Donnerstag, 29. Oktober 2026

Lektürentagebuch 29.10.26

Lektürentagebuch 29.10.26

Aufregend ging es nun weiter bei 
Johann Karl Wezel in Hermann und
Ulrike wo der arme Hermann als er
Der Liebe abgeschworen bekehrt wird 

Der Apostel der Doktorin mit seiner
Schwarzen Perücke besuchte den 
Kranken Hermann täglich und bald
Wurde er zu den geheimen Treffen 

Die Essen mit der Doktorin waren
Dazu gebeten um ihm davon zu
Überzeugen dass sie nach Berlin
Gehen sollten in den Sündenpfuhl

Die dort Heiden die noch nicht
Wiedergeboren waren zu bekehren
Sie verabreden dann gemeinsam
Geheim in der Nacht aufzubrechen

Das gefällt Herrmann zwar nicht aber
Der Apostel überzeugt ihm der vor 
Seinen Gläubigern fliehen möchte
Was Hermann noch nicht ahnt

Vielmehr träumt er wie ihm der
Scharlatan vorgegaukelt hat alles
Vom großen Ruhm der sie als
Bekehrer von Berlin erlangen 

Sehr gut konstruiert Wezel hier wie 
Der Scharlatan den erst noch sehr
Kritisch denkenden Hermann einfängt 
Von ihrer Mission in Berlin überzeugt

Am Abend vor dem Aufbruch sind sie
In der dunklen dürftigen Stube des 
Apostels und Hermann gibt diesem
Von seinem Geld Essen zu kaufen

Dieser kauft Brot Rauchfleisch und
Branntwein und sie nehmen ihr Mahl
Auf dem Fußboden weil der Apostel
Die Stühle dabei im Ofen verfeuert

Vom Branntwein erwärmt hält der
Apostel große Reden von ihrem
Heldentum und ihrem Ruhm den sie
Als Bekehrer der Berliner gewinnen

Zwischendurch kommen noch Frauen
Vorbei die Bezahlung ihrer Dienste
Vom Apostel verlangen der sie mit
Großen Reden auf morgen vertröstet

Hermann schon betrunken vom
Branntwein bekommt das alles nur
Halb mit und denkt nicht weiter über
Die Worte der Frauen dabei nach

Sie ziehen dann in der Nacht los
Kehren in Gasthöfen ein die immer
Hermann natürlich bezahlt wie auch
Den reichlich Branntwein dazu 

Eines Morgens erwacht er im Stroh 
Viel zu spät und völlig verkatert der
Apostel hatte ihn zuvor abgefüllt er
Erinnert sich an nichts mehr

Auf dem Tisch ein Brief des Apostel
Der den Schwindel aufdeckt und sich
Verabschiedet er habe ihm gerade
Genug gelassen bis nach Berlin 

Dort soll Hermann wie von seinem
Lehrer vorgeschlagen die Lehre
Antreten und ehrlich sein Geld lieber
Verdienen statt an Apostel zu glauben

Völlig verzweifelt erkennt Herrmann 
Dass er betrogen wurde und erzählt
Dem Wirt was ihm passiert der ihm
Darauf eine Mitfahrt organisiert

Den Wirt immerhin hatte der Apostel
Dieser Scharlatan noch bezahlt und
Sein Bruder der Müller nimmt ihn mit
Bis zur Grenze von Brandenburg

Auch dort findet er wieder Quartier
Bei ganz armen Bauern denen er
Mit seinem letzten Geld hilft und
Ihm sogar die Saat noch bezahlt

Dieser Bauer ist so dankbar dass
Er den nun bettelarmen Hermann
Bis an die Mauer von Berlin bringt
Was zu Fuß noch etwas dauert

Eine wunderbare Geschichte über
Religiöse Scharlatane die großes
Heil im Jenseits versprechen dafür
Opfer zu Lebzeiten verlangen

Auf welche der Sekten oder auch
Religionen dies nicht genau passt
Sei hier dahingestellt es offenbart
Das heilige Getue als Scharlatanerie

Schon dies ist ganz im Geist der
Aufklärung und auch wenn Hermann 
Betrogen und ausgenommen wird ist
Die Lehre am Ende doch eine Gute

Es gibt auch ehrliche Arme die dir
Gerne und dankbar weiterhelfen
Großzügigkeit auch wenn sie völlig
Närrisch scheint zahlt sich aus 

Nun passend noch das Schlusswort
In Grete de Francescos wunderbaren
Band Die Macht des Charlatans auch
Aus der Anderen Bibliothek gelesen

Auf Fälschung sei die Macht des 
Charlatans gegründet schreibt dazu
Grete de Francesco er nimmt Wissen 
Wahrheit Wort ihre Echtheit

Die Macht des Charlatan wird wie
Der Aberglaube an dämonische
Menschen niemals aufhören solange
Es noch allzu leicht Gläubige gibt

Diese Gläubigen fliegen wie die
Taumelnden Falter in das Licht des
Magisch bestrahlten Wunders warum 
Greifbare Wunder produziert werden

Sie wollen Beweise des äußeren
Scheines um Sicherheit zu finden
Verteidigen den Scheinbeweis vor
Jeder kritischen Prüfung vehement 

Sie vertrauen bedingungslos dem der
Die Illusion weckt und lebendig hält
Der Taschenspieler ist ein Illusionist
Sie glauben und wollen nicht sehen

Sie erläutert das mit einer Abbildung
Zu Fama und Narrheit im Dienst der
Charlatane auf einem Kupferstich
Aus dem 18. Jahrhundert detailliert

Besonders leicht werden Kranke 
Wie oben der Liebeskranke Hermann
Zum Opfer der Charlatane und ihrer
Täuschungsmanöver weil verzweifelt

Genau wie der Mensch wird auch die
Menschheit in Zeiten der Schwachheit
Immer wieder Opfer von Charlatanen
Die Leiden der Zeit kurieren sollen

Der Aberglaube ist nie so stark wie in 
Zeiten von Krise und Krankheit wie
Covid uns wunderbar gerade zeigte
Es sind nur wenige davor je gefeit

Die Minderheit derer die gegen die
Verlockungen der Charlatane gefeit
Bleiben erreichen nichts wenn sie
Als Aufklärer belehren wollen

Vielmehr sollten sie meint dazu 
Grete de Francesco als Vorbild leben 
Nennt dafür abstruserweise aber die
Tiefgläubige Maria Theresia was

Wohl ein in Austria verbreiteter
Aberglaube ist den der Aufklärer 
Lieber lächelnd übersieht in dem
Sonst wunderbar klugen Buch

Immun gegen Charlatane waren jene
Die eigene geistige Welten besaßen
Ihnen kann er nichts anhaben diese 
Sind berufen zum Kampf gegen sie 

jens tuengerthal 29.10.26

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