Lektürentagebuch 11.10.26
Heute wie schon angekündigt von
Grete de Francesco in ihrem Band
Die Macht des Charlatans über
Gottfried Christoph Beireis gelesen
Der Typus des modernen Populisten
Unter dem die Demokratien leiden
Hat seine Vorbilder in der Geschichte
Als Scharlatan oder Quacksalber
Heute feiert er in anderem Gewand
Neue Erfolge auf der Bühne der
Weltpolitik an vielen Orten mit Hass
Wie großen Versprechen noch dazu
De Francesco hat die kulturhistorische
Analyse einer Gestalt die seit dem
Altertum uns schon heimsucht mit
Teils bösen Folgen genial verfasst
Geschrieben wurde dies Buch 1937
Von der jüdisch-österreichischen Gelehrten Grete de Francesco die
Im KZ 1944 noch ermordet wurde
In den verschiedenen Charakterzügen
Des Scharlatans sind seine modernen
Nachfolger schon zu erkennen wie
De Francesco so treffend definiert:
„Charlatan ist derjenige, der sich rühmt, zu wissen, was er nicht weiß, und Fähigkeiten zu haben, die er nicht hat. Die Macht des Charlatans bestand darin, daß er alle Unsicherheiten einer religiösen, geistigen, historischen oder ökonomischen Situation durch mannigfaltige Fälschungen so auszunützen und zu lenken wußte, daß eine Wertwelt enstand, in der seine eigenen Unwerte zu Werten wurden.“
De Francesco reist durch Wort und
Bild durch die Jahrhunderte entdeckt
So einen markanten Akteur unserer
Kultur der immer wieder auftaucht
In den Taschenspielertricks der
Wunderheiler und den Maskenspielen
Der Verwandlungskünstler auf den Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts
Lassen sich schon die Mechanismen
Entdecken, die zu späterer Zeit so
Verheerend die Massen beeinflussten
Wie zu beherrschen vermögen
Die Beispiele die sie in Literatur und Bildern für die habgierigen dabei
Opportunistischen Wahrheitsbeuger findet erzählen uns von der immer
Verführbarkeit der Menschen von
Alchemisten und Goldmachern zu den
Salbenkrämern und Schwarzkünstlern
Geht de Francesco dabei mit uns
Zeigt in Renaissance und Barock die
Meister der Fälschung und auch ihr
Publikum denn ihr Buch ist eine
Kultur- und kunstgeschichtliche Studie
Zugleich soziologische Untersuchung
Der Tinkturenmischer braucht sein
Publikum und es braucht ihn die Scharlatanerie ist stets ein Spiel
Mit den Hoffnungen des Publikums
Wie der Massen die hoffen durch die
Fälschung billig an die Güter der
Reichen Besitzenden zu kommen
Sie wollen mit der Fälschung als
Etwas scheinen, was sie nicht sind
Warum sie diesen Wunsch vor sich
Und anderen ins Geheimnis tauchen
Von den Geheimtränken ist es nur ein
Ganz kleiner Schritt zum Betrug mit
Wissenschaftlichen Methoden wie die
Erkenntnisse der Humanisten zeigten
Im 18. Jahrhundert war schon das
Blendwerk im Politischen bekannt Dort Elixiere hier Meinungen lief es
Am Ende auf eins immer heraus
„Die Geschichte des Scharlatans schreiben heißt, die Vorgeschichte der Reklame darstellen.“
Schrieb Walter Benjamin noch 1937 in
Seiner Rezension zu de Francescos
Die Macht des Charlatans wie sehr
Gilt das erst recht auch heute noch
Das Kapitel über Beireis beginnt mit
Einem Zitat von Goethe der vom
Besitz Betragen und Geheimnis des
Hofrat Beireis in Helmstädt hörte
Beireis wurde 1730 geboren und soll
Unfleißiger Besucher des Gymnasium
Gewesen sein aber dennoch war er
Klassenprimus und Lehrerliebling
Ein Wunderkind und Tausendsassa
Der es irgendwie schaffte auch wenn
Nicht alles mit rechten Dingen zuging
Er tat nichts und war damit erfolgreich
Beireis studierte 1750 in Jena und
Legte als Student viel Wert auf das
Körperliche Training war guter Reiter
Brillanter Fechter mit starken Muskeln
Der Medizinstudent hatte eine
Vorliebe für Alchimie mit 23 Jahren
Begab er sich arm auf Reisen und
Kam nach drei Jahren reich wieder
Durch diesen Reichtum war er der
Geheimnisvoll problematische Mann
Der er von nun an auch blieb wieder
Ging nicht alles mit rechten Dingen zu
Er konnte sich heimgekehrt gleich ein
Rittergut kaufen er soll in Spanien
Frankreich Holland Italien und sogar
Ägypten gewesen sein doch bleibt es
Wie so vieles in seinem Leben noch
Geheimnisvoll weil er nicht gerne
Darüber sprach und wenn er es tat
Wurde es eher noch dunkler um ihn
Einige wunderten sich dass er keine
Der Sprachen dort sprach doch die
Zweifler ließ er durch phantastische
Geschichten dann lieber verstummen
Neben den Reisen war sein anderes
Geheimnis das Goldmachen was ihn
Vollkommen unabhängig machte so
War er mit 26 Jahren vollkommen frei
Die Vermutung dass er Gold mache
Lag in der Luft aber er bestätigte sie
Weder noch widersprach er ihr aber
Erzählte von Stunden vor dem Ofen
Mit dem Schmelzofen vor dem er
Ganze Nächte verbrachte schien ein
Adept zu sein wehrte aber immer ab
Gab dann den Universitätsprofessor
Er nahm das Goldmachen wohl
Nicht allzu ernst aber war dagegen
Ein fast manischer Anhänger der
Alchemie dem bei seinen Versuchen
Die Herstellung von Farben glückte
Während seiner Reisen hat er diese
Erfindung teuer verkauft auch schon
Damals machte keiner mehr Gold
Der Gold machte aber sein ganzes
Leben stand er in Korrespondenz mit
Farbenfabriken erreichte damit eine
Exploitierung blühender Industrie
Dies nicht durch Fachwissen sondern
Durch Lektüre von Wieglebs Buch zur
Natürlichen Magie bezog er Rezepte
Zu seinen bestaunten Kunststücken
Zwischendurch erzählt de Francesco
Noch die Geschichte eines Arztes
Aus den USA der um die gleiche Zeit
Viel Geld mit Wunderstäben verdiente
Diese sollten angeblich Krankheiten
Heilen können und verkauften sich
Erst dort dann in England sehr gut
Bis der Schwindel doch aufflog
Beireis wurde jung Professor war
Bekannt dafür dass er keine Perücke
Mehr trug in Helmstedt aber dafür
Seinen alten Zopf beibehielt
Goethe besuchte noch den 85jährigen
Der seine feste Frisur lobt um damit
Allzeit bereit für Patienten zu sein als
Moderner Arzt war er kein Scharlatan
Er hatte sich als reicher Mann jedoch
Eine große Sammlung zugelegt und
Besaß Instrumente Naturalien
Edelsteine anatomische Präparate
Dazu Münzen Gemmen Gemälde
Automaten darin zeigte er gerne
Seinen Reichtum zur Schau was in
Kontrast zur kargen Lebensführung
Stand bei der nur eine Schwäche
Für Süßigkeiten noch auffiel auch
In Rheinwein wurden die geliebten
Zuckerstücke getaucht gruselig
Er kleidete sich sehr reich trug
Zwei goldene Uhrketten und ließ
Die Handschuhe weg um seine
Brillantringe besser zu zeigen
Er stellte sich wie ein Museumsstück
Aus und liebte es sein Museum zu
Zeigen hier gab es manches auch
Von alchemistischen Geheimnissen
Auch Goethe beschreibt wie dieser
Seltsame Professor es liebte seine
Schätzen ganz persönlich zu zeigen
Wie deren Qualität eitel zu loben
Goethe meinte solche Qualen der
Unvernunft ertrage er lieber allein
Er sah ihn nur von dem Wunsch
Beseelt einzig zu sein dabei aber
So offensichtlich unwahr wäre
Dass einem alle Gedanken vergingen
Dazu gab es noch eine Sammlung
Von Automaten für die er schon als
Kind bei Besichtigung der von
Vaucansons eine Leidenschaft hatte
Für die der Vater ihn züchtigte die er
Als reicher Mann dann befriedigte
Er liebte es dieses Zauberreich der
Mechanik vor geladenen Gästen zu
Präsentieren war verliebt in seine
Automaten von ihnen besessen
Nach dem Zauber der Automaten
Die besessen werden wollten wie
Zugleich besessen machten ist es
Nun Zeit für eine kleine Pause
Mehr von Grete de Francesco bei
Nächster bester Gelegenheit hier
Mit Bildern und Geschichten eines
Wirklich zauberhaften Bandes
jens tuengerthal 11.10.26
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