Donnerstag, 22. Oktober 2026

Lektürentagebuch 21.10.26

Lektürentagebuch 21.10.26

Begonnen in der Nacht oder am ganz 
Frühen Morgen zumindest war es da
Noch dunkel draußen auch wenn bis
Zum Ende schon Bäcker arbeiteten 

Weiter gelesen in Hermann und Ulrike 
Von Johann Karl Wenzel aus der
Anderen Bibliothek wo es nun um die
Werte Gattin ging die sich erstmal

Ganz gehörig empörte über den üblen
Tabakgestank der in den Räumen nun
Hing dabei wollte sie doch morgen die
Noble Gesellschaft zum Essen laden

Worauf der Mann gerne verzichtete 
Der Hermann genau eingewiesen
Hatte wie er mit seiner Gattin nun
Umgehen sollte und dass sie bitte

Frau Doktor genannt werden möchte
Auf Handkuss und tiefe Verneigung 
Steht er ihr erzählte Hermann sei
Von Adel um ihre Gunst zu gewinnen

Die Dame des Hauses ist dann auch
Entsprechend erstmal zu Hermann
Besonders zuvorkommend und auch
Höflich meckert nur wie immer mit

Ihrem Mann der viel zu wenig von 
Einem Adligen verlangte und warum
Dessen Name geheim gehalten wird
Mit dem sie sich doch brüsten könnte

Sie dringt in ihrer unendlichen Neugier
Weiter in Hermann um zu erfahren 
Von welchem Gut oder Schloss er
Nun komme und wie er wirklich hieße

Bis es diesem zu blöd wird mit den 
Immer weiter verschlungenen Lügen
Er ihr einfach die Wahrheit sagt und
Darauf für sie erstmal gestorben ist

Dann macht sie ihrem Mann ewige 
Vorhaltungen erst für seine Lügen
Dann überhaupt und so geht es im 
Ganzen Kapitel sehr ehelich fort

Das ist wirklich amüsant und treffend
Auch wenn natürlich übertrieben nie
Eine Frau auf solche Ideen käme
Heute zumindest sagen sie das 

Die neuen drohenden Konflikte sind
Dabei absehbar und der Doktor der
Auf seinen nächsten Titel bald hofft 
Zumindest seine Frau erwartet das

Versucht die Runden mit seinen 
Rauchenden Verbindungsbrüdern
Die günstiger wären als ihre Essen
Zu verteidigen und zu rechtfertigen

Das ist wirklich komisch geschrieben
Wie glücklich können Männer sein
Die lesende Frauen haben die nicht
Pausenlos etwas unternehmen wollen

Wie sie dem Aberglauben anhängen 
Wofür sie schlichte Prediger aushält 
Mit denen er es kaum aushält die aber
Herzlich ungebildet dumm wie eitel ist

Das ist urkomisch beschrieben aber
Trifft in vielem immer wieder ganz
Erstaunlich gut den Kern der Sache
Warum manche wirklich meinen

Männer und Frauen passten nicht
Zusammen und während sie ihrem 
Mann vorhält er könne nicht gut
Haushalten verschwendet sie bloß

Werde wohl diese Nacht noch weiter
Lesen weil allein diese urkomischen
Betrachtungen zur Ehe in denen mir 
Vieles so bekannt vorkommt obwohl

Nie verheiratet gewesen es wert sind 
Sich darüber königlich zu amüsieren
Der feine Geist der Aufklärung der an 
Loriot dennoch denken lässt ist dabei 

Die Krone der Geschichte wie sie mir 
In der nächsten Nacht noch lachend
In Erinnerung blieb voller Vorfreude
Auf die nächsten ironischen Kapitel


Von Dreihundert Männern las ich bei
Konstantin Richter auch wenn es um
Weniger ging taten doch einige fast
Alles für ihre Frauen und ärgerten sich

Dabei wie Alfried Krupp der seine 
Villa Hügel für seine Frau baute der
Das Haus an der Fabrik nicht gefiel
Die lieber in Bredeney wohnte

Vornehm ist es da heute noch wo
Weizsäckers einst heirateten sollte
Der Flaneur seiner ersten Verlobten
Damals angeraut werden aber

Entkam dem Bannkreis der Villa
Hügel wie der sehr guten Partie
Noch einmal nur ob das der
Klügere Weg war blieb unklar

Dessen Villa hatte 229 Räume und
Eine ganz neue ausgefeilte Technik
Der Heizung wie bis heute noch die
Atmosphärisch einer Bahnhofshalle

Krupp jedenfalls ärgerte sich ständig
Wie schön in seiner Villa und auch
Danach ließ er alles zigmal ändern
Es sollte theoretisch nüchtern sein

Tatsächlich entspricht es in vielem
Dem Stil der Zeit der wilheminisch
Geschmacklos einfach war aber ob 
Das an der Frau lag bleibt unklar

Der Schock des ersten Börsenkrach
Von 1873 prägte die Wirtschaft sehr
Nachhaltig und erst mit dem Boom 
Der 1890er ging es wieder aufwärts

Es war eine schlichte Umstellung
Der Wirtschaft die vielfältiger wie
Internationaler wurde dann blühte
Chemie Elektrotechnik Maschinenbau

Siemens ging bei der Elektrotechnik
Voran während Automobile noch in 
Einer quasi embryonalen Phase sind
Was zu niedlich für diese doch klingt

Carl Benz Gottlieb Daimler und
Nikolaus August Otto waren noch jung
Die Anfänge sind wenig dokumentiert
Konnten einander nicht ausstehen 

Es war die Zeit der großen Debatten
In der Gesellschaft nach der Krise 
Um die Judenfrage wie den großen
Kulturkampf mit den Katholiken

Das wichtigste Thema aber war die
Soziale Frage wie würde eine nun
Wachsende Gesellschaft ihre sicher
Drohenden Konflikte künftig lösen

Karl Marx der Prophet des Umsturz
Lebte 1873 in London er arbeitete im
Lesesaal des British Museum am
Nachwort der 2. Auflage des Kapital

Er freute sich wie ein Kind über die
Schlechten Nachrichten aus dem 
Deutschen Reich die Krise käme und
Würde schon die Dialektik einpauken

Die Unternehmen sahen es sehr wohl
Fanden die liberale Ordnung nun wo
Das Pendel umschlug als ungezügelt
Wild gar gemeingefährlich sogar

Besonders fürchteten sie dabei die
Revolution und gaben der Börse 
Allein die Schuld der freie Markt
Müsse nun beschnitten werden

Sie suchten die Nähe zum starken 
Staat der in die deutsche Wirtschaft 
Schützend eingriff vom Liberalismus
Hatten alle nun erstmal genug

Von den über 900 nach 1870 neu 
Gegründeten AGs überlebten nur
200 die Krise die Preise sanken
Mangels Nachfrage ganz dramatisch

Von 35.000 Beschäftigten im Berliner
Maschinenbau 1873 blieben dann
Vier Jahre später weniger als die
Hälfte übrig viele überlebten es nicht

Die Berliner Union Actien-Gesellschaft
Für Maschinenbau wird 1873 liquidiert
Gegründet hatte sie 1863 ein Emil 
Rathenau in der Chausseestraße

Rathenau hatte rechtzeitig verkauft 
Als das Unternehmen schließen muss
Ist er nur noch angestellter Direktor
Gerät dennoch in eine große Krise 

Um auf neue Ideen zu kommen
Besucht er Weltausstellungen und
Begeistert sich mit seinen 37 Jahren
Für immer neue Projekte dabei

Schließlich in einem hellen Moment
Wie Richter humorvoll schreibt erwirbt 
Er Thomas Alva Edisons Patent für 
Die Glühlampe für Deutschland

Krupp bittet schließlich den Kaiser
Um ein Darlehen von zehn Millionen
Talern um die Produktion der doch so
Wichtigen Kanonen aufrecht zu halten

Nach langen Verhandlungen wird ein
Kredit der Preußischen Staatsbank zu
Marktüblichen Konditionen daraus 
Krupp wird darüber schwermütig aber

Seine Firma überlebt damit die Krise 
Die Gasmotoren-Fabrik Deutz in Köln
Steigt in dieser Zeit auf hier arbeiten
Otto und Daimler noch zusammen 

Auch die BASF macht hohe Gewinne
Mitten in der Krise wird das Palais des
Gründers Friedrich Engelhorn fertig
In Mannheim gegenüber dem Schloss

Dort hat er die begehrte Adresse A1
In der Quadratestadt begonnen hat
Die Produktion noch auf dem alten 
Mannheimer Pesthügel inzwischen

Zog die Firma nach Ludwigshafen
Sie hatten dort 13 Hektar günstig
Bekommen am Ufer des Rheins der
Transportweg und Abfallgrube wurde 

Das Palais gab viel Grund zu reden 
Es überragte alle umliegenden Bauten 
Aus dem Barock und ist im Stil der
Italienischen Renaissance Paläste

Verziert mit berühmten Köpfen der
Gegenwart Bismarck Moltke Roon
Es soll sogar ein Geheimversteck
Geben als Schutz vor Revolutionen 

Die Gerüchte hielten sich ab 1913
Übernahm die Sparkasse das Palais
Was obwohl kaum beschädigt nach
Dem Krieg ganz abgerissen wurde

Heute hat dort das Landgericht
In einem Neubau seinen Sitz von
Geheimen Gängen dort ist nichts
Bisher bekannt geworden 

jens tuengerthal 22.10.26

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