Mittwoch, 14. Januar 2026

Lektürentagebuch 13.2.26

Lektürentagebuch 13.2.26

Auf einigen Seiten Stéphane Hessel
Bei seinem Tanz mit dem Jahrhundert
Gefolgt und wieder leicht genervt von
Dem dabei Selbstlob des Diplomaten 

Er hat spannende Zeiten miterlebt als
Frankreichs Botschafter bei den 
Vereinten Nationen in Genf sicher war
Seine Stellung dabei auch bedeutend

Von den vielen Konferenzen zu lesen
Für die durch die Welt gejettet wurde 
Um sich die eigene Bedeutung etwa 
Bei einer Audienz beim Kaiser von 

Japan bestätigen zu lassen ist eher
Öde bis ärgerlich und zeigt nur die
Überflüssigkeit der Organisation 
Trotz ihres sicher guten Zweckes 

Er hat es mit über 80 geschrieben
Da sei manches verziehen auch
Erfährt der Leser einige interessante
Interna die von Bedeutung sind

So etwa die ausgesuchte Höflichkeit
Mit welcher der Kaiser den erstmals
Teilnehmenden Botschafter Chinas
Behandelte das Formosa verdrängte

Ob auch nur eine der zahlreichen
Konferenzen zum Klima mehr an
Gutem erreichte als die Flüge zu ihr
An Schäden verursachten bleibt 

Bis heute so zweifelhaft wie viele
Personen an der Spitze etwa der
Österreicher Waldheim mit seiner
Vergangenheit nur einen zu nennen

Teile die Begeisterung von Hessel
Für die Idee der UNO aber zweifle 
Sehr ob sie nicht mehr Eitelkeiten
Pflegt als wirkliche Erfolge erzielt

Die Erzählungen des dabei sicher
Bedeutenden und verdienten großen
Diplomaten Stéphane Hessel aber
Können die Zweifel nicht widerlegen 


Als Ausgleich für das etwas nervige
Diplomatengeschwätz von Hessel
Noch einige Seiten Egon Friedell in
Dessen Kulturgeschichte der Neuzeit 

Er schreibt über Christian Thomasius
Sieht ihn als einen der ganz wenigen
Aktivposten des Geisteslebens im
Noch absolutistischen Deutschland 

Damit beginnt er diesen Abschnitt
Über die Unterwürfigkeit gegenüber
Den Fürsten im Reich zu lästern die
Als von Gott gewollt gesehen wurden

Die Devotion war auch gegenüber
Den Beamten die als Fürsten im
Kleinen nach Christian Wolff galten
Vor denen sie vor Demut erstarben

Die Fürsten und der Adel lebten im
Absolutismus nach französischem 
Vorbild in einer anderen Welt und
Das Volk war halt Viehzeug nur

Es gab zahlreiche Horchargen mit
Entsprechenden Ämtern die vom
System profitierten auch Handwerker
Waren gerne für den Hof tätig

Sie schmückten sich mit diesen Titeln
Wie wir sie heute noch aus England
Kennen wie etwa in Barbour Jacken
By appointment of HRH Charles steht

Absolutistische Fürsten waren nicht 
Eigentlich grausam sie hielten nur das
Einfache Volk für eine andere Gattung
Mit entsprechenden Pflichten auch 

Der französische Absolutismus war
Überall in Deutschland präsent und
Mode nach der sich gerichtet wurde
Über die Thomasius treffend lästerte

Alles sei französisch bis zur Krankheit
Was die kursierenden Syphilis meinte
War also ein mutiger Geist der seine
Vorlesungen auf Deutsch schon hielt 

Er publizierte dazu in verständlicher
Sprache auch auf Deutsch so mehr
Menschen aus dem Volk zu erreichen
Gab auch noch eine Zeitschrift heraus 

Diese trug den bezeichnenden Titel: 

Freimütigen, lustigen und ernsthaften
Jedoch vernunft- und gesetzmäßigen
Gedanken oder Monatsgespräche 
Über alles, fürnehmlich über Bücher

Dort bekämpfte er fast 50 Jahre lang
Alle Missstände seines Volkes wie
Seines Zeitalters mit zwar ziemlich
Schwülstiger aber scharfer Feder

Hier listet Friedell wunderbar auf 
Gegen was alles Thomasius sich
Wandte der keinen verschonte dabei
Auf Nützlichkeit zuerst immer schaute

Der von 1655 bis 1728 lebende
Thomasius war Jurist Publizist und 
Philosoph und wird als Vater der
Deutschen Aufklärung bezeichnet

Er setzte sich für eine humane
Strafordnung ein und sorgte so
Maßgeblich für die Abschaffung von
Hexenprozessen und der Folter

Dieser deutsche Frühaufklärer
War ein mutiger freier Geist der
Wesentlich für den späteren Geist
Der Aufklärung war also befreite

Egon Friedell ist auch auf wenigen
Seiten immer eine solche Freude
Die zum weiterlesen einlädt und
Geschichte neu sehen lehrt

Auch seine teils mutigen oder auch
Gewagten Urteile laden noch weiter
Zum kritischen Denken ein wirken so
Im besten Sinne noch aufklärerisch

jens tuengerthal 13.1.26

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