Mittwoch, 21. Oktober 2026

Lektürentagebuch 20.10.26

Lektürentagebuch 20.10.26

Schon gestern Nacht oder eigentlich
Heute früh verirrte ich mich wieder in
Johann Karl Wezels großen Roman
Hermann und Ulrike der wieder in der 

Anderen Bibliothek in zwei Bänden
Neu aufgelegt wurde und bei dem
Hermann inzwischen nachdem seine
Liebe zu Ulrike im Schloss aufflog

Nach Leipzig ging und sich dort durch
Naive Großzügigkeit einen Namen bei
Den Bettlern der Stadt gemacht hat
Obwohl er über keinerlei Einkommen

Selbst verfügt verschenkt er alles
Um anderen gut zu tun und findet
Dies völlig natürlich doch dieses
Kapitel beginnt mit dem Besuch

Bei einem möglichen Gönner an den
Ihm sein Lehrer einen Brief mit gab
Wie er in dessen Haus von einem
Diener an der Tür empfangen wird

Der Weg durch die Flure bis zu einer
Abstellkammer wo er wieder warten
Sollte schien ihm ewig und dann muss
Er noch lange warten bis der Herr

Endlich geruht zu ihm zu kommen
Ihn aber mit bloßen Formeln dann
Abspeist und allein lässt worauf
Er wieder auf den Diener wartet

Als dieser nach einer gefühlten
Ewigkeit doch nicht kam macht
Hermann sich entschlossen allein
Auf den Weg zum Ausgang 

Dabei gerät er versehentlich in das
Zimmer einer halbnackten Schönheit
Die ihn an seine Ulrike erinnert aber
Vor Schreck kreischt und ihren kleinen

Hund fallen lässt der ihm darauf durch
Das ganze schlossartige Anwesen bis
Zum Ausgang jagt durch den er mit
Letzter Not klamaukig nun flieht

Das ist alles etwas zu viel auch die
Naivität die ihn nahezu ohne Geld
Zur Kirche gehen lässt um seine
Letzten Reste zu verschenken ist

Etwas zuviel noch komisch zu sein
Aber eine ironische Spitze auf den
Candide von Voltaire nur leider auf
Etwas sehr deutsche Art dabei

Doch dann bricht alles zusammen
Er hat kein Geld mehr und fliegt bei
Seinem Wirt raus wie er den Diener 
Verliert der sich besseres sucht 

Völlig verzweifelt beschließt er nun
Erstmal zu fliehen und aus der Stadt
Zu ziehen aber weiß keine Hilfe
Verirrt sich voller Angst im Wald 

Von dort kehrt er schleunigst in 
Die Stadt zurück um Gnade dort
Zu erbetteln da sucht ihn der
Diener des hohen Herren auf

Dieser bat ihn zu sich um mit ihm zu
Speisen weil die Frau nicht da war ihn 
Ein weiterer Brief des Freundes dazu 
Motivierte der bereit war für ihn noch

Zu zahlen solange es nötig war und
Plötzlich öffnete sich Hermann durch
Die Intervention seines alten Lehrers
Wieder eine neue Tür zum Paradies

Er wird dort in einer lustige Runde
Von Herren integriert die sein 
Gastgeber noch aus dem Studium
Kennt und sie verbringen rauchend

Wie trinkend einen lustigen Abend
Weil die Frau Gemahlin abwesend ist
Machen Herrenwitze und sind einfach
Ausgelassen kindisch noch dabei

Einem zwischendurch Besucher wird
Im Qualm ganz übel und als er den
Weg raus sucht landet er völlig aus
Versehen im noch leeren Ehebett

Dieser bleibt dort um sich ein wenig
Von seiner Übelkeit zu erholen dann
Taucht in der Herrenrunde plötzlich
Die Ehefrau etwas verfrüht wieder auf

Die Herren sprangen auf und ließen 
Ihre Pfeifen verschwinden nahmen 
Hüte brav vom Kopf und standen alle
Wie ertappt vor der Dame still

Die gnädige Frau die es gerne mit
Dem Adel hielt verschwand wieder
Kopfschüttelnd und die Brüder der
Verbindung verabschiedeten sich

Ein wunderbar komisches fast schon
Klamaukiges Ende einer Begegnung
Untergang und märchenhafte Rettung
Durch den fernen Lehrer sind herrlich 

Das ist mit Humor beschrieben macht
Sich über die Verhältnisse so lustig
Wie über die Ehe an sich und lässt
Manche Überraschung noch offen

Goethe war zwar nicht so wirklich
Begeistert von Wenzel aber das
Kann auch ein Qualitätsmerkmal
Gewesen sein Humor hat dieser 

jens tuengerthal 20.10.26



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