Lektürentagebuch 14.1.26
Egon Friedell beschreibt in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit am
Beispiel des Großen Kurfürsten den
Aufstieg von Brandenburg Preußen
Wie Friedrich Wilhelm durch so kluge
Wie perfide Politik das Herzogtum
Preußen aus der noch polnischen
Lehnshoheit befreien konnte
Begründete durch Niederwerfung der
Stände die unumschränkte Monarchie
Wobei er laut Friedell auch Brutalität
Wie Rechtsbrüche nicht scheute
Er schuf zur Sicherung seiner Macht
Im Inneren wie auch Schutz vor der
Schwedischen Großmacht erstmals
Ein stehendes Heer miles perpetuus
Baute den Friedrich Wilhelm Kanal
Der Oder und Elbe verband richtete
Eine eigene Post ein die zuverlässig
Schneller als die Taxissche fuhr
Dazu reformierte er sowohl das
Steuerwesen wie den Unterricht
Stiftete die Universität Duisburg
Forderte Ackerbau und Viehzucht
Vergrößerte und verschönerte Berlin
Durch die Schlossbibliothek wie die
Pflanzung der Bäume in der Straße
Die zu Unter den Linden wurde
Unterhielt sogar eine Kriegsmarine
Die aber unter seinem Nachfolger
König Friedrich I wieder verfiel der
Dafür aber sich seine Krone kaufte
Dazu gründete er eine Handelskolonie
Mit einem Fort an der Küste von
Guinea war in der Religion tolerant
Ließ seinen Untertanen dabei Freiheit
Sein Potsdamer Edikt lud Verfolgte
Ein unter seinen Schutz zu kommen
Was vor allem viele Hugenotten taten
Die das Land vielfältig bereicherten
Im nächsten Abschnitt gerät Friedell
Als Wiener ins Schwärmen über
Prinz Eugen der für ihn einer der
Stärksten Politiker seiner Zeit war
Ursprünglich hatte er wegen seiner
Unansehnlichen Gestalt und großen
Schüchternheit Geistlicher werden
Sollen und wurde der größte Feldherr
Seine Siege erwarben Habsburg erst
Italien die Niederlande Siebenbürgen
Serbien und die Walachei zugleich
War er ein weitblickender Diplomat
Erkannte als einziger österreichischer
Staatsmann dass Großmacht nur
Blieb wer Kolonien und Seemacht hat
Wollte Oostende und Triest als Häfen
War daneben ein Freund der Kunst
Wie der Wissenschaft seine eigene
Sammlung zeugt von erlesenem
Geschmack und Sachkenntnis
Das Hauptwerk von Leibnitz die
Monadologie ist ihm nicht nur
Gewidmet sondern erst durch
Seine Anregung entstanden
Die aus Sicht Friedells beiden
Genialsten Architekten des Barock
In Österreich Fischer von Erlach und
Lukas von Hildebrandt bauten für ihn
Sein Stadtpalais und das um Park
Wie Teich komponierte Schloss
Belvedere waren das Ergebnis
Er war ein echter Barockmensch
Hatte die sublime Nüchternheit
Voll heimlicher Sehnsucht nach
Bunten verwirrenden Dingen die
Das Leben begehrenswert machen
So nennt Friedell ihn einen starken
Wissenden steuerkundigen Geist
Der umwittert vom Aroma der
Problematisieren Naturen war
Prinz Eugen von Savoyen-Carignan
Wurde 1663 in Paris geboren und
Starb 1736 in Wien war der wohl
Erfolgreichste Oberbefehlshaber
Passend widmet sich Friedell als
Nächstes Christina von Schweden
Die er sehr originelle Erscheinung
Nennt über die viel geredet wurde
Ihr Äußeres war nicht schön aber
Interessant ihre forciert männlichen
Manieren wie Neigungen erregten
Überall Aufsehen und stärkten auch
Gerüchte sie sei ein Hermaphrodit
Worauf sie einmal die Kutsche umwarf
Mit gehobenen Röcken liegen blieb
Die genanten Bedienten herbei rief
Sie sollten sich überzeugen dass sie
Kein Zwitter sei war dabei eine ganz
Leidenschaftliche Reiterin und Jägerin
Die ihr Haar stets kurzgeschoren trug
Das sind die bekannten Vorurteile
Über eine selbstbewusste kluge Frau
Die es wagte eigene Wege zu gehen
Käuen männliche Sichten wieder
Sie verglich sich mit der Königin von
Saba interessierte sich sehr für die
Wissenschaft besonders Mathematik
Und Astronomie liebte sie sehr
So korrespondieren sie mit Pascal
Berief René Descartes an ihren Hof
Wo der Südfranzose dem nordischen
Klima nicht gewachsen leider starb
Ob es daran lag dass die wenig
Schläferin Christina den armen
Langschläfer Descartes jeden Morgen
Um fünf Uhr bei sich sehen wollte
Ist relativ ungewiss warum sollten
Zwei Hochbegabte sich nicht auch
Über Uhrzeiten verständigen können
Hier scheint noch vieles eher unklar
Doch gründete sie vorher mit seiner
Hilfe eine Akademie schrieb selbst
Zahlreiche Pensées und war die erste
Die Hexenprozesse ganz abschaffte
Sie verzichtete jedoch wie Friedell
Schlicht schreibt bald auf den Thron
Ging dafür nach Rom und wurde dort
Katholisch was so auch nicht stimmt
Sie konvertierte bereits im Geheimen
Nach ihrer Flucht 1654 in Antwerpen
Nicht öffentlich noch wie 1655 dann
Ganz offiziell in Innsbrucks Hofkirche
Zu Christina finden sich immer wieder
Widersprüchliche auch verwirrende
Meldungen was zeigt wie geschickt
Sie Gerüchte über sich noch streute
Auch Friedell folgt solchen Gerüchten
Die ihren Größenwahn belegen sollen
Ohne taktische Gründe dabei nur zu
Hinterfragen die andere Bilder zeigen
Seine These dass sich dieser ans
Pathologische grenzende Selbstwert
Sich bei Karl XII wiederholt zeugt von
Vorurteilen mehr als von Vernunft
Empfehle zu Christina von Schweden
Eher das sehr gute Buch der Wiener
Australierin Veronica Buckley die mit
Philipp Blom übrigens verheiratet ist
Dieser Band der Anderen Bibliothek
Ist ein kulturhistorischer Schatz weil er
Hintergründe und Zusammenhänge
Dieser freien Frau gut beleuchtet
Natürlich kann Christinas Diebstahl
An schwedischem Vermögen mit der
Entführung ihrer Kunstsammlung
Als solcher isoliert gesehen werden
Doch muss zugleich gesehen werden
Dass die letzte regierende Wasa der
Ihre Vettern Pfalz-Zweibrücken folgten
Allein so finanzielle Sicherheit hatte
Für die versprochene Apanage war
Sie auf den guten Willen auch des
Schwedischen Parlament angewiesen
Was vorher ihre Verschwendung noch
Angegriffen und beklagt hatte die der
Schwedischen Großmacht sehr wohl
Entsprachen die vom Ende auch des
Dreißigjährigen Krieges profitierte
Diesen hatte die kluge Christina
Noch schneller beenden wollen
Weil Krieg sich nie lohnt aber war
An korrupten Interessen gescheitert
Hatte selbst aber noch im letzten
Kriegsjahr durch die fragwürdige
Plünderung von Prag ihren Schatz
Um das Erbe Rudolfs vergrößert
Dem Wunsch ihres Vaters gemäß
Der in der Schlacht bei Lützen fiel
War sie sehr männlich erzogen
Worden von Mutter und Kanzler
Jener Reichskanzler und Freund
Des verstorbenen Karl Gustav hat
Eine wichtige Rolle lange gespielt
Und hieß Johann Axel Oxenstierna
Bis die Mutter psychisch erkrankte
Die schon lange an Depressionen
Wohl litt nach dem Tod ihres Mannes
Was auch kein großes Wunder war
Sie war eine brandenburgische
Prinzessin und lange war die Ehe
Von Christina mit deren Neffen
Friedrich Wilhelm noch geplant
Jener als großer Kurfürst bekannt
Gewordene Reichsfürst hätte mit
Christina eine sehr gute Partie
Gemacht nur ihre Herrschaft beendet
Warum Christina nie heiratete die
Als Jugendliche eine Liaison mit ihrem
Vetter dem späteren Karl X hatte
Kursieren verschiedene Gerüchte
Ob sie eine stärkere homosexuelle
Neigung zu Frauen hatte oder nur
Ihre Freiheit nicht verlieren wollte
Bleibt wie manches noch unklar
Auch wie sehr ihre Konversion
Protest gegen ihre Erziehung im
Streng protestantischen Geist war
Erläutert der Konvertit Friedell nicht
So sehr ich die kommentierende Art
Von Friedell schätze fehlt ihm bei
Christina deutlich Feingefühl noch
Für Zwänge und Rolle einer Frau
Christina die acht Sprachen sprach
Sicher vielfältig hochbegabt war
Lebte in einer Zeit in der weibliche
Freiheit und Geist verpönt waren
Eine schöne kleine Anekdote der
Literarischen Art aus dem Umfeld
Von Christina ist noch dass ihre
Mutter nach Gripsholm später zog
Dieses Schloss wird fast 300 Jahre
Später zum Titel einer erotischen
Liebesgeschichte von Tucholsky
Unter dem gleichen Titel noch
Dort verbringt ein verliebtes Paar
Den Sommer und wird nacheinander
Besucht von einer Freundin und
Einem Freund und genießen dies
Vielleicht war Christina von Wasa
Einfach zu klug für die schlichten
Formen einer Beziehung warum sie
Freiheit statt Macht für sich wählte
Friedell erwähnt übrigens auch nicht
Dass Christina sofort abdanken wollte
Oxenstierna sie daran hinderte der
Noch in Osnabrück verhandelte
Dies endete sehr zum Vorteil von
Schweden die Pommern wie Bremen
Als Herzogtümer erhielten damit ein
Tor zur Nordsee plötzlich auch hatten
Friedell lesen ist eine Freude aber es
Macht auch Spaß ihn zu widerlegen
Wenn er nur Vorurteile verbreitet mit
Seinem oberflächlichen Frauenbild
jens tuengerthal 14./15.1.26
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