Lektürentagebuch 5.3.26
Gestern Abend und heute morgen
Schon etwas Henry Miller auf dem
Klo gelesen wo er gut hin passt mit
Der Engel ist mein Wasserzeichen
Vor Wochen schon im kleinen Band
Immer mal eine Seite gelesen aber
Nie längere Sitzungen abgehalten
Mit der Scheißhauslektüre bisher
Munter erzählte er wie er mit dem
Rad die Seine entlang fuhr sich
Irgendwann entschloss noch etwas
Essen zu gehen was günstig war
All das schien mir noch nicht weiter
Berichtenswert war nur locker halt
Geplaudert im Ami Stil halt der gern
Besonders cool bei allem dazu tut
Doch dann kam der Moment der mich
Wie eine Wende an das Buch fesselte
Als er plötzlich erzählt wie er gerade
Durch Saint Cloud radelte als er
Plötzlich pissen musste wie so etwas
Eben gelegentlich vorkommt aber
Auch nicht weiter berichtenswert wäre
Wenn die Verbindung nicht doppelt
Wichtig für mich plötzlich wurde der
Wie Henry manchmal dringend muss
Was schon schlimmer war aber im
Alter nun gewiss zunehmen wird
Dank wochenlanger Bewusstlosigkeit
Nach einem schweren Unfall 1987
Was bald schon 40 Jahre her ist
Hatte ich mal einen Blasenkatheter
Dann musst du halt pissen egal
Ob du willst und das toll findest
Wie Henry mit seinem Engel als
Zeichen zum Wasserlassen
Der beschreibt sehr liebevoll wie er
Die öffentliche Bedürfnisanstalt zum
Pissen betrat vorher noch sein Rad
Am Gestell davor parkte und das
Alles am Fuß des Hügels auf dem
Saint Cloud bis zur Seine hinab liegt
Den ich gut kenne weil da oben die
Erste Verlobte von mir einst wohnte
Sie in dem kleinen Schloss dort
Das einen befreundeten Baron XY
Gehörte in dem während der
Deutschen Besatzung noch die
Gestapo ihr Hauptquartier hatte
Direkt nebenan wohnte Le Pen
Der mit seiner Tochter gerne im
Garten spazieren ging aber vom
Fenster meiner Prinzessin aus
Schauten wir zum Eifelturm wie
Auf Montmartre im Hintergrund
War alles sehr romantisch noch
An diese bildschöne Prinzessin
Aus bestem Hause die dort bei
Einem Freund noch lebte dachte ich
Als Henry vom pissen dort schrieb
Auch er wurde dabei beobachtet
Von einer schönen Dame oben
Am Fenster wobei leider unklar
Noch blieb wieviel sie dabei sah
Konnte sie jenen sagenhaften
Johnny Thursday vom dem Henry
Auch in seinem Opus Pistorum
So lustvoll schwärmte sehen
Das bleibt an dieser Stelle noch
Offen auch war Henry Miller erst
In den Dreißigern länger in Paris
Als Franz Hessel in Berlin lebte
Auch in Berlin hatten wir noch einige
Dieser wunderschön dunkelgrün
Gestrichenen Bedürfnisanstalten
Bis die überall Kuben auftauchten
Diese mögen insbesondere für die
Damen und alle sonst ohne Schwanz
Technische Vorteile wohl haben doch
Ästhetisch fallen sie deutlich ab
Als wäre beim pissen um es mit Henry
Im Wortlaut zu sagen weniger mal
Nicht mehr denke ich und muss
Schon wieder darüber lachen
Ist es schon sinnlich beim pissen
Von einer schönen Frau beobachtet
Zu werden fragt nur wer es nicht gut
Kennt denke ich heimlich lächelnd
Zu sinnlich aber sollte sie nicht sein
Weil sonst die Erregung statt der doch
Nötigen Entspannung die erst alles
Fließen lässt eintritt und so störte
Ein weites Feld vermutlich hätte
Fontane dazu gesagt aber nicht
Der alte Baron zu Effi darüber wurde
Damals eher noch nicht geredet
Henry stand dabei aufrecht und
Hockte sich nicht wie eine Frau
Zum pissen verschämt hin sondern
Blickte ihr lieber ins Gesicht
Das alles bei Saint Cloud wo ich einst
Aber lassen wir das Henry ist noch
Am Fuß des Hügels am Ufer der
Seine wir aber lebten ganz oben
Das ist nun lange Geschichte lebe
Wieder auf dem Berg nur in Berlin
Inzwischen über ein Vierteljahrhundert
Was eigene Geschichten schrieb
Aber Henry Miller ist nicht schlecht
Ami halt und tut gerne cool auch
Wenn das meist peinlich endet nur
Gut darüber gesprochen zu haben
Vom pissen an der Seine wie den
Sonst Geschichten von dort wo
Sie gerne von Liebe und Lust reden
Aber am Ende auch alle müssen
Im zweiten Kapitel des Buches von
Michel Bergmann über die beiden
Brüder Moritz und Alfred Kleefeld
Mit dem Titel Herr Klee und Herr Feld
Erfahren wir mehr über das sonst
Soziale Leben der Brüder wie der
Hausarzt von Moritz der nun auch
Der von Alfred war dafür sorgte
Dieser war ein gemeinsamer Freund
Noch aus Kindertagen der von vielen
Der Freunde und Bekannten aus der
Jüdischen Gemeinde mehr wusste
Wohin sie heirateten und womit sie
Ihr gutes Geld verdienten organisierte
Sogar ein Treffen mit allen Bekannten
Die überhaupt noch erreichbar waren
Alfred hatte gehofft als Schauspieler
Im Mittelpunkt des Interesses dabei
Zu stehen was eine Täuschung war
Vielmehr hatten sie nur gefragt was
Er in seinen Filmen verdiente und
Als er deutlich übertrieben schon log
Nur gemeint so wenig nur dann
Verkaufe er sich wohl zu schlecht
Alfred beschloss dies sei das letzte
Solcher Treffen gewesen dafür gab
Es eine Witwe in der Nachbarschaft
Die Mitte der fünfziger wohl war
Sie sorgte für viel Charity in der
Gemeinde und war sehr um Moritz
Bemüht angeblich wäre sie ja die
Beste Freundin seiner Frau gewesen
Einmal lud sie beide Brüder ein
Sie hatte eine Cousine auf Tel Aviv
Zu Besuch die mit Alfred flirtete sie
Betrieb eine Pension im Westend
Nach diesem Abend bietet sie an
Die Brüder heimzufahren weil es
Etwas regnet was diese erfrischend
Nennen aber Moritz erkältet sich
Nettes Geplauder aus dem Leben
Zweier älterer Herren die eng mit
Der jüdischen Gemeinde in Frankfurt
Noch verbunden waren ist es
Diesmal mit deutlich weniger Tempo
Auch die Ballung der Ereignisse
Nahm etwas ab aber es blieb noch
Ironisch und jüdisch humorvoll
Eine Mischung aus Frankfurter Kishon
Mit Anklängen von Amos Oz wobei
Manch gut gedachtes auch von der
Nächsten Pointe erschlagen wird
Das bringt sicher Lacher hat aber
Literarisch was von Schenkenklopfer
Wie das filmische Oeuvre des Autors
Bergmann der auch für Otto schrieb
Dennoch bleibt es ein liebevoller Blick
Auf zwei Brüder und ihr Alter was mit
Viel Humor schön zu lesen ist noch
Warte ich auf die Palästinenserin
In Gesprungene Liebe noch ein wenig
Vom Bericht von Ulrich Hessel aus
Seiner Kindheit wie Manfred Flügge
Sie sich vorstellt gelesen was nett war
Es tauchte der Pierre genannte Henri
Roché auf wie der Archäologe Herbert
Also die Protagonisten und Geliebten
Von Helen wobei er Henri direkt lobt
Finde es immer etwas bemüht wenn
Erwachsene Kindergeschichten wie
Deren Erleben beschreiben aber sie
Ergänzen die bekannten Geschichten
Ob das nun zeigt dass es wirklich so
War oder die Erinnerung einfach nur
Voneinander abschrieb um ihr Leben
Mit dem Roman zu synchronisieren
Bleibt dabei so unklar wie manche
Geschichten um Hessels ihre Kinder
Wie die Geliebten von Helen doch
Das Netz webt sich immer enger
Beschrieben wird Kindheit in Bayern
Kindliches Erleben des Hauses was
Relativ gelungen mir erscheint wie
Der Blick auf die Erwachsenenwelt
Die Erfahrung von Angst und Strafe
Aber auch die Umkehrung wenn die
Erwachsenen einen plötzlich ernst
Nehmen und sogar noch verteidigen
Dies tat Helen gegenüber Ulrich vor
Der bayerischen Lehrerin die ihn zu
Unrecht bestraft hatte aus seiner wie
Aus ihrer Sicht wohl auch noch
Damit erhält eine Geschichte große
Bedeutung die Erwachsenen wohl
Schon längst wieder vergaßen aber
Helen nahm ihre Kinder ernst
Interessant auch die Geschichte
Über Kadi also Stéphane Hessel
Den Helen verprügelte als er den
Plattenspieler beschädigte und
Das war wohl der Grund ihres
Zorns darüber log so dass Helen
Robert beschuldigte der beleidigt
Darauf weggefahren wäre
Helens hoher Sinn für Gerechtigkeit
Die sogar den jüngsten Sohn den
Späteren Diplomaten und Kämpfer
Der Résistance verprügeln ließ
Ihr impulsiver Charakter gemischt
Mit einem preußischen Sinn für
Gerechtigkeit waren gewiss eine
Immer wieder explosive Mischung
jens tuengerthal 5.3.26
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