Donnerstag, 25. Juni 2026

Bachmann 100

Bachmann 100

Dichterinnen gedenken ohne
Ihre Worte zu nennen ist müßig
Ihnen mit diesen ein kleines
Denkmal setzen ist mehr
Als Daten und Zahlen
Schweige darum um
Sich vor ihr um so
Tiefer zu verneigen 
Ingeborg Bachmann
Zum 100. Geburtstag

jt 25.6.26

HEIMWEG

Nacht aus Schlüsselblumen
und verwunschnem Klee,
feuchte mir die Füße,
daß ich leichter geh.

Der Vampir im Rücken
übt den Kinderschritt,
und ich hör ihn atmen,
wenn er kreuzweis tritt.

Folgt er mir schon lange?
Hab ich wen gekränkt?
Was mich retten könnte,
ist noch nicht verschenkt.

Wo die Halme zelten
um den Felsenspund,
bricht es aus der Quelle
altem, klarem Mund:

„Um nicht zu verderben,
bleib nicht länger aus,
hör das Schüsselklirren,
komm ins Wiesenhaus!

Reinen Fleischs wird sterben,
wer es nicht mehr liebt,
über Rausch und Trauer
nur mehr Nachricht gibt.“

Mit der Kraft des Übels,
das mich niederschlug,
weitet seine Schwinge
der Vampir im Flug,

hebt die tausend Köpfe,
Freund- und Feindgesicht,
vom Saturn beschattet,
der den Ring zerbricht.

Ist das Mal gerissen
in die Nackenhaut,
öffnen sich die Türen
grün und ohne Laut.

Und die Wiesenschwelle
glänzt von meinem Blut.
Deck mir, Nacht, die Augen
mit dem Narrenhut.


Die gestundete Zeit

Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.

Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.

Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!

Es kommen härtere Tage.


Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn ...
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.


Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt.
Das Unerhörte ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. 
Der Schwache ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.


Reklame

Wohin aber gehen wir
ohne sorge sei ohne sorge
wenn es dunkel und wenn es kalt wird
sei ohne sorge
aber
mit musik
was sollen wir tun
heiter und mit musik
und denken
heiter
angesichts eines Endes
mit musik
und wohin tragen wir
am besten
unsre Fragen und den Schauer aller Jahre
in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge
was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt

1956


Anrufung des großen Bären

Großer Bär, komm herab zottige Nacht,
Wolkenpelztier mit den alten Augen,
Sternenaugen,
durch das Dickicht brechen schimmernd
deine Pfoten mit den Krallen,
Sternenkrallen,
wachsam halten wir die Herden,
doch gebannt von dir, und mißtrauen
deinen müden Flanken und den scharfen
halbentblößten Zähnen,
alter Bär.

Ein Zapfen: eure Welt.
Ihr: die Schuppen dran.
Ich treib sie roll sie
von den Tannen im Anfang
zu den Tannen am Ende,
schnaub sie an, prüf sie im Maul
und pack zu mit den Tatzen.

Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht!
Zahlt in den Klingelbeutel und gebt
dem blinden Mann ein gutes Wort,
daß er den Bären an der Leine hält.
Und würzt die Lämmer gut.

s' könnt sein, daß dieser Bär
sich losreißt, nicht mehr droht
und alle Zapfen jagt, die von den Tannen
gefallen sind, den großen, geflügelten,
die aus dem Paradiese stürzten.


Ich bin ein Strom,
mit Wellen, die Ufer suchen.
[…]
Ich bin satt von der Zeit
und hungere nach ihr.
[…]
Tief im Grund verlang ich immer
alles restlos zu erzählen,
in Akkorden auszuwählen,
was an Klängen mich umspielt.
[…]
Ich weiß die Welt näher und still.


Die Axt der Nacht fällt in das morsche Licht.


Ich bin mit Gott und seiner Welt zerfallen,
Und habe selbst im Knien nie gefühlt,
dass es den Demutfrieden gibt,
den alle anderen sich so leicht erdienen.


In die Muscheln blasend,
Gleiten die Ungeheuer des Meers
Auf die Rücken der Wellen,
Sie reiten und schlagen mit
Blanken Säbeln die Tage in Stück
Eine rote Spur bleibt im Wasser,
Da legt sich der Schlaf hin,
Auf den Rest deiner Stunden,
Und dir schwinden die Sinne.


Wo Deutschlands Himmel die Erde schwärzt,
Sucht ein enthaupteter Engel ein Grab für den Hass
Und reicht dir die Schüssel des Herzens.


In der Dämonen Gelächter gebrannt,
bodenlos, sind die Schalen
dieses glücklosen Lebens,
das bis zum Rand uns bedenkt.


So stoß ich zu dir und bringe die Schatten zum Klingen.


Vielleicht kann ich mich einmal erkennen,
eine Taube einen rollenden Stein…
Ein Wort nur fehlt! Wie soll ich mich nennen,
ohne in anderer Sprache zu sein.


Nachtbeginn

Nachtbeginn

Fragte mich weil noch so früh
Gerade erst gegen zwei Uhr
Wann die Nacht eigentlich beginnt
Merkte es gibt im Deutschen dazu 
Verschiedene Ausgangspunkte
Astronomisch mit Sonnenuntergang 
Nach Alltagssprache und Recht
Geht die Nacht von 22 Uhr bis 6 Uhr
Nutze es nie vor Mitternacht weil
Alles andere noch Abend ist
Obwohl es sprachlich wohl 
Die Mitte der Nacht meint
Mit Kindern sagen wir noch früher
Gute Nacht auch wenn dann erst
Der schöne Abend beginnt weil
Bis dahin mit Kinderkram noch
Vollauf beschäftigt gewesen
Doch die Nacht zum Tag machen
Heißt Licht ins Dunkel bringen
Was nicht immer elektrisch aber
Meist eine Erleuchtung noch ist 
Zumindest für unsere dunklen Ecken
Über die wir lieber schwiegen
Käme nicht alles ans Licht
Auch ungefragt manchmal
Scheint hell oder dunkel für 
Viele noch ein Maßstab zu sein
Der mir in Berlin ländlich scheint
Weil die Stadt nie schläft 
Auch wann und ob sie mit
Sonnenaufgang endet ist
Zumindest im Herbst und Winter 
Umstritten wenn länger dunkel
Für mich immer erst wenn
Ausgeschlafen auch wenn
Nicht immer ausgeschlafen
Sondern nur aufgeweckt
Ohne es dann schon zu sein
Merke ich wie sprachlich komplex
Tag und Nacht doch sind

jens tuengerthal 25.6.26

Lektürentagebuch 24.6.26

Lektürentagebuch 24.6.26

Wolfram von Eschenbach jene Frau
Und ein Festmahl auf der Wartburg
Betitelt Erwin Seitz in seinem Buch
Die Verfeinerung der Deutschen 

Das Kapitel in dem er über den Autor
Des Parzival sehr gut recherchiert
Schreibt und eine Biographie mit
Literarischen Elementen konstruiert

Wenig ist bisher über den realen
Wolfram von Eschenbach bekannt viel
Aus seinen Schriften selbst und teils
Von anderen daraus macht er was

Eschenbach ist eine spannende wie 
Vielschichtige Gestalt die erstmals
Dialektische Prinzipien auch beim
Schreiben trotz Risiken benutzte

Viel spricht dafür dass er aus einem
Geschlecht aus Obereschenbach kam
Was heute Wolfram-Eschenbach zu
Ehren des Dichters des Parzival heißt

Er behauptet von sich er könne nicht
Lesen und Schreiben im Parzival was
Aber wohl nur ohne Studium heißt
Sich von Schriftgelehrten abgrenzt

Deutlich lassen sich aus seinem Werk
Wie sonstigen Versen seine genaue
Kenntnis der aktuellen Literatur auch
Nachweisen wie der Philosophie dazu

Er erzählt zwar eine französische
Geschichte wieder aber eben auf 
Ganz eigene und neue Art wie er
Selbst als Autor im Werk betont

So haben wir im 12./13. Jahrhundert
Erstmals einen Autor der hier den
Diskurs mit den Lesern im Roman
Noch sucht auf Ebenen erzählt

Seine ersten Förderer waren wohl
Die Grafen von Wertheim später
Wurde es Hermann von Thüringen
Bei dem er auf der Wartburg lebte

Der 1170 geborene Eschenbach
Lebte bis 1225 war damit auch
In einer Zeit des Übergangs in der
Staufer und Welfen um Herrschaft

Rangen später bei Philipp auch den
Gegenkönig zu diesem Staufer
Noch stellten bis zur Zeit von 
Friedrich II dem stupor mundi 

Oder das Staunen der Welt noch
Genannten großen Staufer der
Womöglich Eschenbach noch in
Nürnberg auf der Burg auch traf 

Während im Parzival noch die
Geschichte der ritterlichen Ideale
Auf der Suche nach dem heiligen 
Gral überwiegen ändert sich dies

Im späteren Werk Eschenbachs
Auch sind seine Tag-Gedichte in 
Denen er konkrete erotische 
Situationen schon beschreibt viel

Weitergehend als die sonst keusche
Hohe Minne seiner Zeit was ihm
Wohl auch Ärger mit einer Dame
Die er im Parzival erwähnt brachte

Damit auch ohne Namen bloßstellt
Weil sie sich ihm verweigerte als
Er mehr als nur hehre Minne will 
Die sie ihm aber verweigert hat

Vieles ist unbekannt über die genauen
Hintergründe dabei aber wie Seitz hier
Herleitet welche Wertheimer Gräfin 
Gemeint sein könnte ist sehr gut

Nicht weil interessant wäre wer mit
Wem wann im Bett war in Franken
Sondern weil es den Autor damit im
Menschlichen Kontext klarer zeigt

Einer der mit der Frau seines Gönners
Ins Bett will und das als diese sich
Weigert zu Literatur öffentlich macht
Ist schon mutig und riskiert viel

Bedenke ich wie heute noch unter 
Damen von Familie geredet wird
Sie dich unmöglich machen wenn
Es ihnen gefällt wird dies deutlich

Auch wie die Geschichte von Parzival
Der einfach aus dem Wald kam dort
Einen Ritter sah und beschloss einer 
Selbst zu werden erzählt wird passt

Dessen Lehrjahre sein Scheitern auf
Der Gralsburg wo er Amfortas Leiden 
Nicht würdigt und diesen nicht erlöst
Seine Wanderjahre bis zu seinem

Diskurs mit dem Einsiedler seine
Trotzige Abwendung von Gott wie 
Seine Rückkehr die ihn Gralskönig 
Werden lässt wird beschrieben

Das alles mit Bezügen zum Leben
Des wohl auch Genießers unter den
Poeten Eschenbach der genau die
Speisen der Tafel noch beschreibt

Dazu viel Wert auf Wissen und
Kultur auch legt was den Ritter 
Über die Abenteuer hinaus noch
Besonders als gut auszeichnet

Spannend wird auch beschrieben
Mit teils längeren Zitaten belegt wie 
Er auch die Grausamkeit der Christen
Gegenüber Muslimen deutlich rügt

Sein spätes Epos Willehalm wagt 
Dies nennt das Gemetzel grausam
Was zur Zeit von Karl Martell spielt
Dies könnte Friedrich II gefallen

Er lästert noch an zwei Stellen
Ausdrücklich über Nürnberg das
Auf Sand gebaut wäre und deren
Schmiede überschätzt würden

Diese galten zu dieser Zeit als
Die besten im Reich so war der
Dichter Eschenbach wohl immer
Ein Querdenker in seiner Zeit

Einerseits lobte er das höfische
Leben etwa in Thüringen wo wohl
Prächtig getafelt auch wurde aber
Andererseits kritisierte er auch dort 

Seitz gelingt in dieser Beschreibung
Des relativ unbekannten Eschenbach
Ein schönes Stück Kulturgeschichte
Die auch Kulinarisches nicht vergisst 

jens tuengerthal 24.6.26

Mittwoch, 24. Juni 2026

Sinnlichkeit

Sinnlichkeit

Geht es bei der Sinnlichkeit je
Um Sinn oder immer eher darum
Seine Triebe zu befriedigen 
Zumindest die Lust zu wecken

Was macht diese für mich aus
Warum ist alles wo Erotik groß 
Draufsteht eher das Gegenteil 
Von nahem lustvoll betrachtet

Ein wenig peinlich dazu wie 
Die entsprechenden Kataloge
Immer eher lächerlich schienen 
Statt wirklich erotisch dabei

Was eher noch Thomas Mann
In Szenen des Zauberberg die
Nur andeuten wenn gelingt 
Ist über Sex reden erotisch

Führt es zu Sinnlichkeit oder
Ist das eher medizinisch neutral
Überlege ich der wohl mit den 
Meisten auch schlief mit denen

Er über Sex redete früher zumindest
Im Alter relativiert sich ja alles
Zum Glück auch die Enttäuschung
Was alles erträglicher macht

Viel Sinn gibt die ewige Suche
Nach Sinnlichkeit dem Leben nicht
Aber dafür mehr Lust was nach
Epikur schon ein sinnvoller Gewinn

Dient also die Sinnlichkeit der Lust
Wie der möglichen Bindung oder
Ist sie ein Zweck an sich der eine
Form kultureller Verfeinerung ist

Überlege ich und denke sie kann
Alles auch als Statement der
Weiblichen Stärke und Freiheit 
Gelesen bleibt sie noch schön 

Was wem warum sinnlich scheint
Ist zu komplex für diese Verse
Unterscheidet sich individuell
Manche haben eine sinnliche Natur

Andere brauchen Hilfsmittel dazu
Zumindest ist das Bemühen darum
Eines mit erotischer Absicht was 
Eine natürliche Freude so ist

jens tuengerthal 24.6.26

Willenlos

Willenlos

Willenlos zu sein träumen sich 
Manche beim Sex um alles zu tun
Wer dies seltsame Angebot einmal
Wirklich erhielt merkt sogleich

Wie komisch diese Benutzung
Anderer in der Liebe ist die oft
Auf frühere Schäden hindeutet
Habe keine Ausnahme erlebt

Manche finden das gerade geil
Was mir fern liegt und eher krank
Erscheint aber alle suchen sich
Ihren Weg zur Therapie selbst

Menschen in der BDSM Szene
Sind nicht verrückter als andere
Aber darum ging es mir beim
Thema willenlos eher weniger

Denn willenlos kann auch jenseits
Des sexuellen spannend werden
In der Liebe oder Philosophie etwa 
Wo es jeweils sehr nützlich ist

Insofern Erwartungen nur dazu da
Sind enttäuscht zu werden öffnet
Willenlos zu sein der Liebe erst Wege 
Die jedes Wollen nur verstellte

Sich voller Liebe finden kann nur
Wer die Freiheit hat sich füreinander 
Frei zu entscheiden wie dabei noch
Bedingungslos gönnt was selten ist

Wagten wir endlich nur das noch
Liebe zu nennen bliebe vermutlich
Wenig übrig was exklusiv wäre wie
Die meisten nie im Leben lieben 

Sie führen nur konventionelle halt
Beziehungen die um Herrschaft
Wie Macht dabei noch kreisen schnell
Lieblos werden nur Gewohnheit halt 

Den Mut soweit zu denken haben
Nur wenige je was aber seltene
Fälle von Liebe nur um so viel
Kostbarer infolge auch machen 

Liebe ist eine Idee vom ideal 
Geteilten Glück das gut will
Statt Herrschaft auszuüben
Kategorisch nur gut will dabei

Was zum philosophischen Teil
Der Willenlosigkeit führt die erst 
Erstaunlich undenkbar fast scheint
Denn wohin soll kein Wille führen

Wer über den kategorischen Imperativ
Dabei nachdenkt wird die Handlung
Ohne Willen dazu für unmöglich stets
Halten was den jedermann verkennt

Um an jeden Ort für alle zu jeder Zeit
Gültig zu sein was unmöglich scheint
Braucht es umfassende Toleranz wie
Einen völlig grenzenlosen Horizont 

Kant strebte danach und lebte es
Ohne seinen Ort Königsberg das
Noch russisch besetzt ist jemals
Verlassen zu müssen zu erkennen

Wer diese große Toleranz hat die 
Das Begriffliche schon überschreitet 
Kann den kategorischen Maßstab
Für Beispiele erst zu Ende denken

Bleibt das Unmögliche damit nur ein
Näherungswert nach dem wir streben 
Oder konkreter Handlungsmaßstab 
Der absolute Geltung beansprucht

Immerhin lag der Geist dessen dem
Grundgesetz zu Grunde was es zur 
Verfassung der Bundesrepublik 
Gebracht hat schon was ist also

Wollen kann ich nie vollständig
Was Gesetz für jedermann immer
Sein könnte weil es meinen natürlich
Beschränkten Horizont übersteigt 

Aber es für richtig erkennen wie 
Danach streben liegt mir nah 
Ist das Beste was ich tun kann
Um weise wie tolerant zu werden

Dabei hilft es weiter willenlos zu sein
Statt noch etwas zu wollen das dem
Nie genügen könnte womit willenlos
Zu sein Anfang der Aufklärung ist

Mit beschränktem Horizont etwas
Zu wollen führt nirgendwo hin aber
Willenlos bleiben zu wollen befreit
Aus selbstverschuldeter Unmündigkeit 

Die strengste preußische Ordnung
In der Philosophie verteidigt so die
Reale Anarchie indem sie den immer
Gültigen Maßstab zum Paradox hebt

Am Ende ist willenlos zu sein die
Stärkste Mauer der Aufklärung weil 
Sie flexibel anderes zulässt und
So besser noch überleben kann

Jedermann was natürlich heute auch
Jede Frau sein kann egal ob sie nun
Von Venus oder Mars kommen ist der
Schlüssel zur geistigen Freiheit

Wenn du so nicht handeln kannst
Handele lieber nicht tu also nichts
Nichtstun aber ist willenlos ideal
Tut dem Planeten noch dazu besser

Wagen wir weniger könnte dies
Allen besser tun und die Lage dazu
Ganz ungeheuer beruhigen womit
Beides sich ineinander findet

Der Dichter dieser Verse ahnt wohl
Die Mehrheit der Leserinnen wird 
Ihn nach der Lektüre für wahnsinnig
Eher noch halten als verstehen

Wenn die Minderheit sich amüsiert
Aber ist genug erreicht um damit 
Zufrieden zu sein denn mehr als
Lachen tut bei wenig noch gut

jens tuengerthal 24.6.26

Nachtblau

Nachtblau

Zur blauen Stunde der noch
Nacht um Viertel vor vier die
Letzte Runde gedreht um den
Noch schlafenden Helmholtzplatz
Nur einzelne Stimmen waren 
Noch zu hören aber kühl weht
Der Hauch der Nacht mir um
Die nackten Beine und wie gut
Tut die Frische der Nacht nun
Noch Nina und Mo im Crossi
Beim Vorbeigehen einen schon 
Guten Morgen gewünscht
Sie wollte Kaffee und Croissants 
Am Platz zwitscherten schon
Die frühen Vögel mit letzten 
Nachteulen um die Wette
So begegnen sich hier
Tag und Nacht zur noch
Frühen blauen Stunde

jens tuengerthal 24.6.26

Nichtstun

Nichtstun

Die einzig angemessene Reaktion 
Auf die kommende Hitzewelle ist
Nichtstun und nirgendwo hingehen
Außer in den Schatten und sich 
Möglichst wenig bewegen dabei
Statt noch irgendwas zu wollen
Einfach mal Nichtstun um die
Dinge in dir geschehen zu lassen
Bis es am Abend kühler wird
Nichts muss und alles hat Zeit
Halten wir diese einfach an
Statt noch etwas zu wollen
Könnte das viele Leben retten
Schon ein Leben wäre es wert
Einfach mal innezuhalten und 
Nichts mehr tun zu wollen was
Allen auch gut täte die ständig
Meinen etwas tun zu müssen 
Es wird nun verflucht heiß
Nichts muss mehr aber alles
Kann ganz entspannt sein
Beschäftigen wir uns nur
Mit Nichtstun bis es wieder
Kühler wird wird es das
Auch schneller werden

jens tuengerthal 24.6.26

Hitzewarnung

Hitzewarnung

Es wird über 40° werden
Im Schatten bleiben und
Möglichst wenig Bewegung
Jede Tätigkeit sollte ruhen
Ist was nun geboten ist
Dennoch werden wieder
Tausende hier sterben 
Weil die Regierung ihre
Pflicht zu schützen vor
Gefahren wieder verletzt
Im Gegenteil ist gerade
Die Regierung Merz ein
Teil des Problems was 
Durch mehr Versiegelung 
Auto- und Flugverkehr der
Staatlich gefördert dabei
Noch verstärkt wird
Wo sind die Warnungen
Welche Aktionen auch
Vom Katastrophenschutz
Zur Entschleunigung
Gibt es hier in Deutschland
Muss ich nicht überlegen 
Weil einfach nichts passiert
Die Regierung Merz versagt 
Im Schutz der Bevölkerung
Natürlich werden nur Alte und Kranke 
Sterben und besonders gefährdet 
Die kosten ohnehin nur in
Fritz asozialem Wunderland
Lieber wird weiter versiegelt
Autoverkehr bezuschusst mit
Steuergeldern statt endlich 
Öffentlichen Nahverkehr
Günstiger zu machen ist
Diese Regierung der Gefahr
Offensichtlich nicht mehr
Gewachsen es braucht eine
Hitzewarnung die fehlt auch
Für eine untätige Regierung
Sparten wir uns besser denn 
Merz ist ein schlechter Scherz

jens tuengerthal 24.6.26

Lektürentagebuch 23.6.26

Lektürentagebuch 23.6.26

Unter dem Titel Magie der Pfalzen 
Schreibt Erwin Seitz in Verfeinerung
Der Deutschen über den berühmten
Kaiser Friedrich Barbarossa

Diesen Beinamen erhielt der dem 
Schwäbischen Geschlecht der Staufer 
Entstammende Friedrich in Italien
Seines roten Bartes wegen heißt es

Zumindest behauptet Seitz das real 
Kam der Spitzname wohl erst später
Im 13. Jahrhundert auf und auch die 
Herkunft des Geschlechts ist unklar

Möglicherweise kommen sie aus 
Dem Elsass bei Schlettstadt was 
Zumindest der Erwähnung auch
Wert gewesen wäre wie die noch

Heute berühmte elsässische Küche 
Die zur Verfeinerung sicher beitrug
Aber davon kommt bei Seitz nichts
Auch zur Wahl schweigt er leider

Inwiefern dabei sein auch bekannter
Vetter Heinrich der Löwe beteiligt war
Wäre schon wichtig zum Verständnis
Wenn der Konflikt später auftaucht

Heinrich hatte für die Wahl noch
Besondere Privilegien erhalten
Die den Welfen gegenüber den 
Anderen Reichsfürsten bevorzugten 

Vorgänger von Friedrich war übrigens
Mit Konrad III sein Onkel auch ein
Staufer die in Speyer Worms und 
Mainz besonders gut vernetzt waren

Friedrich schaffte es nach den von
Seitz zitierten Taten Friedrichs des
Bischof Otto von Freising die sein
Schüler Rahewin fortsetzte alle

Reichsangelegenheiten mit höchster 
Klugheit in Deutschland zu regeln
Was ihm mit diplomatischen Mitteln
Gelang den Streit im Land beizulegen

Eigentlich wäre es nun Zeit für eine
Hauptstadt im östlichen Frankenreich 
Das als Deutschland auch das 
Römische Reich nun bildete 

Doch trotz aller Verdienste für den
Frieden im Land rügt Seitz den 
Fehlenden Instinkt für eine neue
Hauptstadt bei Friedrich noch

Ob die Deutschen schon damals
Zu föderal dachten sich auf eine
Hauptstadt zu einigen oder es mehr
Konkurrenz verhinderte dahingestellt 

Friedrich wird als echter Ritter wie
Kämpfer dabei dargestellt was sich
Darin zeige dass er Kriege liebe
Die er nur im Land dafür beendete

Ob es klug ist sich primär auf die
Zeitgenössischen Quellen zu berufen 
Einen Kaiser zu beschreiben kann
Dabei durchaus fragwürdig scheinen

Etwas flach wird es aber wenn es
Die aktuelle Forschung die jeder
Leicht besser auf Wikipedia schon
Nachlesen kann komplett ignoriert

Sehr ausführlich erzählt Seitz von 
Den 14 Jahren die Friedrich in der
Lombardei zubrachte im Krieg der
Städte erst vermitteln will wie er es

Zuvor erfolgreich in Deutschland
Bereits getan hatte jedoch waren
Die Städte der Lombardei schon
Weiter entwickelt als Deutschland

Diese ließen sich nicht einfach vom
Kaiser sagen was Recht wäre so
Wuchs der Konflikt besonders mit
Mailand das er sogar belagerte

Nach dem Sieg erfolgte die dann
Erniedrigung der Oberen nach der
Manier der Ritter und mit Ehre 
Was aber keinen Frieden brachte

Beim nächsten Versuch zerstörte
Er Mailand völlig und wollte alle
Einwohner vertreiben was schon
Idiotisch von Anfang an war

Mailand war die reichste wie 
Zugleich kultivierteste und größte 
Stadt seines Reiches sie einfach
Zu zerstören schadete sich selbst

Am Ende behielten die Städte ihre 
Autonomie und Friedrich gewährte
Auch einigen Orten im Norden mehr 
Merkte dass Diplomatie mehr brachte

Den Kirchenbann den Friedrich wie 
Heinrich auch bekam erwähnt Seitz
Nahezu nicht warum auch unklar
Bleibt wieso er ihn gut überstand

Dies lag vor allem daran dass der
Kaiser im Reich besser vernetzt war
Sich auf Rückhalt stützen konnte 
Der Heinrich IV dagegen fehlte 

Darum musste Heini nach Canossa
Wurde damit sprichwörtlich während
Friedrich es im Reich aussitzen kann
Als kluger erfahrener Diplomat

Darin war er groß und erfolgreich
Er erreichte anhaltenden Frieden
Im Krieg wütete er nur und hat
Nichts kulturell weiterentwickelt

Auch der zweite Kreuzzug denn 
Friedrich war schon als junger
Ritter mit seinem Onkel ins 
Heilige Land gezogen wird

Von Seitz überhaupt nicht erwähnt
Obwohl Friedrich dort ertrank
Was die Kyffhäuser Sage vom Kaiser
Im Berg erst später begründete 

Warum Seitz all dies verschweigt 
Bleibt unklar wie sein kritischer Blick
Auf Friedrich wenig Argumente hat
Als seine eher irrelevante Meinung

Dafür berichtet er mit Begeisterung
Vom Hoftag zu Mainz 1184 der als
Prächtigstes der deutschen Feste galt 
Nach Berichten von Augenzeugen

Dieser Hoftag diente der Schwerleite
Seiner Söhne Heinrich und Friedrich
Ersterer wurde König im Reich der
Andere war Herzog von Schwaben

Mit Ritterturnier und Bankett wie 
Großzügigen Geschenken ging es
Tagelang auf einer Wiese am Rhein
Wo eine Zeltstadt noch entstand

Der Hof hatte dabei ein kleines
Schloss aus Holz sich aufgebaut
Doch am dritten Tag vernichtete
Ein schlimmes Unwetter alles 

Dieses forderte auch Todesopfer
Dennoch ist der Mainzer Hoftag
Als große Verfeinerung in Erinnerung
Die in die Geschichte einging

Bei diesem Kapitel gab es mal 
Wieder einiges zu nörgeln auch
Wenn gut geschrieben sind die 
Berichte teilweise so falsch

Vor allem ist es irreführend die
Ursachen des Konflikts mit dem
Welfen Heinrich dem Löwen nicht
Im Kontext auch zu erläutern

Zumindest wird die Entstehung von
Mehr städtischer Freiheit als Wurzel
Kultureller Verfeinerung dabei erwähnt
Ein vielleicht entscheidender Faktor

jens tuengerthal 23.6.26


Dienstag, 23. Juni 2026

Schrumpfwachstum

Schrumpfwachstum

Das einzige was wachsen darf
Ist künftig noch das weniger weil
Längst alles zuviel wurde hier
Braucht es mehr vom weniger
Weniger Menschen überall ist
Ein vernünftiger Anfang der
Damit beginnt Sex nur noch
Zum Vergnügen zu genießen
Statt sich noch zu vermehren
Alles was weniger bringt außer
Bäume die retten ist nun gut 
Was ein Umdenken bedeutet
Das einigen sichtbar noch
Bis heute zu schwer scheint
Die unverantwortlich weiter so
Propagieren statt jetzt nötigem
Umdenken und anhalten dabei
Ist gut was Natur wieder rettet 
Schlecht was weiter zerstört 
Wer schlechtes tut wird dafür
Bestraft und bezahlen müssen
Es ist logisch und einfach
Genießen wir als weniger
Endlich mehr in Ruhe
Mehr nicht mehr

jens tuengerthal 23.6.26

Sparkurs

Sparkurs 

Wer sparen will sollte sich
Neubau zuerst ersparen
Was für Autobahnen als
Erstes gelten muss weil
Mobilität keine Zukunft hat
Nur das Gegenteil gut tut
Erhalt Priorität haben soll
Weniger Versiegelung mehr
Natur und Lebensraum gibt
So könnte der Bund leicht
Zwanzig Milliarden noch
Einsparen die nötiger immer
An anderen Orten benötigt
Autobahnen braucht nur wer
Kriege führen will und die
Nachbarn eilig überrollen will 
Stattdessen wird von Freizeit
Auf vollen Autobahnen erzählt
Was nur Idioten sich noch antun
Diese Mentalität wurde lange 
Um deutsche Autos zu verkaufen 
Weiter noch gezüchtet aber ist
Mittlerweile bloß Geschichte
Wir werden weniger und alles
Muss schrumpfen künftig dies 
Mit Gewinn zu tun ist das Ziel
Nicht Wachstum der Versiegelung
Braucht keiner mehr der einmal
Kritisch zu denken beginnt
Es braucht mehr Wälder um
Das Klima zu retten aber sicher
Keine neuen Autobahnen mehr
Eher viel weniger noch aber
Soweit ist Deutschland noch nicht
Zack zwanzig Milliarden gespart
Ohne neue Autobahnen damit
Ist Bürgergeld zehnmal finanziert 
Der deutsche Wald ist unsere Zukunft
Autobahnen sind Überbleibsel nur 

jens tuengerthal 23.6.26