Samstag, 30. Mai 2026

Lektürentagebuch 30.5.26

Lektürentagebuch 30.5.26

Aus Laybach schreibt Seume auf
Seinem Spaziergang nach Syrakus
Ein längeres Kapitel weil er dort
Station macht um seine Stiefel 

Frisch besohlen und den Anzug 
Reinigen zu lassen weil ihm die
Stadt die heute Laibach oder 
Ljubljana auf slowenisch heißt

Interessant sind Seumes Erwägungen 
Über das slawische Land dort dass 
Doch Russland innig verbunden wäre
Die Sprachen sich alle nah wären 

Diese Gedanken von Anfang noch
Aus dem Jahr 1802 sind heute im
Konflikt mit Russland nicht ohne
Bedeutung erleichtern Verständnis

Seume nennt noch Polen oder die
Lausitz als Russland sprachlich wie
Im Wesen nahe Gegenden dazu
Später auch das Baltikum noch

Einerseits nennt er es das
Deutschordensland andererseits
Erinnere ihn manche Wirtschaft auf 
Dem Land an diese Gegenden 

Die Menschen sprächen einen 
Wie er sagt krainisches Rothwelsch
Was den slawischen Sprachen nah
Trotz der Pyramide dort mit dem

In Marmor mit Gold gefassten 
Treueeid schon für Karl VI den Vater
Von Maria Theresia der durch die
Pragmatische Sanktion bekannt ist

Neben den Berichten über die dort
Zauberhafte Landschaft wie die ganz
Besondere Schönheit von Laibach
In Architektur und Kultur wäre es

Graz eher ähnlich und wie dort sei
Die Kaffeehauskultur viel schöner
Als in Wien wo vieles aufgesetzt 
Wie teuer statt gut bloß wäre

Es wird von guten und schlechten 
Wirten berichtet die er auf dem Weg
Erleben durfte wie Versuchen sich 
Mit Eingeborenen zu verständigen 

Einmal wäre er fast in einem ganz
Frisch gekalkten Zimmer dass er
Gehörig hatte heizen lassen noch
Umgekommen durch den Kalk

Mit letzter Kraft verließ er den
Gasthof und siehe da unterwegs 
Ging es ihm gleich immer besser
Während der dort fast starb

Zumindest beschreibt er seine
Gefühlten Zustand dabei sehr
Authentisch als dem Tode wie
Der Ohnmacht näher schon

Laibach am Fluss gelegen dessen
Verlauf er schon früher folgte
Gefällt ihm sehr gut auch sei
Deutsch dort Amtssprache

Dies wird von ihm 1802 noch als 
Äußerster Zipfel Deutschlands 
Gesehen noch vor dem dieses
Alte Reich bald auflösenden

Reichsdeputationshauptschluss
Spannend ist dass die Menschen
Weniger über Franzosen klagen
Die unter Napoleon dort kämpften

Als über die eigenen Truppen die
Nach verlorener Schlacht schon in
Auflösung begriffen mehr wüteten 
Bis sie in Laibach versorgt wurden

So ist der Spaziergang nach Syrakus 
Von Johann Gottfried Seume mehr
Als ein Reisebericht auch eine
Kulturgeschichte vor Ort wieder

Am 12. September 1802 schreiben
Gondelas auf der Reise ins Paradies
Auch aus der Anderen Bibliothek nun
Aus Würzburg über den Weg dorthin

Der mäßige Zustand der Straße von
Bamberg gen Würzburg das sie aber
Wirzburg schreiben hatte sie zunächst
Ziemlich durchgerüttelt bevor sie ab 

Dettelbach wo auch der Weinbau in
Franken beginnt der Main bald kommt
Eine gute sandige Chaussee fanden
Den Weg mehr genießen konnten 

Die fruchtbare Landschaft zwischen
Bamberg und dem Main hat sie an
Holstein erinnert wenn auch weniger
Hügelig noch doch reich fruchtbar

So schwärmen sie auch von der
Landschaft zwischen Hügeln am
Main von den schönen reichen
Klöstern die dort zu finden sind

Der Weinbau verschwindet dann um
In Würzburg wieder aufzutauchen was
Schon bei Einfahrt mit der Citadelle
Von beeindruckender Schönheit wäre

Sie wählen als Hotel den Kleebaum
Davon und aus der Stadt wird dann 
Im nächsten Kapitel weiter berichtet
Das Reisen war 1802 ein Abenteuer

Schön ist noch die eingeflochtene
Erinnerung ihrer besonderen Liebe 
Für Weingegenden so führte schon
Ihre Hochzeitsreise den Rhein hinab 

Diese kleine Ergänzung und dass die
Beiden Bremer bis Heidelberg fuhren 
Erschließt sich aus den wieder guten 
Fußnoten die besser solche wären 

Im 29. Brief immer noch aus Wien
Erzählt Johann Kaspar Riesbeck in
Briefen eines reisenden Franzosen 
Wieder aus der Anderen Bibliothek 

Von den großartigen kaiserlichen
Sammlungen die jeder täglich
Bis auf sonntags natürlich kostenlos
Besuchen dürfte und beginnt dabei

Seltsam genug ausgerechnet mit
Der Münzsammlung die aber wohl
Die größte und beste in Europa sei 
Mit allein 20.000 antiken Münzen

Auch Mineralien und sonstige eben
Übliche Kabinette stünden in Wien
Auf Anordnung des guten Kaisers
Der Öffentlichkeit jederzeit offen

Die Hofbibliothek die gleichfalls von
Jedem besichtigt werden könnte sei
Eine der prächtigsten Einrichtungen
Mit über 300.000 Bänden allein schon

Davon sind mindestens 12.000 noch
Kostbare Handschriften und auch der
Zugang zu verbotenen Büchern für
Die es eigentlich eine Erlaubnis vom

Erzbischof extra bräuchte sei mit
Einem guten Draht zum Bibliothekar
Jederzeit leicht ohne Probleme dort
Möglich es werde nicht streng geprüft 

Trotz dieser großartigen Bibliothek mit
Ungeheurem Reichtum läsen doch die
Meisten Wiener wenig und wüssten
Im Gespräch nichts kluges zu sagen

Die wenigsten läsen im Lesesaal
Gute wertvolle Bücher etwa von
Philosophen wie Montesquieu die
Meisten lesen nur schlechte Romane 

Dies obwohl der großzügige Kaiser 
Genug eifrige Bibliothekare in der
Kaiserlichen Livree zur Verfügung
Stellte die Lektüre leicht wäre

Nur die Ungarn lobt er hier als große
Ausnahme diese würden dort meist
Würdige Werke zur Geschichte lesen
Was den Deutschen nicht einfällt 

Über den königlichen Buchhändler
Der mit der Gunst der Kaiserin hier
Seinen Handel betreibt regt er sich
Seiner Methoden wegen auf

Dieser drucke auch andernorts bereits
Erschienene Bücher mit kaiserlichem
Privileg nach und zwingt Gelehrte
Bei ihm zu verlegen ohne zu zahlen

Humorvoll schreibt er über die
Wienerinnen die er eher nicht
Besonders schön findet aber
Dafür sehr klug Gespräche führten 

Er sieht die Wienerin als zwischen 
Engländerin und Französin stehend
Voller Lust bei der Sache aber ohne
Eleganz und Schönheit der Französin

Erzählt von den Abenteuern eines
Bekannten den eine schöne junge
Frau vom Fenster aus hereinbat und
Wie dieser es später bereuen sollte

Drinnen stritten dann lautstark
Mutter und Tochter wer das Privileg
Des Genusses haben sollte die sich
Darauf einigten er sollte für beide

Sorgen was er sodann mit allen 
Seinen Kräften versuchte um zum
Abschied um baldigen Besuch von
Beiden Damen gebeten zu werden

Diese Gasse mied er danach um so
Neuen Einladungen vorzubeugen 
Das Liebhaberwesen sei in Wien
Geduldet und ein guter Verdienst

Davon profitierten der Adel wie
Die unteren Schichten sehr einzig
Das wohlhabende Bürgertum ist
Davon eher weniger begeistert

So ist es bis heute noch geblieben 
Wer Geliebte hat oder ist genießt 
Das eben mögliche die anderen
Empören sich gerne moralisch

Nun folgen Ausführungen zur
Volkswirtschaft und dem Handel
Dabei verdienen die Ausländer
Die Wiener zeigten wenig Talent

Der Kaiser den er wieder sehr lobt 
Bemüht sich um Entwickelung wie 
Mehr ökonomisches Denken auch
Beim Adel der verschuldet wäre

Er macht Vorschläge dazu wie Wien 
Sich auch ökonomisch entwickeln
Könnte und kommt dann auf die
Gerade erkrankte Maria Theresia

Besorgt schreibt er über ihre wohl
Angeschlagene Gesundheit um im
Nächsten 30. Brief von ihrem Tod
Zu berichten also November 1780

Amüsant an diesem Brief war der
Versuch als getarnter Franzose
Locker über Liebhaber zu schreiben
Sich dabei aber deutsch moralisch

Im Ergebnis eher zu empören auch
Wenn er es der Tarnung als Franzose
Wegen eigentlich nicht wirklich kann 
Womit er sprachlich lustig lavierte

So ist es bis heute in Frankreich sind
Geliebte völlig normal und retten so
Eher viele Ehen in Deutschland sind
Sie immer noch ein kleiner Skandal

jens tuengerthal 30.5.26

Lebensparadies

Lebensparadies

Lebe in meiner kleinen Bibliothek
Im Paradies glücklich und zufrieden
Will nirgendwo mehr hin einfach nur
Die letzten paar Jahre hier verbringen
Möglichst ungestört lesend in die
Schönsten geistigen Welten tauchen
Was niemanden stören muss
Jeder sollte sich sein Paradies zum
Leben und genießen bauen um dort
Mit allem zufrieden zu sein statt noch
Mehr oder anderes zu wollen denn
Für die paar Jahre die uns bleiben 
Wie Mascha Kaleko so treffend
Einst dichtete ist es am besten
Sich sein Paradies zu Hause
Einzurichten und zu genießen
Am besten in aller Stille dabei
Um niemand anderen zu stören 
Manche machen ihren Garten
Zum Paradies auf Erden für sich
Was dem dichtenden Flaneur 
Eher natürlich fern liegt dem
Die Tiefe seiner Bibliothek als
Paradies für sich völlig genügt 
Dort still vergnügt zu lesen
Gelegentlich bei Gelegenheit
Vielleicht vor Büchern zu lieben
Ist alles was es im Leben des
Glücklichen Lesers noch braucht
Denke ich und habe alles erreicht
Will nichts mehr als genießen 
Was ist was vollkommen genügt
Sich sein Paradies auf Erden
Ganz nah zu schaffen ist das
Naheliegendste um nichts mehr
Wollen zu müssen und mit viel
Weniger glücklich zu bleiben
Was das höchste immer ist

jens tuengerthal 30.5.26

Weltraumbibliothek

Weltraumbibliothek

Habe nicht die Absicht je in den 
Weltraum zu reisen oder die Erde 
Sonst zu verlassen weil ich längst
Das ganze Universum in meiner 
Kleinen Bibliothek versammelt habe
Die täglich zu bereisen für mich
Der Traum vom erfüllten Leben ist
Wenn ich sterbe werde ich wieder
Zu Erde in der Bäume wachsen
Aus denen Papier für Bücher dann
Irgendwann gewonnen werden kann
Alles Sein kommt aus dem Wald
Betrachte ich die Bände um mich
Die teilweise sogar etwa bei Lem
An den Rand des Universums
Wie über diesen hinaus reisen 
Emotionale wie philosophische
Abgründe und Höhen erforschen
Miterleben und betrachten lassen
Habe ich Raum und Zeit längst auf
Schönste Art vereint um mich 
In der Weltraumbibliothek die
Geistige Welten genug füllt
Voller Lesererinnerung steckt
Die jeden Band besonders macht
Ein eigenes Universum ist
Nichts macht reicher und
Glücklicher je als in diesem
Friedlichen Paradies zu leben
Was lesend in Ruhe erobert 
Ohne viel Worte dabei noch
Zu verlieren lieber konzentriert 
Für sich oder auch gemeinsam
Still ohne Hetze genossen wird 
Denke ich als glücklicher Bewohner
Des Universums Bibliothek außer
Dem es nichts wirklich braucht
Was in seiner Vielfalt dafür mir
Täglich neue Welten eröffnet
Die noch dazu niemand stören
Während andere sich durch die
Welt quälen in Wohnmobilen
Oder schlimmer noch fliegend
Ihre Anschlüsse verpassen
Genieße ich in Ruhe die
Grenzenlose geistige Welt
Die meine Bibliothek öffnet
Alles andere wird unnötig
Der Weltraum einer Bibliothek
Ist größer als das Universum
Wird still lesend bereist
Paradies für einen Leser
Der glücklich bei sich bleibt

jens tuengerthal 30.5.26

Liebeswahl

Liebeswahl 

Wähle ich wenn ich liebe
Oder werde ich durch ein
Gefühl bestimmt das mir 
Jede Entscheidung abnimmt 
Muss ich die Liebste lieben
Oder entscheiden wir uns
Trotz des Einfluss der
Hormone frei füreinander 
Ist es also Bestimmung
Oder bestimmt nie weil
Weil Liebe nicht unfrei
Sein kann frage ich mich
Hoffe auf die Freiheit
Mich entschieden zu haben
Einander auch zu wollen 
Aber sehe die Grenzen
Spätestens beim Liebeskummer 
Den keiner wollen kann
Aber auch niemand je
Verhindern kann der liebt
Warum es beides wohl ist
Wenn es ist was es ist 
Habe ich keine Wahl mehr
Bis es nicht mehr ist
Dann habe ich die Wahl
Und es ist damit egal

jens tuengerthal 30.5.26

Terrassenfreude

Terrassenfreude

Bei frühlingshaft mildem Wetter
Auf der Terrasse vorm Crossroads
Gegen Mitternacht Platz genommen
Tino begrüßt und schon brachte Mo

Den guten Rheingauer Riesling raus
Auf die noch gut gefüllte Terrasse hier
Auf 12 Herren kommen hier draußen
Vier Damen alle plaudern gelassen

Die Musik ist melodisch schön just
Mit Hits von Harry Bellafonte der
Gerade gekommene Volker begrüßt
Noch den Flaneur bevor er seinen

Stammplatz an der Bar einnimmt
Gelegentlich rattert noch eine der
Straßenbahnen der hier vorbei gerade 
Noch ein lauter offener Ami Schlitten

Von drinnen höre ich außer Harry
Noch Martha und Tino alles ist
Wie gewohnt nur etwas wärmer
Gelegentlich leicht bekleidete Damen

Diese schauen proportional zur 
Leichtigkeit ihrer Kleidung nach
Ob sie genug Aufmerksamkeit
Von anwesenden Herren bekommen

Desto weniger sie tragen je
Mehr prüfen sie die Aufmerksamkeit
Als fordere weniger hier mehr an 
Aufmerksamkeit egal was sichtbar

Langsam wird draußen eingeräumt
Ganz in Ruhe ohne alle Hektik auch
Die Autos scheinen zu schleichen 
Große Aufregung droht hier nicht

jens tuengerthal 30.5.26

Freitag, 29. Mai 2026

Lektürentagebuch 29.5.26

Lektürentagebuch 29.5.26

Von der Lebenslust gelesen bei
Franz Hessel in Spazieren in Berlin
Der passend zum Freitagabend heute
Typisch berlinerisch begleitet ausging

Die Jugend lernt zu genießen beginnt
Hessel schon sehr elegant denn das
Fiele doch den Deutschen nicht leicht
Doch der Berliner verfiele dabei eher

Der Gefahr der Häufung in seinem
Vergnügungseifer mit Hang zur
Quantität und zum Kolossalen so sein
Auch Kaffeehäuser nun Gaststätten

Sie wären prätentiös vornehm dabei
Nirgends mehr gäb es behagliche
Unscheinbare Ledersofas und stille 
Winkel wie in Paris oder Wien

Statt Kellner riefen sie noch dümmlich 
Titulierend Herr Ober und einfacher
Bohnenkaffee hieße Mokka double
50 Bardamen wären mehr als 10

Immer wieder gibt es die ganz neuen
Groß-Cafés mit Platz für 1000 Gäste 
Humorvoll beschreibt Hessel wie es
Dort alles inklusive dann zugeht 

Dort wird etwas geboten fürs Geld
Das Nachmittagsgedeck für 2,50
Dazu Kuchen soviel sie nur wollen
Überall ist Betrieb auch für die Alten

In einem Monsterspeisehaus müsste
Der zweite Feiertag erlebt werden wo
Alles Ausgang hat da gibt es auch so
Manch Draufgängerisches ganz billig

Das Essen in riesigen Portionen wird
Beschrieben und das inzwischen das
Weniger als vornehm bei der Jugend
Gilt die im Gemüse wählerisch pickt 

Die Riesendoppelkonzerte die Berlin
Für Gaumen Auge Ohr und Tanzfuß
Reizen die Jugend nicht mehr so sie
Üben sich in Enthaltsamkeit dafür

Hygienische Kasteiungen sportlicher
Grundsätze steuern sie durch die
Vielzahl möglicher Vergnügungen so
Sicher wie durch nächtliche Straßen

Finden die Tanzpfade im Dickicht der
Menschenanhäufungen malt Hessel
Wieder elegant schönste Bilder von
Der immer unruhigen Großstadt

Es häufen sich die Feste so in 
Manchen Nächten vom Zoo zu Kroll
Zur Akademie in Charlottenburg wie
In der Philharmonie zur gleichen Zeit

Dazu kommen noch die Geheimtipps
In diesem oder jenem Atelier und sie
Wissen genau zu wählen was wann
Wo insbesondere noch los ist

Es braucht dazu stets den richtigen
Tanzpartner der nicht mit dem zu
Verwechseln ist den Frau gerade liebt 
Seine Aufgabe wäre eine ganz andere

Darüber hätten ihn seine jungen
Freundinnen belehrt während sie sich
Für das eine oder andere Fest noch
Zurechtmachen mit großem Ernst 

Diese Vorbereitung sei wichtiger oft 
Als das eigentliche Fest ganz ohne
Jede Eile legen sie sorgsam Hand
An sich für das Kunstwerk einer Nacht

Dabei könnten sie in aller Ruhe noch
Beobachtet werden und ihre ganz
Konzentrierte Gegenwart genossen
Werden was sonst nicht leicht ist

Im allgemeinen hätten sie das Tempo
Was Berlin und unsereinen atemlos
Immer macht dabei können sie ganz
Erstaunlich viel an einem Abend alles

In der zu träumerischen Teestunde
Wollen sie plötzlich einen Aperitif
Trinken was er in Berlin nicht mal
Erwartet hätte und schnell belehrt wird

Eiligst geht es ins Auto fährt dann die
Budapester Straße entlang um gleich
Gegenüber dem Aquarium zu halten
Geht es mit Maria ins Hotel dort 

Natürlich werden Bekannte von ihr
Die vor großer Karriere stehen noch
Getroffen und begrüßt dann wird auf
Dem Weg zum Tisch in der Bar noch

Rasch das neue Revuewunder mit
Küsschen begrüßt dass er nur aus
Den Bildern bunter Magazine kennt 
Ihnen zunächst sitzen nun zwei

Etwas zu frisch gemalte Mädchen
Eine von ihnen glaubt Maria noch
In St. Moritz gesehen zu haben dabei
Rümpfen sie schick gern die Nase

Weil sie noch ein Rendezvous mit
Freunden im Neva Grill hat die
Später in die Komödie wollen wird 
Er einem ihrer Freunde überantwortet 

Dieser nimmt ihn mit zu Horcher wo
Sie in einer Stunde sein will und sie
Könnten bis dahin männlich gediegen
Speisen und Burgunder trinken sie

Käme zum Dessert dann zurecht ob 
Auch als vertieft Hessel nicht weiter
Die Seezunge zu der Gert sich für 
Sie beide entschied wird dann auf

Gut Pariser Art am Tisch behandelt
Vor ihren Augen manche mögen das
Die verspeisten Tiere noch als solche 
Zu sehen ich finde es eher ekelhaft

Dieser Gert ist in jungen Jahren schon
Angesehen in Berliner Bank wie
Diplomatenkreisen und erzählt ihm
Von der Berliner Gesellschaft diese 

Sei heute schwer zu fassen weil die 
Alte Trennung der Stände nun aufhört 
Dabei begegnen sich Prinzen und
Sozialisten am Tisch der Bankiers

Minister und Staatssekretäre müssten
Mehr Zweckessen mitmachen als am
Ende der Politik günstig ist was sich 
Bis heute noch kaum geändert hat

Dann sprechen sie über Frauen
Gert erzählt gerade wie er beim
Dinner zwischen zweien saß bei
Denen eine höflich korrekt war

Während die andere gerne möglichst
Anzügliche Andeutungen machte jede
Bemerkung zweideutig nahm als
Maria wieder am Tisch erschien 

Diese interessierte sich nicht für 
Die Theorie sondern wollte sie
Zu einem wichtigen Russenfilm weil
Sie den von Gert bevorzugten 

Über den Pariser Amerikaner schon
Aus Paris kennt wo sie ihn in dem 
Kleinen Kino im Quartier Latin sah
So geht es weiter wie Maria wünscht 

Nach dem Kino sitzen sie dann im 
Casanova nahe am Klavier wo ein
Komponist der durch einen Schlager 
Berühmt wurde diesen immer spielt

Maria und Gert beraten sich was
Noch unternommen werden könnte
Was sie eigentlich sollten und was
Sie lieber doch nicht wollen oder so

Dann entscheiden sich die beiden
Für eine Bar in dunkler Gasse die
Nicht jeden hereinlässt daher ein
Eher erlesenes Publikum hätte 

Dort erkennt er bekannte Gesichter
Eine singt Chansons wie die Piaf
Während Gert und Maria tanzen
Schaut der Flaneur Hessel sich um

Diejenigen aus Kunst und Lebenslust 
Die er kennt was wenige sind wären 
Wohl alle hier dann ruft ihn derjenige
Der in Paris das Dôme groß machte 

Der hier ein berühmter Maler wäre
Neben sich die schöne Russin die
Ihm auch bekannt vorkommt sein
Lächeln gilt zwei Poetentöchtern

Er kannte sie noch als Kinder nun 
Weltreisende und Eroberinnen sind
Dann ein neuer Schub Kömmlinge
Aber sie bleiben der junge Mixer

Sei doch ein zu guter Schenke bis
Es plötzlich drei Uhr ist und schon
Einige Stühle auf dem Kopf stehen
Dann will Maria in den Damenklub 

Der wäre ganz nah und sie würde
Sie mitnehmen doch haben sie dort
Kein Glück auch nicht als Gefolge
Eines Mitglieds dafür geht es nun

Ins Künstlereck wo sie Hühnersuppe
Unter gotischem Gewölbe löffeln nun
Könnten sie noch weiterziehen bis in
Den dämmernden Morgen dann

So hätte Schwannecke für die Seinen 
Noch eine Seitenpforte offen auch der
Gastwirtsangestelltenverband öffnete
Erst mitten in der Nacht für Kenner 

Dort gäbe es bis Mittag Essen und
Trinken noch auch da wäre Gert
Mitglied doch das Bewusstsein es
Könnte noch ewig weitergehen 

Schläfert Hessel angenehm genug
Ein an dieser Stelle zu pausieren
Was ich in Aussicht des Freitag
Eine gute Idee nun auch finde 

Schon gestern hatte ich auf einer
Bank im Park am Helmholtzplatz
Bei einer Zigarette nach der Tour
Zurück auf den Berg begonnen 

Im Katalog der Ausstellung zu lesen
Hier schreibt Anette Hüsch die kluge
Direktorin der Alten Nationalgalerie 
Über Paul Cassirer und die Kunst 

Visionär und Vermittler ist dieser
Abschnitt betitelt in dem Hüsch die
Frage Cassirers warum er mit den 
Französischen Bildern spekulierte

Als Zitat an den Anfang stellte um den
Lesern diesen besonderen Menschen
Paul Cassirer vorzustellen wie er es
Schaffte Sammler und Menschen mit

Seinem Gespür für Begabung wie
Repräsentative Gelegenheiten zu
Begeistern wobei der damalige
Direktor der Nationalgalerie

Hugo von Tschudi eine besondere
Rolle auch spielte der auch dabei
Die Mäzenaten die diese Einkäufe
Ermöglichten an sein Haus band

Hüsch erklärt warum der Durchbruch
Des Impressionismus dabei in den 
Mittelpunkt gestellt wurde der stets
Kristallisationspunkt des Salons war

Damit wird die Wucht beschrieben 
Mit der die Ausstellungen wirkten
In der deutschen Öffentlichkeit wie
Bei der Debatte über diese Kunst 

Durch Medien und Wissenschaft
Die sich Schlachten dabei lieferten 
Zwischen französischer Leichtigkeit
Und nur sinnentleerter Oberfläche

Dabei wird an einzelne Gegner wie
Deren jeweilige Motivation erinnert 
Was deutlich macht welch große
Rolle Cassirer dazwischen spielte 

In diese Debatte wiederum griff
Liebermann mit einem scharfen
Artikel in der Frankfurter Zeitung ein
Die bis zu Pauli nach Bremen bebte 

Das Prinzip der Kollektiv Ausstellung 
Ermöglichte Cassirer Gegensätze in
Seinem Salon lebendig präsent zu
Halten offen für beides zu sein

Er ließ Meier-Graefe im Salon gegen
Böcklin reden aber stellte zugleich
Auch diesen und Menzel aus wie er
Das Zusammenspiel auch schätzte

Cassirer konzentrierte sich mehr
Auf Persönlichkeiten als auf bloß
Kunsthistorische Debatten oder
Die dort üblichen -ismen

Als Sekretär wie als Geschäftsführer 
Der Berliner Secession wie zugleich
Kunsthändler pflegte Cassirer seine
Wertvollen Kunden ganz besonders

Dies wird am Beispiel des Sammlers
Osthaus der das Folkwang Museum
Zunächst in Hagen begründete das
Heute in Essen viele Bilder bekam

Ihm schickte er mehrere van Gogh
Sogar zur Ansicht als er nicht zum
Salon kommen konnte und dieser
Kaufte als erster in Deutschland

Gerade bei van Gogh setzte er auf
Wiederholungen so hatte er 1914
Laut Katalog 146 Nummern gezeigt
So viele wie nie wieder auf einmal

Durch seine guten Kontakte zur
Witwe des Bruders hatte er den 
Direkten Draht geschaffen und
Für van Gogh auch genutzt

Das Universum Paul Cassirer hat
Den deutschen Blick auf die Kunst
Verändert und durch Verkäufe an 
Museen auch weiter geschärft 

Eine gute Einleitung der Direktorin
Der Alten Nationalgalerie die mit
Viel Wissen und Gespür für den
Kontext Cassirer hier einordnet 

jens tuengerthal 29.5.26

Preuschenskandal

Preuschenskandal

Der Preuschenskandal fand zwar
In Preußen statt doch ging es dabei
Weniger um Preußen als um die
Künstlerin Hermione von Preuschen

Die 33 jährige Künstlerin wusste
Den Skandal der Ablehnung ihres
Bildes durch die Berliner Akademie
Der Künste sehr klug zu vermarkten

Es handelte sich um das Bild mit
Dem Titel Mors Imperator das ein
Gerippe in kaiserlichem Gewand zeigt
Mit typisch imperialen Motiven dazu 

Es wurde zuerst abgelehnt weil es
Als Anspielung auf den schon alten 
Kaiser Wilhelm verstanden wurde
Was dieser aber selbst zurückwies

Daraufhin wurde behauptet das Bild
Genüge nicht den ästhetischen
Ansprüchen der Akademie was nun
Die Diskussion erst richtig entfachte 

In den Medien spielten sich danach
Schlachten um kulturelle Deutung
Wie die Rolle der Künstlerin dabei ab 
Die nichts mit dem Bild zu tun haben

Hermione die eigentlich Hermine
Ernestine Henriette Anna von P
Hieß wusste den Skandal für sich mit
Strategischem Marketing zu nutzen

Sie mietete Räume und ließ gegen
Eintritt Besucher und vor allem auch
Journalisten das Bild sehen und war
Mit einem Schlag überall bekannt

Sie entstammte von Familie her 
Hessischem Beamtenadel am Hof
Zu Darmstadt an dem auch nur
Fast hundert Jahre früher die

Mutter des damaligen Kaisers
Wilhelm I der schon längst über
Neunzig war 1887 also noch im
Achtzehnten Jahrhundert geboren

In Preußen nach ihrem frühen Tod
Wie eine protestantische Heilige
Verehrte Königin Luise aufwuchs
Die geborene Mecklenburg-Strelitz 

Was dem Skandal der Ablehnung
Dazu seinen besonderen Hautgout 
Gab war dass Kaiser Wilhelm das
Bild genehmigt hatte und Hermione

Als junge siebzehnjährige Künstlerin
In persönlichen Kontakt mit der da 
Frau des Kronprinzen Friedrich war 
Des späteren Kaiser Friedrich

Die Tochter von Queen Victoria war
Nach dem frühen Tod ihres Mannes
Als Kaiserin Friedrich bekannt und ist
Die Mutter von Kaiser Wilhelm II

Wie nervig der Kontakt war berichtet
Hermione in einem dort gezeigten
Brief auch selbst aber jedenfalls
War sie bei Hofe schon bekannt

Die Idee zu dem skandalösen Bild
Was nichts mit Wilhelm I zu tun hatte
War ihr in Saint-Denis gekommen wo
Noch die Gräber von 43 Königen sind

Hermione war zweimal verheiratet
Einmal unglücklich mit zwei Kindern
Dann glücklich mit einem Dichter was
In der Liebe immer zu empfehlen ist

Ein Zitat von ihr aus einer Rede die
Sie 1896 auf dem Internationalen 
Frauenkongress in Berlin hielt über
Das künstlerische Studium der Frau

Ist dabei besonders bemerkenswert
Lässt den Skandal und ihren dazu
Mutigen Umgang damit noch in einem
Anderen hellen Licht erscheinen

"Das Genie [ist] so frei, sich nicht ans Geschlecht zu kehren, es fliegt in die Seelen, wem und wie es will."

Eine mutige Frau die im Alter noch
Als Weltreisende bekannt wurde wird
Mit ihrem Bild mors imperator als
Feine Kabinettausstellung vorgestellt

Bezeichnend und passend dabei ist
Dass dies Kabinett zwischen den 
Preußischen Schinken von Menzel
Liegt dessen bestes unvollendet blieb

Das Gemälde Ansprache Friedrichs
An seine Generäle vor der Schlacht
Bei Leuthen hatte den Unwillen von
König Wilhelm ausgelöst warum

Der große Hofmaler Menzel es nie
Vollendete und teils auch wieder 
Zerkratzte hängt genau gegenüber
Dem Eingang des Kabinetts dazu 

Kleine feine Gesten die Kenntnis
Der preußischen Geschichte fordern 
Um die Kunst im Schatten der dort
Herrscher würdigen zu können

Hier ist mit der kleinen Ausstellung
Um Hermione von Preuschen ein
Feiner eleganter Coup gelungen
Der unbedingt sehenswert ist

Der preußische Hof hat Kunst vielfach
Ermöglicht und finanziert aber eben
Auch immer wieder engstirnig gestört
Daran erinnert diese Ausstellung

jens tuengerthal 29.5.26