Sonntag, 16. März 2025

Lektürentagebuch 16.3.25

Lektürentagebuch 16.3.25

Den Sonntag wunderbar lesend mit
Der geliebten Anderen Bibliothek verbracht
Dabei in sechs Bändern gelesen und jeden
Auf seine Art als Lektüre genossen 


Begonnen schon in der Nacht mit
Der Reise ins Paradies von dem
Bremer Ehepaar Heinrich und Christine
Gondela aus dem Jahre 1802

Die beiden sind noch in Sachsen was sie
Landschaftlich wie menschlich begeistert
Heute über ihren Tagesausflug in das
Schöne Elbsandsteingebirge gelesen 

Erst gemeinsam mit einem Führer bis
Pirna durch Wälder und auf Berge wie
Die besonderen Sehenswürdigkeiten vor
Ort auch über teils Umwege betrachtend

Sehr fein schildern die beiden in ihrem
Reisetagebuch die Beobachtungen wie
Teils widrige Umstände bei noch großer 
Sommerlicher Hitze am 30. August 1802

Spitz bemerkt der wohlhabende Kaufmann
Wie sie die feinen Ausflügler aus dem
Dresdner Adel und Bürgertum auf dem
Rückweg nahe Dresden betrachteten

Aus ihren Kutschen schauten sie
Wohl frisiert und gut angezogen auf
Das leicht verstaubte Paar herab was
Etwas offensichtlich unübliches tat

Beeindruckend die Schilderungen der
Landschaft im Gebirge nahe Dresden
Was für Bremer aus dem platten Land
Schon an sich etwas besonderes war

Gleichzeitig zeigt sich auch immer
Wieder eine feine Ironie die dabei
Über sich als verstaubt und verwirrt
Zumindest in der Frisur lachen kann

Die Wanderlust der beiden erstaunt
Viele denen sie auf dem Weg begegnen
Wie manche Einwohner ihre berühmten
Schluchten noch nie besuchten 

Ein humorvolles Reisetagebuch was
Sowohl einen Blick in die Zeit erlaubt
Wie die besuchten Orte beschreibt
Reisebericht und Sittenbild ist

Sachsen werden die Beschreibung
Der dortigen Schönheiten lieben wie
Sich gerne im Lob ihrer Gastfreundschaft
Baden was heute vielen ferner lag


Von Sachsen ging es nach Indien
Dort im Papageienbuch las ich eine
Neue wunderbare Geschichte wie
Eine Ehefrau ihren Mann täuscht 

Als dieser sie vom Tempel kommend
Wo sie ihren Geliebten traf auf der
Anderen Seite des Flusses sieht
Inszeniert sie mit einer Freundin 

Eine kleine Szene als Gespräch unter
Frauen das ihr Mann aber hören soll
Wobei sie vorgibt im Tempel um sein
Bedrohtes Leben gebetet zu haben

Der Mann ist gerührt ob ihrer Sorge
Bittet sie sogar häufiger in den Tempel
Zum Beten zu gehen wenn sie ihn 
Dadurch rette und gesund hielte

Dieser über tausend Jahre alten
Indischen Geschichten zeugen von
Einer entspannten Moral mit dabei
Selbstbewussten sexuell aktiven Frauen

Wie fern ist dies der offiziellen Moral
Welche im Mittelalter noch in Europa
Im Namen der Kirche vertreten wurde
Oder tarnt die Minnelyrik ähnliches

Vermutlich haben sich die sexuellen
Bedürfnisse der Menschen nie in
Unserer Millionen Jahre Geschichte
Größer verändert wir tun viel dafür


Auf dem Rückweg von Indien nach
Europa noch im Arabischen Diwan 
Pausiert und wunderbare Verse wie
Die Erläuterungen dazu gelesen

Wie Schilderungen von Schlachten
Die Heldengeschichten waren ganz
Untypisch mit Liebesgeschichten
Durchwoben und ergänzt wurden

Die Beschreibungen von Tieren
In teils zärtlichen Fabeln bilden so 
Einen Kontrapunkt zum Kriegsbericht
Was ein differenziertes Bild ergibt

Die Kämpfer und Helden sind auch
Liebende voller Sehnsucht die mit
Großen Gefühlen kämpfen wie an
Den damit verbundenen Wirren leiden


Von den arabischen Kriegen ging es
Nach Sardinien mit Marcello Fois wo
Der jüngere Sohn von Mercede und
Ihrem Meisterschmied sich als ein

Großer Leser und Geschichtenerzähler
Entpuppt der auch über Heraldik sich 
Beliest auf der Suche nach den Wurzeln
Seines Namens wie seiner Familie

Sehr schön ist diese Geschichte in
Der jener Vorfahr mit spanischem Namen
Den Inquisitor im Namen des noch
Spanischen Vizekönig verhaften soll

Wie sie das Kloster stürmen wollen
Dort auf verbarrikadierte Türen stoßen
Die sie mit viel Mühe überwinden um
Am Ende noch weiter zu warten

Diese ironisch lapidare Art der Erzählung 
Passt gut in den Roman und zeigt die
Geschichte der Familie im größeren 
Historischer Kontext der Insel auf


Vom Kampf mit der Kirche ging es
Zu dem um den richtigen Glauben
In den Dreißigjährigen Krieg also nach
Deutschland zurück mit Grimmelshausen

Dessen Simplicissimus in der Prosa Ausgabe
Ist eines der wunderbaren verdienstvollen
Literarischen Projekte der Anderen Bibliothek
Das ich allen Leserinnen empfehlen kann

Der Ich-Erzähler berichtet wie ihn sein
Vater der wohlhabende Kaufmann streng
Moralisch ermahnt und droht ihn in eine
Besserungsanstalt sperren zu lassen 

Wie ihn dies zur Flucht veranlasst um
Zuerst Räuber und Dieb in Köln bei
Einer befreundeten Bande zu werden
Was aber ein schnelles Ende findet

Als einer von ihnen bei einem Überfall
Erwischt öffentlich ausgepeitscht wurde
Wie ein Ohr abgeschnitten bekommt ist
Das Risiko dieses Berufs ihm zu hoch

So wendet er sich wieder der Armee zu
Versucht dort Karriere zu machen und
Träumt davon zum General aufzusteigen
Räumt dafür Konkurrenten aus dem Weg

Er hofft dies als Schreiber zu können
Was noch selten gerade im Krieg war
Gibt Bildung so einen hohen Wert um
Im Leben seine Ziele zu erreichen

Wie er dies betrügerisch schließlich
Fast erreicht ist mit großem Humor
Wie viel Selbstironie beschrieben
Immer geht es um das liebe Geld

Wie sehr sich in der Geschichte des
Simplicissimus auch die Biographie
Von Grimmelshausen spiegelt ist so
Spannend wie das Sittenbild der Zeit

Es herrschte lange Krieg mit vielen
Seuchen und Hungersnot in dem
Die Menschen irgendwie überlebten
Versuchen ihren Weg zu finden

Die kleinen Geschichten aus dem
Simplicissimus geben ein gutes Bild
Der Zeit wie des Krieges auch in seiner
Wirkung auf die Menschen im Land

Dies in gruselig grausamer Zeit noch
Mit so viel Humor zu tun zeigt sowohl
Das Können wie den großen Witz
Den ein Grimmelshausen hatte 

Er beschreibt menschliches Leiden
Was er teilweise selbst erlebt wie
Auch Lust und sonst Bedürfnisse
Der Menschen die im Krieg leben


Etwas 150 Jahre später aber auch
In Deutschland spielt der nächste
Band der Anderen Bibliothek den ich
Als Sonntagsgenuss fortsetzte

Der Roman Hermann und Ulrike
Von Johann Karl Wezel spielt in
Einem Fürstentum und wurde von
Wieland als der beste gelobt 

Er mischt verschiedene Ebenen vom
Ironischem Spott über das höfische Leben 
Zur fast romantischen Liebesgeschichte
Wie Erziehungsidealen der Aufklärung

Der Plan zur Flucht der Liebenden vom
Ungerecht willkürlichen Hof an dem sie
Keine Chance haben sich zu finden
Wie ihre geheime Verlobung war Thema

Der heutigen Lektüre was mit vielen
Figuren aufregend anschaulich auch
Beschrieben sowohl literarisch gut ist
Wie ein Sittenbild der Zeit fein malt

Es steckt darin viel aufklärerischer
Geist der im Absolutismus der in
Deutschland herrschte meist eher
Verpönt war außer in Preußen

Dort herrschte zwar ein Aufklärer
Mit Friedrich dem Großen was aber
Mehr für seinen Kreis wie eine kleine
Exklusive Schicht nur galt 

So ist Hermann aus dem Roman aus 
Einfachen Verhältnissen zeitweise als 
Günstling am Hof aufgewachsen und
Lernte durch seinen Lehrer Literatur lieben

Die Baroness Ulrike ist eine Nichte des
Grafen deren Vater seine Güter verlor
Die gut verheiratet werden soll wie es
Dem Geist der Zeit eben entsprach

Von den Plänen des Grafen Ohlau
Emanzipieren sich die Liebenden um
Ein selbständiges Leben zu wagen
Was 1780 wirklich revolutionär war

Dieser große Bildungsroman der leider
Nicht so bekannt ist wie Goethes
Wilhelm Meister oder Wielands Agathon
Trägt viel geistigen Sprengstoff in sich

Dies verpackt Wezel humorvoll in eine
Liebesgeschichte mit Hindernissen die
Dazu alle Standesgrenzen sprengt was
Revolutionärer eigentlich noch war

Hatte lange mit diesem Roman pausiert
Doch während gerade auch wieder mein
Romanprojekt in mir erwacht wie neue
Flügel bekommt passt es ganz ideal
 
jens tuengerthal 16.3.25

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