Freitag, 8. Januar 2016

Kulturgeschichten 096

Kultureigentum

Wir debattieren über den Islam hier
Wie das Benehmen der Gläubigen
Hier wie dort manche wollen den nur
Aberglauben hier nicht haben

Oft sind es diejenigen die ihn selbst
Am wenigsten kennen aber meinen
Sich in ihrem Land als Herren dafür
Aufspielen zu dürfen als sei es ihrs

Ob und warum Land wem gehört
Mit welchem Recht einer einen Zaun
Ziehen darf um zu sagen dies ist meins
Ist schon seit biblischen Zeiten strittig

Auch wenn lange bevor dies alte Buch
Des Aberglaubens entstand bereits die
Ersten Siedler ihre Felder umzäunten
Trugen Kain und Abel es sinnbildlich aus

Wem gehört ein Land und warum könnte
Aus guten Gründen gefragt werden doch
Noch weiter geht es wenn der Besitz am
Land sich auf die Menschen ausdehnt

Griechenland begrenzte seine Schulden
Mit dem Verkauf von Inseln an Reiche
Die den Griechen helfen und Banken
Damit finanzieren halfen zur Rettung

Was uns heute ökonomisch sinnvoll scheint
Ist vom Wesen her eigentlich fragwürdig
Doch fraglich bleibt wie wir sonst damit
Umgehen mit ökonomischer Freiheit

Die Krimkrise hätte ökonomisch leichter
Gelöst werden können hätte Russland
Seine Forderungen einfach verrechnet
Statt unsauber zu besetzen in Unruhe

Gleichzeitig befeuern die USA dafür
Manche Krise aus rein ökonomischem
Interesse was zeigt wie gegensätzlich
Dasselbe Ding moralisch wirken kann

Zu handeln liegt in unserer Natur schon
Seit Urzeiten wer etwas will was ein
Anderer hat muss etwas dafür geben
Außer ein anderer sagt es ist deins

Nach heutiger Sicht kann das nur sagen
Wem etwas gehört was wir für Menschen
Logisch ablehenen weil keiner dem andern
Gehört außer dieser hat zufällig kein Geld

Auch dann lehnen wir das Eigentum ab
Da jeder Mensch frei sei und Würde habe
Niemand einem anderen gehören dürfe je
Auch wenn andere bestimmen was er tut

Wir verstehen diesen Begriff von Freiheit
Als Ausdruck der Menschenwürde heute
Die wir als Kulturgut des gern christlich
Genannten Abendlandes hochhalten

Dabei sind gerade die christlichen Wurzeln
Es gewesen die uns zu Sklavenhaltern
Wie Kolonialherren mit angemaßtem
Besitzanspruch machten vor 500 Jahren

Am 8. Januar 1455 erließ Papst Nikolaus V.
Die Bulle Romanus Pontifex mit der er dem
König Alfons V. sowie dessen Onkel Heinrich
Dem Seefahrer das Monopol für Afrika gab

Die beiden und ihre Nachkommen hatten das
Alleinige Schifffahrtsrecht das Handelsmonopol
Wie das Recht alle Ungläubigen in Afrika in die
Sklaverei auf ewig zu führen in Namen des Herren

Nikolaus V. der eigentlich Tommaso Parentucelli
Hieß war bürgerlicher Abstammung als Sohn
Eines Arztes und gilt als der erste Humanist
Auf dem Stuhle Petri aus Ligurien stammend

In seine Zeit fällt die Überwindung des Schismas
Wie zugleich die Eroberung Konstantinopels
Durch die Osmanen 1453 also die Notwendigkeit
Künftigen Zusammenhaltes der Christenheit

In seinem heligen Jahr 1450 führte er den
Bis heute üblichen apostolischen Segen auf
Dem Petersplatz ein und wirkte als Gründer
Der neuen vatikanischen Bibliothek

Im Zusammenhang mit dem Fall Konstantinopels
Ist auch der Aufruf der Bulle zur Versklavung wie
Unterwerfung der Heiden und Sarazenen zu sehen
Die auf ewig in Besitz genommen werden sollten

Der christliche Orden des Seefahrers Heinrich
Galt dem Papst als zuverlässig die Aussicht dort
Kirchen zu gründen war verlockend genug auch
Ein ungerechtfertigtes Monopol zu vergeben

Ansonsten war der Humanist Nikolaus ein sehr
Kluger Kopf dessen allein 1200 in rotem Samt
gebundenen Bände den Grundstock der heute
Riesigen vatikanischen Bibliothek bildeten

Der Fall Konstantinopels schockierte ihn zwar
Doch schickte er als Antwort nur Bücherjäger
Nach Griechenland die aus verfallenden Klöstern
Kostbare alte griechische Texte retteten

Er beschäftigte neben Poggio Bracciolini dem
Vorher Wiederentdecker des Lukrez auch den
Humanisten Lorenzo Valla der die Konstantinische
Schenkung als Fälschung offenbarte 1444

Er förderte den Maler Fra Angelico wie den
Architekten Leon Battista Alberti der die
Grandiose Architektur der Leostadt prägte
War der erste große Renaissancepapst

Einer der zugleich Menschen verkaufte
Ungläubige in ewige Sklaverei schickte
Afrika als ganzes verschenkte war der
Vorreiter des Humanismus in Rom

So zeigt sich dass sich auch was unser
Ach so christliches Abendland betrifft
Jedes vorschnelle Urteil verbietet um
Zu einem gerechten Schluss zu kommen

Wohl abgewogen zeigt sich ein besseres
Bild des Papstes Nikolaus V. der Afrika
Als Monopol an Portugal verschenkte
Wie den Sklavenhandel von dort legitimierte

Einer der mit dafür sorgte dass viele Texte
Der Antike nicht im Orkus des Vergessens
Orthodoxer Klöster in Griechenland einst
Vergammelten sondern sie für uns rettete

Das Menschenbild seiner Zeit war noch
Ein anderes und so unmenschlich es uns
Heute scheint Menschen zu versklaven
So normal war es für ihn noch verglichen

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Waren auch Bauern in Deutschland meist
Noch unfrei und ihrem Leibherren unterworfen
Lebten Zeit ihres Lebens als sein Besitz

Dies geschah vor nicht einmal 600 Jahren
War legitimes Recht der christlichen Kirche
Während der 650 Jahre jüngere Islam noch
Nach seinem Weg zur Freiheit teils sucht

Es soll nichts entschuldigt werden was
In Köln oder Syrien geschah auch nicht
Im Lichte der Toten dort relativiert werden
Aber es könnte den Horizont erweitern

Jeder Aberglaube stellt eine Gefahr für
Freiheit und Toleranz dar wie wir sie nun
Nach der Aufklärung wieder verstehen
Geprägt vom Geist der Renaissance

Das individualistische Menschenbild
Das den Menschenrechten zugrunde
Liegt verdanken wir der Renaissance
Es dauerte lange bis es herrschte

Noch immer töten wir beliebig etwa mit
Drohnen in anderen Kulturen Menschen
Die für uns nicht lebenswert scheinen
Nennen es gerechten Krieg gegen Terror

Was in Deutschland geschah ist schlimm
Es werden die Retter angegriffen von denen
Die Zuflucht suchten hier vor dem Krieg
Der ihre Heimat zur Wildnis machte

Menschen die nur noch überleben mussten
Im Chaos zerstörter Zivilisation in Syrien
Haben sich den Bedingungen dort angepasst
Keiner weiß wie lange der Weg zurück dauert

Siebzig Jahre ist es her da hausten Soldaten
In Europa genauso wie sie es noch in Syrien
Tun und im Krieg ist Leben oder Würde der
Frauen nichts mehr wert was half uns damals

Wie fanden wir zurück zur Zivilisation die dort
Wo diese Menschen herkommen älter ist als
Hier je eine war einer Region in der die Wurzeln
Unserer Kultur liegen die nun Wildnis wurde

Wer Werte und Kultur vermitteln will um
Der Freiheit ihren Wert zu geben damit
Menschen ohne Angst miteinander leben
Muss mehr Vernunft als Angst verbreiten

Wo sich Politiker in Drohungen überbieten
Von denen alle wissen sie laufen im
Rechtsstaat notwendig leer weil sie keine
Basis haben verspielen sie nur Vertrauen

Es wird ein Polizeipräsident entlassen
Ein Gabriel fordert klare Konsequenzen
Ohne über ihre Durchsetzung nachzudenken
Noch reagiert der Staat eher verwirrt

Die Antwort ist einfach und bekannt
Vermitteln wir konsequent unsere Werte
Das wichtigste was nun zu tun ist wird
Eine gute Integration sein für alle

Erst der dritte Blick erlaubt ein Urteil
Warum die Schnellurteile erwartbar
Zur Unzufriedenheit führen werden
Lassen wir uns Zeit mit der Integration

Ebenso gefährlich wie die Täter sind nun
Die Schwarzmaler die versuchen daraus
Profit für ihre Ideologie zu schlagen die
Fern aller Toleranz nur Hass sät

Es braucht Schutz und Freiheit für Frauen
Auch wenn sie nackt durch die Stadt laufen
Hat kein Mann sie sexuell zu bedrängen
Wer es dennoch tut wird zum Täter

Sich gegen Täter wehren wie vor deren
Angriffen schützen ist nur konsequent
Der Staat hat für Sicherheit zu sorgen
Tut er es nicht werden es die Bürger tun

Dies ist unser Land weil es sich jemand
Nahm wir zufällig in seinen Grenzen noch
Geboren wurden als es darauf ankam wo
Wie es wird hier zu leben bestimmen wir mit

Es wird darauf ankommen Werte zu vermitteln
Vertrauen zu schaffen und Frieden zu leben
Statt mit stupider Autorität zu reagieren um
Frieden ohne Waffen zu schaffen

Wer nun bloß droht absehbar folgenlos
Verspielt den Wert jeder Drohung darum
Sollten wir in Ruhe über Konsequenzen
Nachdenken statt schnell zu schießen
jens tuengerthal 8.1.16
 


 

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