Donnerstag, 15. Januar 2026

Lektürentagebuch 14.1.26

Lektürentagebuch 14.1.26

Egon Friedell beschreibt in seiner
Kulturgeschichte der Neuzeit am
Beispiel des Großen Kurfürsten den
Aufstieg von Brandenburg Preußen 

Wie Friedrich Wilhelm durch so kluge
Wie perfide Politik das Herzogtum
Preußen aus der noch polnischen
Lehnshoheit befreien konnte

Begründete durch Niederwerfung der
Stände die unumschränkte Monarchie
Wobei er laut Friedell auch Brutalität
Wie Rechtsbrüche nicht scheute

Er schuf zur Sicherung seiner Macht
Im Inneren wie auch Schutz vor der
Schwedischen Großmacht erstmals
Ein stehendes Heer miles perpetuus

Baute den Friedrich Wilhelm Kanal 
Der Oder und Elbe verband richtete
Eine eigene Post ein die zuverlässig
Schneller als die Taxissche fuhr 

Dazu reformierte er sowohl das
Steuerwesen wie den Unterricht
Stiftete die Universität Duisburg
Forderte Ackerbau und Viehzucht

Vergrößerte und verschönerte Berlin
Durch die Schlossbibliothek wie die
Pflanzung der Bäume in der Straße 
Die zu Unter den Linden wurde 

Unterhielt sogar eine Kriegsmarine
Die aber unter seinem Nachfolger
König Friedrich I wieder verfiel der
Dafür aber sich seine Krone kaufte

Dazu gründete er eine Handelskolonie
Mit einem Fort an der Küste von 
Guinea war in der Religion tolerant 
Ließ seinen Untertanen dabei Freiheit

Sein Potsdamer Edikt lud Verfolgte
Ein unter seinen Schutz zu kommen
Was vor allem viele Hugenotten taten 
Die das Land vielfältig bereicherten


Im nächsten Abschnitt gerät Friedell 
Als Wiener ins Schwärmen über
Prinz Eugen der für ihn einer der
Stärksten Politiker seiner Zeit war

Ursprünglich hatte er wegen seiner
Unansehnlichen Gestalt und großen 
Schüchternheit Geistlicher werden 
Sollen und wurde der größte Feldherr 

Seine Siege erwarben Habsburg erst
Italien die Niederlande Siebenbürgen 
Serbien und die Walachei zugleich 
War er ein weitblickender Diplomat 

Erkannte als einziger österreichischer
Staatsmann dass Großmacht nur 
Blieb wer Kolonien und Seemacht hat
Wollte Oostende und Triest als Häfen 

War daneben ein Freund der Kunst
Wie der Wissenschaft seine eigene
Sammlung zeugt von erlesenem
Geschmack und Sachkenntnis 

Das Hauptwerk von Leibnitz die
Monadologie ist ihm nicht nur
Gewidmet sondern erst durch
Seine Anregung entstanden

Die aus Sicht Friedells beiden 
Genialsten Architekten des Barock
In Österreich Fischer von Erlach und
Lukas von Hildebrandt bauten für ihn

Sein Stadtpalais und das um Park 
Wie Teich komponierte Schloss
Belvedere waren das Ergebnis
Er war ein echter Barockmensch

Hatte die sublime Nüchternheit
Voll heimlicher Sehnsucht nach
Bunten verwirrenden Dingen die
Das Leben begehrenswert machen

So nennt Friedell ihn einen starken
Wissenden steuerkundigen Geist 
Der umwittert vom Aroma der
Problematisieren Naturen war

Prinz Eugen von Savoyen-Carignan
Wurde 1663 in Paris geboren und
Starb 1736 in Wien war der wohl
Erfolgreichste Oberbefehlshaber 


Passend widmet sich Friedell als
Nächstes Christina von Schweden
Die er sehr originelle Erscheinung 
Nennt über die viel geredet wurde 

Ihr Äußeres war nicht schön aber
Interessant ihre forciert männlichen
Manieren wie Neigungen erregten 
Überall Aufsehen und stärkten auch

Gerüchte sie sei ein Hermaphrodit
Worauf sie einmal die Kutsche umwarf
Mit gehobenen Röcken liegen blieb 
Die genanten Bedienten herbei rief

Sie sollten sich überzeugen dass sie
Kein Zwitter sei war dabei eine ganz
Leidenschaftliche Reiterin und Jägerin
Die ihr Haar stets kurzgeschoren trug

Das sind die bekannten Vorurteile 
Über eine selbstbewusste kluge Frau
Die es wagte eigene Wege zu gehen
Käuen männliche Sichten wieder

Sie verglich sich mit der Königin von
Saba interessierte sich sehr für die
Wissenschaft besonders Mathematik
Und Astronomie liebte sie sehr

So korrespondieren sie mit Pascal
Berief René Descartes an ihren Hof
Wo der Südfranzose dem nordischen
Klima nicht gewachsen leider starb

Ob es daran lag dass die wenig
Schläferin Christina den armen 
Langschläfer Descartes jeden Morgen
Um fünf Uhr bei sich sehen wollte

Ist relativ ungewiss warum sollten
Zwei Hochbegabte sich nicht auch
Über Uhrzeiten verständigen können
Hier scheint noch vieles eher unklar

Doch gründete sie vorher mit seiner 
Hilfe eine Akademie schrieb selbst 
Zahlreiche Pensées und war die erste
Die Hexenprozesse ganz abschaffte

Sie verzichtete jedoch wie Friedell 
Schlicht schreibt bald auf den Thron
Ging dafür nach Rom und wurde dort
Katholisch was so auch nicht stimmt

Sie konvertierte bereits im Geheimen
Nach ihrer Flucht 1654 in Antwerpen 
Nicht öffentlich noch wie 1655 dann
Ganz offiziell in Innsbrucks Hofkirche

Zu Christina finden sich immer wieder
Widersprüchliche auch verwirrende
Meldungen was zeigt wie geschickt 
Sie Gerüchte über sich noch streute

Auch Friedell folgt solchen Gerüchten
Die ihren Größenwahn belegen sollen
Ohne taktische Gründe dabei nur zu
Hinterfragen die andere Bilder zeigen

Seine These dass sich dieser ans 
Pathologische grenzende Selbstwert
Sich bei Karl XII wiederholt zeugt von 
Vorurteilen mehr als von Vernunft 

Empfehle zu Christina von Schweden
Eher das sehr gute Buch der Wiener
Australierin Veronica Buckley die mit
Philipp Blom übrigens verheiratet ist

Dieser Band der Anderen Bibliothek
Ist ein kulturhistorischer Schatz weil er
Hintergründe und Zusammenhänge
Dieser freien Frau gut beleuchtet

Natürlich kann Christinas Diebstahl
An schwedischem Vermögen mit der
Entführung ihrer Kunstsammlung
Als solcher isoliert gesehen werden

Doch muss zugleich gesehen werden
Dass die letzte regierende Wasa der 
Ihre Vettern Pfalz-Zweibrücken folgten
Allein so finanzielle Sicherheit hatte

Für die versprochene Apanage war
Sie auf den guten Willen auch des 
Schwedischen Parlament angewiesen
Was vorher ihre Verschwendung noch

Angegriffen und beklagt hatte die der
Schwedischen Großmacht sehr wohl
Entsprachen die vom Ende auch des 
Dreißigjährigen Krieges profitierte

Diesen hatte die kluge Christina
Noch schneller beenden wollen
Weil Krieg sich nie lohnt aber war
An korrupten Interessen gescheitert

Hatte selbst aber noch im letzten
Kriegsjahr durch die fragwürdige
Plünderung von Prag ihren Schatz
Um das Erbe Rudolfs vergrößert 

Dem Wunsch ihres Vaters gemäß
Der in der Schlacht bei Lützen fiel
War sie sehr männlich erzogen 
Worden von Mutter und Kanzler

Jener Reichskanzler und Freund
Des verstorbenen Karl Gustav hat
Eine wichtige Rolle lange gespielt
Und hieß Johann Axel Oxenstierna

Bis die Mutter psychisch erkrankte
Die schon lange an Depressionen
Wohl litt nach dem Tod ihres Mannes
Was auch kein großes Wunder war

Sie war eine brandenburgische
Prinzessin und lange war die Ehe
Von Christina mit deren Neffen
Friedrich Wilhelm noch geplant

Jener als großer Kurfürst bekannt
Gewordene Reichsfürst hätte mit 
Christina eine sehr gute Partie
Gemacht nur ihre Herrschaft beendet 

Warum Christina nie heiratete die
Als Jugendliche eine Liaison mit ihrem
Vetter dem späteren Karl X hatte
Kursieren verschiedene Gerüchte

Ob sie eine stärkere homosexuelle
Neigung zu Frauen hatte oder nur
Ihre Freiheit nicht verlieren wollte
Bleibt wie manches noch unklar

Auch wie sehr ihre Konversion 
Protest gegen ihre Erziehung im
Streng protestantischen Geist war
Erläutert der Konvertit Friedell nicht

So sehr ich die kommentierende Art
Von Friedell schätze fehlt ihm bei
Christina deutlich Feingefühl noch
Für Zwänge und Rolle einer Frau

Christina die acht Sprachen sprach
Sicher vielfältig hochbegabt war
Lebte in einer Zeit in der weibliche
Freiheit und Geist verpönt waren

Eine schöne kleine Anekdote der
Literarischen Art aus dem Umfeld
Von Christina ist noch dass ihre
Mutter nach Gripsholm später zog

Dieses Schloss wird fast 300 Jahre
Später zum Titel einer erotischen 
Liebesgeschichte von Tucholsky
Unter dem gleichen Titel noch

Dort verbringt ein verliebtes Paar
Den Sommer und wird nacheinander
Besucht von einer Freundin und 
Einem Freund und genießen dies 

Vielleicht war Christina von Wasa
Einfach zu klug für die schlichten 
Formen einer Beziehung warum sie
Freiheit statt Macht für sich wählte

Friedell erwähnt übrigens auch nicht
Dass Christina sofort abdanken wollte
Oxenstierna sie daran hinderte der
Noch in Osnabrück verhandelte

Dies endete sehr zum Vorteil von
Schweden die Pommern wie Bremen
Als Herzogtümer erhielten damit ein
Tor zur Nordsee plötzlich auch hatten

Friedell lesen ist eine Freude aber es 
Macht auch Spaß ihn zu widerlegen
Wenn er nur Vorurteile verbreitet mit
Seinem oberflächlichen Frauenbild

jens tuengerthal 14./15.1.26

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