Montag, 12. Oktober 2026

Lektürentagebuch 11.10.26

Lektürentagebuch 11.10.26

Heute wie schon angekündigt von 
Grete de Francesco in ihrem Band
Die Macht des Charlatans über
Gottfried Christoph Beireis gelesen

Der Typus des modernen Populisten
Unter dem die Demokratien leiden
Hat seine Vorbilder in der Geschichte
Als Scharlatan oder Quacksalber 

Heute feiert er in anderem Gewand 
Neue Erfolge auf der Bühne der 
Weltpolitik an vielen Orten mit Hass
Wie großen Versprechen noch dazu 

De Francesco hat die kulturhistorische 
Analyse einer Gestalt die seit dem 
Altertum uns schon heimsucht mit 
Teils bösen Folgen genial verfasst

Geschrieben wurde dies Buch 1937 
Von der jüdisch-österreichischen Gelehrten Grete de Francesco die
Im KZ 1944 noch ermordet wurde

In den verschiedenen Charakterzügen 
Des Scharlatans sind seine modernen 
Nachfolger schon zu erkennen wie 
De Francesco so treffend definiert:



„Charlatan ist derjenige, der sich rühmt, zu wissen, was er nicht weiß, und Fähigkeiten zu haben, die er nicht hat. Die Macht des Charlatans bestand darin, daß er alle Unsicherheiten einer religiösen, geistigen, historischen oder ökonomischen Situation durch mannigfaltige Fälschungen so auszunützen und zu lenken wußte, daß eine Wertwelt enstand, in der seine eigenen Unwerte zu Werten wurden.“

De Francesco reist durch Wort und 
Bild durch die Jahrhunderte entdeckt 
So einen markanten Akteur unserer 
Kultur der immer wieder auftaucht

In den Taschenspielertricks der 
Wunderheiler und den Maskenspielen 
Der Verwandlungskünstler auf den Jahrmärkten des 18. Jahrhunderts 

Lassen sich schon die Mechanismen 
Entdecken, die zu späterer Zeit so
Verheerend die Massen beeinflussten 
Wie zu beherrschen vermögen

Die Beispiele die sie in Literatur und Bildern für die habgierigen dabei
Opportunistischen Wahrheitsbeuger findet erzählen uns von der immer

Verführbarkeit der Menschen von
Alchemisten und Goldmachern zu den 
Salbenkrämern und Schwarzkünstlern 
Geht de Francesco dabei mit uns 

Zeigt in Renaissance und Barock die 
Meister der Fälschung und auch ihr
Publikum denn ihr Buch ist eine
Kultur- und kunstgeschichtliche Studie 

Zugleich soziologische Untersuchung
Der Tinkturenmischer braucht sein 
Publikum und es braucht ihn die Scharlatanerie ist stets ein Spiel

Mit den Hoffnungen des Publikums
Wie der Massen die hoffen durch die
Fälschung billig an die Güter der
Reichen Besitzenden zu kommen

Sie wollen mit der Fälschung als 
Etwas scheinen, was sie nicht sind 
Warum sie diesen Wunsch vor sich 
Und anderen ins Geheimnis tauchen

Von den Geheimtränken ist es nur ein 
Ganz kleiner Schritt zum Betrug mit 
Wissenschaftlichen Methoden wie die
Erkenntnisse der Humanisten zeigten

Im 18. Jahrhundert war schon das 
Blendwerk im Politischen bekannt Dort Elixiere hier Meinungen lief es
Am Ende auf eins immer heraus

„Die Geschichte des Scharlatans schreiben heißt, die Vorgeschichte der Reklame darstellen.“

Schrieb Walter Benjamin noch 1937 in 
Seiner Rezension zu de Francescos
Die Macht des Charlatans wie sehr
Gilt das erst recht auch heute noch

Das Kapitel über Beireis beginnt mit
Einem Zitat von Goethe der vom
Besitz Betragen und Geheimnis des
Hofrat Beireis in Helmstädt hörte 

Beireis wurde 1730 geboren und soll
Unfleißiger Besucher des Gymnasium
Gewesen sein aber dennoch war er 
Klassenprimus und Lehrerliebling

Ein Wunderkind und Tausendsassa
Der es irgendwie schaffte auch wenn
Nicht alles mit rechten Dingen zuging 
Er tat nichts und war damit erfolgreich

Beireis studierte 1750 in Jena und
Legte als Student viel Wert auf das
Körperliche Training war guter Reiter
Brillanter Fechter mit starken Muskeln

Der Medizinstudent hatte eine 
Vorliebe für Alchimie mit 23 Jahren
Begab er sich arm auf Reisen und
Kam nach drei Jahren reich wieder

Durch diesen Reichtum war er der
Geheimnisvoll problematische Mann
Der er von nun an auch blieb wieder
Ging nicht alles mit rechten Dingen zu

Er konnte sich heimgekehrt gleich ein
Rittergut kaufen er soll in Spanien 
Frankreich Holland Italien und sogar
Ägypten gewesen sein doch bleibt es

Wie so vieles in seinem Leben noch
Geheimnisvoll weil er nicht gerne 
Darüber sprach und wenn er es tat
Wurde es eher noch dunkler um ihn 

Einige wunderten sich dass er keine
Der Sprachen dort sprach doch die
Zweifler ließ er durch phantastische
Geschichten dann lieber verstummen 

Neben den Reisen war sein anderes
Geheimnis das Goldmachen was ihn 
Vollkommen unabhängig machte so
War er mit 26 Jahren vollkommen frei

Die Vermutung dass er Gold mache 
Lag in der Luft aber er bestätigte sie
Weder noch widersprach er ihr aber
Erzählte von Stunden vor dem Ofen

Mit dem Schmelzofen vor dem er
Ganze Nächte verbrachte schien ein
Adept zu sein wehrte aber immer ab
Gab dann den Universitätsprofessor 

Er nahm das Goldmachen wohl
Nicht allzu ernst aber war dagegen
Ein fast manischer Anhänger der
Alchemie dem bei seinen Versuchen

Die Herstellung von Farben glückte 
Während seiner Reisen hat er diese
Erfindung teuer verkauft auch schon
Damals machte keiner mehr Gold 

Der Gold machte aber sein ganzes
Leben stand er in Korrespondenz mit
Farbenfabriken erreichte damit eine
Exploitierung blühender Industrie

Dies nicht durch Fachwissen sondern
Durch Lektüre von Wieglebs Buch zur
Natürlichen Magie bezog er Rezepte 
Zu seinen bestaunten Kunststücken

Zwischendurch erzählt de Francesco
Noch die Geschichte eines Arztes
Aus den USA der um die gleiche Zeit
Viel Geld mit Wunderstäben verdiente 

Diese sollten angeblich Krankheiten
Heilen können und verkauften sich 
Erst dort dann in England sehr gut
Bis der Schwindel doch aufflog

Beireis wurde jung Professor war
Bekannt dafür dass er keine Perücke
Mehr trug in Helmstedt aber dafür
Seinen alten Zopf beibehielt

Goethe besuchte noch den 85jährigen
Der seine feste Frisur lobt um damit
Allzeit bereit für Patienten zu sein als
Moderner Arzt war er kein Scharlatan

Er hatte sich als reicher Mann jedoch
Eine große Sammlung zugelegt und
Besaß Instrumente Naturalien 
Edelsteine anatomische Präparate

Dazu Münzen Gemmen Gemälde
Automaten darin zeigte er gerne
Seinen Reichtum zur Schau was in
Kontrast zur kargen Lebensführung

Stand bei der nur eine Schwäche 
Für Süßigkeiten noch auffiel auch
In Rheinwein wurden die geliebten 
Zuckerstücke getaucht gruselig

Er kleidete sich sehr reich trug 
Zwei goldene Uhrketten und ließ
Die Handschuhe weg um seine
Brillantringe besser zu zeigen

Er stellte sich wie ein Museumsstück 
Aus und liebte es sein Museum zu
Zeigen hier gab es manches auch
Von alchemistischen Geheimnissen

Auch Goethe beschreibt wie dieser
Seltsame Professor es liebte seine 
Schätzen ganz persönlich zu zeigen
Wie deren Qualität eitel zu loben

Goethe meinte solche Qualen der
Unvernunft ertrage er lieber allein
Er sah ihn nur von dem Wunsch
Beseelt einzig zu sein dabei aber

So offensichtlich unwahr wäre
Dass einem alle Gedanken vergingen
Dazu gab es noch eine Sammlung 
Von Automaten für die er schon als

Kind bei Besichtigung der von 
Vaucansons eine Leidenschaft hatte
Für die der Vater ihn züchtigte die er
Als reicher Mann dann befriedigte

Er liebte es dieses Zauberreich der
Mechanik vor geladenen Gästen zu
Präsentieren war verliebt in seine
Automaten von ihnen besessen

Nach dem Zauber der Automaten
Die besessen werden wollten wie 
Zugleich besessen machten ist es
Nun Zeit für eine kleine Pause

Mehr von Grete de Francesco bei
Nächster bester Gelegenheit hier
Mit Bildern und Geschichten eines
Wirklich zauberhaften Bandes

jens tuengerthal 11.10.26

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