Montag, 26. Oktober 2026

Lektürentagebuch 25.10.26

Lektürentagebuch 25.10.26

Am Sonntag Buddenbrooks lesen
Dazu die Spekulatius in den Tee tief
Tunken und den Kamin hier flackern 
Sehen ist ideal herbstlich wohl

So also tat ich im Schlafsack gut 
Gewärmt und las das Kapitel von 
Der Wahl von Thomas zum Senator 
Im ehrwürdigen Rathaus zu Lübeck

Davor standen ganz verschiedene
Teile der Bevölkerung und sprachen 
Über die Aussichten der drei noch
Verbliebenen Kandidaten oben

Die Spannung stieg und Gerüchte
Nahmen ihren Lauf wer es nun wohl 
Würde Hagenström Buddenbrook oder Kistemaker standen zur Wahl

Es war drei Wochen nach dem Tod
Von Konsul James Möllendorpf also
Noch genau fristgemäß denn binnen
Vier Wochen musste das Amt wieder

Gemäß der alten Gesetze des Senat
Der alten und freien Hansestadt 
Besetzt werden und so stand am
Kühlen Februar Mittag die Menge

Im Schneematsch vom Seemann
Über Packer zu sonst Bürgern und
Inmitten eine Dame im feinen Mantel
Mit Stiefelchen die den Schleier

Voll vor ihr Gesicht unter dem Hut
Gezogen hatte lauschte den immer
Wieder aufflammenden Gerüchten
Glühte innerlich der Kälte zum Trotz

Dann hörte sie das sichere Gerücht 
Als die Boten vor die Tür traten dass 
Hagenström gewählt sei und wollte
Schon betrübt wieder heimgehen 

Als sie sah die rot gewandelten Boten
Liefen die Breite Straße hinunter und
Plötzlich war allen klar Buddenbrook
War zum Senator gewählt worden

Die Dame lief so schnell sie konnte 
In die gleiche Richtung los überholte
Schneller laufend als es eine Dame
Gerade noch durfte aber vermutlich

Völlig aufgeregt die Straßen hinunter
Bis zu dem Haus ihres Bruders
Lief die Treppen hinauf und rief
Thomas zu er sei gewählt denn 

Die Dame war Tony Buddenbrook
Inzwischen Frau Permaneder aber
Geschieden und der auch schon
Etwas blasse Thomas freute sich

Mit seiner Wahl verkündete sie
Zugleich Hagenström sei dabei
Durchgefallen was ihr vermutlich
Mindestens genauso wichtig war

Nichts ist Tony so wichtig wie die
Gesellschaftliche Stellung ihrer
Familie der Buddenbrooks dafür
Steht sie auch Stunden in der Kälte

Am nächsten Tag schon es war der
Auf den Freitag folgende Samstag
Im Februar 1862 leistete Thomas
Seinen Eid als Senator in Lübeck


Im Zauberberg also weiter beim
Sonntäglichen Thomas Mann beginnt 
Der große Stumpfsinn wie ich mich
Langsam dem Ende damit zuneige

Schon der Name des Kapitels zeigt
Den großen Humor von Mann der
Sich noch mehr im nun folgenden
Gespräch mit Hofrat Behrens zeigt

Dieser sucht Hans bei der Visite
In seiner Balkonloge auf um ihm
Seine neuste Theorie zu dessen
Gesundheit oder Krankheit hier

Ausführlich zu begründen und mit
Seinen üblichen Sprüchen dabei
Darzulegen was wohl die letzte
Gelegenheit wäre von ihm zu lesen

Wie Mann hier nebenbei ankündigt
So als Regisseur im eigenen Roman
Mehr denn als sonst Erzähler auftritt 
Zum Genuss der Lektüre also rät

Dieser direkte Dialog mit dem Leser 
Die Offenlegung der eigenen Karten 
Im Spiel der Erzählung hat viel von
Dem für Mann typisch dezenten Witz

Es geht langsam auf das Ende zu
An das ich lieber noch nicht denke
Wo Hans wie mein Urgroßvater auf
Den Feldern des Krieges verschwand

Behrens begründet dann warum er
Davon ausgeht dass Hans noch
Temperatur vermutlich nicht mehr
An der geheilten Tuberkulose liegt

Nach seiner Theorie die Hans eher
Gelassen gelangweilt zur Kenntnis
Nimmt könnten es bei ihm heilbare 
Streptokokken sein und darum

Kündigt er sogleich für den nächsten 
Tag eine Blutentnahme an er würde 
Zur Ader gelassen wie Behrens es 
In seiner rheinisch deftigen Art sagt

Schon bald werde er dann munter
Ins Feld springen und im Flachland
Seinen Dienst tun können weil er
Als geheilt entlassen werden kann

Hans nimmt das zur Kenntnis und
Wirklich war er nach Clawdias nun
Abreise in Stumpfsinn verfallen
Betrachtete das Geschehen eher

Dieses und die Moden im Berghof
Dem Sanatorium das Behrens leitet
Sind das nächste Thema gerade ist
Fotografie wieder sehr in Mode

Es wird berichtet wie sich die Gäste
Oder Patienten mit Begeisterung in
Diese stürzten und die Dunkelkammer
Im Haus nun ständig belegt war

Es wurden sogar kleine eigene 
Laboratorien mit natürlich schwarzen
Vorhängen auf den Zimmern dazu 
Eingerichtet bis die Hausleitung dies 

Nach einem beinahe tödlichen Unfall
Sich verbat bei Tisch wurden die
Neuesten Aufnahmen gezeigt dann 
Kam der Blitz plötzlich in Mode 

Erstarrte Gesichter von geblendeten 
Menschen galten dabei als Ausdruck 
Großer Lebendigkeit und wurden 
Bei den Mahlzeiten laut belacht

Wer schon länger da war wie Hans
Merkte die Wiederkehr der Moden
Wie deren Abschwächung nach
Ablauf der üblichen Zeit es scheint

Kündigt sich zwischen diesen Zeilen
Schon an als sei nun alles erzählt
Vom Leben auf dem Zauberberg
Was wir lange so nah erlebten 


Im Kapitel Der Fremdling in seinem
Roman Die Fünf schildert uns nun
Vladimir Jabotinsky die Begegnung
Mit einem seltsamen Passagier wie 

Die wechselnden Herren um die
Schöne Marussja genannt wurden
Der hoher Offizier zur See und dazu
Russe war also ein Fremder für sie 

Zuvor wird noch sein Amt vorgestellt
Was einen komisch langen Titel hat
Sich um die gesundheitliche Sorge
Besonders armer Juden kümmerte

Nach einem der Besuche bei dem ihn
Marussja begleitet hatte und wieder
Mit ihrer Fähigkeit im Umgang mit
Kindern glänzte fahren sie zusammen

Er beschreibt wie sich Marussja auf
Dem Rückweg an ihn kuschelt der
Den Arm um sie gelegt hatte was 
Damals der Mode entsprach als ob 

Er diese zärtliche Nähe sogleich
Entschuldigen wollte die nichts zu
Bedeuten hätte und überredet ihn 
Sie zu Runizki noch zu begleiten

Dort hatten sie einen sehr schönen
Abend mit der Familie und auf dem
Rückweg erfährt er dann dass dieser
Besuch der Anlass des Streits war

Diesen hatte er schon bemerkt als
Er Anna und Marussja getroffen hatte
Diese fürchtete sich vor Runizki weil
Dieser als Seemann und Russe

Völlig anders wäre was Anna mit der
Er längst das wohl vertrauteste
Verhältnis ihm kurz darauf erzählte
Sie sieht ihn als eine Gefahr

Was für eine Gefahr er wäre konnte 
Sie dabei nicht genau sagen es war
Wohl der untrügliche mütterliche
Instinkt der die Gefahr schon witterte

Dass Marussja ihn heiraten werde
Oder seinem Drängen nach Monaten
Auf See zu sehr nachgäbe fürchtete 
Sie dabei aber ausdrücklich nicht

Ganz nebenbei bemerkt der Erzähler
Dass Anna und Marussja wohl da
Schon genau wussten wen sie einmal
Heiraten würde wovon er nichts ahnte

Beim ausschütteln der Sofakissen 
Sagte sie zu ihm wen Marussja mal 
Heiratet wüssten sie und ihre Tochter
Genau und auch er könnte es schon

Längst wissen wenn er nur mal eine
Schärfere Brille tragen würde was an
Eindeutigkeit nicht zu übertreffen ist
Der letzte Satz des Kapitels war


Fast hätte ich noch die zwei schönen
Kapitel in Hermann und Ulrike von
Johann Karl Wezel vergessen die nun
Wirklich der Rede verliebt wert waren

Im einen kam nach der Tristesse in 
Der er auf Ulrike wartete und nur noch
Arbeitete um Karriere zu machen und
Beiden eine Zukunft zu finanzieren

Der Frühling und plötzlich zog es 
Hermann der Heinrich heißt wieder
Raus und so wanderte er mit der
Menge aus der Stadt zu einem

Wasserfall und an Mühlen vorbei
Was ja schon der Inbegriff von
Romantik und Freiheit zugleich ist
Das Wasser rauschte und schwoll

Dazu klappert dann die Mühle am
Rauschenden Bach und es wird 
Das romantische Liedgut wach
Was die Aufklärung nicht kannte

Während er allein am Hang für 
Einen Moment überlegt sich in 
Die brausende Tiefe zu stürzen
Lenken ihn Kinder davon ab

Auf dem Rückweg dann als er
Eine bildschöne junge Frau neben
Einer schnarchenden Alten sieht
Direkt an einer Mühle überlegt er 

Noch im Vorbeigehen ob so nicht
Ulrike fast aussah sie es vielleicht
Sein könnte und während er noch
Überlegt ob der sich umdrehen soll

Da hört er seinen Namen rufen und
Erkennt im gleichen Moment Ulrike
Sie stürmen aufeinander los und
Fallen sich glücklich in die Arme 

Aber der Müllerbursche wohl schon
Gewarnt weckt die Alte vielleicht
Hätte er die schöne Ulrike auch zu
Gerne so in den Arm genommen 

Die Alte zetert zerrt Ulrike Weg und
Der Müllersbursche eilt ihr zuhilfe
Hebt sie hoch und trägt sie ins Haus
Gegen zwei konnte Hermann nicht

Er beschließt ein wenig von der
Mühle entfernt im Wald zu warten
Ihnen in die Stadt zu folgen um
Ihre Adresse herauszufinden

Doch besteigt die garstige Alte
Bald mit Ulrike eine Kutsche er
Versucht ihnen noch zu folgen
Verliert aber bald ihre Spur wieder

Als er nun in die Stadt kommt
Lauert ihn gleich einer der Bettler auf
Die er als er noch Geld hatte immer
So großzügig bedacht hatte

Er gibt ihm ein wenig aber fragt ihn
Ob er die Fuhrwerke kenne darauf
Meint dieser alle wie sie hier in
Dresden nur fahren was er wolle 

Darauf erzählt Hermann von der
Kutsche mit Ulrike und der Alten 
Der Straßenjunge weiß sofort wer
Das ist und wo die Baronesse wohnt

Gegen ein Entgelt verspricht er nun
Briefe zwischen beiden zu liefern 
Die das Thema des nächsten Kapitels
Werden mit vielen Liebeserklärungen

Beide erzählen sich ausführlich ihre
Bis dahin Geschichte was nur bei
Ulrike in Briefform geschieht weil die
Von Hermann wir Leser miterlebten

Zumindest jene die Hermann und
Ulrike von Beginn an lasen während
Dafür Ulrike von der garstigen Tante
Wie ihrer großen Dummheit erzählt

Das ist alles ganz nett und lässt sich
Nach dem Wein in frühen Stunden
Am Morgen gut lesen ist aber doch
Etwas schlicht erwartungsgemäß

Werde weiter berichten wenn auch
Vielleicht weniger detailliert denn 
Als Einschlaflektüre ist der Roman
Aus der Aufklärung doch sehr gut

Interessant ist wie Wezel hier schon
Eine Generation vor Dickens und
Also vor der industriellen Revolution
Wie der sozialen Entwicklung infolge

Das Talent und die Begabung der
Armen hier des Straßenjungen also
Thematisiert und diesen damit zum
Träger der Geschichte auch macht

Brücken über die Klassen baut damit 
Ulrikes Schicksal als völlig verarmte
Baronesse die auf den guten Willen 
Der Verwandten angewiesen ist zeigt

Freiheit hängt an finanzieller Freiheit
Wer sich nicht anpasst und eigene
Emotionale Wege gehen will wird
Dabei aussortiert ist fast wie heute

Das sind sozial interessante Sichten
Die Klassengrenzen überschreiten
Wie sozialen Zwang damit aufheben 
Plötzlich die Welt völlig verändern

Eine solche Geschichte geschrieben
Noch im Zeitalter des Absolutismus
Die literarisch Grenzen überschreitet
Ist auch darum politisch spannend

Diese Stärke wiederum lässt mich
Über die teils literarische Schwäche
Großzügig hinwegsehen es kann 
Eben nicht jeder wie Goethe konnte 

Der schenkelklopfende Humor ist
Dabei einem Henrich Mann ähnlicher
Da fehlt die wirkliche Größe die sich
Bei Thomas Mann oder Goethe zeigt

Aber als soziale literarische Studie
Für den Geist der Aufklärung die
Sich mit sozialen Fragen bereits
Beschäftigt bedeutend und lohnend. 

jens tuengerthal 25.10.26

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