Donnerstag, 5. März 2026

Mittwoch, 4. März 2026

Versgedanken IV

Versgedanken IV

Weiter geht es mit den Gedanken
Zu einigen Versen von Vergil über 
Die Montaigne im gleichnamigen
Essay so wunderbar schreibt 

Von sich aus hätte Montaigne sogar
Der Weisheit die Ehe ausgeschlagen
Weil ihm jeder Zwang zuwider ist da
Er für so etwas nicht geeignet sei

Doch was immer er auch daherrede
Sitte und Brauch führten uns im 
Gewöhnlichen Leben doch am
Gängelband in den meisten Fällen

Er folgte dem vorgehaltenen Beispiel
Nicht dem freien Willen so hätte er 
Sich eigentlich nicht zur Ehe selbst
Entschlossen sondern wurde mehr

Hineingeführt es wären äußere 
Anstöße gewesen die ihn erst dazu
Bestimmten nicht nur unbequeme
Dinge können unter Umständen

Bei gewissen Bedingungen uns 
Abnehmbar werden weil der Mensch
Doch auf wackligen Füßen stände
Ist die Freiheit eine relative Größe

So wäre er als er zur Ehe bestimmt
Wurde dafür schlechter gerüstet noch
Gewesen und mit mehr Widerwillen
Als heute wo er es probiert hätte 

Für wie zügellos er auch gehalten
Würde befolge er die Gesetze der
Ehe strenger als er erwartet hätte 
Sogar als er es versprochen hat

Die Zeit sich dagegen aufzulehnen
Sei vorbei wenn du dir erstmal die
Ketten hast anlegen lassen denn 
Wer sich beugt solle seine Pflicht

Erfüllen statt darüber zu jammern
Ungerecht seien jene die diesen 
Handel nur eingingen um sich
Hinterher darüber zu beschweren

Sie machten ihr Leben nur schwer
Noch ungerechter aber sei jene 
Lebensregel die Frauen sich wie
Einen Orakelspruch heilig halten

“Diene deinem Mann als Obrigkeit
Misstrau dem Schurken aber jederzeit" 

Hieße es doch benimm dich mit
Geheuchelter argwöhnischer ja
Feindseliger Ehrerbietung was eher
Einer Kriegserklärung mehr gliche 

Er sei nicht gewieft genug nur das
Für billig zu halten was ihm so scheint
Bloß weil er des Aberglauben Feind
Verfalle er nicht dem Unglauben

Auch wer nicht immer seine Pflicht tut
Sollte sie wenigstens anerkennen so
Sei es Untreue eine Frau zu ehelichen
Ohne sich mit ihr zu verheiraten

Eine spannende These die viel Raum
Für Interpretationen noch lässt die 
Das miteinander erträglicher machen
Als Pflichterfüllung die Freude macht

Vergil stellte die Ehe als eine voller
Eintracht und gutem Einvernehmen 
Dar in der trotzdem nicht viel Treue
Herrsche was will er damit sagen

Sei es möglich dem Liebestrieb auch
Außerehelich zu frönen und dennoch
Ehelichen Pflichten nachzukommen 
Die Ehe knicken ohne sie zu brechen

Es zweige auch mancher Knecht
Manches vom Gut seines Herren 
Für sich ab ohne dass er darum
Eine Abneigung gegen ihn hätte

So könne Schönheit Gelegenheit
Auch Schicksal eine Frau zu einem
Anderen hinziehen ohne darum die
Verbundenheit zu ihrem Mann gleich

Völlig zu verlieren da Liebe und Ehe
Vorhaben sind die zwei verschiedene
Wege gehen sie kann sich einem 
Hingeben ohne ihn heiraten zu wollen 

Dies nicht nicht nur des Vermögens
Wegen sondern vielleicht auch seiner
Inneren Werte wegen wäre denn wer
Mit ihnen betrügt ihnen jemals treu 

Es gäbe wenige Männer die ihre
Geliebte heirateten und es nicht
Danach bereuten und das sogar
Bis ins Jenseits hinein noch

Welch missmutige Ehe führte etwa 
Jupiter mit der Frau die er vorher
Noch so draufgängerisch selbst
Umbuhlt hätte das nenne er

“In einen Hut scheißen und ihn sich dann aufsetzen" 

Er habe erlebt wie in einem ganz 
Ehrbaren Haus der Ehe die Liebe
Mit Schimpf und Schande noch 
Ausgetrieben wurde einfach weil

Ihre Beweggründe zu verschieden
Sind getrennt könnten wir beiden 
Die so voneinander abweichen 
Ohne Schwierigkeiten huldigen 

Isokrates sagte Athen gefalle auf
Die Art wie Damen denen du 
Minnedienst leistest jeder liebe es 
Sie zu besuchen zum flanieren 

Eine Zeit dort zu verbringen aber
Niemand liebe sie derart sich dort
Niederzulassen sie zu ehelichen
Um sich immer dort anzusiedeln

Mit Befremden hätte er so manche
Ehemänner ihre Frau hassen sehen
Weil er ihr untreu war so sollten wir
Die Frauen nicht unserer Verfehlung

Wegen weniger lieben sondern sie
Aus Reue und Mitgefühl nur desto
Höher schätzen so könnte dies eher
Manche Ehe wohl noch retten

Vergil wollte sagen dass Ehe und
Liebe zwar unterschiedliche Ziele 
Verfolgten aber doch nebeneinander 
Bestehen könnten nach ihrer je Art 

Die Ehe habe den Nutzen der
Rechtmäßigkeit das Ansehen wie 
Die Beständigkeit für sich sei ein
Fades aber umfassendes Vergnügen

Dagegen gründe die Liebe allein
Auf Lust weshalb sie uns heftiger 
Wie zweifellos lebhafter kitzelt sie
Wird durch Schwierigkeiten entfacht

So müsse sie brennen und stechen
Wen Amors Pfeil nicht mehr entflammt
Habe ausgespielt die Zuneigung wie 
Das Begehren stumpfen ab wenn

Frauen in der Ehe zu ausgiebig
Ihren Männern zur Verfügung stünden
Welch Mühe gäben sich Platon und
Lykurg dies gesetzlich zu verhindern

Nichts anderes will vermutlich auch
Die katholische Kirche mit ihrer so
Absurden Sexualmoral die damit den 
Reiz auf Dauer nur erhalten soll 

Frauen lehnten zurecht die von 
Männern eingeführten Sittengesetze
Ab da sie ohne ihre Mitwirkung
Entstanden wären warum es nur 

Natürlich sei dass es zwischen
Männern und Frauen Reibereien 
Gäbe selbst wenn in vielem einig
Bleibt es stets turbulent und stürmisch 

Nach Auffassung von Vergil liege das
Daran dass wir sie völlig widersinnig
Behandelten angesichts der nun
Folgenden Tatsachen insbesondere

Sie sind im Lieben unvergleichlich
Fähiger als wir was schon ein Priester
Der Antike bezeugte der erst Frau und
Dann Mann auf beiderlei Art liebte 

Montaigne berichtet nun von dem
Kaiserpaar das meisterlich darin war
Er entjungerte zehn gefangene
Mädchen allein in einer Nacht

Sie dagegen öffnete 25 Männern 
Tür und Tor und wechselte sie nach
Bedarf und Begehr zuletzt erschöpft
Zwar aber voll vom Schaume blieb 

Unersättlich ihre heiße Pflaume
Zitiert Montaigne den Dichter hier
Als weiteres Beispiel berichtet er
Von einer Frau aus Katalonien

Die sich über die zu heftigen
Liebesattacken ihres Mannes
Beschwerte jedoch nicht wie er
Glaubt weil sie sich wirklich

Dadurch belästigt fühlte denn an 
Wunder glaube er in Glaubensfragen 
Allein als um die Herrschaft der 
Männer hierbei zu beschneiden 

Dies auch in dem Akt der das
Fundament der Ehe bilde damit zeige 
Dass Frau vor nichts halt mache
Sogar die Wonne der Lust zertrampelt

Er brachte dagegen vor dass er auch
An Fastentagen mindestens zehnmal 
Bräuchte was Montaigne entartet gar 
Viehisch nennt worüber dann die

Königin von Aragon bemerkenswert 
Urteilte nach reiflicher Beratung im
Staatsrat und festlegte in einer Ehe
Sei der gebotenen Zurückhaltung

Wie Mäßigung wegen sechsmal Sex 
Genug für einen Tag damit aber habe
Sie Bedarf und Begehr ihres eigenen
Geschlecht unberücksichtigt gelassen 

Gar geopfert um Maß zu halten das
Bequem und ständig eingehalten
Werden könnte worauf die Gelehrten
Fragten wie groß wohl das weibliche

Begehren wirklich ist wenn diese hohe
Zahl schon als Mäßigung galt dabei 
Hätte Solon schon es auf dreimal
Begrenzt Männer nicht zu erschöpfen

Nun wo wir all das wissen und die
Natürliche Begehr der Frauen kennen 
Verordnen wir dennoch den Damen
Unter Strafdrohung Enthaltsamkeit 

Keine Leidenschaft sei größer und
Dennoch sollen die Frauen ihr 
Widerstehen wie dem schlimmsten
Aller Frevel schlimmer noch als

Ketzerei oder Vatermord wir Männer
Aber geben uns ihr ohne alle eigenen
Schuldgefühle hin von Frauen aber 
Verlangten wir noch Keuschheit

So wollten wir sie meint Montaigne
Sie heiß und kalt zugleich die Ehe
Wie wir sie führen ist kaum dazu
Geeignet diese Glut zu dämpfen

Das Glied des Mannes für das sie 
Teuer bezahlte gehört längst ihr 
So wurde dem Philosophen Polemon 
Der Prozess von seiner Frau gemacht

Weil er seinen Samen auf einem
Unfruchtbaren Acker verströmte
Der in ihren fruchtbaren Schoss
Doch viel eher noch gehörte

Von Kindheit an gäben wir dem
Weiblichen Geschlecht das ganze
Rüstzeug der Liebe aber sie sollen 
Dies bitte nur keusch benutzen

Ob sich an diesen Beobachtungen 
Aus dem 16. Jahrhundert das sich
Noch auf die Antike bezieht je
Etwas geändert hätte ist fraglich

Angeblich sind wir gleichberechtigt
Aber die Spiele und Erwartungen
Sind heute noch die gleichen was 
An unserer Natur auch liegen könnte 

Den Geschlechtsverkehr vollziehen
Wir noch wie in der Steinzeit auch
Die Natur unserer Gefühle ist die
Selbe noch wie zu allen Zeiten 

Der Mann muss sich zumindest
Teilweise dazu aufrichten und ist
Davon bald schon ganz erschöpft
Die Frau dagegen kann immer noch

Interessanterweise bestätigte was 
Montaigne damals dachte auch die
Neurologische Forschung zum
Weiblichen Nervus Pudendus 

Die weibliche Potenz ist danach
Der männlichen nicht nur im Alter
Weit überlegen er ist nach seiner
Natur nur ein Schwächling verglichen 

Vielleicht könnte es manches noch
Verändern einschließlich des 
Männlichen Balzgehabes wenn
Wir uns das bewusster machen

Männer könnten sich bemühen
Frauen wirklich zu befriedigen 
Auf welche Art wo auch immer
Statt mit Schwänzen zu protzen

Was dem Kult um die automobile
Schwanzverlängerung endlich
Erledigte für echte Lust nach der
Wir nach unserer Natur auch streben 

jens tuengerthal 4.3.26


Lektürentagebuch 4.3.26

Lektürentagebuch 4.3.26

Im 9. Brief von Gilbert White an 
Thomas Pennant Esquire aus der
Erkundung von Selborne scheint es 
Erstmal um Klatsch nur zu gehen 

Erfahre näheres zum Besitz des 
Wolmer Forest und verschwistertes
Alles Holt die von der Krone zeitweise
Verliehenes Privileg sind wer es hatte

Das eine der Brigadegenel Howe und
Seine Gattin Ruperta die wiederum 
Eine Tochter von Prinz Ruprecht von 
Der Pfalz also aus Heidelberg wohl

Allerdings war sie eine uneheliche 
Tochter was immer uns das über die 
Beschaffenheit des Waldes und die
Moralischen Zustände in ihm lehrt

Zumindest konnten die unehelichen
Töchter britischer Generäle heiraten
Sofern diese kurpfälzische Prinzen
Zum Vater noch irgendwo hatten

Mit Margaret Hughs sowie noch ein
Mister Mordaunt aus Peterborough 
Der die verwitwete Lady Pembroke 
Heiratete und ihre Sohn Lord Stawel

Tauchen die ach so britischen Namen 
Des anderen königlichen Privileg für 
Die Wälder nahe Selborne auf die
Uns noch weiter beschäftigen

Während ich das las musste ich an
Die Bremer Großmutter denken die 
Als junges Mädchen in England noch
Lebte und einige der Ladys kannte

Von der erbte meine Mutter einen
Pembroke Table der klappbar ist
So zu unterschiedlichem Einsatz
Im Haushalt meiner Mutter kommt

Welche Geschichten hätte sie wohl
Zu diesen Familien erzählt die sie
Vermutlich dem Namen nach kannte
Von ihren Touren mit den Ladies

Den Pensionsfreundinnen aus dem
Hause Nelson den Nachbarn noch
Der jungen Elizabeth Windsor die
Sie als Kind im Garten schaukelte 

Ob sie Gilbert White gelesen hatte
Der sicher in Nelsons Bibliothek stand
Vermutlich eher nicht denke ich aber
Wer weiß sie konnte überraschen 

Die Gemahlin von General Howe
Erreichte ein hohes Alter überlebte
Ihren Mann um Jahre hinterließ eine
Sammlung mechanischer Objekte 

Diese interessanten Dinge hatte
Einst ihr Vater konstruiert der sowohl
Angesehener Mechaniker Künstler
Wie ein Kriegsheld noch war

Darunter befand sich eine äußerst
Komplizierte Uhr die neuerdings im
Besitz von Mister Elmer aus Farnham 
In Surrey wäre dem dort gefeierten

Maler von Jagdszenen was uns viel
Über die beiden Wälder nun verrät
Doch kommt er einen Absatz später
Vom englischen Tratsch zur Sache

Die beiden Gebiete seien obwohl
Nur durch einen schmalen Streifen
Land getrennt völlig verschieden
Wie es mehr kaum je sein könnte

Der Holt bestünde aus dickem eher
Schlammigen Lehm mit gut Torf auf
Dem die Eichen prächtig wachsen
Die zu langen starken Bretter würden 

Während Wollmer sandige Wüste sei 
Der Holt messe etwa zwei Meilen von
Norden nach Süden wie westöstlich
Habe Wälder Wiesen und Landhaus

Dieses große Haus sei zugleich
Der Wohnsitz der mit dem Privileg
Beliehenen erstaunlicherweise würde 
Wild zwischen beiden nie wechseln 

Derzeit sei der Wildbestand im Holt 
Durch Wilderer stark ausgedünnt die
Keine Drohung verscheuchen kann
Das Jagdfieber scheint angeboren

General Howe hätte einmal deutsche 
Wildschweine Sauen und Büffel in
Seinem Wald ausgewildert doch die
Gegend wehrte sich und tötete sie

In diesem Frühling also 1784 sei eine
Große Partie von 1000 Eichen im Holt 
Geschlagen wovon angeblich ⅕ dem
Privilegierten Lord Stawel gehörten 

Er beanspruchte auch noch das
Abgeschlagene Astwerk aber die
Armen der Gemeinden behaupteten
Es gehöre ihnen und holten es sich 

So hätten sie mit einem Wagen ganze
40 Klafter Holz sich geholt und seine
Lordschaft klagte daraufhin gegen
48 der Holzdiebe noch immer

Geschlagen wurde das Holz im Winter
Also Februar bis März solange die 
Bäume noch nicht im Saft standen
Was ein mir bekannter Ausdruck ist

Heute wären die Wasserwege die
Zum Abtransport nötig sind auch
Viel näher noch als früher da waren
Es zur Themse 18 Meilen noch

Ein Weg der mit Holzfuhrwerken
Noch sehr aufwendig zu bewältigen
War wurde durch den Ausbau von
Kanälen deutlich erleichtert


Michel Bergmanns Frankfurter Roman
Herr Klee und Herr Feld über die 
Brüder Kleefeld in ihrer Villa im
Frankfurter Westend erreichte mich

Über Umwege meiner Tochter als 
Weihnachtsgeschenk der Frankfurter 
Cousine erst etwas verzögert musste
Dann auch erstmal hier ankommen

Wo kämen wir auch hin wenn alle
Neulinge gleich verschlungen würden 
Ginge es nicht darum mit Büchern
Zusammenzuleben was Zeit braucht

Nun aber das erste Kapitel dieses 
Herrlichen Romans aus jüdischem
Milieu das mit sich hadert natürlich
Begonnen über die zwei Brüder

Die beiden Brüder leben seit dem
Tod der Ehefrau von Moritz dem
Früheren Professor für Psychologie 
In der Westend Villa zusammen

Alfred der andere Bruder war ein
Schauspieler der irgendwann in
Mittelmäßigen Dracula Filmen noch
Mitwirkte nun mietfrei wohnen darf

Moritz der ein Linker war bis die
Linke zu antisemitisch wurde und
Studenten mit Pali-Fetzen um den
Hals vorm jüdischen Professor saßen 

Fand seine linken Ansichten im Alter
Im Judentum wieder und zelebrierte
Darum nun den Schabbes und lebte 
Eine religiöse Light Version dazu

Alfred findet das eher lächerlich
Macht aber als Untermieter des 
Bruders ein wenig ironisch mit
Was sich schon im Äußeren zeigt

Moritz trägt eine Kippa und ganz
Professoral dazu die Strickjacke
Alfred erscheint mit Schabbesdeckel
Wie er seinen dunklen Hut nennt

Dazu trägt er einen bunten Kaftan
Aus Seide und die Brüder geben 
Sich nichts in ihren beständigen
Spitzen die sie aufeinander schießen

Nach dreißig Jahren im Hause
Kleefeld kündigt die Haushälterin
An ihrem 65. Geburtstag unklar
Ob das in Rente gehen heißt

Ihre Tochter hatte zeitweise mit
Im Dachgeschoss gelebt wo
Frau Stöcklein ihre Zimmer hatte
War aber dann etwas abgerutscht

Kommt gelegentlich inzwischen
Voll tätowiert und Mutter von vier
Kindern von drei Männern aus ihrer 
Kommune im Vogelsberg vorbei

Alfred lebte im ständigen Kampf
Mit Frau Stöcklein die aus Nidda
Schon damals kräftig ins Westend
Gekommen war um zu bleiben

Die Geschichte ist rasant komisch
Erzählt gleicht in manchen der 
Dialoge der Brüder eher einer
Komödie im jiddischen Milieu 

Das ist lustig und lädt auch zum
Weiterlesen ein zumal ich auch
Gespannt bin wie es mit der neuen
Palästinensischen Haushälterin wird 

Vertraute Atmosphäre familiärer
Konflikte im bürgerlichen Gewand 
Ein wenig klamaukig schon aber
Auf liebevolle Art schön erzählt

Das jüdische Frankfurt in dem der
Autor auch groß wurde war und ist
Eine eigener kulturelle Welt in der
Uralten Bankenmetropole noch


Noch ein wenig von Frankfurt aus
In die Wunder des Nordens von
Olaus Magnus getaucht wo es um
Die Übersetzungen des Textes ging

Die Erläuterungen zur Karte sind in 
Unterschiedlichen Versionen wohl
Parallel 1539 erschienen und könnten
Aus der Feder Olaus Magnus sein

Was an der Art der Übersetzung 
Für Olaus persönlicher Handschrift 
Spricht und welche Unterschiede
Sich auch inhaltlich zeigen ist eine

Weitere aufregende Geschichte um
Den katholischen Flüchtling aus
Schweden in Venedig die tiefer noch
In seine Schaffensweise blicken lässt

Die Autoren mutmaßen ob ihm die
Drucker oder sonst Venezianer was
Naheliegender ist dabei noch halfen
Die Superlative inflationär machten 

Wie es dir Italiener lieben werden 
Städte als allergrößte oder schönste
In ganz Europa beschrieben was für
Den deutschen Markt weniger taugte

Ob die vielem auch grammatischen
Fehler der deutschen Version mehr
An der Unkenntnis der Drucker oder
An Olaus Deutsch lag bleibt unklar 

Er hatte zehn Jahre in Danzig noch
Gelebt dort wurde deutsch noch als
Sprache von Hanse und Reich
Gesprochen doch war er dort meist

Unter Schweden und Humanisten
Diese wiederum plauderten Latein 
So ist die lateinische Version auch
Die korrekteste und fließendste

Aus dieser wiederum wurde dann
Die deutsche Version übersetzt wie 
Die italienische die manche Details
Für mehr Übertreibungen wegließ

Dahingestellt ob Olaus als Übersetzer
Seiner selbst mit den Varianten den
Regionalen Charakter genau traf
Waren die gleichen Vorurteile wohl

Schon vor 500 Jahren weit verbreitet
Wurden zum Marketing genutzt das
Jeweilige Publikum auf seine Art für
Die Sache des Nordens zu begeistern

Den Deutschen wurde eher exakt 
Berichtet wie es in Skandinavien
Wäre die Italiener sollten dagegen
Auch emotional begeistert werden

Beide Versionen sind sichtbare
Varianten des lateinischen Originals
Die Sprache wenn nicht schwedisch
In der Olaus als Humanist dachte

Spannend wie eine Übersetzung 
Des eigenen Textes durch einen
Flüchtling im 16. Jahrhundert die
Regionalen Eigenheiten spiegelt

jens tuengerthal 4.3.26

Liebesharmonie

Liebesharmonie 

Liebe ist niemals
Immer harmonisch aber
Manchmal zumindest

jens tuengerthal 4.3.26

Harmonie

Harmonie

Harmonie findet
Sich allein in mir manche
Suchen noch draußen

jens tuengerthal 4.3.26

Vanillegeschmack

Vanillegeschmack

Vanillegeschmack
Breitet sich harmonisch mit
Erster Tasse aus

jens tuengerthal 4.3.26

Enthaltsamkeit

Enthaltsamkeit

Es ist Krieg und alle meinen
Dazu etwas meinen zu müssen
Empören sich über die einen 
Oder die anderen als wüssten
Sie wirklich irgendwas besser

Die einen berufen sich auf die
Unterdrückten Frauen die durch
Israel und die USA nach vielen 
Jahrzehnten endlich Hoffnung
Auf Freiheit und Freizügigkeit haben

Andere wollen über das Völkerrecht
Die Diktatur der Mullahs verteidigen 
Wissen genau was jetzt nötig ist
Schwiegen als tausende ermordet 
Sagen zur Ukraine lieber nichts 

Möchte keinen der Beteiligten
Verteidigen oder angreifen dafür
Lieber sich heraushalten bis mehr
Klarheit über die Motive besteht
Wie Macht sich global verschiebt

Stehe als Deutscher aus Prinzip
An der Seite Israels ohne dies
Noch je diskutieren zu wollen
Sonst keinem der Beteiligten nah
Halte mich zurück und lieber raus

Es geht um den Zugang zum
Treibstoff des Kapitalismus Öl 
Wie um den Schutz Israels vor 
Dem Terror der Islamisten die
Bisher vom Iran finanziert wurden 

Die Befreiung der Frauen vom
Konservativen Islam ist ebenfalls
Grund genug die Mullahs schnell
Abzusetzen auch wenn es viel mehr
Um Trump und Putin dabei geht 

Ersterer raubt letzterem einen 
Der letzten Verbündeten um
Seinen Anspruch als letzte
Weltmacht praktisch zu begründen
Auch dazu meine ich hier nichts 

Wie sich hier AfD Linke und BSW
Als Verteidiger des Völkerrechts 
Positionieren zeigt nur deutlich 
Wer von Moskau finanziert wird
Wie traditionell antisemitisch ist

Übe mich lieber in Enthaltsamkeit
Zu all diesen Themen und bleibe
Als Flaneur distanzierter Beobachter 
Während soziale Netzwerke vor
Überzeugten Meinungen überkochen 

jens tuengerthal 4.3.26

Dienstag, 3. März 2026

Versgedanken III

Versgedanken III

Weiter in Montaignes Essay über
Einige Verse von Vergil wo er hofft
Die Freiheit die er sich schreibend
Herausnimmt möge den Mut wecken

Sich über alle Tugenden hinweg die
Nur feige vorgeheuchelt wären als 
Ausgeburt unserer Mängel und Makel
Zu setzen um vernünftig zu werden 

Du musst deine Fehler erstmal selbst
Durchschauen damit du sie auch
Offenbaren kannst wer seine Fehler
Vor anderen verbirgt pflegt dies auch 

Vor sich zu tun weil sie diese nicht
Für verborgen genug halten solang 
Sie ihnen noch selbst sichtbar sind
Worüber ich hier schon schrieb

So würden sich die Krankheiten des
Körpers offenbaren in dem sie sich
Verschlimmern was uns Grippe schien 
Wird so in Wirklichkeit zur Gicht 

Dagegen werden die Krankheiten des
Geistes mit ihrer zunehmenden
Verschlimmerung immer dunkler noch
Der Kränkste spürt sie am wenigsten 

Eben darum müssten wir sie meint
Montaigne nachts der Brust entreißen
Um sie ans Tageslicht zu zerrn warum
Darüber reden schon helfen kann

Ihm sei jede Verstellung so zuwider
Dass er es meide sich Geheimnisse
Überhaupt anvertrauen zu lassen da
Er nicht abstreiten könne was er weiß

Verschwiegen wäre nur wer es von
Natur aus ist nie aus nur Pflicht wer
Den Fürsten dient müsse sowohl
Verschwiegen wie ein Lügner sein 

So findet er Lügen schlimmer noch
Als Unzucht treiben wer vor die Wahl
Zwischen Lastern gestellt würde
Käme wirklich in die Klemme erst 

Origines war vor die Wahl gestellt
Worden einen Götzen anzubeten oder
Sich von einem großen hässlichen
Afrikaner missbrauchen zu im lassen 

Er wählte die Götzen was wiederum
Die Kirchengeschichte sündhaft nennt
So hätten Frauen recht die lieber zehn
Männer als eine Messe nähmen

Sollte es ein Mangel an Zurückhaltung
Sein wie er die eigenen Fehler noch
Zu veröffentlichen bestünde doch nie 
Gefahr dass dies Schule mache

Schon Ariston hätte gesagt die
Leute fürchteten am meisten Stürme
Die ihre Häuser abdecken dabei sollte
Doch genau dies offenbart werden

Da wird das Gewissen ins Bordell
Geschickt und zugleich Biedermann
Gespielt selbst Verräter und Mörder
Hielten maskiert auf die Etiketten

Ganz im Sinne der Hugenotten die
Eine Ohrenbeichte ablehnen berichtet
Er in aller Öffentlichkeit gewissenhaft
Wie schon Augustinus Origines und 

Hippokrates gesteht er öffentlich die
Mängel seiner Lebensführung so
Hungere er danach sich bekannt zu
Machen egal wie vielen nur wahrhaft

Was meint zu gewinnen der alles um
Der Ehre Willen tut wenn er sich der
Welt in einer Maske zeigt und so sein
Wahres Wesen verbergen würde

Dazu erzählt er wie König Archelaos
Durch die Straße ritt und jemand über
Ihm Wasser ausgoß worauf ihm seine
Begleiter rieten er solle den bestrafen

Dieser meinte darauf der andere
Hätte das Wasser über dem nur
Ausgegossen für den er ihn hielt
Nicht über ihn das ginge ihn nichts an

Als Sokrates erzählt wurde es würde
Schlecht über ihn geredet sagte er nur
Alles falsch in ihm sei nichts von dem
Was sie ihm nachsagen würden

Wer ihm Montaigne schmeichelte er
Sei ein guter Steuermann bescheiden
Gar enthaltsam rühre ihn zu keinerlei
Dank wie umgekehrt auch bei einer

Beschimpfung als Verräter Dieb oder 
Trunkenbold ließe ihn das unberührt
Nur wer sich verkennt weidet sich am
Unverdienten Beifall noch nur nicht er 

Weil er in sein Innerstes schaut wisse
Er genau was ihm zukomme er 
Würde gern weniger gelobt aber dafür
Besser erkannt werden so könne er

Wohl für weise gehalten werden aber
Im Sinne einer Weisheit die er lieber
Torheit nennen würde so verdrießt es
Ihn wenn seine Essays den Damen

Für gewöhnlich nur als eine Art von
Einrichtungsgegenstand dienen den
Sie sich in ihren Salon stellen dabei
Dürfte dieses Kapitel nun endlich

Ihm Zutritt in ihre Privatgemächer
Geben er liebe ja den etwas intimeren
Umgang mit ihnen so böten die nur 
Öffentlichen Beziehungen weder 

Wonne noch Würze und gerade beim
Abschied flammt die Liebe zu den 
Dingen die wir lassen müssen heißer
Auf als je zuvor so sagt auch er den 

Spielen dieser Welt Lebewohl dies
Sei ihre letzte Umarmung aber um
Beim Thema zu bleiben statt noch
Sentimental zu werden fragt er gleich

Was der Geschlechtsakt dieser so
Natürliche nützliche ja notwendige
Vorgang den Menschen getan hat
Dass sie nicht ohne Scham von ihm

Zu reden wagen und ihn verbannen 
Aus allen ernsthaften Gesprächen
Keine Hemmung hätten wir töten 
Rauben und verraten zu sagen

Aber dabei murmeln wir nur zwischen
Den Zähnen meinen wir etwa desto
Weniger wir darüber redeten desto
Mehr könnten wir daran denken

Es sei doch ein Witz dass jene Worte 
Die am wenigsten genutzt werden
Zugleich die am besten verstandenen 
Seien geläufig wie das Wort Brot 

Dem Geschlecht was diese Sache am
Meisten betriebe sei auferlegt worden
Darüber beharrlichst zu schweigen 
Was die Damen lächelnd intim meint

So würde es noch als Verbrechen 
Gelten diesen Akt anzusprechen
Auch nur für eine Anklage was dem
Verbrecher sogar Freiheit schenkt

Ginge es da nicht wie mit jenen 
Büchern die weil sie verboten sind
Nur um so mehr verkauft würden 
Er halte es da lieber mit Aristoteles 

Der meinte Schamhaftigkeit gereiche
Noch der Jugend zur Ehre aber dem
Alter bringe sie nur Spott ein zitiert
Nun in der Antike gepriesene Verse 

Es irrt wer Venus zu sehr flieht
Wie wer zu sehr für sie erglüht
Oh Göttin die du über alles waltest
Nichts erquickliches entstünde je
Ohne dich und nichts erhöb sich
Zu den Gestaden hellsten Lichts

Wer den Musen ihre Liebesträume
Nähme beraubte sie ihrer schönsten
Spiele wie der edelsten Stoffe für
Ihre Werke die wenig nur behielten

Wer Amor die Dichtkunst nähme
Brächte ihn um seine beste Waffe
Er stünde undankbar da und hätte 
Vergessen wieviel er ihr schulde 

Er sei noch nicht so lange von der
Hofliste der Diener Amors gestrichen
Dass er dessen Macht vergessen
Noch wärmt sein Blut die alte Glut

Es bliebe eine Spur von Erregung
Möge diese Glut weiter schwelen
Sie nie in seines Lebens Winter fehlen
Ausgetrocknet und gebeugt bliebe

In ihm noch ein Rest vom alten Feuer
Wie das Meer sich nach dem Sturm 
Erst langsam wieder beruhigt dabei
Wirke die Macht Amors in Versen

Welche Finger hätten noch stärker 
Der Liebeszauber der Dichtung
Überflügelt die Liebe selbst nie
Sei Venus so schön wie bei Vergil

So umschlingt Venus ihren Gatten 
Vulkan und schon durchdringt die
Vertraute Flamme und Glut gleich
Mark und Bein und Blut wie neu

Die Wolken spaltet des Blitzes 
Jäher Strahl Feuer sprühend ohne 
Zahl bis Vulkan erschöpft vom
Liebesdienstn hingegossen liegt

Die Glieder nun schlaff dichtete 
Vergil lag er hingegossen in der
Gattin Schoß dazu meint aber
Montaigne einschränkend noch

Für eine verheiratete Venus hätte 
Der Dichter sie zu leidenschaftlich
Dargestellt sei doch die Ehe eher
Ein Vernunft gelenktes Geschäft 

Dort seien die Begierden nicht
Derart wild noch sondern eher
Abgestumpft und trübselig so sei
Die Liebe dort nur ein trüber Gast 

Diese hasse es wenn Verbindungen
Nicht ausschließlich um ihretwillen
Eingegangen werden und die Ehe 
Diente Familie und Vermögen erst

Du heiratest nicht für dich sondern
Für deine Nachkommen wie deine
Familie warum Ehen besser durch
Dritte als durch das Paar selbst

Ausgerichtet werden sollten weil
Eine solche Verbindung sich besser
Auf das Urteil anderer statt auf das
Eigene vernünftigerweise gründet 

Dies sei allen Liebeshändeln doch
Entgegengesetzt warum er es eine
Unzucht finde sich in der Ehe den
Ausschweifungen der Sinneslust

Ohne Verstand hinzugeben so solle
Nach Aristoteles der Mann die Frau
Nur zurückhaltend und zuchtvoll
Berühren dass sie nicht zu wild werde

Gleiches rieten auch die Ärzte eine
Zu heftige Wollust verderbe nur den
Samen und hemme die Empfängnis 
Warum der laue Geschlechtsverkehr

Wie er in der Ehe natürlich sei nur 
Mit beträchtlichen Abständen noch
Ausgeübt werden soll damit sich so
Die Inbrunst speichern könnte 

Hierzu zitiert er wieder Verse nach
Denen der Samen des Mannes nur 
Dann zur Zeugung taugt wenn der
Gattin Schoß ihn gierig in sich saugt

So kenne Montaigne keine Ehen die
Schneller in Schwierigkeiten gerieten 
Als jene die auf Schönheit und das
Liebesverlangen sich gründeten

Hierzu bedarf es nach seiner Sicht
Welche die Romantik umdrehte doch 
Ernsterer Fundamente sowie eines
Stets vorsichtigen Vorgehens dazu

Leute die meinen es täte der Ehe gut
Sie mit der Liebe zu verbinden seien
Wie jene die den Adel mit Tugend 
Verbinden wollen was zwei Dinge

Miteinander verbindet die teilweise
Verwandtschaft haben aber zwischen
Denen erhebliche Unterschiede doch
Bestehen darum besser getrennt

Erbe ersetze keine Erfahrung was
Montaigne nun noch an Beispielen
Aus der Antike weiter ausführt die
Belächeln wird wer ihn selbst liest

Montaigne erzählt dann noch eine
Geschichte vom Umgang mit dem
Adel in Calicut in Indien die auch
Komisch absurd sexuell wieder ist

Eine gute Ehe falls es sie gibt wie
Montaigne humorvoll einschränkt 
Hat weniger mit Liebe zu tun als
Mit Freundschaft sei eine stetige

Lebensgemeinschaft noch voller
Beständigkeit und Vertrauen mit
Einer Unzahl wechselseitiger Dienste
Wie Pflichten für eine gute Ordnung

Keine Frau die auf den Geschmack
Einmal kam möchte je die Rolle einer 
Geliebten ihres Gatten übernehmen
Als Ehefrau wohnt sie weit sicherer

In seinem Herzen denn als Geliebte
Fragst du den Gatten wessen Glück
Ihn mehr sorge wessen Unglück ihn 
Tiefer träfe wäre die Antwort klar

Dass gute Ehen so selten sind zeigt
Deren Wert und Würde sie sind das 
Gute Fundament der Gesellschaft
Das wir dennoch schlecht machen

Wir glichen den Vögeln die wenn im
Käfig alles tun herauszukommen aber
Wo frei versuchten hereinzukommen
Wozu er passend Sokrates zitiert

Der gefragt ob es besser sei zu
Heiraten oder nicht nur meinte
Was auch immer wir tun wir werden
Beides schon bald bereuen

Die Ehe sei eine Zweckgemeinschaft
Auf die das Wort zutrifft der Mensch
Ist dem Menschen entweder ein Gott 
Oder ein Wolf dazwischen wäre nichts 

Es müssten sich viele Eigenschaften
Verbinden eine Ehe aufzubauen was 
Den einfachen Geistern leichter fiele 
Er sei aber weniger dazu geeignet

Ohne diese wunderbaren wie weisen
Worte Montaignes zu kommentieren 
Verneige ich mich lächelnd vor seiner
Weisheit noch glücklich unverheiratet

jens tuengerthal 3.3.26

Lektürentagebuch 2.3.26

Lektürentagebuch 2.3.26

Über die Augen Claude Monets
In Das Kunstwerk von John Berger
Gelesen und über seinen präzisen 
Analytischen Blick dabei gestaunt 

Er beginnt mit einer Bemerkung von
Cézanne das Monet ein Auge sei das
Wunderbarste Auge seit es Maler gibt
Die er für völlig überschätzt hält

Wichtiger scheint ihm die Trauer in 
Monets Augen zu erkennen und zu
Ergründen wie sie von Photographie
Zu Photographie deutlicher hervortritt

Dieser Trauer wäre bisher zu wenig
Aufmerksamkeit geschenkt worden
Weil in der üblichen kunsthistorischen
Sicht dafür kein Platz ist weil der Blick

Auf den Impressionismus als Tor das
Die Kunst ins 20. Jahrhundert führte
Den Bruch mit dem bisherigen betont 
Was auf jeden Fall richtig wäre

So müsse die befreiende Wirkung des
Impressionismus erkannt werden von
Klaustrophober bürgerlicher Kultur
Des 19. Jahrhunderts klar sein

Dennoch könnten wir die Trauer in 
Den Augen von Monet nie vergessen
Sollte sie nicht historisch gesehen
Werden im Kontext seiner Erfahrung

Berger widmet sich zunächst dem 
Bild Impression soleil Levant nach
Dem der Kritiker Castagnary erst 
Den Begriff Impressionismus prägte

Das Bild zeigt den Hafen von 
Le Havre wo Monet als Kind
Aufwuchs dabei ist im Vordergrund
Die Silhouette eines Mannes

Der in einem Boot steht und eine
Andere Figur rudert über das Wasser 
Hinweg sind Masten und Kräne zu
Sehen in der Morgendämmerung 

Darüber aber tief am Himmel eine
Kleine orangefarbene Sonne der sich
Darunter im Wasser spiegelt es ist
Aber kein Bild der Morgenröte

Es ist ein Tag der beginnt wie der
Gestrige aufhörte die Stimmung
Erinnert Berger an Baudelaires 
Gedicht Die Morgendämmerung

Darin ist vom auf Schluchzen eines
Menschen die Rede der gerade erst
Geweckt wurde was aber mache die
Melancholie des Bildes noch aus

Warum löst ein Turner nicht gleiche
Empfindungen bei uns aus dazu meint
Berger es läge an der Malweise die es 
Impressionistisch mache in seiner Art

Transparenz dünner Farbschichten
Für das Wasser schimmere durch die 
Leinwand dazu rasche Pinselstriche 
Wie kräftig hineingesetzte Schatten

Die Reflexe die das Wasser aufhellen 
Optische Aufrichtigkeit bei zugleich
Unbestimmtheit der Gegenstände
Damit wirke es hinfällig trügerisch

Dazu zitiert er wieder Verse von
Baudelaire wonach die Gestalt einer 
Stadt rascher wechsle als das Herz
Eines Sterblichen aus Fleur du Mal

Was verändert sich fragt Berger wenn
Es beim Impressionismus alleine um
Impressionen gehe wie verändert das
Die Beziehung vom Betrachter zum

Betrachteten wenn jede Impression 
Ihrer Natur nach flüchtig ist sie nur ist
Was bleibt wenn die Landschaft schon
Verschwand oder sich verändert hat

Wie intensiv eine Impression ist lässt
Sich so wenig beweisen wie eine nur
Erinnerung worüber Monet immer
Wieder klagte wenn der Moment weg

So könne er kein begonnenes Bild
Vollenden wenn der Moment weg sei
Weil Wetter Licht Stimmung sich für
Immer für ihn verflüchtigt hätten 

Berger kommt nun zu dem beiden
Gemälde eines Fliederbusches in
Monets Garten in Argenteuil wobei
Eines bewölkt das andere sonnig war

Unter dem Baum ruhen drei Personen
Camille Monets erste Frau und Sisley
Mit seiner Frau sie sind fast nicht zu
Erkennen eher im Schatten zu ahnen

Die beiden Bilder werden durch das
Unterschiedliche Licht dabei belebt
Das Bild löst neue Empfindungen aus 
Es ist genau und ungenau zugleich 

Alles ist vom Spiel des Lichts dabei
Überschwemmt dabei ist gemaltes 
Licht im Gegensatz zum wirklichen
Eben genau nicht durchsichtig

Das gemalte Licht begräbt die
Landschaften wie Schnee doch fragt 
Berger beherrscht das Licht alles
Verneint es der Wirkung die das Bild

Auf jeden Betrachter hat wegen
Genauigkeit und Unbestimmtheit die
Wecken verschiedene Funktionen 
In unserem Gedächtnis erst

Visuelles Gedächtnis und Erinnerung 
Werden dabei getrennt ersteres prüft
Die Genauigkeit während letztere die
Ungenauigkeit sinnlich füllen würde 

Diese Erfahrung kann sogar einer
Halluzination gleichen der Sturz in
Die Vergangenheit mit der ständig 
Wachsenden Erregung ist eine

Rückkehr ein Abschied so einem
Orgasmus vergleichbar zuletzt
Scheint alles mit dem Flieder
Dabei wieder untrennbar verbunden 

So hätte es Monet auch gesagt
Der meinte das Motiv sei für ihn
Zweitrangig wichtig sei die Beziehung
Zwischen ihm und dem Motiv 

Impressionistische Bilder wecken
Direkte Empfindungen aber jeder
Bleibt mit diesen für sich allein was
Wenig schlüssig begründet hier ist

Gerade beim Impressionismus gibt es
Einen hohen harmonischen Konsens
Der Betrachter trotz der natürlich 
Völlig unterschiedlichen Empfindung

Zurück zur Trauer in Monets Augen
Kommend berichtet Berger dass der
Maler glaubte seine Kunst sei klar
Zukunftsweisend gliche dabei einer

Wissenschaftlichen Erfassung der
Natur was sich besonders bei dem
Bild seiner Frau Camille auf dem
Totenbett noch zeige die 1879 starb

Wie im Reflex hätte er beim Blick
Auf seine geliebte Frau gedacht
Welche Farben dazu nötig wären
Schrieb er dem Freund Clemenceau

Doch sei der Eindruck meint Berger
Ein völlig anderer es gäbe wenige
Bilder vom Totenbett mit dieser
Hohen Intensität und dem Ausdruck

Doch war er dem tiefen Gefühl das 
Seine Kunst auslöste gegenüber blind
Er hatte einen wissenschaftlichen
Anspruch korrekter Darstellung

Das gleiche meint Berger gelten auch
Für seinen Freund Zola der seine
Romane für so objektiv hielt als
Kämen sie aus dem Labor dabei

Käme ihre eigentliche Kraft aus dem
Tiefen Gefühl so kreiste Monets
Ganzes Werk was er nicht zugeben
Wollte um die Erinnerung zuerst

Seine berühmte Liebe zum Meer
In dem er begraben werden wollte
Wie die 1896 nochmal gemalten 
Klippen bei Dieppe die mit einem

Minimum farblicher Abstufung noch
Gemalt sei an dicken Honig erinnern 
Hier löst sich die Landschaft durch
Das Licht langsam auf was dann

Gewöhnlich als dekorativ erklärt
Würde aber Berger meint es ginge
Um etwas ganz anderes Monet löste 
Seine Erinnerungen im Honig auf

Der verzweifelte Wunsch alles zu
Retten mache das Bild so amorph
So flach wie zugleich bewegend
Wenn du erkennst um was es geht

Diese sehr psychoanalytische Sicht
Klingt für mich eher wie für diese
Sekte typisch nach Wahrheitsbesitz
Ist kein offener Blick auf das Werk 

So lehrreich und genial Berger in
Teilen Kunst betrachtet ist mir die
Anmaßung in der Interpretation
Hier zu eng psychoanalytisch


Etwas ganz ähnliches geschehe 
Bei den Bildern mit den Seerosen 
In seinem Garten in Giverny während 
Der letzten Lebensjahre 1900 bis 26

In diesen Bildern die er endlos noch
Überarbeitete angesichts der optisch
Unmöglichen Aufgabe Wasser und
Blumen mit Licht noch zu vereinen 

Hier war sein Ziel weder optisch noch
Dekorativ er wollte das Wesen seines
Gartens bewahren den er über alles
Liebte und so hätte der gemalte


Seerosenteich die Erinnerung an alle
Teiche in sich getragen was wieder
Eine der ganz billigen Schubladen
Der Sekte Psychoanalyse nur ist

Diese fast schlicht amerikanisch 
Klingende Muster das einem Film
Von Woody Allen entsprungen eher
Scheint erreicht Monets Kunst nicht

Ähnlich kommt Berger hier zum
Schluss sei dies der Kern des 
Widerspruchs den Monet als Maler
Lebte zwischen Zeit und Raum

Er wollte wissenschaftlich bewahren 
Aber schuf vergängliche Gefühle nur
Eben Impressionen die aber noch
Bis heute Menschen beglücken 

So ist im Gegenteil denke ich eher
Monet unsterblich geworden weil er
Echte Eindrücke eben Impressionen
Für die Ewigkeit schön einfing 

Entsprechend dieser Interpretation
Die völlig am Thema vorbeigeht nur 
Die sich selbst bestätigenden Theorie
Der Psychoanalyse bestätigt kommt

Berger hier zum Schluss allein 
Cézanne hätte begriffen was war
Hätte eine neue Form von Raum
Und Zeit in seinem Werk geschaffen 

Auch diese Ansicht teile ich nicht
Lasse es für heute mit diesem Kapitel
Über Monet gut sein was allerdings
Schlichte Schemen nur bestätigt

Die Psychoanalyse als Seite legt
Die Schemen ihres Aberglaubens 
Über alles ohne kritisch zu denken
Oder den einzelnen zu betrachten

Cézanne widersprechen gleich
Zu Beginn um ihn am Ende als
Hellsichtiger zu loben ist nicht
Wirklich schlüssig am Ende

Berger blickt vielfach tief und
Mit klugem Blick auf die Kunst
Bei Monet hat er sich aber um
Besonders zu sein vergaloppiert


Noch einige Seiten wieder mit
Begeisterung in die Wunder des
Nordens von Olaus Magnus getaucht
Aus der Anderen Bibliothek 

Wunderbar mit leichter Ironie dabei
Erzählen die Herausgeber wie der
Katholische Schwede mit seiner
Karte politisch alles versuchte 

Um den an hohen Norden den
Italienern schmackhaft zu machen
Etwas Island als doppelt so groß
Wie Sizilien ihnen beschreibt

Es soll diese wertvolle Region
Nicht einfach aufgegeben werden
Wie dem lutherischen Ketzern
Überlassen werden schrieb er

Indirekt auf der Karte und ganz
Wörtlich in einen Brief an den 
Papst mit dem er ein Exemplaru
Seiner Karte diesem sandte

Olaus macht so einerseits gerne
Werbung für seinen Norden will
Diesen andererseits für Rom noch
Vor Luther retten dazu auffordern

Dabei malt er Bilder von der großen
Schönheit und Bedeutung dieser
Gegend will andererseits zeigen 
Was wir militärisch möglich wäre

So soll die Legende dieser Karte 
Zugleich Neugier wecken auf den
Großen Reichtum dort auch an 
Bodenschätzen wie den Plan

Zu deren Eroberung entwickeln
Einen Schlüssel zum Norden als
Gebiet voller Kostbarkeiten geben
So Neugier und Moral aufwecken

Ein hoher Anspruch für die Karte 
Eines Vertriebenen der diese erst
Im Exil in Danzig und Venedig
Schrieb und in Bildern malte 

Letztlich blieb sein Bemühen beim
Papst und anderem erfolglos denn 
Zu fern lag Skandinavien doch von
Rom sich zu etwas aufzuraffen

Doch zeigt es die Vielfalt auch der
Absichten hinter der Karte die den
Geliebten Norden befreien wollte
Für den rechten katholischen Glauben


Ein neues Kapitel beginnt in der
Gesprungenen Liebe von Autor
Manfred Flügge mit der eingefügten
Biographie von Ulrich Hessel

Dieser liegen Aufzeichnungen von
Hessel zugrunde wie Aufnahmen
Von Tonbändern und erfolgten mit
Dessen persönlicher Genehmigung

Nach der Sicht von Franz von Henri
Helen und Stephan nun die vom 
Anderen größeren Sohn auf diese 
Liebe der 2003 in Paris verstarb

Sehr feinfühlig berichtet Ulrich hier
Von seiner Geburt am 27. Juli 1914
Also einen Tag bevor Österreich
Serbien den Krieg erklärte in Genf

Am dortigen Krankenhaus war eine
Tante von Ulrich als Schwester die
Seiner dabei unter der Narkose fast
Gestorbenen Mutter Helen beistand

Er wurde mit Zangen geholt was 
Zunächst zu einer Verformung seines
Kopfes und später zu einer Lähmung
Der linken Seite führen sollte

So war er eine schwere Geburt
Helen und die Tante blieben noch
Zur Erholung bis Oktober in Genf
Was ihnen übel genommen wurde

Im dann gerade begonnenen Krieg
Galt es im Rausch des Patriotismus 
Als feige in die neutrale Schweiz zu 
Gehen sie sollten ins Vaterland zurück

Seiner Mutter Helen erzählte ihm dass
Ihr in der Schwangerschaft noch die
Jungfrau Maria erschienen wäre und
Ihr gesagt ihr Sohn könne wie der ihre

Ewigen Ruhm erhalten müsste dafür
Aber einen Leidensweg auch gehen 
Worauf sie gesagt hätte alles aber
Bloß nicht das und sei erwacht

Die Ärzte waren sich nicht sicher
Ob er leben konnte oder sollte 
Angesichts ihm drohender Leiden 
Aber Mutterliebe siegte über Zweifel 

So hätte ein behindertes Kind noch
Zu dieser Zeit als Schande gegolten
Schreibt Ulrich dazu doch die Tante
Hätte seiner Mutter beigestanden 

Dagegen hätte sein Vater sich zum 
Zorn seiner Mutter gleich Anfang
August bei seinem Regiment schon
Gemeldet und war damit weg

In der Aufregung der Einberufung 
Hatte Franz übersehen dass er
Noch drei Monate Zeit gehabt hätte
Was zu einer Entfremdung führte

In dieser schwierigen Ehe wie der
Erste Sohn dieser Ulrich schreibt 
War das der Anfang vom Ende schon 
Den sie nie verzeihen sollte

Der Mann ließ die Mutter nach der
Schweren Geburt im Stich und zieht
Zu früh in den Krieg weil er vor lauter
Aufregung unaufmerksam gelesen

Von einer ersten Begegnung mit
Vater Franz erzählt Sohn Ulrich als
Er ihm die Tür öffnete und dieser in
Uniform stramm einmarschiert wäre

Das wäre sonst gar nicht seine Art
Gewesen und ich überlege wie der
Krieg und der Dienst in der Kaserne
Das Wesen des zarten Franz verformt

Mit dem Dienstmädchen wäre es zum
Einkaufen was Schlange stehen hieß 
Gegangen erzählt wie er einmal die
Rationierte Milch dabei verschüttete 

Danach hätte er allein zurück in den
Laden gemusst um noch neue von
Der Verkäuferin zu erbetteln mit da
Höchstens vier Jahren schon viel

Der erste von ihm überlieferte Satz
War auf den Bäumen wächst Schnee
Über Süßstoff hätte er gestaunt aber
Niemand erklärte ihm was diesen 

Stoff süß machte und er schlief in
Einem weißen Bett mit einem schon
Hohen Gitter drumherum eines Tages
Wäre eine Hexe aus dem Ofen

Gekrochen gekommen die dann unter
Der Kommode verschwand und erst
Dann hätte er schreien können aber
Er musste weiter dort allein schlafen 

Solche Albträume hatte er noch öfter
Der konsultierte Arzt erklärte Helen
Daraufhin er würde mit acht Jahren
Epileptische Anfälle bekommen

Sein Großvater hätte als erster
Bemerkt dass mit ihm etwas nicht 
Stimmte worauf die Ärzte dann die
Linksseitige Lähmung diagnostizierten

Drei Jahre war er Einzelkind doch 
Seinem Gefühl nach hätte er schon
Immer einen kurzen Bruder gehabt
Doch Stephan wurde 1917 geboren 

Damals hätten sie in dem Viertel 
Zwischen Landwehrkanal und dem
Tiergarten gewohnt das alter Westen
Genannt wurde West-Berlin war

Stephan hätte sich selbst Kadi dann
Genannt was Dienstmädchen Emma 
Gleich übernahm der alle dann folgten 
Warum es sein Spitzname wurde

Schön ist auch die Anekdote wie
Emma als sie mal zur Polizei musste
Ihn und Stephan vor der Tür stehen
Ließ wo Polizisten am Fenster saßen

Diese würden ihn holen hatte Emma
Gesagt bevor sie hinein ging warum
Sie es nicht taten verstand er nie er
Wäre zu artig gewesen meinte Emma

So fragt er sich am Ende dieses 
Ersten Abschnittes der Autobiografie
Ob er vielleicht weniger artig hätte 
Sein sollen doch geholt zu werden 

Das ist der genaue aber auch feine 
Tiefe Blick auf sich den die Leser
Von Franz Hessel gut kennen da
Fällt der Apfel nicht weit vom Baum

jens tuengerthal 2.3.26