Freitag, 10. Oktober 2025

Hochsensibel

Hochsensibel

Ist hohe Sensibilität eine Begabung
Die dankbar damit leben lässt oder 
Eher eine Behinderung mit der sich
Nur schwer unter Normalen sein lässt

Frage es mich der alles schnell auch
Persönlich nimmt und Dinge spürt die
Außer ihm vermutlich kein Mensch merkt 
Warum sie eigentlich egal sein könnten

Genau das aber nie sind für Menschen
Deren emotionale Welt zusammenbricht
Wenn sie sich falsch behandelt fühlen
Was da keiner sie versteht fast immer ist

Das Drahtseil extrem hoher Sensibilität
Ist immer zum zerreißen in mir gespannt
Vorsichtig balanciere ich durch das Leben
Was eine fremde Welt für mich stets bleibt

Sich nach den immer wieder Abstürzen
Noch einmal aufzuraffen um hoch in die
Kuppel des menschlichen Zirkus zu steigen
Kostet jedes mal größere Überwindung

Dies zu erkennen hilft mit dem real 
Existierenden Chaos zu leben was 
Eine Gnade wie eine Folter zugleich
Irgendwo dazwischen überlebe ich
Noch

jens tuengerthal 10.10.25

Lektürentagebuch 10.10.25

Lektürentagebuch 10.10.25

Schon in der Nacht mit dem Zauberberg 
Die Thomas Mann Tour nach Proust
Wieder begonnen und amüsiert über
Seinen Skikauf in Davos gelesen

Wie Hans Skier und Stöcke beim
Vermieter von Settembrini und Naphta
Unterstellen kann um nicht mit dem
Vermutlich illegalen Tun aufzufallen

Settembrini unterstützt diesem Drang
Nach gesunder Freiheit sehr deutlich
Begleitet ihn auch bei den allerersten 
Versuchen des Skifahrens noch weiter

Hans Castorp übt ganz ohne jeden
Sportlichen Ehrgeiz dabei nur um sich
Über dem Schnee fortbewegen zu können
Ähnelt dem Autor Thomas Mann dabei

Während der Ski-Urlaube welche die
Familien Hesse und Mann gerne auch
Gemeinsam verbrachten ging Hermann
Mit Katia und den Kindern Ski fahren

Während Thomas Mann lieber schrieb
Las oder das Geschehen beobachtete 
Was mir heute auch näher liegt der einst 
Sich auch auf den Brettern versuchte 

Denke daran wie ich einmal noch in der
Skischule die Bronzemedaille gewann
Vor meiner drei Monate älteren Cousine
Die bis heute viel besser fährt als ich je

Doch so ist es mit dem Sport eben der
Selten irgendwo gerecht ist dafür uns 
Großartige Gefühle bescheren kann die 
Besser keine Wiederholung erstreben 

Heute würde ich vermutlich wie Mann 
Im Haus bleiben und dichten während 
Die Cousine jedes Rennen leicht gewänne
Bei dem ich mir nur die Knochen bräche

Mann ist wieder allen gegenüber freundlich
Mit genügend Selbstironie geschrieben wie
Freundlich liebevoll auch gegenüber dem
Protagonisten auf dem Weg an Grenzen

Der eher durchschnittliche brave Patient
Hans Castorp sein Zuschauer und Freund
Settembrini erfüllen Klischees aber werden
Darin nicht meisterhaft noch vorgeführt

Thomas Mann fühlt mit seinen Figuren
Marcel Proust lässt sich zu ihnen herab 
Der eine ist auktorialer Erzähler mit Distanz 
Während Proust als Ich-Erzähler dabei ist

Trotz der kühlen Distanz die Mann wählt
Kommen seine Figuren menschlich näher
Auch ein Simplicius im Simplicissimus ist
Menschlich näher als Proust kommen lässt

Wie der Kaplan in Lázár von Marcel dabei
Sprechen kann als brächte die Lektüre der
Recherche irgendwen wirklich nah ist mir
So rätselhaft wie den Protagonisten dort

Mann ist ein lächelnd humorvoller Besuch
Bei alten Freunden trotz formaler Distanz
Die er als Erzähler wählt ist er ganz nah
Er ist liebevoll bemüht zu unterhalten

Proust dagegen hält ein wenig Hof um
Die einzig tragbare Sicht der Welt für
Seine Jünger zu verbreiten bleibt auch
Als Ich-Erzähler arrogant und distanziert

Beides hat sicher seinen eigenen Reiz
Doch berührt mich Mann mehr der 
Parallel leiden und lächeln lässt wie
Dies als Kultgeschichte referiert

Überlege dabei ob es den neutralen
Wie damit distanzierten Erzähler braucht 
Oder das gespielte Ich dies genauso kann
Damit die Geschichte ironisch rund wird


In Lázár von Nelio Biedermann geht der
Krieg immer weiter indem es Lajos später
Vorkam als hätte er die ganze Zeit nur
Gelesen was natürlich nicht stimmte

Als Offizier eines motorisierten Zuges
Wie für die Juden später zuständiger
Tat er genug auch anderes als nur
Zeitung voller Schrecken zu lesen

Wie das Horthy Regime sich zuerst 
Bei Hitler und den Deutschen noch
Anbiederte im Krieg gegen die noch
Überraschte Sowjetunion weiter auf

Landgewinne hoffte bis nach der
Schlacht von Stalingrad 200.000
Der Ungarn eingekreist wurden
Sie schnell das Lager wechselten

Als Lajos im November 1940 allein
In sein Haus nahe der Kaserne kommt
Einen Gedichtband auf seinem Tisch
Findet woher immer dieser kam 

Rührt das ihn der sonst nur die
Nachrichten vom Krieg las so
Dass ihm Tränen kamen und
Schnell legt er den Band weg

Die Kapitel 32 und 33 beschreiben dies 
Aus Sicht von Lajos und Pisto mit seiner
Unsterblichen Sehnsucht nach Matilda 
Während sein Vater sich im Krieg um 

Organisatorisches kümmerte wie etwa
Die Erfassung Kennzeichnung Entrechtung
Enteignung und Ghettoisierung der Juden
Nahm der Krieg seinen weiteren Lauf

Dies wird wie die immer wieder Andeutung
Lajos kümmerte sich um organisatorisches 
Kommentarlos hingeworfen was uns Leser
Auf fast perfide Art persönlich noch fesselt


Tony Buddenbrook genießt ausgelassen
Die Zeit an der See auf verschiedene Art
Doch immer wieder auch mit Morten auf
Ruderfahrten oder im Seetempel allein

Dort landen sie nach einer Wanderung
Die Küste entlang und Morten erklärt Tony
Warum er etwas gegen den Adel hat
Was er als Burschenschafter dazu denkt

Zeigt ihr sogar sein Band was er nur am
Studienort in Göttingen trug weil hier sein
Vater der Lotsenkommandeur Ärger sonst
Machte war er lieber vermeiden wollte

Erläutert Tony seine so revolutionären 
Gedanken von der Gleichheit aller und
Dass sie als Buddenbrook doch auch
Eine Adlige irgendwie schon sei

Dies durch die Vorrechte durch Geburt
Die er sogleich wieder relativiert für sie 
Die von Armgard von Schilling erzählt
Dem adeligen Landmädchen die so

Ganz anders und sehr freundlich sei
Worauf Morten vom Prinzip sprach was
Gelten müsste auch wenn natürlich
Einzelne Adelige sehr freundlich seien 

So geht das Geplauder weiter und Morten
Erklärt Tony die Welt und was sie dabei
Gerechterweise zu empfinden habe was
Heute schnell jedes Gespräch beendete

Doch für Tony erhöhte die Begeisterung
Mit der Morten von seiner Sache sprach
Die eigentlich geradezu revolutionär war
Noch ihre Begeisterung für Morten weiter

Ob darum die zeitgemäß politisch korrekte
Wie darum über so etwas empörte Frau
Glücklicher wird oder Tony mit ihrer so
Seligen Schwärmerei sei dahingestellt

Ein eleganter Hochgenuss war es wieder
Thomas Mann zu lesen der in Travemünde
Spielen lässt was bei Proust Balbec ist
Mit Kasino Strandvergnügen und mehr

Er lässt den Konsul der mit seinen beiden
Söhnen Thomas und Christian auch am
Wochenende Tony besuchen kommt voll
Freude bemerken wie diese sich erholt

Dann essen sie mit den anderen Familien
An der table d’hôte im Kurhaus aber beim
Kasino schaut der ehrwürdige Senator nur 
Neugierig zu ohne je selbst zu spielen

Buddenbrooks sind eben seriös machen
Nur des Tages solche Geschäfte dass sie
Des Nachts gut schlafen können wie es im
Wahlspruch der Familie dazu heißt

Dagegen scheinen die Gespräche mit
Dem revolutionären Morten schon
Aus einer ganz anderen Welt zu kommen
Die jeden nach seinem Verdienst belohnt 

Es variieren also Proust und Mann
Sowohl in den Buddenbrooks wie auch
Im Zauberberg zum gleichen Thema
Auf ganz unterschiedliche Art dabei

Auch Heinrich Mann variierte in seinem
Untertan den Abgesang einer Kultur nur
Eben auf verglichen schlichte Art die sich
Über den Protagonisten dabei lustig macht

Ob der Nobelpreis für Literatur wirklich
Der Maßstab guter Literatur immer ist
Mag sicher gestritten werden jedoch
Bei Thomas und Heinrich ist es deutlich

Herablassende Lästerei über eine Klasse
Die mehr politisch gefärbt klingen können
Amüsant gelegentlich sein doch große 
Literatur findet sich freundlich bei Thomas

Es ist immer eine Freude Mann zu lesen
Sein Blick auf die Welt ist auch wenn
Gerne ironisch immer noch liebevoll was
Die große Kunst zeigt die teilnimmt

Eine Karikatur ist ein netter Witz der
Mit dem nächsten Wind verweht ein
Klassisches Portrait bleibt ein Leben
Kann tiefer gehen als jede Fotografie

So verhält es sich auch in der Literatur
Wer sich über andere erhebt schafft nie
Echte Nähe zu seinen Protagonisten was
Zweifeln lässt ob ich je schreiben sollte

Doch ist die große Literatur auch eine
Schule des Lebens und spiegelt dieses
Auch ein Proust und ein Heinrich Mann
Haben ihre literarische Berechtigung

Nur reichen sie eben nicht an den 
So eleganten wie freundlich komischen
Thomas Mann jemals heran der seine 
Wahre Größe nebenbei uns offenbart

jens tuengerthal 10.10.25

Liebesbestand

Liebesbestand

Bleibende Liebe
Bleibt schönste Beständigkeit
Ganz theoretisch

Bestandsverwaltung
Ist selten eine gute
Liebeklärung

Dazwischen eine
Finden wollen scheitert meist
Schon an der Absicht

jens tuengerthal 10.10.25

Herbstwetter

Herbstwetter

Oktober zeigt sich
Beständig unbeständig
Schönstes Herbstwetter

jens tuengerthal 10.10.25

Keinpreisfeier

Keinpreisfeier 

Keinen Preis für Trump
Beim Friedensnobelpreis zu
Feiern ist Freude

jens tuengerthal 10.10.25

Wahre Lust

Wahre Lust

Gibt es die eine wahre Lust
Oder so viele verschiedene
Wie es Menschen gibt mit ganz
Unterschiedlichen Bedürfnissen 

Zwar treiben es nach der Natur
Alle Menschen relativ ähnlich
Was die bloße Technik betrifft
Fraglich ob dies das wahre ist

Am schönsten fand ich es immer
Wenn beide danach befriedigt wie
Glücklich zufrieden damit waren
Die Lust gemeinsam Erfüllung fand

Sich diese gegenseitig zu schenken
Dies zumindest dabei zu wollen
Statt nur miteinander zu onanieren 
Könnte der Schlüssel dazu sein

Frei von allem müssen oder sollen
Was ist genießen zu können scheint
Der beste Weg glücklich zu bleiben
Darüber reden hilft mehr als nur tun 

Im Wissen wie selten dieses Glück
Für viele noch immer ist könnte es
Helfen gemeinsam Wege zu suchen
Die alle am Ende glücklich machen

Dabei hilft es auch sich mit der
Wissenschaft dazu zu beschäftigen 
Um den anderen Körper zu verstehen
Was viele Missverständnisses beseitigt

Wahre Lust führt zu Zufriedenheit was
Auch ein geistiger Zustand ist der spürt
Es ist gut so und braucht nicht mehr
Wo dies fehlt hilft immer darüber reden

So könnte wahre Lust am Ende mehr
Am Umgang miteinander hängen wie 
Der Haltung zueinander als an nur
Stellungen und Techniken dabei

Früher hätte ich immer gesagt dass
Zusammen Kommen der Kern ist
Was ich heute relativieren würde 
Auf ein miteinander genießen

Wenn am Ende alle glücklich sind
War es gut egal auf welchem Weg 
Muss niemand bewerten was gut ist
Solange es alle dabei glücklich macht

Erlaubt ist alles was beiden gefällt
Sie so miteinander tun wollen was 
Ihnen den für sie wahren Genuss
Als Erfüllung damit schenkt

jens tuengerthal 10.10.25

Wahre Liebe

Wahre Liebe

Gibt es wahre Liebe wirklich
Oder ist sie nur ein schöner Traum
Den die Realität einer Beziehung
Ganz natürlich wieder erledigt

Können Sehnsucht nacheinander
Wunderbare Zeit miteinander
Wie große Lust aufeinander
Je im Alltag überleben

Ist es nicht normal irgendwann
Voneinander genervt zu sein 
Sich nach seiner Ruhe zu sehnen
Wie bisher alle Erfahrung zeigte

Ist wahre Liebe dann diese Krisen
Miteinander zu überstehen um das
Große Gefühl überleben zu lassen
Statt wieder allein zu bleiben

Habe keine Ahnung was wahre Liebe
In der gelebten Wirklichkeit sein soll
Frage mich nur ob es nicht besser ist
Nicht alles miteinander teilen zu wollen

Schöne Momente zusammen zu genießen
Einander immer Geliebte zu bleiben die
Sich auch liebevoll umeinander sorgen
Ohne enttäuschte Erwartungen im Alltag 

Vielleicht könnte weniger wollen die
Chance erhöhen mehr zu genießen
Weil keiner gleich enttäuscht alles
Für geplatzte Seifenblasen aufgibt

Vielleicht könnte Liebe wahrer werden
Wenn wir uns sein lassen wie wir sind
Statt unbedingt etwas zu wollen bis
Die Sehnsucht mehr zueinander zieht

Weniger den Traum von Liebe leben
Wollen dafür mehr genießen was in
Momenten miteinander ist und dann
Vollkommen zum Glück genügt

Nichts ist immer vollkommen aber
Für Momente glücklich zu sein
Könnte vollkommen genügen 
Damit zufrieden zu bleiben

jens tuengerthal 9.10.25

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Lektürentagebuch 9.10.25

Lektürentagebuch 9.10.25

Im nun 31. Kapitel von Lázár tauchte
Im Frühling 1940 Edmund Pontiller im
Waldschloss als Kaplan auf der als solcher
Seinen Gottesdienst dort versieht

Der Benediktiner schätzte insgeheim Marcel Proust wie dessen la recherche
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Noch höher als die Bibel war darum

Im ständigen Dialog mit Marcel den
Nie getroffen zu haben er zutiefst
Bedauerte weil er ihm gewiss näher
Stand als dieser proletarische Ire Joyce

Dieser neue Kaplan war auch noch ein
Begeisterter Naturforscher und nach dem
Verschwinden der kleinen Ilona der erste
Mensch der den Wald ohne Gewehr betrat

Lilly die Baronin bat ihn täglich zum Tee 
Kam er dann tatsächlich entspannte sich
Meist ein temporeiches Gespräch bei dem
Sie vom Krieg sprach und er über Marcel

Pista konnte Pontiller aus drei Gründen
Nicht leiden zuerst weil dieser ihn zwang 
Zweimal die Woche auf den harten
Bänken der Schlosskapelle zu sitzen 

Sodann weil dieser so sehr in das Leben
Verliebt war was ihm ohne seine Matilda
Die unerreichbar fern war absurd vorkam
Schließlich weil alle anderen ihn liebten 

So beschloss Pista den verdächtigen 
Kaplan genau zu beobachten was ihm
Aufregende Erfahrungen machen lässt
Mit dem traditionellen Geisterglauben

Dann kehren auch die Albträume von
Pista passend zum Thema zurück die
Er durch Beschattung des Kaplan so
Verdrängen wie diesen erkunden will


Auf die Schwärmerei von Pontiller für
Marcel den er stets vertraut auch beim 
Vornamen nennt folgt nun natürlich ein
Wenig Proust in la recherche wo es im

Zweiten Teil des Schatten junger 
Mädchenblüte an der Küste der
Normandie nun weitergeht solange
Proust für mich zu ertragen ist

Frage mich ob der junge Nelio Biedermann
Je la recherche ganz las an der ich nun
Seit 1995 mit Unterbrechungen lese was
Gute dreißig Jahre nun sind damit mehr

Als der junge Autor von Lázár alt ist
Auch wenn ich nie den Ehrgeiz hatte
Die verlorene Zeit schnell zu erledigen
Sind dreißig Jahre schon eine Epoche

War noch einen Moment bei Blochs die
Sich mit Geiz und Protzerei nur immer
Weiter blamieren was fast schon eine
Antisemitische Note hätte wäre Proust

Nicht aus der mütterlichen Linie selbst
Aus reicher jüdischer Bankiersfamilie 
Was dem Spott die rassistische Schärfe 
Nimmt aber nicht den feinen Humor

Das alles ist wie immer wunderbar fein
Mit genauem Blick für die sozialen Details
Beschrieben auch wenn sich später sein
Freund der Marquis de Saint-Loup dann

Als bekennender Republikaner entpuppt
Der seinen Kutscher auf Augenhöhe
Beschimpft weil Erhabenheit darüber eher
Den Klassendünkel des Adels zeigte

Diese feinen Beobachtungen wie auch
Brüskierung der üblichen Vorurteile sind
Dezenter Ausdruck einer Idealisierung
Auch wenn hier gedoppelt noch gut

Einmal im Gespräch mit Vater Bloch
Dem gerne groß tuenden jüdischen
Bankier sodann mit Francoise die
Sich als Monarchistin zu erkennen gibt

Proust führt alle Figuren auf dem glatten
Gesellschaftlichen Parkett vor und genießt
Ihre Blamage dabei ausgiebig um so mehr
Was zumindest eine feine Ironie zeigt

Doch ist der Ton von la recherche immer
Wieder auf eine unangenehme Art hier 
Herablassend besserwisserisch aus der
Sicht des Ich-Erzählers was unfein ist

Während ich bei Mann die Ironie noch
Liebevoll lächelnd genießen kann ist sie 
Bei Proust immer wieder schmerzvoll
Arrogant anders als er sich darstellt

Es sind feine kleine Nuancen die hier 
Den Ton eines Thomas Mann der klar
Seine Figuren liebt von Proust der sie
Sadistisch bloßstellt unterscheiden 

Neige hier deutlich eher Mann zu
Der heute oder morgen dringend
Wieder gelesen werden muss mir
Gefühlt viel näher als Proust ist

Kenne diese Gespräche mit und
Über den Adel von meiner Großmutter
Noch die alle natürlich persönlich kannte
Das aber völlig natürlich normal fand

Es ist eine literarische Gratwanderung
Hier den richtigen Ton zu treffen auch
In der spöttischen Ironie noch liebevoll
Bei seinen Figuren zu bleiben ist die Kunst

Thomas Mann beherrschte diese perfekt
Marcel Proust lässt dagegen die Narren
Sich selbst blamieren und macht sich
Dann noch mit Detailfreude darüber lustig

Um es kurz zu sagen der angeblich nur 
Verklemmte Schwule Thomas Mann hat
Mehr Menschenliebe immer als Proust der 
Böse Spötter der mit Vorurteilen spielt 

Dazu sollte ich später noch eine kleine
Exkursion durch drei Romane Manns
Machen den Unterschied zu zeigen es
Gibt gute Gründe Proust kritisch zu sehen

Auch wenn ohne Frage literarisch ganz
Meisterhaft mit auch viel Humor dabei
Doch leider menschlich unangenehm
Geradezu fies gegenüber seinen Figuren

Vielleicht ist das auch der Grund warum ich
Marcel nach einigen Seiten immer wieder
Für Wochen oder Monate angeekelt zur
Seite lege wer weiß ob dabei auch ertappt 

Es wird wohl wenn ich diese noch habe
Einige Jahrzehnte noch dauern bis ich
La recherche zu Ende las was mich aber
Nicht hindert vorher darüber zu schimpfen

jens tuengerthal 9.10.25

Realitätsverlust

Realitätsverlust

Irgendwann zwischen zwei Buchseiten
Habe ich den Bezug zur Realität verloren
Erst habe ich ihn noch wieder gesucht
Um normal weiterleben zu können 

Doch er war einmal verloren nirgendwo
Mehr aufzuspüren vielmehr schien mir
Die Wirklichkeit völlig abstrus die alles
Nur am Verkehrswert noch maß ohne 

Die Welten der Worte dahinter zu erkennen
Die kostbarere Paradiese Lesern öffnen
Als die nur Wirklichkeit je erreichen kann 
Was sollte ich noch mit grauer Realität

In Wirklichkeit herrschen Missgunst Krieg
Gewalt und Neid um Besitz der sich in 
Ständiger Konkurrenz ausdrückt die auch
Vor Büchern nicht haltmacht heute

Doch kann ich durch die Zeiten lesend
Dies erfolgreich ignorieren ohne noch
Etwas in destruktiver Wirklichkeit werden
Zu wollen da ich lieber literarisch genieße

Die Menschheit ist schlecht und meist
Ekelhaft miteinander dagegen bildet die
Welt der Literatur einen vollkommenen
Lebensraum für uns ab besser wird es nie 

Nach über 55 Jahren scheint mir in der 
Gerade Wirklichkeit der Realitätsverlust
Für literarische Welten noch als die aller
Vernünftigste meiner Entscheidungen

Der Realitätsverlust war kein Zufall der mir
Zuflog wie ein Virus sondern glich eher
Einer Befreiung aus dem Knast der Realität
Den ich gegen freie Buchwelten tauschte

jens tuengerthal 9.10.25

Literaturnobelpreisstille

Literaturnobelpreisstille

"Das Gute kann dem Bösen nie entkommen, weil es mit der Kluft zwischen Gut und Böse keinerlei Hoffnung gibt".

"Die Welt drehte sich einfach weiter, als wäre nichts Großartiges mit der Großen Reise und der Großen Entdeckung geschehen".

"Die gesamte Nacht Ende Oktober schlug mit einem einzigen Puls, ihrem eigenen seltsamen Rhythmus, durch Bäume und Regen und Schlamm auf eine Weise, die jenseits von Worten oder Visionen lag: eine Vision, die im schwachen Licht vorhanden war".

"Das gesamte menschliche Schicksal, das ununterbrochene menschliche Leben, das unaufhörliche Gefühl, dass alles auf ein einziges Ziel hinausläuft".

"Die Vorstellung, dass die Menschheit nichts ahnt, nichts von dieser großen Situation weiß und einfach normal weitermacht, als wäre nichts in dieser gottgeschenkten Welt passiert, ist das, was Gagarin nicht ertragen konnte".

"Wir sind bereits zerquetscht genug, um einer Literatur überdrüssig zu sein, die vorgibt, es gäbe einen ultimativen Sinn, und immer wieder einen ultimativen Sinn andeutet". 

László Krasznahorkai


László Krasznahorkai bekam diesmal
Den Literaturnobelpreis was gut ist
Weil es einen literarischen Autor
Auszeichnet nur auch politisch ist

Seinen düsteren Blick auf die Welt
Teile ich vielfältig auch wenn es 
In den letzten Romanen heller wurde
Wird er vermutlich spurlos vorbei segeln

Braucht eine düstere Welt gerade noch
Propheten ihrer Wirklichkeit oder wäre
Mehr Sehnsucht nach dem Schönen 
Nicht gerade noch viel nötiger

Er bekam den Preis was ihm gegönnt sei
Sicher auch verdient dazu ist wie eine
Überraschung statt vieler Kandidaten war
Also eine gute Wahl weiter im Text

jens tuengerthal 9.10.25

Prügelpolitik

Prügelpolitik

Politik schützt das Vermögen der Reichen
Erhebt keine Steuern bei denen die haben
Genehmigt sich noch höhere Diäten aber
Spart bei den Ärmsten die sie prügelt mit
Sanktionen in der Hoffnung so würde ihre
Selbstbedienung und Klientelpolitik weiter
Von dummen populistischen Wählern noch
Übersehen und sie würden dafür ihnen die
Stimme schenken statt rechten Populisten
Diese Konkurrenz bleibt weiter tödlich
Fraglich nur wer zuerst stirbt

jens tuengerthal 9.10.25

Liebestraum

Liebestraum

Von Liebe träumen
Wäre mal wieder traumhaft
Denk ich und tu es

jens tuengerthal 9.10.25

Lustvoll

Lustvoll

Leben voller Lust
Täglich genießen ist wohl
Alles was uns blieb

jens tuengerthal 9.10.25

Ekelhaft

Ekelhaft

Ekel verhaften
Um ohne alles Grauen
Künftig zu leben

jens tuengerthal 9.10.25

Liebesglaube

Liebesglaube

Sie wollte noch an die Liebe glauben
Schrieb mir eine gerade deren Glaube
Für mich nicht völlig irrelevant ist aber
Was heißt an die Liebe glauben noch

Beweisbar ist in der Liebe nichts
Alle Eide auf ewige Liebe hatten 
Bisher nur beschränkte Gültigkeit
Dafür waren die Folgen schmerzvoll

Die Erfahrung lehrte je mehr ich
An die Liebe glaubte desto größer 
War der Schmerz nach ihrem Ende
Alle Vernunft Sprachen spricht dagegen

Weiter an die Liebe zu glauben wenn ich
Künftig Schmerz vermeiden will fraglich
Nur was bleibt vom ihr noch ohne den
Glauben an sie übrig als nichts mehr

Liebe ist nie mehr als Glaube an ein
Gefühl das eigene wie das der anderen
Mit allen Risiken infolge warum es ohne
Diesen keine geben kann was schade wäre

Die Vernunft hilft beim Gefühl so wenig 
Wie Erfahrung etwas lehrt weil gefühlt
Jede Liebe immer ganz anders ist auch
Wem wir immer wieder das gleiche tun

So muss ich wohl auch an die Liebe
Glauben wenn ich sie je erfahren will 
Auch gegen alle Vernunft und Erfahrung
Scheint es am vernünftigen vielleicht
Doch noch Liebe erfühlen zu können 

jens tuengerthal 9.10.25

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Lektürentagebuch 8.10.25

Lektürentagebuch 8.10.25

In Lázár von Nelio Biedermann über den
Kriegsbeginn gelesen von dem Lilly nackt 
Im Bad erfährt als sie sich noch die Beine 
Eincremte und Lajos mit der Zeitung kam

Natürlich findet sie es dann unpassend
Nackt zu sein obwohl gerade Krieg ist
Der mit dem Einmarsch nach Polen
Am 1. September 1939 begonnen hatte

Da Lajos ihr gerade meldet dass nun
England Deutschland den Krieg erklärte
Wird es nach dem 3. September 1939
Gewesen sein vielleicht sogar dieser

So hatte Lajos ein Radio und musste
Nicht länger wie sein Vater noch im
Waldschlösschen auf die Zeitungen
Aus Budapest waren er erfuhr es live

Danach ändert sich das Leben etwas
Zunächst nur dadurch bemerkt dass
Der Vater ständig Radio hörte oder
Zeitung las statt seine Arbeit zu erledigen

Mutter Lilly dagegen ermahnte die Kinder
Wenn sie sich stritten dass all dies doch
Im Krieg nun unwichtig sei oder fand
Den Regen passend zur Weltlage

Irgendwann musste sich Lajos melden 
Seinen Dienst als Offizier tun und die
Familie sollte kurzzeitig in ein Haus nah
Der Kaserne in Pécs ziehen was für Pista 

Wie seine Träume von Matilda ein herber
Schlag war wären sie doch sonst in schon
Zwei Wochen wieder nach Budapest
Gezogen was nun erstmal ausfiel 

Die Bedrohung durch die Russen welche
Nun direkt an der Grenze standen schien 
Pista weniger schlimm als die Vorstellung
Nun nirgendwo Matilda wiederzusehen


Passend zum beginnenden Krieg nun
Noch ein Kapitel in Grimmelshausens
Abenteuerlichen Simplicissimus gelesen
Wie dieser sich reich mit Gold bepackt

Vom Bauern der vorbei kam und sie
Angeblich vor dem Korporal mit den 
Sechs Mann warnen wollte lässt er
Sich nach vorheriger Drohung ihn 

Wie die anderen sieben umzubringen 
Von diesem bist nach Villingen führen
Was dieser gehorsam tat worauf sich
Simplicius dort über den Torwächter 

Beim Stadtkommandanten melden ließ
Von dem er im Tausch gegen sein 
Schwert von dem er ganz  sagenhafte 
Heldengeschichten erzählte einem Pass

Schließlich bekam mit dem er endlich
Weiter zu seiner Frau nach Lippstadt
Reisen könnte wozu er Gold genug 
Vom getöteten Kameraden hatte

Als Simplicius am Abend in der Stadt
Beim Wirt großzügig speist kam ein 
Armer verlauster Bettler der zuerst
An der Tür abgewiesen werden soll

Nachdem Simplicius sich für den Armen
Stark gemacht hatte kam dieser auch
Bettelnd zu ihm dann erkannte er dort
Seinen Herzbruder und sie feierten 

Diesen zu suchen hatte er sich ja nach
Villingen überhaupt führen lassen was
Zum umgekehrt guten Ende nach allem
Chaos im Wiedersehen nun führte

Der Simplicissimus mit seinen teils
Moralischen teils ironisch komischen
Geschichten gibt ein gutes Gefühl für
Den Dreißigjährigen Krieg wie das Leben

Neben und mit diesem in rauen Zeiten
Wie Unrecht gelegentlich doch lohnt
Einen besseren Weg noch zu finden
Wie oft dann der Zufall alles verändert


Von Wolf von Niebelschütz in seinem
Geisterfrühstück über Verse mit denen
Du lebst auch wenn er ‘man’ schrieb 
Wird das hier wie immer  ignoriert

Die Poesie sei ein Zustand des Geistes
Der uns bewusst wird wenn wir das
Fünfzehnte Lebensjahr erreichen weil wir
Da anfingen in Gesellschaft zu gehen

Dann meint Niebelschütz stellten sie uns
Den Damen vor und wir verliebten uns zu
Früh meist noch und schnell kämen dann
Die ersten Katastrophen des Gefühls 

Irgendwann würden wir merken dass ein
Verhältnis was nur auf melancholischer
Sehnsucht des Jünglings aufbaut nicht
Von Dauer sein kann falls wir es merken

Hinterher scheint uns die Herrlichkeit 
Mit der wir die erste Geliebte priesen
Eher etwas viel und wir vermissen das
Erste Entzücken was sie auslöste

Auf die erste die für immer schien 
Folgt irgendwann die nächste die uns
Völlig verzaubern kann und jede auf
Ihre Art des Menschlichen übertreibt

Dazu zählt Niebelschütz verschiedene
Beispiele folgender Enttäuschungen auf
Bis wir merken dass keine dem Ideal
Entspricht auch wenn jede wunderbar

Plaudernd erzählt der Autor wie manche
Dichter ihm zeitweise nah und alles waren
Später viel ferner lagen vielleicht im Alter
In Erinnerung dann wiederkommen

Wie er die Lyrik lieben lernte und sie zu
Seiner dauerhaftesten Liebe wurde der
Er sich unter Beifall aller neun Musen
Dann endlich vermählte um mit ihr

Kinder zu zeugen die er noch immer
Mit dem Feuer der Jugend liebt die sein
Ganzes Denken beherrsche und da sie in 
Versen spricht hätten ihre Worte Ewigkeit 

So fallen ihm egal wo er gerade ist
Diese Worte sind von 1942 also aus
Dem Krieg in dem er Soldat war und
Berichterstatter Verse ein die Heimat sind

Beeindruckend ist der Stammbaum seiner
Liebsten deren Vater der Gott der Träume
Die Mutter die Liebe selbst mit einer nicht
Endenden Reihe großer Ahnen 

Das Unglück zu vollenden wie er anmerkt
Ist ihre Schwester die Musik die genauso
Verführerisch ihm scheint so manche der
Verse für immer in ihm klingen lässt

So blieb die Poesie für immer seine große
Liebe die alle vorigen Abenteuer erledigte 
Wie dankbar glücklich er mit ihr wurde die
Nicht eifersüchtig auf ihre Schwester ist 

Ein Prosatext der mit liebevoll lyrischen
Bildern eine Ode an die Lyrik ist die er
Wunderbar kitschig Poesie nennt was
Perfekt zu dieser großen Liebe passt. 

jens tuengerthal 8.10.25