Dienstag, 25. März 2025

Lektürentagebuch 25.3.25

Lektürentagebuch 25.3.25

Zweimal Franz Hessel heute gelesen
Erst schon in der Nacht begonnen das
Kapitel Nach Osten über den Alexanderplatz
Dann zwei Kapitel im Kramladen des Glücks 

Der Alex war schon damals eine große
Baustelle die das vorige völlig veränderte
Hessel fragt sich ob es noch lohne vom
Heute Alex zu erzählen der morgen schon

Geschichte sein könnte so schnell würde
Sich hier alles wandeln und wenig nur
Bliebe wie es einmal war während sich
Dazwischen die Massen schlängelten

Bahnen und Busse wie die Tram suchten
Lücken zwischen den Bauzäunen ihren
Vorgeschriebenen Weg noch zu finden
Es ist ein großes Tohuwabohu dort

Aufmerksam beobachtet der Autor wie
Sich in der Übergangswelt in der altes
Verschwindet und neues erst kommt
Gerne Not und Armut auch ansiedeln

Entdeckt Läden in den vorher Kellern
Schon abgerissener Mietskasernen
Oder Wohnquartiere für Obdachlose
Die sie für Zwischenzeiten erobern

Ein trauriges Bild voller Geschäftigkeit
Die noch keine Vollendung findet um im
Ständigen Wandel weiter zu eilen ohne
Ein Ziel als in Bewegung zu bleiben

Sehr treffend dieses Bild bis heute noch
Immer ist der Alex eine ständige Baustelle
Mit schummrig krimineller Atmosphäre
Neben überall tollen Sonderangeboten

Hier locken große und kleine Tempel
Des Konsums die Kunden die dazu im
Slalom zwischen den Platzbewohnern
Sich ständig neue Wege suchen müssen

Der auch Dank der ihm heute hoch 
Umgebenden Architektur der DDR 
Zum hässlichsten Platz Europas wurde
Und diesen Titel mit Gefühl verteidigt 

Das Gefühl am Alex ist immer gehetzt
Viele der Bewohner wecken eher Mitleid
Daran hat sich scheinbar wenig geändert
Ein Ort den ich lieber schnell verlasse

Hessel führt sein Gang danach in das
Auch im Umbau begriffene Scheunenviertel
Wo es Schaufenster zu betrachten gibt
Wie immer überraschend Angebote lauern

Kurz vor Vorstellungsbeginn landet er im
Rose Theater und beschreibt die dort
Gesichter die noch auf ihren Daumier für
Berlin warten ewige Kunst zu werden

Aufmerksam beschreibt er wie sich die
Jungen Damen hier von denen im Westen
Unterschieden beide mit nackten Armen
Hier von durchbrochener Spitze umspielt 

Immer noch unterscheiden sich die Damen
Im Westen und Osten sichtbar auf viele
Arten vom mehr an Schminke westlich
Zu erstaunlichen Haarfarben östlich

Mögen sie sich ausgezogen gleichen
Ist schon der Weg dahin verschieden
Wird westlich gern verzögert für mehr Reiz
Geht es östlich gern pragmatischer zu

Wie weit solches Verhalten eher vom 
Wesen als der Kultur geprägt wurde
Bräuchte es wohl umfassende Studien 
Warum ich mich dazu lieber enthalte 

Erschwert würde eine Aussage dazu
Zusätzlich dadurch dass viele denen ich
Begegnen durfte selbst zugezogene waren
Was also kaum zum Vergleich taugten

Seltsam treffend aber beschrieb Hessel
Den Charakter des Alexanderplatz der
Scheinbar schon damals schrecklich war 
Dennoch Menschen in Massen anzieht

Als zumindest Verkehrsknotenpunkt falls
Die Öffentlichen mal fahren kommen hier
Täglich Massen vorbei die gerne auch
Die Gelegenheit noch nutzen wollen

Vom noch Ausbau dieses engen Netzes
Verschiedener Mittel der Fortbewegung
Schreibt Hessel noch staunend aus dem
Getümmel der großen Baustelle Alex

Berlin hat viele wunderschöne Ecken
Der Alexanderplatz ist das Gegenteil
Betont damit die andere Schönheit
Hat also auch seinen guten Zweck


Weiter ging es in dem Roman
Kramladen des Glücks von Hessel
Der aus der Kleinkindperspektive
Etwas aufgeregt zu erzählen beginnt

Finde Geschichten aus der Sicht
Von Kindern meist eher seltsam
Wie bemüht wogegen ich hier aus
Respekt vor Franz Hessel anlas

Wirklich überzeugen konnte mich
Der Autor den ich sonst sehr liebe
In dieser Geschichte noch nicht 
Werde aber geduldig weiterlesen

Zum einen weil Franz Hessel dies
Bisher noch nie enttäuscht hat aber
Dieses Frühwerk wirkt noch etwas
Bemüht und spielt viel mit Angst 

Herrlich dabei war jedoch schon
Die Schilderung der Begegnung
Mit Gott und was oder wen sich
Der Knabe darunter vorstellte

So ist auch der Tod der Mutter
Weniger dramatisch erzählt als
Der Gegenstand vermuten lässt
Hoffe er findet die Leichtigkeit

Wenn Geschichten zu sehr gewollt
Wie damit auch konstruiert wirken
Regt sich in mir schon Widerwille
Bei der Lektüre die es schnell beendet

Über den Kramladen des Glücks hatte ich
Vor einigen Tagen auch mit einem der
Antiquare hier gesprochen der meinte
Er möge Hessel danach eher nicht

Bis jetzt verstehe ich ihn teilweise aber
Will dem heiligen Franziskus vom
Fischer Verlag wie Mascha Kaleko ihn
Liebevoll nannte eine Chance geben

Werde darüber hier weiter berichten
Bin aber als Autor nun noch viel
Entschlossener die Kinderperspektive
Schreibend lieber zu vermeiden

Wenn es uns gelingt uns ganz in
Ein Kindergemüt einzufühlen wird
Daran unser Horizont sicher leiden
Wo nicht fragt sich gleich wozu

jens tuengerthal 25.3.25

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