Donnerstag, 15. Januar 2026

Lektürentagebuch 15.1.25

Lektürentagebuch 15.1.25

Mit Egon Friedell nach Russland
Gereist bevor die sibirische Kälte
Ende Januar hierher kommen soll
Nach Aussage der Wetterpropheten

Bedenke ich den raschen Wandel
Aller Prognosen scheinen sie auch
Echte Propheten zu sein sind so
Unglaubwürdig wie aller Aberglaube 

Friedell beschäftigt sich zuerst mit
Peter dem Großen und seinen so
Radikalen Reformen die direkt aus
Dem Mittelalter in den Barock stießen

Zu schnell zu viel zu radikal wie oft 
Auch zu brutal jemals angenommen
Zu werden beurteilt der Wiener das
Reformprogramm im Osten kritisch

Es hat schon eine große kulturelle 
Arroganz als aufgeklärter Europäer
Dem Rest der Welt zu erklären er 
Sei noch primitiv zurückgeblieben 

Dies ist der Geist des Kolonialismus
Den wir gerade vorsichtig infrage
Zumindest stellen wie überwinden
Wollen der für Friedell lebendig war

Erst mit Ende des 2. Weltkrieges 
Endete dieser Geist formal doch 
Wie Trump zeigt haben es noch
Immer nicht alle Staaten begriffen

Davon jedoch abgesehen trifft
Der Blick auf Peter den Großen
Einen Kern den wir uns heute
Moralisch nicht mehr erlauben 

Wie gut es darum sein kann beim
Blick in die Geschichte auch die
Eigene Moral infrage zu stellen
Bleibt die stets spannende Frage

Denke Friedell betrachtet den vom
Geist der Aufklärung infizierten Zar 
Peter zu kritisch vor allem auch
Hinsichtlich der eigenen Entwicklung 

Peter wurde gemeinsam mit seinem
Epileptischen Bruder Iwan 1682 also
Mit zehn Jahren bereits Zar und blieb
Es am Ende allein bis 1725

Gar nicht erwähnt Friedell die große 
Gesandtschaft mit der Peter durch
Europa reiste um es zu studieren
Zimmermann in Amsterdam zu lernen

Er hatte für die große Reise noch
Deutsch und niederländisch gelernt
Auch vom Aufenthalt zu profitieren 
Brachte mit was er selbst lernte

Dies um für die geplante russische
Marine Schiffe bauen zu können die
Dem neuesten Standard genügten
Das Osmanische Reich zu besiegen 

Vielleicht könnte über seinen Hass
Auf die Strelitzen zu diskutieren sein
Bei kritischer Betrachtung seiner 
Person als absoluter Herrscher

Von seinem brutalen Umgang mit
Den Strelitzen erzählt Friedell etwas
Das sachlich nicht falsch ist aber ohne
Kontext des Aufstandes unklar bleibt

Dessen traumatische Erfahrung
Mit brutalen Strelitzen in frühester
Kindheit die Angehörige vor seinen 
Umbrachten bleibt dort unerwähnt

Auch das Peter der Große tatsächlich
Über 2 Meter groß war sollte doch 
Beim Blick aufs seine Epoche noch
Gewusst werden ihn zu verstehen

All dies vernachlässigt Friedell um
Seine Reformen als zu radikal für
Sein rückständiges Volk zu erklären
Was mir eher fragwürdig erscheint

Der Romanow Peter der als 14. Kind
Mit der zweiten Frau in ländlicher
Umgebung aufwuchs konnte sich
Dafür dafür alleine auch begeistern 

Wenn wir andere Kulturen und Völker 
Als gleichberechtigte Partner je
Sehen wollen treten wir auch mit
Ihnen natürlich in Konkurrenz

Peter erkannte die Überlegenheit
Der europäischen Kultur gegenüber
Einer rückständigen russischen
Er eröffnete seinem Volk Chancen

Es ist ja nett nach der zu langen
Kolonialen Anmaßung endlich mal 
Zurückhaltung zu üben dafür die
Genutzte Chance zu kritisieren

Das gleiche kulturelle Niveau zu
Erreichen führt nirgendwo hin wie
Die Kritiker an Hochschulen wohl
Bald merken werden weil das

Gerede von zurück zur Natur war
Schon bei Rousseau eher ein
Versuch seine Inkontinenz zu tarnen 
Was ich verstehe aber keinem hilft

Auf ähnlichem Niveau was zwar
Beifall der Hamas-Versteher an den
Deutschen Hochschulen fände
Weil es ihrem geistigen Niveau 

Vermutlich ganz entspricht ist nun
Das Gerede Friedells von der großen
Russischen Seele die Peter und die
Preußin Katharina nicht berührten

Empört sich über die Bolschewiken
Die Peter wie Lenin folgen wollen
Aber dann radikal russisch gleich
Die Existenz einer Seele leugneten

Ja was denn sonst bitte denke ich
Vermutlich zu weit von Wien und
Den Weihrauchschwaden des dort 
Katholischen Aberglauben entfernt

Eine Seele ist eine bloße Erfindung 
Des Aberglauben mit dem Zweck
Die Abhängigkeit weiter zu erhalten 
Nirgendwo in der Natur nachweisbar

Weniger Aberglaube mehr Vernunft 
Den Mut haben kritisch zu denken
Ist das Motto der Aufklärung die
Keinerlei erfundene Seele braucht

Ob das Gefühl dann dabei stimmt
Entscheidet nicht der Aberglaube
Sondern auch der freie Wille mit
Außer ich gebe ihn für Glauben auf

Friedell ist auch gut um sich an ihm
Wie seiner teilweise obskuren Sicht
Intensiv zu reiben wie hier beim
Gerede um die russische Seele

Diese Zusammenfassung von 
Verschiedenen Hirnfunktionen
Sollte endlich Aberglaube werden
Statt es wie normal zu verwenden

Es gibt keine Seele und der Mensch
Ist nichts als Natur die eine endliche
Zeit von unterschiedlicher Länge nur
Funktioniert der Rest ist nur Glaube

Peter den Großen und Katharina die
Ebenso genannt gegen den alten 
Aberglauben im Geist der kritischen
Aufklärung zu verteidigen ist gut so

Friedell in der Hinsicht ein Schwätzer
Aber gut wo er Anlass gibt zu streiten 
Die Licht der Aufklärung gegen die
Finsternis der Glaubens zu stellen

Komme mir schon fast vor wie
Settembrini im Zauberberg auch
Wenn Friedell sonst klug ist beim
Glauben spinnt der Konvertit etwas

jens tuengerthal 15.1.26

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