Freitag, 23. Oktober 2026

Lektürentagebuch 22.10.26

Lektürentagebuch 22.10.26

Heute aus dem 18. Jahrhundert gleich
In zwei Büchern gelesen zunächst ein
Kapitel in Hermann und Ulrike von
Johann Karl Wezel über drei Briefe 

Die Hermann in einem prall gefüllten 
Umschlag erreichen von seinem alten
Lehrer der schreibt wie er sich freut
Dass Hermann so gute Aufnahme 

Bei seinem alten Studienfreund fand
Von Belanglosigkeiten aus der alten
Heimat plaudert und einen traurigen
Brief schon ankündigt der sich auch

Im Umschlag findet von der Mutter 
Hermanns die von ihrer Not erzählt
Nach der Kündigung des Vaters der
Sich nun etwas neues suchen muss

Über ihre finanzielle Not klagt wie 
Über die ungerechten Zustände die
Auch der Lehrer schon beklagte 
Mit einer eher Notiz des Vaters dazu 

Aber nichts von seiner Geliebten ist
Hermann völlig enttäuscht dann aber
Entdeckt er durch Schütteln des 
Umschlags noch einen ganz kleinen

Er erkennt Ulrikes Siegel und will
Den Brief ganz schnell nervös nun
Öffnen und zerreißt ihn durch das
Brechen des Siegels in drei Teile

Mühsam puzzelt er ihn zusammen
Die Baronin Ulrike lässt ihn darin
Herzlich grüßen er solle doch bitte 
Die Schulkameradin nicht vergessen 

In großen Gefühlen enttäuscht über
Diese leere Phrase will Hermann nun
Den Brief aus dem Fenster werfen
Fühlt eine ganze Welt untergehen

Als er schon das Fenster geöffnet hat
Spürt er plötzlich feine Löcher in dem 
Papier und erinnert sich ihrer einst
Geheimschrift und versucht alles

Die Worte aus den feinen Löchern
In den Teilen noch zu entziffern und
Erkennt plötzlich dass sie dort noch
Schrieb sie komme nach Leipzig

Völlig außer sich vor Freude beginnt
Heinrich im Zimmer zu tanzen und zu
Schreien was eine Nachbarin sieht
Die besorgt den Doktor benachrichtigt 

Hermann heißt Henrich Hermann wie
Aus den Briefen der Mutter ersichtlich
Was aber angesichts des Titels doch 
Überraschend komisch wieder ist

Auch ein Mieter unter ihrer Wohnung
Hört den Lärm und wendet sich nun
Empört an den Doktor dort wäre wohl
Jemand verrückt geworden bei ihm

Der besorgte Doktor läuft sogleich
In Heinrichs Zimmer und trifft diesen 
Völlig außer sich an auf dessen 
Nachfrage wirft Heinrich ihm die

Briefe und die Teile zu aber der
Hofrat kann daraus natürlich nichts
Erkennen und hält Hermann für
Verrückt geworden rät ihm darum

Sich auszuruhen und zu schlafen 
Aber lässt ihn wieder allein und in 
Hermann wechseln sogleich wieder
Vorfreude und Angst sich ab 

Er fürchtet sie wenn sie kommt
Nicht zu erkennen oder zu finden
Schwankt zwischen Vorfreude und
Angst dabei aufgeregt hin und her 

Wie es bei Verliebten häufig geht
Sind seine Gedanken eher wenig
Vernünftig aber in allem voller Gefühl
Zwischen Freude und Sorge dabei 

Als der Doktor ihn nochmal besucht
Findet er ihn völlig vernünftig wieder
Was dieser im Geist der Aufklärung
Hocherfreut gleich seiner Frau sagt

Zwischen wahnsinniger Enttäuschung 
Wie riesiger Euphorie von seinen 
Gefühlen hin und hergerissen ist
Hermann am Ende völlig erschöpft

Dem Wunsch des Doktors gemäß
Legt er sich hin und schläft gleich ein
Der Doktor postiert noch einen der
Diener als Wache im Zimmer

Mit viel Humor werden hier die ganz
Großen Gefühlen beschrieben die
Zwischen himmelhoch jauchzend und
Zutiefst betrübt ständig schwanken

Die Liebe die uns in Gedanken gern
Nah an den Wahnsinn bringt wird so
In ihren Varianten auch für Hermann
Zu einer ständigen Gratwanderung

Hier schlief ich dann gegen sieben
Einfach ein was nicht am Thema lag
Wen würde die Liebe schon ermüden
Als der Natur geschuldet einfach war

Kaum freut er sich auf sie beginnt
Die Sorge sie zu verpassen denn 
Wüsste sie wirklich wo er ist was
Wenn sie sich nicht erkennen

Zwar wieder normal gärt doch
Im Untergrund der Wahnsinn der
Liebe weiter in ihm mit Angst wie
Euphorie die alles plötzlich will 


Auch vom Wahnsinn der Liebe
Ergriffen ist die Korrespondenz
Von Goethe und Charlotte von Stein
In dem Doppelband Lotte meine Lotte

Der Anderen Bibliothek sehr schön
Herausgebracht wenn auch leider
Die Korrespondenz sich auf seine 
Briefe an sie noch beschränkt 

Was gäbe ich dafür die Stein zu lesen
Oder würde es nur enttäuschen ließ 
Es eine andere Deutung dieser Liebe 
Aus der Literaturgeschichte wohl zu

Was würde aus der These werden
Es sei nicht Lotte der er schrieb
Und das teils mehrmals täglich
Sondern Anna Amalia gewesen

Beide waren älter als Goethe noch
Die Fürstenmutter zehn Jahre und
Charlotte von Stein dero sieben 
Letztere war Hofdame der ersteren

Wir wissen es nicht genau weil die
Andere Seite dieser Korrespondenz
Die im Januar 1776 begann uns fehlt 
Aber auch was blieb ist herrlich noch

Es sieht wer danach schaut in den 
Briefen von 1776 bis 1786 wohl
Manche Spur die auf eine Tarnung
Der Liebe zu Anna Amalia hindeutet

Aber vieles dafür dürfte der Fürstin
Völlig fern gelegen haben aber damit
Mag sich die Wissenschaft weiter
Beschäftigen um sich zu widerlegen

Herrlich ist es als Leser den deutlich
Verliebten jungen Goethe zu lesen
Der seine Liebste anschwärmt ihr
Bekannte Verse vorab schickte 

Schreibt Goethe der Stein wirklich
Vom Spargel den er für sie sticht
Ihr frisch mitbringen will was auch
Zu Briefen im Mai gut passte oder

Ist dies ein deutlich sexuelles Spiel
Mit der geteilten Lust und will der 
Dichter nur mit seinem Spargel der
Geliebten wieder ganz nah sein

Was genießen die Liebenden dann
Wirklich gemeinsam hatte doch die
Liebe Lotte einen Ehemann und
Sieben Kinder zumindest geboren

Blühte die Dame in dieser Liebe zum 
Erstenmal mit dem Jüngling unter 
Stand richtig auf oder ließ sie nur zu
Was ihr zeitweise auch gut tat

Es ist der junge Goethe zu dieser Zeit
Schon ein bekannter Autor der den 
Werther wie den Götz herausbrachte
Also reichlich Skandale dabei auch

Der Herzog genau davon fasziniert
Hatte den wenig älteren Dichter auch
Darum aus Frankfurt nach Weimar
Mitgenommen dies zu erleben 

Seine Mutter hatte schon Wieland
Wie andere zu seiner Erziehung
Engagiert an ihrem später Musenhof
Auch um den Herzog geht es hier

Die kleinen Notizen zu dessen Schlaf
Legen wieder die Vermutung näher es
Sei getarnte Korrespondenz an die
Mutter des jungen Herzog aber das

Wird letztlich mit nur einer Seite der
Korrespondenz keiner beweisen doch 
Das spätere teils beleidigte Verhältnis
Nach Goethes Flucht nach Italien

Spricht deutlich für eine echte auch
Sexuelle Liebesgeschichte wofür auch 
Die Rückforderung ihrer Briefe spricht
Aber was war mit der später Witwe

Wie bis zum Tod der Stein die 1728
Nur wenige Jahre vor Goethe stirbt
Ein emotionales auf und ab auch
Nach dem Auftauchen von Christiane

Machte die liebe Lotte es der späteren
Frau von Goethe unnötig schwer auch
Erste Dame am Ohr der Herzogin und
Wie wild trieb Goethe es mit dieser

Ist manch lustvoller Gedanke der
Walpurgisnacht echtes Erlebnis
In Thüringer Wäldern mit dem jungen
Herzog wird von manchen gefragt

Möchte dies nicht entscheiden
Finde es gut auch manches noch
Offen zu lassen im Dichterleben 
Doch spannend bleiben die Spuren 

Auch darüber denke ich nach bei
Der Lektüre der einen Seite der
Verliebten Korrespondenz von
Goethe und der Stein schon hier

Schwärmt vor ihr von einer neuen
Schauspielerin die er aus Leipzig
An den Hof zu Weimar holte mit 
Der sie ihm die Ehe nahe legt 

War Corona Schröter wirklich ein
Schwarm von Goethe immerhin
Spielte sie die Iphigenie an seiner
Seite im Theater in Weimar

Oder will er ihre Eifersucht damit
Provozieren sie auch im sexuellen
Für das es keinen Nachweis gibt
Noch zusätzlich weiter erregen 

Immerhin war die Schröter rund
Zehn Jahre jünger als die Stein
Wer spielt mit was bei dieser
Wohl auch verliebten Provokation

Aber sagt zugleich es ginge nie 
Weil sie nicht ihr gliche spielt also
Provokativ mit den Grenzen des
In einer Liebe noch sagbaren

Oder waren sie da ganz locker
Weil Lotte ja verheiratet war es
Nach damaligem Recht auch 
Keine Chance auf Scheidung gab 

Es ist die Zeit der frühen Klassik
Wie des späten Rokoko auch eine
Sexuell wesentlich freizügigere was
Goethe mit Christiane auch auslebte

Die Tabuisierung des sexuellen was
Später immer mehr von ihm auch
Eingefordert wird oder war die Flucht
Nach Italien als gemeinsame gedacht

Spricht wiederum sehr für eine nur 
Getarnte Liaison mit der Herzogin
Der Mutter seines Freundes von
Dessen Gunst der Jurist Goethe lebte 

Wir wissen es nicht ganz sicher und
Haben nur die eine Seite dieser auch
Literarisch wichtigen Korrespondenz
In der manche Verse auftauchen

Wanderers Nachtlied etwa gerade
Frisch in einer Hütte gedichtet mal
Allein dann in Gegenwart des Herzog
Dessen Schlaf eher die Mutter kannte 

Wie auch immer diese Frage aus dem
Liebesleben des Geheimrats künftig
Beurteilt wird war es schön in diese
Geistig reiche Zeit tief einzutauchen 

Liebe dieses Weimar in einer Zeit
Als Thüringen noch nicht braun war
Wenn auch Goethe wohl kein Freund
Von Revolution und Demokratie ist

Die immer wieder Annäherung von
Lotte und Goethe bis zu ihrem Tod
Spricht für eine eigene Liebe egal
Welche nun wie ausgelebt wurde 

In Erinnerung bleiben uns die
Gedanken und Briefe dieser Liebe 
Nicht wer wann in wem wirklich war
Warum es hier dahinstehen kann 

jens tuengerthal 23.10.26

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