Dienstag, 17. August 2021

Bücherbrücken

Bücherbrücken

Bücher bauen manchmal Brücken
Zwischen einander was mir gerade
In der Anderen Bibliothek häufiger
Noch als sonst irgendwo passierte
Seien es Figuren der Kulturgeschichte
Oder andere Protagonisten die sich
Ganz real begegneten wie auch
Auf das Werk noch Einfluss nahmen
Was hätte ich einen Kriterienkatalog
Sicher die höchste Wertung gäbe
Die noch zusätzlich Höhepunkte sind
Wenn sie kulturgeschichtliche Netze
Flechten die Epochen verstehen lassen
Neulich hatte ich ein solch geradezu
Orgiastisches Leseerlebnis bei dem
Band der Mann im roten Rock von
Julian Barnes der mich zwischen
Verschiedensten Bänden meiner
Kleinen Bibliothek springen ließ die
Das Fin de Siecle thematisieren
Beginnend mit den Tagebüchern der
Brüder Goncourt dieser wunderbaren
Klatschgeschichte der Kulturszene
Im Frankreich des 19. Jahrhunderts
Über Paul Valery der eine Liaison
Mit der Tochter Pozzis hatte weiter
Zu Alphonse Karr oder Léon Bloy
Wie den anderen Franzosen die
Immer wieder auf geistigen Reisen
Den Leser begleiten von Proust
Bis Huysmans oder Montaigne
Welcher zwar einer anderen Zeit
Noch entstammend aber als einer
Der Klassiker den Geist formte
Der sich mit einem nun verband
Heute dann Greta de Francesco
Über die Macht des Charlatans
In dem sie vom Grafen St. Germain
Erzählte und dessen Dreistigkeit
Der ihm auch die Tore etwa bei
Christina von Schweden öffnete
In deren Biografie ebenfalls aus
Der Anderen Bibliothek ich dann
Las wobei es noch um deren
Zeugung mit der brandenburgischen
Prinzessin ging ihrer Mutter die
Frau von König Gustav Adolf war
Dem Vater Christinas der 1630
Durch sein Eingreifen in den Krieg
Den Sieg des katholischen Lagers
Im noch heiligen römischen Reich 
Deutscher Nationen verhinderte
Das Fundament des Förderalismus
Noch legte den wir bis heute haben
Aber zugleich die schöne Brücke zu
Grimmelshausens Simplicissimus 
Schlägt dem ersten großen Autor
Einer neuen Art von Roman der
Ironisch aus dem Leben im Krieg
Berichtete als Schelmenroman
Im protestantisch kultivierten Deutsch
Was Luthers Bibelübersetzung erst
Zur Umgangssprache auch der
Literatur im Land der noch später
Dichter und Denker machte und so
Finden sich dem Parallelleser stets
Neue Verbindungen zwischen sonst
Separat stehenden Bänden sie so
Zu einem Netz verknüpft mit dem ich
Zwischen Kulturgeschichte und der
Literatur geistige Schätze fische
Bereichert durch die bloße Verbindung
Voller stets neuer Freude am Lesen
Was die größte Verbindung schafft
Indem es geistige Welten erst schöpft
In denen wir uns unbegrenzt ausbreiten
Können als Leser und Brückenbauer
Die nicht nur zwischen Welten springen
Sondern ein feines Netz dabei weben
Das ganz nebenbei uns erklärt was
Die Welt im Innersten zusammenhält
So sind die Bücherbrücken neben der
Verbindenden Lektüre das faustische
Element in der Literatur noch immer
Was mir Höhepunkt wie Ruhepol
Zugleich ist weil es Welten leicht
Verknüpft die unverbunden sonst
Unverstanden um uns schweben
Mit dem Zusammenhang ordnet
Wie zugleich Befriedigung schenkt
Aus vernünftiger Erkenntnis dessen
Denke ich und lächle meine Bücher
Zufrieden in deren Kosmos schwebend
Als also glücklicher Leser an

jens tuengerthal 16.8.21

Spezialliebe

Spezialliebe

Jede Liebe möchte einmalig sein
Etwas ganz besonderes was sie
Immer noch glaubt wenn sie sich
Mit großem Pathos in den dazu
Hunderttausendfach zitierten
Versen ganz wiederfindet von
Fried über Goethe bis Rilke um
Nur der guten drei zu nennen
Von sich lieber zu schweigen
Statt darüber laut zu lachen
Weil die Liebe ja was ernstes ist
Was wir für einmalig schön halten
Jedesmal wieder und dabei auch
Gerne völlig alle vorige Erfahrung
Besonders bei Wiederholung noch
Ausblenden die uns unfrei machte
Weil ja jede und besonders diese
Liebe ganz speziell wie einmalig
Das immergleiche wiederholt aber
Vielleicht ist diese Täuschung auch
Die letzte Rettung vorm Aussterben
Weil die Illusion einmaligen Glücks
Einem gewöhnlichen Vorgang noch
Überlebensnötige Spannung erhält
Die bei der Generation Porno nun
Zunehmend nachlässt aber das ist
Auch nur ein toxisches Symptom
Wie die naturfremde Nacktrasur mit
Der sich Frauen dem ihnen schädlichen
Mädchenerotik-Ideal noch unterwerfen
Was zu ewigem Ungenügen führt aber
Kein Thema der Spezialliebe ist die
Etwas einmaliges immer sein will
Nicht der billige erotische Durchschnitt
Der gewohnte Schemen animiert
Warum sie auch nicht wiederholt
Wie damit ermüdend eher frustriert
Sondern einmaliges Leid in uns weckt
Was so viel schlimmer als alles ist
Wie es zuvor noch schöner war
So beschert das Spezielle der Liebe
Die Gegensätze uns quasi synchron
Es scheint immer wieder schwierig
Dabei träumen alle von Leichtigkeit
Die über Probleme hinwegschwebt
Um den Augenblick zu genießen
Vielleicht wäre alles ganz einfach
Wenn wir wagten das übliche als
Gewöhnlich zu genießen ohne
Ewig enttäuschte Erwartungen
Wie mit dem Wissen es geht fast
Allen Menschen ganz genauso
Wir haben nicht zufällig einige
Synchrone Vorlieben dabei auch
Gelegentlich sogar noch füreinander
Überhöhen dieses wenig zufällige
Zusammenkommen dann gerne
Als ein schwebendes Ereignis
Was über allem steht bis es uns
Genug frustrierte es wieder mit
Vorigen Fehlschlägen zu vergleichen
Die offenbaren was jeder erkennt
Der nicht emotional geblendet ist
Ob nun speziell gerade ist dass
Wir die Wiederholung für einmalig
Immer noch halten bleibt offen
Wie so vieles in der Liebe
Vielleicht ist es besser so

jens tuengerthal 15.8.21

Montag, 16. August 2021

C-Wort

C-Wort

Corona ist nur ein Wort
An Worten stirbt doch niemand
Außer halt mit Vorerkrankung
Die stürben ohnehin irgendwann
Schneller ist manchmal besser
Dann hat das Leiden ein Ende
Zu viele sind wir ohnehin
Auch ökologisch tut das Sterben
Dem Gleichgewicht eher gut
Hören wir auf dazu zu streiten
Coron ist nur ein Wort
Für jeden einfach ersichtlich
Warum sich um Worte kümmern
Wenn alle sonst Party machen
Dass wir uns vor einer immer
Wieder tödlichen Krankheit schützen
Wäre zwar Grund genug für alle
Mit kleinen Resten von Vernunft
Aber hey Corona ist nur ein Wort
Es ist Sommer und Partyzeit
Wir sind nur einmal so jung
Und der Tod gehört zum Leben
Geht mich im übrigen nichts an
Wie schon Epikur weise verkündete
Es reicht nun mit dem Thema
Pandemie hier und Seuche dort
Denn Corona ist nur ein Wort
Dann geht es halt wieder weiter
Wie im letzten Jahr schon
Im Land sterben die Leut aber
Die Stimmung bleibt prima
Denn Corona ist nur ein Wort

jens tuengerthal 16.8.21

Hindukuschig

Hindukuschig

Die ehemalige Koalition gegen den
Terror kuscht am Hindukusch vor
Den Taliban denen das Land wie
Seine Menschen überlassen werden
Wie es dem Willen der Mehrheit dort
Vermutlich auch am ehesten entspricht
Damit werden sich vermutlich bald
Wieder Terroristen dort breitmachen
Im islamistischen Emirat Afghanistan
Aber diese Probleme müssen sie dort
Nun alleine miteinander lösen wie es
Präsident Biden formulierte weil wir
Dort keine Interessen mehr verfolgen
Wie keine zivile Perspektive gibt seit
Menschen gedenken sich Clans mit
Wechselnder Führung bekriegen bei
Denen gerade die Taliban führten die
Zumindest mehr Einheit versprechen
Als lange dort herrschte im ewigen
Widerstand gegen jede Besatzung
Es ist müßig darüber zu spekulieren
Ob und wie der Westen einfach so
Von einer absehbaren Entwicklung
Überrascht werden konnte wie weit
Dies eine neue Inszenierung ist die
Versagen und Unwillen verdecken
Versagen im Aufbau ziviler Verwaltung
Wie der endlich Befriedung des Landes
Dem Unwillen Versprechen zu halten
Nach denen Helfer gerettet werden
Sollten vor der Rache ihrer Gegner
Also sind auch die Motive dabei egal
Chinesen bieten schon Partnerschaft
An dem südlichen Nachbarn dabei
Wie immer geschäftstüchtig wie als
Diktatur ohnehin gewissenlos allein
An Gewinn und Macht interessiert
Russland zögert noch ein wenig
Selbst dort zu lange traumatisiert
Was wird der Westen langfristig tun
Eine Terrorhochburg zu verhindern
Wer ersetzt den Afghanen dort den
Schaden für 20 Jahre Terrorkrieg
Ohne Perspektive oder Entwicklung
Weil Bereitschaft und Basis dafür fehlt
Wäre nicht ein Plan zum Wiederaufbau
Wichtiger als alles andere zu dieser Zeit
Weltweite Legalisierung von Opium böte
Den vorher Terroristen einen Markt der
Mehr Verdienst böte als der Terror je
Aber trauen wir uns das wirklich
Kann es Zusammenarbeit mit Islamisten
Jemals geben oder ist alles nun verloren
Wer die Geschichte am Hindukusch kennt
Weiß dort ist noch jedes Reich gescheitert
Was von außen kam ohne von den Clans
Getragen worden sein und dabei ist egal
Was ich über die Behandlung der Frauen
Unter den Islamisten denke oder sonst als
Allgemeine Menschenrechte einfordere
Jede Regierung ist besser als weiter Krieg
Der dort nicht zu gewinnen ist woraus
Für die Zukunft gelernt werden könnte
Dann hätte der Afghanistan Einsatz sich
Zumindest als Erkenntnisgewinn gelohnt
Ob es weltweite Menschenrechte gibt wie
Frauenrechte unter der Herrschaft von
Islamischen Sekten je scheint fraglich
Wie das zu ändern wäre sollte endlich
Neu bedacht werden denn Militär hat
Immer für mehr Unfrieden gesorgt
Am Hindukusch zu kuschen ist nichts
Besonderes taten schon Zaren wie die
UDSSR oder chinesische Kaiser mit
Indischen Moguln besser nur täte es
Dabei zu gestehen wie wenig erreicht
Was überhaupt je möglich sein kann
Mit militärischen Mitteln dann gäbe es
Endlich Fortschritt auch jenseits der
Rüstungsindustrie noch aber ich fürchte
Die Hoffnung dafür ist nur sehr gering
Darum geht es weiter wie immer nach
Peinlichen Niederlagen wird vertuscht
Bis wieder Gras darüber gewachsen ist
Einer entschuldigt sich für seine
Fehleinschätzung und gut ist

jens tuengerthal 16.8.21

Liebesoso

Liebesoso

Die Liebe ist mal so
Dann wieder so
Dazwischen ist ganz viel
Wenn sie ist ist sie
Was sie ist kann sich
Mit einem Halbsatz
Von Glück in Unglück
Verwandeln manchmal
Kommt aus dem Nichts
Mehr als je vorstellbar
Dann wird alles wieder
Zu Nichts von dem nichts
Bleibt als verlorene Träume
Es ist halt Liebe oder so

jens tuengerthal 15.8.21

Sonntag, 15. August 2021

Talibanisch

Talibanisch

Kabul fiel und mit ihm das ganze Land
Der Westen gibt sich völlig überrascht
Dabei standen die Taliban schon vor
Tagen keine 100 km mehr entfernt
Denen eine Stadt nach der anderen
Kampflos übergeben wurde weil nun
Nicht mehr Deutschlands Freiheit am
Hindukusch verteidigt werden muss
Wurden nun nur 3 Tage eher als geplant
Fallschirmjäger mit Transportmaschinen
Gen Kabul geflogen zumindest den
Abzug des Botschaftspersonals noch
Sichern zu können auch wenn die
Taliban diesen freie Ausreise garantiert
Wenn schon nicht wie versprochen das
Afghanische Personal gerettet wird
Fragt sich wie so etwas überraschend
Geschehen konnte nach 20 Jahren
Als Militärmacht im Land dabei in
Kooperation mit den Amerikanern
Die ihren Mitarbeitern das gleiche
Heilig versprochen haben weil diesen
Für ihre Kooperation der Tod droht
Aber nun ist es ja leider zu spät
Zwei große Militärmächte werden
Von islamistischen Kriegern auf
Dem Niveau des Propheten völlig
Überrascht in Bedrängnis gebracht
Wie es Tolstoi schon 150 Jahre
Vorher beschrieben hatten es mir
Freunde erzählten die in den 80ern
Als Mujahedin noch fliehen konnten
Es wundert keinen wie es kam
Berechenbar und angekündigt
Noch wird verkündet dass die
Ausreise Bediensteter und Gefährdeter
Gesichert würde und es fragt sich
Wie das noch funktionieren soll
Warum gibt es keine Kontakte auf
Diplomatischer Ebene die dies
Geordnet hätten vorbereiten können
So musste der Krisenstab tagen
Sonntagsarbeit mit Zuschlägen weil
Keiner letzte Woche ahnte was
Ganz sicher bald bevorsteht
Irgendwie erinnert es an Corona
Alle sehen die nächste Welle
Wissen um die Gefahr von Delta
Aber jeder will mehr Freiheit
Wie vorausschauend ist noch
Wer bekannte Tatsachen ignoriert
Was verrät es über Führungskraft
Aber wir haben ja Wahlkampf
Da sind alle nicht ganz dicht
Mehr fällt mir dazu nicht ein

jens tuengerthal 15.8.21

Gartenglück

Gartenglück

Hab es nicht so mit Gärten
Entwickelte früh Heuschnupfen
So löste der Aufenthalt im Grünen
Eher Allergien aus und war stets
Wie ich es aus dem Elternhaus
Kannte mit viel Arbeit verbunden
Die nie erledigt war wie für ganz
Kurze Momente der Entspannung
Ein vielfaches an Arbeit forderte
Zwar befreiten mich die sonst
Eher lästigen Allergien von der
Verpflichtung zur Gartenarbeit
Doch verstand ich Cicero stets
Nur halb als er einst meinte wenn
Du einen Garten und eine Bibliothek
Hast wird es dir an nichts fehlen
Eher dachte ich immer da ich
Eine Bibliothek habe was soll ich
Noch lästige Gartenarbeit wollen
Lieber las ich auf dem Diwan
Vor dem Kamin unabhängig
Von den Unbill des Wetters
Nun aber liege ich gelassen
Auf der Dachterrasse der Liebsten
Unweit des überfüllten Mauerpark
Genieße beim Tee lesend mit ihr
Die Ruhe über den Dächern Berlins
Freue mich an den schönen Blüten
Wie leichtem Wind im Halbschatten
Was braucht es mehr denke ich als
Eine Bibliothek und eine Liebste
Die ihre Dachterrasse pflegt
Stimme Cicero immer noch nicht zu
Aber wenn du eine Bibliothek hast
Wie eine Liebste mit Dachterrasse
Ist das Leben ziemlich vollkommen
Was doch eigentlich genügt
Glücklich zu bleiben

jens tuengerthal 15.8.21

Samstag, 14. August 2021

Liebeswillen

Liebeswillen

Können wir Liebe wollen oder
Geschieht sie uns einfach als
Ereignis voller Glück gegen das
Weder Vernunft noch Zweifel
Irgendetwas wiegen im Wahn
Überlege ich und denke den
Liebeswahn kenn ich schon
Will ich so nie wieder haben
Dennoch geschieht uns Liebe
Auch immer schicksalhaft
Sogar ohne an ein Schicksal
Zu glauben ist niemals alles
Davon vernünftig erklärbar
Weil es um ein Gefühl geht
Wäre das ja auch unpassend
Und doch kann ich wollen um
Bewusst glücklich zu sein statt
Nur wechselnd zu erleben dem
Was ist Konstanz zu geben die
Vom Willen füreinander getragen
Kein bloßes Gefühl mehr nur ist
Sondern eine verlässliche Basis
Auf der sich etwas aufbauen lässt
Die auf Vertrauen gründet was die
Basis aller Liebe immer ist aber
Darüber hinaus sich füreinander
Entscheidet statt weiter zu suchen
Oder dem Zufall Macht zu geben
Über das was mein Leben bestimmt
Wofür ich liebend alles geben würde
Weil wer sich verliebt zwar vollkommen
Die Kontrolle emotional verliert aber
Es so zumindest willentlich tut was
Die Illusion von Freiheit erhält die ich
Gerne für eine Bedingung der Liebe
Halte ohne es beweisen zu können
Da was auch geschieht am Ende
Die Liebe ohnehin stets recht hat
Empfiehlt es sich dies zu wollen
Kein Opfer zu werden sondern
Lieber willentlich liebend

jens tuengerthal 14.8.21

Lebenswillig

Lebenswillig

“Sterben muss ich, aber tot werd’ ich nicht sein”
Rahel Varnhagen

Wie treffend zitiert Hannah Arendt hier
Rahel Varnhagen in der Lebensgeschichte
Einer deutschen Jüdin aus der Romantik
Wieviel vom Geist der Freiheit steckt in
Diesen Worten einer Jüdin die noch
Um verlorene verratene Liebe trauert
Ohne die alles verloren schien was 
Kennt wer je wirklich liebte weil das
Was war nie austauschbar sein kann
Und so fragt Hannah für Rahel wie
Weiterleben wenn alles vorbei ist
Um das Kapitel damit zu beenden
Es ist keine irgend Unsterblichkeit
Über die Rahel in diesem Satz hier
Nachdenkt sondern ein Ende ihres
Leidens das bis der Tod sie nähme
Von ihrem Geist Besitz nahm also
Alles in den Schatten des Endes
Was sie sehnlichst im Liebesleid
Erwartete weil sie nun nicht
Mehr tot sein sondern leben will
Um das mögliche zu genießen
Was bleibt oder irgend noch wird
Wir alle müssen sterben irgendwann
Keine Frage der Diskussion sondern
Ganz normaler Zwang der Natur aber
Bis dahin nicht tot sein wollen ist viel
Für jene die alles verloren aber auch
Ein Zeichen der Rückkehr ins Leben
Mit einer Absage an den Tod solange
Sie noch ist was das Ende ihrer
Depression im Rückzug einläutet
Mit der das Leben wieder beginnt
So wird dem Sein als Tote eine
Absage erteilt auch wenn es dem
Gefühl der Romantik wohl entsprach
Im Wissen sterben zu müssen dennoch
Dem Tod keine Herrschaft zu geben
Erinnert an die Diskurse im Zauberberg
Zwischen Settembrini und Castorp
Wo der Geist der Aufklärung dort in
Gestalt des italienischen Humanisten
Einen Platz für das Leben einfordert
Neben dem Sterben nach der Natur
Was die Lungenheilstätte noch unter
Der Macht der Tuberkulose bestimmt
Weil keiner weiß wann es wen dann
Doch nach genug Ballons Sauerstoff
Erwischt um nicht mehr zu sein aber
Bis es nach der Natur soweit ist will
Rahel nicht tot sein und welch Glück
War dieser Entschluss für die Nachwelt

jens tuengerthal 14.8.21

Kiezkulturdemo

Kiezkulturdemo

Gerade beim Weg um den Helmholtzplatz
Einem Konzert auf der Straße gelauscht
Für das Raumerstraße gesperrt wurde
Zwischen Lychener und Schliemann
Menschen tanzten maskiert mit Abstand
Setzen sich gegen Verdrängung ein
Feiern so coronagerecht wie möglich
Was bei allen Vorbehalten gegen den
Linken Kanon der Kapitalismusgegner
Wirklich lobend hervorzuheben ist
Die Beteiligten machen zwar Krach
Aber angenehm in Musik verkleidet
Und verhalten sich vorbildlich sozial
Während Rechte und Verblendete
Impfgegner mit ihrem Verhalten noch
Immer wieder andere gefährden wird
Hier Rücksicht genommen und sich
Ganz korrekt in der Pandemie benommen
Solche Demos schaden keinem sondern
Zeigen wie Freiheit konstruktiv auch in
Diesen Zeiten wahrgenommen werden
Kann und wie Verantwortung geht die
Keine Gefahr für andere hervorruft
Was andererseits den Geist der noch
Coronaleugner sehr deutlich offenbart
Wie schön ist es an einem Platz zu leben
Wo sogar tanzende junge Leute beim
Konzert auf der Straße vorbildlich ihre
Masken tragen und Abstand halten
Egal ob es klug wäre zu enteignen
Oder gegen den Kapitalismus zu sein
Ist so eine faire Auseinandersetzung
Möglich zeigen welche wie sie das
Von ihnen geforderte soziale Verhalten
Auch persönlich vorbildlich umsetzen
Obwohl diese Szene sonst eher nicht
Für hohe Staatskonformität bekannt ist
Tun sie was sozial und nötig ist um
Keine anderen Menschen zu gefährden
Dann kann fair gestritten werden was
Nötig und was vermeidbar ist um das
Leben in der Stadt künftig zu gestalten
Hier unterscheiden sich ganz klar die
Demonstranten der linken Seite von
Den immer wieder Covidioten die sich
Asozial und gefährdend verhalten dabei
Mehr um ihre Freiheit als das Leben 
Der anderen fürchten was zumindest
Dem letzten deutlich macht wer die
Freiheit im Land wirklich gefährdet
Mögen wir noch viele Straßenkonzerte
Am Helmi miteinander feiern gerne
Auch ohne Politik der Musik wegen

jens tuengerthal 14.8.21

Oderbergerhimmel

Oderbergerhimmel

Mit einer feinen Tasse Tee auf der
Dachterrasse der Liebsten in den
Himmel über Berlin schauen wo
Schäfchenwolken mit Zirren vor
Der just verborgenen Augustsonne
Zum Takt des gerade Donauwalzers
Um die Wette tanzen lässt Leben
Noch in weiter Ferne so nah fast
Vollkommen scheinen während
Milder Wind zärtlich streichelt
Erinnerung an die Nacht weckend
Unten steht das Volk Schlange
Um mit Eis Bedürfnisse zu befriedigen
Die wer dem Himmel hier näher ist
Milde nur belächelt mit Abstand
Sich fern dem Grund einig dabei
Im Paradiesgarten zwischen den
Welten lustvoll schwebend

jens tuengerthal 14.8.21

Freitag, 13. August 2021

Liebeslangweile

Liebeslangweile

Irgendwann fragst du dich ob die
Liebe und die Lust nicht einfach
Langweilig werden weil es doch
Immer das gleiche irgendwie ist
In ewigen Ritualen abläuft die
Noch den Reiz erhöhen sollen
Von Entzug bis Eroberung ist
Alles ein ewig wiederholtes Spiel
Bei dem sich sogar die Worte
Gleichen nur besser die Namen
Nicht verwechselt werden um
Konflikte zu vermeiden außer
Diese gleichen sich auch was
Etwa bei Julias mir nun 9 mal
Schon so ging ohne immer zum
Romeo dabei werden zu wollen
Was über einmal auch öde wird
Weil es ja doch immer das gleiche ist
Wenn du dich fragst ist es meist
Schon zu spät was egal ist solange
Die Hormone den Rest noch in
Schwung dabei halten wird es
Nicht so schnell einer auffallen
Geht es halt rein raus laut leise
Außer sie denkt auch kritisch
Wie lächerlich das Getue ist
Manchmal hilft darüber reden
Alkohol ist auch immer gut
Anstatt wie überhaupt und so
Stolpern wir durchs Leben stets
Darauf bedacht uns nicht zu sehr
MIteinander zu langweilen was
Kommt wenn die Hormone dann
Nachlassen und nichts gutes
Mehr zu lesen da ist wovor zumindest
Bei mir ein relativer Schutz besteht
Ansonsten gilt weiter wie immer
Aber sich nichts anmerken lassen
Es ist eben wie es ist
Irgendwann auch vorbei
Dann ist es besser so
Zu genießen was ist
Mehr kommt nicht
So liebe ich lieber
Weiter wie gewohnt
Tut ja auch gut

jens tuengerthal 13.8.21

Befreiungsbastelbogen

Befreiungsbastelbogen

Was führt zur Befreiung aus der
Selbstverschuldeten Unmündigkeit
Am ehesten frage ich mich als alter
Anhänger Kants immer wieder aber
Habe keine konsistente Antwort als
Selber zu denken darauf gefunden
Doch stellt sich dabei die Frage
Ob es besser ist die anderen in ihrer
Trägheit vor den Kopf zu stoßen
Oder lieber gelassen abzuwarten bis
Auch der letzte AfD-Wähler begreift
Was bei ihm falsch abgebogen ist
Warum handeln muss wer noch das
Klima retten will wie es genau so
Seit 50 Jahren der Club of Rome
Jährlich wieder verkündet auf der
Basis wissenschaftlicher Studien
Das kann jeder wissen und längst
Nachlesen und dennoch handeln
Viele immer noch als ob sie es
Nicht längst besser wüssten was
Belegen könnte dass sie entweder
Nichts besser wissen oder es aus
Sturheit oder Dummheit ignorieren
Sage dazu nichts aber wer denkt
Findet darin einen Bastelbogen
Zur Befreiung aus selbstverschuldeter
Unmündigkeit der Rest ist Schweigen

jens tuengerthal 13.7.21

Expertenwissen

Expertenwissen

Experten kämpfen um Gehör
Bestimmen dann Entscheidungen
Derer die keine Ahnung haben
Aber alles entscheiden dürfen
Weil sie dazu gewählt wurden
Vom eigentlichen Souverän dem
Deutschen Volk das weder eine
Ahnung haben muss noch über
Zusammenhänge nachzudenken
Braucht um wählen zu dürfen
Wobei unklar ist wie viele der
Dazu berechtigten es tun oder
Täten wenn sie wollten also
Zumindest könnten aber da
Es unklar bleibt denn wer wird
Sich schon für blöd erklären
Als gewählter Entscheidungsträger
Mehr spricht für die Annahme des
Gegenteils bei allen Führungskräften
Egal in welchem Bereich denn
Wären sie es sonst irgendwo
Womit sich alles aus sich begründet
Und damit all das nicht auffällt
Haben wir überall Experten heute
Die deantworten wie den gefälschten
Eindruck von Kompetenz geben
Hatte neulich ein Date mit einer
Sexualberaterin für Frauen die als
Selbst Mißbrauchsopfer ihre Expertise
Genügend belegt sah zu ihrer sonst
Praktischen Erfahrung kann ich nichts
Sagen habe aber verstanden warum
Sie sich gerne und schnell so fühlt
Doch hatte diese im Radio interviewte
Expertin zu weiblicher Lust real keine
Ahnung vom nervus pudendus als
Neurologisches Zentrum weiblicher
Lust noch von der Art seiner Stimulation
Nach neuesten neurologischen Studien
Wie es ihr überhaupt an praktischem
Wissen wie Erfahrung bis auf ein mal
Von dem sie ausführlich berichtete
Ohne wirklich konkret zu werden
Hörbar zu mangeln schien aber sie
Gilt dank zahlreicher Interviews egal
Ob jemals gekommen oder nicht nun
Als Expertin im gerne beredeten Bereich
Fragte mich auch schon ob ich nicht
Angesichts der numerischen Erfolge
Auf diesem Feld in den letzten Jahren
Als Experte weiblicher Sexualität auftreten
Wie theoretisch oder praktisch Beratung
Vielen Frustrierten anbieten sollte aber
Fand das ganze immer zu lächerlich
Hielt mein angelesenes Expertenwissen
Immer für zu gering um es für einen
Geldwerten Vorteil einzusetzen aber
Vor allem verband ich es lieber mit Sex
Statt mit nur Beratung und tat also lieber
Wozu ich Lust hatte statt zu meinen
Etwas besser als alle zu wissen
Wofür dann gut auch bezahlt wird
Worauf es bei der Lust mehr ankommt
Komme aus einer Familie von Besserwissern
Möchte kein Experte mehr werden auch
Nicht beim Sex den ich lieber genieße
Habe auch das dumpfe Gefühl das
Experten genau das sind was Kant
Als Gegenpol zur Aufklärung sieht
Ohne zu wissen wie viele das nun
Verstehen ob wie und überhaupt
Aber manches ignoriere ich lieber
Weniger an der Gleichheit zu zweifeln
Beim Sex ist es ohnehin wie immer
Entscheidend ist was hinten reinkommt

jens tuengerthal 13.7.21