Sonntag, 8. März 2026

Lektürentagebuch 8.3.26

Lektürentagebuch 8.3.26

Am Frauentag Mann zu lesen liegt
Zumindest nahe wenn dieser auf
Einen Sonntag fällt womit hier zwar
Thomas Mann Thema ist aber egal

Manchmal lese ich auch Frauen
In gut begründeten Ausnahmen
Sogar lieber aber prinzipiell lese ich
Sonntags am liebsten Mann

Ob dieser seiner nie ausgelebten
Neigung wegen auch weiblich war
Ist mir völlig egal weil er gut ist was
Bei der Betrachtung alleine zählt

Im heutigen 5. Kapitel Buddenbrooks
Ging es um die Frömmigkeit der alten
Konsulin nach dem Tod ihres Mannes
Wie die Folgen davon im Haus

Thomas ignorierte es höflich und
Christian beobachtete und machte 
Später im Club die Pfaffen nach nur 
Tony litt wirklich am frommen Geist 

Mit aller Vernunft wehrte sie sich
Gegen die klebrige Atmosphäre
Welche die Andachten am Morgen
Wie am Abend im Haus verbreiteten

Wagte einer der Pfaffen sie persönlich
Anzusprechen bekamen sie schnell
Die gebührende Quittung einer sehr
Schlagfertigen Tony Buddenbrook

Tränen-Trieschke wie ein Prediger 
Aus Berlin genannt wurde weil er
Bei seinen Andachten regelmäßig
In Tränen ausbrach wagte es noch

Tony einen doppeldeutig anzüglichen
Brief zu schicken obwohl er Zuhause
In Berlin Frau und viele Kinder hatte
Den Tony darauf ihrer Mutter vorlas

Fortan wurde Trieschke nicht mehr
Zum predigen in der Mengstraße
Geladen wo er vorher noch mit
Klothilde um die Wette gerne aß

Zusätzlich veranstaltete die Konsulin
Noch Sonntagsschule für Kinder die
Im Gartenzimmer stattfand und von
Kindern aller Klassen besucht wurden

Wie Jerusalem Abende bei denen
Gemeinsam zu erbaulichen Texten für
Einen Basar gehäkelt wurden dessen
Erlös der Mission in Jerusalem diente

Dort versammelte sich einige feine
Damen aus bester Familie aber auch
Einige einfachere Arme die Damen
Dort waren alle wie Mann treffend

Schreibt in dem Alter in dem sie sich
Schon um ihren Platz im Himmel wohl
Sorgten und darum war Tony dort
Auch eher fehl am Platze noch

Diese widerliche Frömmigkeit der
Wohlhabenden Witwen die sich
Gierige Prediger zunutze machen
Ist wunderbar humorvoll beschrieben

Auch der echte Zorn wie die teils
Verzweiflung von Tony ist grandios
Wie komisch beschrieben und lassen
Das System kritisch durchschauen

Tony war all dies zutiefst zuwider
Während Thomas weiter schwieg
Auch über die milden Gaben welche
Die Konsulin den Pfaffen stets gab 

Ebenso komisch geht es nun im 
Zauberberg weiter wo sich der
Relativ trunkene Mynheer Peeperkorn
Von Clawdia und Hans stützen lässt

Je zur rechten und zur linken der
Großen schweren Persönlichkeit
Mussten diese seinen Schwankungen 
Dabei hin und her gestoßen folgen

Er gönnte sich einen königlichen
Luxus damit sich stützen und
Führen zu lassen denn er hätte 
Mit etwas Mühe allein gehen können

Doch verschmähte er lieber noch die
Anstrengung die nur den Sinn hätte 
Haben können seinen Rausch den er
Genoss schamhaft zu verbergen

Doch schämte er sich dessen nicht
Sondern gefiel sich darin und machte
Sich so einen königlichen Spaß dabei
Seine dienenden Führer schwankend

Entsprechend äußert er sich wieder in
Brocken mit Kinder und Unsinn er 
Wäre natürlich nicht lächerlich sei es
Was Hans Castorp eifrig bestätigt

Er gäbe der klassischen Lebensgabe 
Nun das ihre ohne Zweifel indem er
Sich freimütig schwanken ließe was 
Mann mit wiederholtem ‘man’ sagte

Er habe ja auch seinen Teil aber trotz
Aller Betrunkenheit sei er sich doch 
Der Ehre bewusst eine Persönlichkeit
Ins Bett zu bringen so wenig

Vermöchte der Rausch über ihn der
Doch in Hinsicht von Format nicht
In Vergleich kommen könnte worauf
Pepperkorn Na du Schwätzerchen

Zu ihm sagt während er ihn noch
Frau Chauchat mit sich ziehend
Gegen das Treppengeländer stieß
Sie waren schwankende Gestalten 

Das Gerücht über das Nahen des 
Hofrats war ein leerer Schreckschuss
Vielleicht von der müden Zwergin
Um die Gesellschaft zu sprengen 

Als ihm dies deutlich wurde blieb
Peeperkorn stehen und wollte gleich
Umkehren um weiter zu trinken aber
Beide Seiten redeten ihm das aus

So ließ er sich wieder in Bewegung
Setzen was seine Masse verdeutlicht
Der malaiische Kammerdiener stand
Sie erwartend vor dem Apartment

Er wird als ein Männchen von Mann
Beschrieben mit weißer Krawatte und
Schwarzseidenen Schuhen an den 
Füßen und nahm den Gebieter dort

Mit asiatisch devoter Verneigung
In Empfang bei der er die Hand
Nach Maßgabe großer Diener 
Sich neigend vor die Brust legte

Küsst euch ordnete Peeperkorn an 
Für Hans und Clawdia wobei der
Erstere sich ausdrücklich weigerte
Während Clawdia still verschwand

Hans nennt Peeperkorn dabei noch
Majestät als er den Stirnkuss ablehnt
Das wäre reiner Unsinn und da nun
Clawdia weg war durfte Hans gehen

Einen Moment aber sah Pepperkorn
Ihm noch nach aus der ganzen Höhe
Seiner Persönlichkeit die eine solche
Unbotmäßigkeit nicht gewohnt war

Wieviel Ironie und feiner Humor
Steckt wieder in dieser Szene die 
Dennoch alle mit Anstand dabei
Noch ihren Weg gehen lässt

Mann spottet und ist ironisch
Er macht sich auch lustig dabei
Aber er macht keinen lächerlich
Tut es stets mit gewählten Worten


Herrlich ist der Dialog zwischen
Potiphar und Dûdu bei dem dieser
Versucht den Zwerg geschickt zu
Prüfen der den Wissenden spielt 

Die Todesdrohung gemeinsam mit
Dem Ehrverlust haben dabei den
Hausherren geweckt und für den
Intriganten Zwerg eingenommen

Herrlich beschreibt Mann wie der
Fette Potiphar zeitweise ganz unter
Seinem Handtuch verschwindet dem 
Dûdu die Weile dabei lang schon wird 

Gerade wenn der Zwerg meint den 
Hausherren überzeugt zu haben
Prüft dieser klug neue Zweifel noch
Wiegt den Zwerg dabei in Sicherheit

Bis plötzlich wieder eine Frage kommt
Die alles infrage stellen könnte wie die
Warum ein kleiner hässlicher Zwerg 
Diese geheimen Dinge wissen sollte

Potiphar zeigt sich dabei seiner Figur
Als fetter schwammig träger Typ
Ganz entgegengesetzt strategisch
Klug gewitzt und dazu schnell auch

Es ist eine Freude diesen Dialog
Zu lesen in dem der wesentlich
Klügere Hausherr den intriganten
Zwerg immer wieder kritisch prüft

Wie dünn ist doch verglichen die
Biblische Geschichte wie reich
Malt Mann sie dafür wieder aus
Das ganze mit feinem Humor


Dreimal Mann am Frauentag tat
Gut und war eine Freude dabei
Dies ist Humor den ich liebe der
Nicht mit Schenkelklopfen nur

Die eigenen Vorurteile pflegen
Wie ein schlichtes Publikum mit
Erwartbaren nur bestätigt sondern
Doppelte hintergründige Gedanken 

Dies zeigt was Literatur groß macht
Warum wir diese so unbedingt im
Kulturellen Kanon brauchen statt
Vieler Plattheiten heutiger Tage 

jens tuengerthal 8.3.26

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