Lektürentagebuch 20.3.25
Heute in fünf Bänden gereist
Durch Europa wie nach Ägypten
In Berlin als Flaneur begonnen
Wie in Italien als Reisender geendet
Angefangen mit Franz Hessel der
Als Flaneur in Berlin heute nach
Tempelhof ging dafür zuerst vom
Damals neuen Flughafen berichtet
Wie die Knaben dort staunend stehen
Aber jeden Maschine genau kennen
Wie dann auch mit Details benennen
Auch wenn manches Phantasie bleibt
Heute ist das Flugfeld Geschichte wie
Ein umstrittenes teilweise Baugebiet
Was noch eine kreative Brache ist die
Nach Bürgerentscheid ungenutzt blieb
Damals noch stadtnaher Flughafen als
Den ich es auch noch kennenlernte wie
Eine Liebste dort abholen durfte was dem
Spaziergang übers Feld Erinnerung gibt
Weiter in Tempelhof besucht er die dort
Industrie von Sarotti und Ullstein die ihre
Zeitschriften und Schokoladen hier fertigten
Wie von unterschiedlichen Arbeitern jeweils
Während die industriellen Druckerpressen
Meist von Männern bedient dort Zeitung
Oder Buch werden ließen was weiter südlich
In Redaktionen vorher erdacht wurde
Sind in der Schokoladenfabrik mehr Frauen
Tätig die sich um die süße Waren kümmern
Welche dort gerührt gepresst wie verpackt
Zum Traum aus Schokoladenbohnen wird
Kurz nur erwähnt er die Tempelritter die dort
Ihren Hof hatten der den Namen einst gab
Von denen schon lange aber nichts mehr
In den modernen Siedlungen sichtbar ist
Sie gleichen denen im übrigen Berlin
Offenbaren selten große Phantasie
Scheinen ihm nicht der Rede weiter wert
Hier wurde viel Wohnraum geschaffen
Weiter geht es noch nach Mariendorf
Wo er das selten Glück hat wie er es
Schreibt in eine Filmproduktion als
Flaneur hinter die Kulissen zu schauen
Beschreibt die gedrehte Barszene dort
Wie alles was im Film perfekt wirkt nun
Als kleines Stückwerk hell angestrahlt
Zwischen den Kulissen daherkommt
Seine Begeisterung hält sich bei aller
Höflichen Zurückhaltung in Grenzen
Nicht immer lohnt der Blick hinter die
Kulissen ein schönes Bild zu finden
Es geht auch beim Film menschlich zu
Fehler werden gemacht und Szenen
Immer wieder geübt und wiederholt
Bis ein kleines Stück vollendet ist
Von Berlin ging es direkt nach Ägypten
Dort berichtet über die islamische Aufklärung
Christopher de Bellaigue besonders wie der
Nach Vertreibung der Franzosen dort vom
Sultan eingesetzte Vizekönig Mohamed Allah
Pascha ein wohl muslimischer Albaner der
In der Armee Karriere wie sich unentbehrlich
Für den Sultan machte dort belohnt wurde
Mit harter Hand modernisierte dieser das
Rückständige Land auch über viele
Enteignungen der vorher Mächtigen oder
Kanalbauten die mehr Ackerland gaben
Armee Verwaltung und Bildung wurden
Nach europäischen Vorbild erneuert
Was teils größere Konflikte auslöste aber
Durch klare Konsequenz erfolgreich war
Seine Versuche mit seiner großen Armee
Die über 150.000 Mann umfasste auch
Den Sultan zu bedrängen wurden von
Den Briten schließlich unterbunden
Sein Bemühen Ägypten zu modernisieren
War zeitweise sehr erfolgreich er baute
Alexandria als Seehafen aus und im Land
Die gefragte Baumwollproduktion auf
Seine vom Geist der Aufklärung geprägte
Herrschaft verwandelte und stärkte den
Rückständigen Teil des osmanischen Reichs
Werde seinen Weg weiter verfolgen
Aus Ägypten ging es nach Frankreich von
Wo Egon Friedell über die Zeit des Barock
Wie die Rolle von Mazarin nach Richelieu
Als zweiter mächtiger Kardinal berichtete
Dies macht er mit immer wieder kleinen
Netten Anekdoten über den Liebhaber
Der Mutter Ludwigs XIV. für den er die
Regentschaft noch eine Zeit ausübte
Trotz seiner großen Verdienste für
Frankreich sowohl auf der politischen
Ebene beim Westfälischen Frieden
Wie auch militärisch immer wieder
Beschreibt ihn Friedell als den eher
Geizigen kleineren Geist verglichen
Mit Richelieu jedoch legte er noch
Wichtige Grundlagen der Großmacht
Geradezu schwärmerisch dagegen
Erzählt er aus dem Leben von dem
Mann der für ihn das Zeitalter neu
Prägte und die Welt veränderte
René Descartes der die Welt dabei
Dachte wie in ein Koordinatensystem
Als er die Algebra erfand wie auch
Sein berühmtes cogito ergo sum
Spannend erzählt er aus dem Leben
Eines der großen europäischen Denker
Den es schließlich nach Schweden auf
Bitten von Königin Christina verschlug
Die Reise in den kühlen Norden hat
Descarte nicht mehr überlebt der die
Wasa Königin nur selten sah der er
Seine Philosophie nahebringen wollte
Christina von Schweden ist spannend
Genug gleich zu dem Band über sie
Aus der Anderen Bibliothek nun von
Veronica Buckley zu wechseln
Durchaus kritisch sieht Buckley die
Schwedische Monarchin die für ein
Leben als Katholikin in Rom abdankte
Beschreibt ihre Wechselhaftigkeit gut
Die Tochter von Gustav Adolf der im
Dreißigjährigen Krieg in der Schlacht
Bei Lützen fiel ist sehr machtbewusst
Sichert ihr späteres Leben auch durch
Lügen Betrug und Unterschlagung wie
Geheimhaltung ihrer wahren Absichten
Was allerdings aus ihrer Position in einer
Von Männern dominierten Welt auch
Verständlich ist dennoch viel weniger
Aufgeklärt philosophisch war als sie
Sich gerne nach außen hin gab es
Gab auch diese intrigante Seite bei ihr
Sehr gut beschreibt Buckley wie die
Noch Königin ihren Abschied auch
Vor dem Reichstag vorbereitet wie
Versucht sich diplomatisch zu sichern
Würde die Schweden ihrer früheren
Königin die wortbrüchig konvertierte
Ihre verabredete Apanage weiterhin
Zahlen oder musste sie für sich sorgen
Wie könnte sie ihren Lebensunterhalt
Zu dem auch eine standesgemäße
Hofhaltung gehörte noch ermöglichen
Wenn die Konversion bekannt wurde
Was ist dabei legitim um sich weiterhin
Ein gutes Leben zu sichern wie ihre
Stellung als Königin außer Dienst die
Aber gerne eine Majestät bleiben wollte
Sehr gut und mit Detailwissen erzählt
Buckley aus dem Leben der Königin
Wie sie versucht ihr künftiges Leben
Über Verträge und Intrigen zu sichern
Selten sind Lügen dauerhaft erfolgreich
Doch konnte Christina ihr Vorhaben in
Rom zu leben realisieren dagegen blieb
Ihr die Krone Siziliens doch verwehrt
Über diese Krone stand sie mit Mazarin
In Verhandlung um sie statt der Spanier
Zu bekommen was aber daran scheiterte
Dass dieser sie nach ihr für Frankreich wollte
Damit schließt sich der historische Kreis
Der beiden sich ergänzenden Bücher
Über die Gründe der Konversion der
Freiheitsliebenden Christina wurde viel
Wie auch lange gestritten ob dies eher
In ihrem Charakter oder echtem Glauben
Liegen könnte ist so unklar wie auch die
Letzten Gründe ihrer Abdankung
Es wird gemutmaßt sie wollte damit auch
Gegen ihre strenge protestantische
Erziehung in Schweden protestieren
Wie eine geplante Ehe verhindern
So war der protestantische Märker
Friedrich Wilhelm von Brandenburg
Einer der dringenden Kandidaten um
Eine nordische Großmacht zu schaffen
Heiraten aber wollte Christina nie
Keinem Mann untertan sein als dann
Gebärende Ehefrau auch wenn es
Männer gab liebte sie auch Frauen
Christina von Schweden ging ihre ganz
Eigenen Weg und behielt weiterhin
Engen Kontakt zu führenden Denkern
Ihrer Epoche auch über ihren Salon
Noch etwas weiter zurück ging es im
Nächsten Buch mit Michel de Montaigne
Wie dessen Tagebuch über die Reise
Über Deutschland nach Italien
Auf dem Rückweg von Rom nach
Bordeaux wo er erwartet wird besucht
Montaigne noch zentrale Orte in der
Mitte Italiens wie Florenz und Lucca
Bei der heutigen Lektüre beschreibt er
Die Erlebnisse in Florenz was scheinbar
Auch schon im 16. Jahrhundert ein großer
Jahrmarkt war mit ganz viel Theater
Dieses erlebt Montaigne begeistert mit
Schildert wie auch Kinder mitspielen
Wie begeistert von einem Wagenrennen
Was das Publikum am Ende entscheidet
Dies gegen den Wagen des Großherzogs
Was Montaigne als Zuschauer ungerecht
Eher fand in der Sache aber gefällt ihm der
Mut der Menschen Partei zu ergreifen
Dies auch laut und gegen den von seinem
Palazzo zusehenden Großherzog der wohl
Ein Medici gewesen sein dürfte mit denen
Das Frankreich Montaignes vertraut war
Sowohl als Ehefrau wie als Königsmutter
Später auch als Schwiegermutter was zur
Bartholomäusnacht vielleicht auch führte
Wie als zweite Ehefrau von Henri Quatre
Montaignes Beschreibung seiner Reise
Wie der touristischen Höhepunkte dort
Im Mutterland der Renaissance zeigen
Wie wenig sich dort je verändert hat
Wagenrennen und Straßentheater
Begeistern immer noch die Massen
Die Gunst dort wechselt schnell wie
Keiner dort sich ihrer sicher sein kann
Auch was er von den Festen berichtet
Wie frech er bemerkt dass diese die
Gelegenheit gibt junge Florentinerinnen
Zu sehen was sich aber kaum lohnte
So gibt Michel de Montaigne der noch
Im 16. Jahrhundert lebte und reiste ein
Lebendiges Bild seiner Zeit mit viel auch
Spott über die Gewohnheiten vor Ort
Immer neugierig und offen probiert er
Alle Heilquellen und lokale Speisen
Veranstaltet selbst großzügig Bälle
Seinem Namen Ehre zu machen
Erst sein Großvater hatte sich als
Erfolgreicher Händler den Titel wie
Das mit ihm verbundene Gut gekauft
Sein Vater war der erste Edelmann
So war das Bedürfnis sich auch als
Repräsentant des Adels in guter
Erinnerung zu halten ihm wichtig
Wie er sein Wappen dort platzierte
Es zeigen diese kleinen Eitelkeiten
Auch einen anderen Montaigne als
Den Philosophen des Essays die er
Erst nach seinem Rückzug schrieb
Doch scheut er sich auch nicht über
Seltsame Angewohnheiten wie die
Dreistigkeit mancher zu berichten
Oder Vorurteile zu korrigieren
Die berühmten wie hochgelobten
Venezianischen Huren etwa fand er
Weniger der Rede wert ohne dabei
Noch weiter ins Detail zu gehen
Ob die kleinen Frechheiten auch
Gegenüber der Kurie der Grund waren
Dies Tagebuch nie zu veröffentlichen
Was später entdeckt wurde bleibt unklar
Seine teils sehr ausführlichen Beschreibungen
Seiner Befindlichkeiten auch bezüglich seiner
Nierensteine wie seiner Verdauung machen
Die Lektüre manchmal seltsam amüsant
Er schrieb dies Tagebuch was er teilweise
Seinem angeblichen Sekretär noch in den
Mund legte in der jeweiligen Landessprache
Französisch Deutsch Italienisch dabei
Irgendwann verschwindet der Sekretär
Ohne weitere Erklärung was auch die
These einer erfundenen Figur stärkt
Eines Autors der sich noch tarnt
Eine immer wieder lohnende Lektüre die
Auch gerne herzlich lachen lässt und
Lesern zeigt wie nah uns in vielem schon
Die Menschen der Renaissance waren
Der Verdienst der Anderen Bibliothek durch
Die Übersetzungen und Ausgaben von
Hans Stilett um Montaigne ist wirklich groß
Was ich hier gerne nochmal betone
jens tuengerthal 20.3.25
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