern

Die griechischen Pfaffen in Ungarn
Wie in Illyrien seien in dem gleichen
Zustand wie katholische Geistliche
Zur Zeit von Karl dem Großen

Er bezweifelt ob sie lesen und 
Schreiben könnten rechnen aber
Könnten sie sicher nicht und putzen
Ihre Nase noch mit den Fingern

Die katholischen Pfaffen stünden den
Griechischen in Unwissenheit und
Unsittlichkeit nicht nach ihr Brevier
Wäre meist ihre ganze Bibliothek

Ihr einziges Studium wäre Latein
Viele Menschen wanderten aus
Nur die Ärmsten gingen noch nach 
Ungarn und dabei völlig ungeregelt

Es bräuchte ein Büro in Wien dass 
Die Zuwanderung steuerte und die
Menschen aus Regionen verbindet
Wie über die Gefahren aufklärt 

Riesbeck warnt vorm Genuss von
Melonen ohne Brot dazu der sehr
Ungesund sei auch sei der ungarische
Wein verführerisch gut und süß 

Es sollten ihnen besser vor Ort
Naturprodukte angeboten werden
Statt ihnen Geld mitzugeben wie
Pfarrer und Beamte sorgen sollten 

Mit dem Geld was der Hof für die
Eroberung eines kleinen Teils von
Bayern aufwandte wäre in Ungarn
Leicht das zehnfache zu gewinnen

Der größte Trost der ungarischen
Patrioten aber ist dass der jetztige 
König den Wert des Landes kennt
Von keinem Vorurteil geblendet wird

Den Wert natürlicher Freiheit schätzt
Mut und Stärke genug hat diesen so
Wichtigen Teil seiner Besitzungen
Aus der tiefen Wildheit zu reißen 

jens tuengerthal 18.10.26


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen