Lektürentagebuch 13.2.26
Auf einigen Seiten Stéphane Hessel
Bei seinem Tanz mit dem Jahrhundert
Gefolgt und wieder leicht genervt von
Dem dabei Selbstlob des Diplomaten
Er hat spannende Zeiten miterlebt als
Frankreichs Botschafter bei den
Vereinten Nationen in Genf sicher war
Seine Stellung dabei auch bedeutend
Von den vielen Konferenzen zu lesen
Für die durch die Welt gejettet wurde
Um sich die eigene Bedeutung etwa
Bei einer Audienz beim Kaiser von
Japan bestätigen zu lassen ist eher
Öde bis ärgerlich und zeigt nur die
Überflüssigkeit der Organisation
Trotz ihres sicher guten Zweckes
Er hat es mit über 80 geschrieben
Da sei manches verziehen auch
Erfährt der Leser einige interessante
Interna die von Bedeutung sind
So etwa die ausgesuchte Höflichkeit
Mit welcher der Kaiser den erstmals
Teilnehmenden Botschafter Chinas
Behandelte das Formosa verdrängte
Ob auch nur eine der zahlreichen
Konferenzen zum Klima mehr an
Gutem erreichte als die Flüge zu ihr
An Schäden verursachten bleibt
Bis heute so zweifelhaft wie viele
Personen an der Spitze etwa der
Österreicher Waldheim mit seiner
Vergangenheit nur einen zu nennen
Teile die Begeisterung von Hessel
Für die Idee der UNO aber zweifle
Sehr ob sie nicht mehr Eitelkeiten
Pflegt als wirkliche Erfolge erzielt
Die Erzählungen des dabei sicher
Bedeutenden und verdienten großen
Diplomaten Stéphane Hessel aber
Können die Zweifel nicht widerlegen
Als Ausgleich für das etwas nervige
Diplomatengeschwätz von Hessel
Noch einige Seiten Egon Friedell in
Dessen Kulturgeschichte der Neuzeit
Er schreibt über Christian Thomasius
Sieht ihn als einen der ganz wenigen
Aktivposten des Geisteslebens im
Noch absolutistischen Deutschland
Damit beginnt er diesen Abschnitt
Über die Unterwürfigkeit gegenüber
Den Fürsten im Reich zu lästern die
Als von Gott gewollt gesehen wurden
Die Devotion war auch gegenüber
Den Beamten die als Fürsten im
Kleinen nach Christian Wolff galten
Vor denen sie vor Demut erstarben
Die Fürsten und der Adel lebten im
Absolutismus nach französischem
Vorbild in einer anderen Welt und
Das Volk war halt Viehzeug nur
Es gab zahlreiche Horchargen mit
Entsprechenden Ämtern die vom
System profitierten auch Handwerker
Waren gerne für den Hof tätig
Sie schmückten sich mit diesen Titeln
Wie wir sie heute noch aus England
Kennen wie etwa in Barbour Jacken
By appointment of HRH Charles steht
Absolutistische Fürsten waren nicht
Eigentlich grausam sie hielten nur das
Einfache Volk für eine andere Gattung
Mit entsprechenden Pflichten auch
Der französische Absolutismus war
Überall in Deutschland präsent und
Mode nach der sich gerichtet wurde
Über die Thomasius treffend lästerte
Alles sei französisch bis zur Krankheit
Was die kursierenden Syphilis meinte
War also ein mutiger Geist der seine
Vorlesungen auf Deutsch schon hielt
Er publizierte dazu in verständlicher
Sprache auch auf Deutsch so mehr
Menschen aus dem Volk zu erreichen
Gab auch noch eine Zeitschrift heraus
Diese trug den bezeichnenden Titel:
Freimütigen, lustigen und ernsthaften
Jedoch vernunft- und gesetzmäßigen
Gedanken oder Monatsgespräche
Über alles, fürnehmlich über Bücher
Dort bekämpfte er fast 50 Jahre lang
Alle Missstände seines Volkes wie
Seines Zeitalters mit zwar ziemlich
Schwülstiger aber scharfer Feder
Hier listet Friedell wunderbar auf
Gegen was alles Thomasius sich
Wandte der keinen verschonte dabei
Auf Nützlichkeit zuerst immer schaute
Der von 1655 bis 1728 lebende
Thomasius war Jurist Publizist und
Philosoph und wird als Vater der
Deutschen Aufklärung bezeichnet
Er setzte sich für eine humane
Strafordnung ein und sorgte so
Maßgeblich für die Abschaffung von
Hexenprozessen und der Folter
Dieser deutsche Frühaufklärer
War ein mutiger freier Geist der
Wesentlich für den späteren Geist
Der Aufklärung war also befreite
Egon Friedell ist auch auf wenigen
Seiten immer eine solche Freude
Die zum weiterlesen einlädt und
Geschichte neu sehen lehrt
Auch seine teils mutigen oder auch
Gewagten Urteile laden noch weiter
Zum kritischen Denken ein wirken so
Im besten Sinne noch aufklärerisch
jens tuengerthal 13.1.26
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