Freitag, 21. März 2025

Lektürentagebuch 20.3.25

Lektürentagebuch 20.3.25

Heute in fünf Bänden gereist
Durch Europa wie nach Ägypten
In Berlin als Flaneur begonnen
Wie in Italien als Reisender geendet


Angefangen mit Franz Hessel der
Als Flaneur in Berlin heute nach
Tempelhof ging dafür zuerst vom
Damals neuen Flughafen berichtet

Wie die Knaben dort staunend stehen
Aber jeden Maschine genau kennen
Wie dann auch mit Details benennen
Auch wenn manches Phantasie bleibt

Heute ist das Flugfeld Geschichte wie
Ein umstrittenes teilweise Baugebiet
Was noch eine kreative Brache ist die
Nach Bürgerentscheid ungenutzt blieb

Damals noch stadtnaher Flughafen als
Den ich es auch noch kennenlernte wie
Eine Liebste dort abholen durfte was dem
Spaziergang übers Feld Erinnerung gibt

Weiter in Tempelhof besucht er die dort
Industrie von Sarotti und Ullstein die ihre
Zeitschriften und Schokoladen hier fertigten
Wie von unterschiedlichen Arbeitern jeweils

Während die industriellen Druckerpressen
Meist von Männern bedient dort Zeitung
Oder Buch werden ließen was weiter südlich
In Redaktionen vorher erdacht wurde

Sind in der Schokoladenfabrik mehr Frauen
Tätig die sich um die süße Waren kümmern
Welche dort gerührt gepresst wie verpackt
Zum Traum aus Schokoladenbohnen wird

Kurz nur erwähnt er die Tempelritter die dort
Ihren Hof hatten der den Namen einst gab
Von denen schon lange aber nichts mehr
In den modernen Siedlungen sichtbar ist

Sie gleichen denen im übrigen Berlin
Offenbaren selten große Phantasie
Scheinen ihm nicht der Rede weiter wert
Hier wurde viel Wohnraum geschaffen

Weiter geht es noch nach Mariendorf
Wo er das selten Glück hat wie er es
Schreibt in eine Filmproduktion als
Flaneur hinter die Kulissen zu schauen

Beschreibt die gedrehte Barszene dort
Wie alles was im Film perfekt wirkt nun
Als kleines Stückwerk hell angestrahlt
Zwischen den Kulissen daherkommt

Seine Begeisterung hält sich bei aller
Höflichen Zurückhaltung in Grenzen
Nicht immer lohnt der Blick hinter die
Kulissen ein schönes Bild zu finden

Es geht auch beim Film menschlich zu
Fehler werden gemacht und Szenen
Immer wieder geübt und wiederholt
Bis ein kleines Stück vollendet ist


Von Berlin ging es direkt nach Ägypten
Dort berichtet über die islamische Aufklärung
Christopher de Bellaigue besonders wie der
Nach Vertreibung der Franzosen dort vom

Sultan eingesetzte Vizekönig Mohamed Allah
Pascha ein wohl muslimischer Albaner der
In der Armee Karriere wie sich unentbehrlich
Für den Sultan machte dort belohnt wurde

Mit harter Hand modernisierte dieser das
Rückständige Land auch über viele
Enteignungen der vorher Mächtigen oder
Kanalbauten die mehr Ackerland gaben

Armee Verwaltung und Bildung wurden
Nach europäischen Vorbild erneuert
Was teils größere Konflikte auslöste aber
Durch klare Konsequenz erfolgreich war

Seine Versuche mit seiner großen Armee
Die über 150.000 Mann umfasste auch
Den Sultan zu bedrängen wurden von
Den Briten schließlich unterbunden

Sein Bemühen Ägypten zu modernisieren
War zeitweise sehr erfolgreich er baute
Alexandria als Seehafen aus und im Land
Die gefragte Baumwollproduktion auf

Seine vom Geist der Aufklärung geprägte
Herrschaft verwandelte und stärkte den
Rückständigen Teil des osmanischen Reichs
Werde seinen Weg weiter verfolgen


Aus Ägypten ging es nach Frankreich von
Wo Egon Friedell über die Zeit des Barock
Wie die Rolle von Mazarin nach Richelieu
Als zweiter mächtiger Kardinal berichtete

Dies macht er mit immer wieder kleinen
Netten Anekdoten über den Liebhaber
Der Mutter Ludwigs XIV. für den er die
Regentschaft noch eine Zeit ausübte

Trotz seiner großen Verdienste für
Frankreich sowohl auf der politischen
Ebene beim Westfälischen Frieden
Wie auch militärisch immer wieder

Beschreibt ihn Friedell als den eher
Geizigen kleineren Geist verglichen
Mit Richelieu jedoch legte er noch
Wichtige Grundlagen der Großmacht

Geradezu schwärmerisch dagegen
Erzählt er aus dem Leben von dem
Mann der für ihn das Zeitalter neu
Prägte und die Welt veränderte

René Descartes der die Welt dabei
Dachte wie in ein Koordinatensystem
Als er die Algebra erfand wie auch
Sein berühmtes cogito ergo sum

Spannend erzählt er aus dem Leben
Eines der großen europäischen Denker
Den es schließlich nach Schweden auf
Bitten von Königin Christina verschlug

Die Reise in den kühlen Norden hat
Descarte nicht mehr überlebt der die
Wasa Königin nur selten sah der er
Seine Philosophie nahebringen wollte


Christina von Schweden ist spannend
Genug gleich zu dem Band über sie
Aus der Anderen Bibliothek nun von 
Veronica Buckley zu wechseln

Durchaus kritisch sieht Buckley die
Schwedische Monarchin die für ein
Leben als Katholikin in Rom abdankte
Beschreibt ihre Wechselhaftigkeit gut

Die Tochter von Gustav Adolf der im
Dreißigjährigen Krieg in der Schlacht
Bei Lützen fiel ist sehr machtbewusst
Sichert ihr späteres Leben auch durch

Lügen Betrug und Unterschlagung wie
Geheimhaltung ihrer wahren Absichten
Was allerdings aus ihrer Position in einer
Von Männern dominierten Welt auch

Verständlich ist dennoch viel weniger 
Aufgeklärt philosophisch war als sie
Sich gerne nach außen hin gab es
Gab auch diese intrigante Seite bei ihr

Sehr gut beschreibt Buckley wie die
Noch Königin ihren Abschied auch
Vor dem Reichstag vorbereitet wie
Versucht sich diplomatisch zu sichern

Würde die Schweden ihrer früheren
Königin die wortbrüchig konvertierte
Ihre verabredete Apanage weiterhin
Zahlen oder musste sie für sich sorgen

Wie könnte sie ihren Lebensunterhalt
Zu dem auch eine standesgemäße
Hofhaltung gehörte noch ermöglichen
Wenn die Konversion bekannt wurde

Was ist dabei legitim um sich weiterhin
Ein gutes Leben zu sichern wie ihre
Stellung als Königin außer Dienst die
Aber gerne eine Majestät bleiben wollte

Sehr gut und mit Detailwissen erzählt
Buckley aus dem Leben der Königin
Wie sie versucht ihr künftiges Leben
Über Verträge und Intrigen zu sichern

Selten sind Lügen dauerhaft erfolgreich
Doch konnte Christina ihr Vorhaben in
Rom zu leben realisieren dagegen blieb
Ihr die Krone Siziliens doch verwehrt

Über diese Krone stand sie mit Mazarin
In Verhandlung um sie statt der Spanier
Zu bekommen was aber daran scheiterte
Dass dieser sie nach ihr für Frankreich wollte

Damit schließt sich der historische Kreis
Der beiden sich ergänzenden Bücher
Über die Gründe der Konversion der
Freiheitsliebenden Christina wurde viel

Wie auch lange gestritten ob dies eher
In ihrem Charakter oder echtem Glauben
Liegen könnte ist so unklar wie auch die
Letzten Gründe ihrer Abdankung

Es wird gemutmaßt sie wollte damit auch
Gegen ihre strenge protestantische
Erziehung in Schweden protestieren
Wie eine geplante Ehe verhindern

So war der protestantische Märker
Friedrich Wilhelm von Brandenburg
Einer der dringenden Kandidaten um
Eine nordische Großmacht zu schaffen

Heiraten aber wollte Christina nie
Keinem Mann untertan sein als dann
Gebärende Ehefrau auch wenn es
Männer gab liebte sie auch Frauen

Christina von Schweden ging ihre ganz
Eigenen Weg und behielt weiterhin
Engen Kontakt zu führenden Denkern
Ihrer Epoche auch über ihren Salon


Noch etwas weiter zurück ging es im
Nächsten Buch mit Michel de Montaigne
Wie dessen Tagebuch über die Reise
Über Deutschland nach Italien

Auf dem Rückweg von Rom nach
Bordeaux wo er erwartet wird besucht
Montaigne noch zentrale Orte in der
Mitte Italiens wie Florenz und Lucca

Bei der heutigen Lektüre beschreibt er
Die Erlebnisse in Florenz was scheinbar
Auch schon im 16. Jahrhundert ein großer
Jahrmarkt war mit ganz viel Theater

Dieses erlebt Montaigne begeistert mit
Schildert wie auch Kinder mitspielen 
Wie begeistert von einem Wagenrennen
Was das Publikum am Ende entscheidet

Dies gegen den Wagen des Großherzogs
Was Montaigne als Zuschauer ungerecht
Eher fand in der Sache aber gefällt ihm der
Mut der Menschen Partei zu ergreifen

Dies auch laut und gegen den von seinem
Palazzo zusehenden Großherzog der wohl
Ein Medici gewesen sein dürfte mit denen
Das Frankreich Montaignes vertraut war

Sowohl als Ehefrau wie als Königsmutter
Später auch als Schwiegermutter was zur
Bartholomäusnacht vielleicht auch führte
Wie als zweite Ehefrau von Henri Quatre

Montaignes Beschreibung seiner Reise
Wie der touristischen Höhepunkte dort
Im Mutterland der Renaissance zeigen
Wie wenig sich dort je verändert hat

Wagenrennen und Straßentheater
Begeistern immer noch die Massen
Die Gunst dort wechselt schnell wie
Keiner dort sich ihrer sicher sein kann

Auch was er von den Festen berichtet
Wie frech er bemerkt dass diese die
Gelegenheit gibt junge Florentinerinnen
Zu sehen was sich aber kaum lohnte

So gibt Michel de Montaigne der noch
Im 16. Jahrhundert lebte und reiste ein
Lebendiges Bild seiner Zeit mit viel auch
Spott über die Gewohnheiten vor Ort

Immer neugierig und offen probiert er
Alle Heilquellen und lokale Speisen
Veranstaltet selbst großzügig Bälle
Seinem Namen Ehre zu machen

Erst sein Großvater hatte sich als
Erfolgreicher Händler den Titel wie
Das mit ihm verbundene Gut gekauft
Sein Vater war der erste Edelmann

So war das Bedürfnis sich auch als
Repräsentant des Adels in guter
Erinnerung zu halten ihm wichtig
Wie er sein Wappen dort platzierte

Es zeigen diese kleinen Eitelkeiten
Auch einen anderen Montaigne als
Den Philosophen des Essays die er
Erst nach seinem Rückzug schrieb

Doch scheut er sich auch nicht über
Seltsame Angewohnheiten wie die
Dreistigkeit mancher zu berichten
Oder Vorurteile zu korrigieren

Die berühmten wie hochgelobten
Venezianischen Huren etwa fand er
Weniger der Rede wert ohne dabei
Noch weiter ins Detail zu gehen

Ob die kleinen Frechheiten auch
Gegenüber der Kurie der Grund waren
Dies Tagebuch nie zu veröffentlichen
Was später entdeckt wurde bleibt unklar

Seine teils sehr ausführlichen Beschreibungen
Seiner Befindlichkeiten auch bezüglich seiner
Nierensteine wie seiner Verdauung machen
Die Lektüre manchmal seltsam amüsant

Er schrieb dies Tagebuch was er teilweise
Seinem angeblichen Sekretär noch in den
Mund legte in der jeweiligen Landessprache
Französisch Deutsch Italienisch dabei

Irgendwann verschwindet der Sekretär
Ohne weitere Erklärung was auch die
These einer erfundenen Figur stärkt
Eines Autors der sich noch tarnt

Eine immer wieder lohnende Lektüre die
Auch gerne herzlich lachen lässt und
Lesern zeigt wie nah uns in vielem schon
Die Menschen der Renaissance waren

Der Verdienst der Anderen Bibliothek durch
Die Übersetzungen und Ausgaben von
Hans Stilett um Montaigne ist wirklich groß
Was ich hier gerne nochmal betone

jens tuengerthal 20.3.25

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