Lektürentagebuch 26.3.25
Mit Franz Hessel als Flaneur weiter
Im Theater und in den Osten flaniert
Die dort Schlachthöfe zu besuchen
Zwischen Schönheit und Schrecken
Das Theater im alten Stil genoss
Der Flaneur und empfahl es allen
Besucher des Ostens als gute
Unterhaltung die ihn nur hinderte
Noch eines der zahlreichen Kinos
Dort zu besuchen wie er sich nach
Der Vorstellung mit der Menge gen
Osten noch weiter treiben lässt
Über die damals Frankfurter Allee
Die leider immer noch nach dem
Fragwürdigen Karl Marx heißt
Ging es zur Landesbergen Allee
Von dort führte ihn der Weg zum
Großen Berliner Schlachthof dort
Durch den er geführt wird um alles
In Ruhe betrachten zu können
Dies heute stillgelegte Gelände
Nahe der Ringbahnstrecke trägt
Heute noch an die alte Nutzung
Erinnernde Namen in den Straßen
Von der Rinderauktionshalle über
Den langen Jammer zur Marktflagge
War gut mit der Bahn erreichbar und
Versorgte die Berliner mit Frischfleisch
Hessel beschreibt wie die scheinbar
Völlig ahnungslosen Schweine oder
Rinder in die Schlachthalle laufen
Dort bekommen sie einen Hammerschlag
Die dabei tätigen Mörder sehen wie er
Selbst erstaunt feststellt sehr gut aus
Alles wäre gepflegt und sehr sauber
Laufe einfach ab wie am Fließband
Jeder Schritt der Verwertung habe
Eigene säuberlich getrennte Abschnitte
Auch der blutige Teil werde dabei stets
Spurlos ganz sauber wieder gehalten
Ein wenig befremdet aber doch neutral
Beschreibt der Autor die industrielle
Schlachtung und Verwertung die kaum
An die anfängliche Tötung erinnert
Vom Leiden der Tiere die ahnungslos
Ihrem Ende entgegengehen ist dabei
Nichts zu lesen im Gegenteil ist er
Überrascht wie angenehm alles scheint
Es ist spannend dieses heute Wohngebiet
Noch in seinem alten Zweck zu sehen
Vom Flaneur als Besucher sehr fein
Beschrieben zu bekommen noch dazu
Dies ohne ethische Wertung der Frage
Ob es moralisch ist Fleisch zu essen
Noch tun wir es und also ist es gut
Sich anzusehen wie es geschieht
Deutlich aber macht der Bericht wie
Die immer wieder Betonung des Ostens
In dem diese Stätten liegen wie fern sie
Dem Berliner aus dem Westen liegen
Dieser erst seit 1920 zu Großberlin
Gehörige vornehmere Teil Berlins rümpfte
Gern etwas die Nase über den proletarischen
Osten in dem die Armen eher lebten
Das hat sich heute etwas gewandelt
Auch infolge der langen Teilung aber
Die vornehmen Ecken liegen im Westen
Obwohl der Osten etwas hipper wurde
Heute nochmal an Hessels Roman
Kramladen des Glücks gewagt dabei
Den Kleinkindteil etwas schneller gelesen
Bis es in der Jugend aufregender wird
Feinfühlig beschreibt er wie er als Jude
Von Klassenkameraden erniedrigt sogar
Einmal heftig verprügelt noch wurde aber
Infolge auch seinen besten Freund findet
Von seinem ersten Kuss mit einer Kusine
Der Sorge den Freund an eine Frau die
Plötzlich alles geträumte teilen soll wie
Die geplante Reise um die Welt zu verlieren
Hier findet Hessel wieder einen guten
Glaubwürdigen Ton ohne die immer nur
Erwachsene Projektion der Kinderwelt
Hier lese und genieße ich ihn gern
Die Beschreibung der eher assimilierten
Jüdischen Berliner Familie bei der die
Taufe nach dem Tod der Großmutter
Deutlich näher rückt ist sehr fein
Hier beschreibt Hessel eigene Welten
Den Wunsch nach Anpassung wie die
Tradition in Teilen der Familie noch im
Gegensatz zur gewünschten Assimilation
So schickt der Vater Gustav in den
Christlichen Religionsunterricht weil
Lernen und Wissen immer gut wäre
Die Taufe schon lange geplant ist
Wie sein Besuch dieser Stunden
Genutzt wird einen Konflikt durch
Die Klassenkameraden zu provozieren
Beschreibt fein den normalen Antisemitismus
Nachdem nun das anfänglich eher etwas
Mühsame erste Buch geschafft ist kann
Dem nächsten nun mit Freude entgegen
Gesehen werden es lohnt wohl doch
Von Hessel und Berlin ging es nach
Ägypten mit Christopher de Bellaigue
Wo sich die Tradition der französischen
Aufklärung bei den Schülern fortsetzt
So sorgt der sehr frankophile Vizekönig
Für einen Besuch der besten Studenten
Für einige Monate in Paris was wieder
Neue innovative Ideen ins Land bringt
Wie sich die geistige Bewegung die
Mit Napoleons Feldzug begann so
Als geistige Befreiung noch fortsetzt
Den Geist der Aufklärung weiter trägt
Diese wissen die Zeit zu nutzen auch
Wenn in Europa nach dem Tod von
Lord Byron im griechischen Freiheitskampf
Das osmanische Reich kritisch gesehen wird
Sogar in der Berliner Malerei zeigen sich
Auf Bildern von Schinkel noch deutliche
Spuren der europäischen Griechenland
Begeisterung mit Verklärung der Antike
Der Kontakt mit Europa holt jedenfalls
Den ägyptischen Islam aus seiner langen
Dogmatischen Erstarrung heraus um so
Einen Weg in die Zeit zu finden
Ob ein mittelalterlicher oder noch älterer
Aberglaube je zu Freiheit und Gleichheit
Wie Menschenrechten passen kann ist
Eine immer wieder aktuelle Frage
Jedenfalls bringt der Kontakt nach
Frankreich geistige Bewegung in
Konservative islamische Ägypten
Das Wege in die Gegenwart sucht
jens tuengerthal 26.3.25
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